Abschied von Sr. M. Siegfrieda...

Vor einer Woche war sie noch unter uns, unsere Schwester M. Siegfrieda. In den letzten Monaten musste sie mit einer rasant fortschreitenden Demenz leben, eine Krankheit, die sie verändert, vielleicht auch das Tiefste in ihr ans Licht gebracht hat. Wie oft haben wir über ihre spontanen Antworten und Sprüche gelacht. Rheinischer Humor lag auf ihrer Zunge. Originell war Schwester M. Siegfrieda, und sie verwöhnte uns Tag für Tag mit einer großen, vornehmen Liebenswürdigkeit. Immer blieb sie hilfsbereit und zuvorkommend, auch dann, als ihr Geist Zeit und Wege nicht mehr ordnen konnte. 

Sie blieb die umsorgende Krankenschwester, längst nach der Zeit im Krankenhaus in Remscheid.

Schwester M. Siegfrieda, Anni, ist 1937 als älteste Tochter der Familie Hubert und Katharina Warmsbach-Häseling in Bonn Bornheim geboren. Mit sieben Geschwistern wuchs sie auf, eine Schwester starb kurz nach ihrer Geburt. Nach der Volksschule in Bornheim und später in Wesseling, während der Jahre des Krieges erhielt Anni Privat-Unterricht, kam sie bereits mit 15 Jahren für zwei Jahre nach Oberhausen, um dort im Vincenzhaus die Hauswirtschaft zu lernen. 

Seit ihrer Schulzeit wuchs in Anni der Wunsch nach einem Leben als Ordensfrau. Auf einem Fragebogen, den sie zum Eintritt 1956 auszufüllen hatte, finden wir ihre Beweggründe, diesen Weg zu gehen: „GOTT zu ehren und den Menschen zu dienen um Gottes willen.“ In der Referenz, die ihr Heimatpastor ihr gab, wünscht er Anni, „dass sie in ihrem Lebensziel glücklich wird“.

„Charakterfest“ steht im Arztzeugnis, das sie zur Aufnahme in die Gemeinschaft mitzubringen hatte. 

Schwester M. Siegfrieda wusste, was sie wollte, was auch in ihrer dementiellen Veränderung erfahrbar blieb. Sie hatte ihren festen Rhythmus, und sie ließ sich nicht gerne ihre Vorhaben durchkreuzen. Sie hatte ihren festen Platz im Gebet und auch bei den Mahlzeiten, den sie sich nicht gerne nehmen ließ. Erstaunlich für uns war, dass sie sich in den letzten Wochen selbstverständlich helfen ließ, und für jede Unterstützung war sie dankbar.

Am 08. September 1958 legte Schwester M. Siegfrieda ihre Erste Profess ab, 1962 ihre Ewige Profess. Als Juniorin begann sie die Ausbildung zur Krankenschwester in Wuppertal, die sie 1961 abschloss. Bis 1965 lebte Schwester M. Siegfrieda im St. Marienheim in Wuppertal. Eine Versetzung brachte sie nach Remscheid in die Fabriciusklinik. Hier beginnen ihre langen Jahre in der Krankenpflege, auch als Stationsleitung und Subpriorin.

Nach der Auflösung des Konventes in Remscheid 2007 kam sie ins Mutterhaus und übernahm dort Dienste in unserem Gästehaus, bis die Demenz ihr diese Aufgabe unmöglich machte. Wie oft ist sie nachts aufgestanden, ohne Klage und Murren, wenn die Schelle ging und Gäste nach ihr verlangten. Es war ihr Verdienst, dass frische Blumen die Räume wohnlich machten. 

Helfen und für jemanden da sein dürfen, war ihr Leben. Diese Haltung hat sie früh gelernt. In ihrer Akte findet sich ein Brief ihres Vaters, in dem er 1951 die Schulleitung bat, seine älteste Tochter zu beurlauben, da er selber finanziell nicht in der Lage war, der Mutter eine Hilfe bei der Betreuung der acht Kinder an die Seite zu geben. Anni wurde gebraucht. Ihre Familie blieb Schwester M. Siegfrieda lebenslang eine große Sorge.

Schwester M. Siegfrieda bleibt uns vertraut mit ihrer Standfestigkeit, die von einem unvergleichlichen Humor durchzogen war und der nicht wenigen Gästen in Kloster Arenberg eine Infusion der Freude wurde.

 

Jetzt und ewig darf sie teilhaben an der Freude GOTTES.

In GOTT hat sie nun für immer ihren festen Platz.

(Foto: Joanna Vortmann)

Jetzt ist Sense!

Anfang Juni waren es tatsächlich 14 Jahre, dass ich meinen Weg in unserer Gemeinschaft begonnen habe. Und eines stelle ich nach wie vor staunend fest: Im Kloster kann frau so ziemlich alles erleben - außer Langeweile! 

Am vergangenen Wochenende zum Beispiel machte ich mich zusammen mit unserem Schöpfungsbeauftragten Albrecht Ruech und Sr. Monika Maria am frühen Morgen auf den Weg nach Flörsheim, um dort an einem Sensenkurs teilzunehmen. Was sich zunächst vielleicht anhört wie eine verrückte Flause, hat natürlich einen tieferen Sinn. In Kloster Arenberg bemühen wir uns schon seit Jahren darum, auf unserem Gelände der Natur ihren Lauf zu lassen, die Arten zu schützen und möglichst wenig invasiv einzugreifen. Und da unsere Streuobstwiesen ein kleines Paradies für Insekten aller Art sind, wollen wir es daher auch so weit es geht vermeiden, deren Leben durch Verwendung von Rasenmähern ein jähes Ende  zu setzen. Also wurde auf Initiative unseres Geschäftsführers Herr Grunau bereits vor einigen Jahren unser Gärtnerteam und die FÖJler an der Sense geschult, und nun auch noch weitere Freiwillige, die sie künftig bei der Arbeit unterstützen wollen. Um es kurz zu machen: Ich bin maximal begeistert! Nicht nur von unserem Sensenlehrer Hartmut Winkels, der uns mit Engelsgeduld und unglaublicher Fachkompetenz jeden einzelnen Handgriff beibrachte (ja, meine Gliedmaßen sind noch dran und ganz und gar unversehrt!), sondern auch von der Tatsache, dass man durch diese alte Kunst sowohl einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz als auch zur eigenen leiblich-seelischen Gesundheit leisten kann. Denn mal ehrlich: Am Morgen im Frühtau mit meditativem Sensen in den Tag zu starten, um dann nachmittags beim Dengeln alle Aggressionen rauszulassen, das hat bei aller Anstrengung auch großen Erholungswert! Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass mir die Möglichkeit zur Teilnahme geschenkt wurde, und freue mich schon jetzt darauf, ganz bald regelmäßig mit der Sense durch unsere Wiesen zu streifen (ACHTUNG, liebe Gäste von Kloster Arenberg ;-)))) 

Sensenfrau Sr. M. Ursula

Weiter fahren

In diesem Sommer entdecke ich die Freude daran, einfach mal etwas weiter mit dem Fahrrad zu fahren.

Von meiner Radtour im Rahmen der Exerzitien habe ich ja bereits berichtet, am letzten Samstag dann stand das nächste Abenteuer auf dem Programm: Eigentlich war ich angemeldet zur R2NSC, einer Tour von Duisburg nach Bensersiel an einem Tag, was natürlich wegen Corona ausfallen musste. Trotzdem fand sich eine kleine Truppe von fünf Leuten, die Lust hatte, diesen langen Samstag zum Fahren zu nutzen. Und so starteten wir am Samstag um 5.30 Uhr in Oberhausen mit dem Ziel, spätestens um 18.53 Uhr in Leer am Bahnhof anzukommen, um dort den Zug nach Hause zu nehmen. Klingt ein bisschen bescheuert, war aber großartig!
Das Wetter war sehr angenehm zum Fahren, die Strecke flach, der Gegenwind als Gruppe handhabbar. Überhaupt, in einer Gruppe zu fahren, die das gleiche (hohe) Tempo fahren konnte, war eine tolle Erfahrung. Wenn jemand das Tempo vorgibt, so meine Erfahrung, kann ich auf einmal auch einen Schnitt von 25 km/h fahren... Natürlich bedeutet eine Gruppe auch, dass Pausen nach Absprache gemacht werden und ich manchmal doch froh gewesen wäre, wenn da eine Ampel aufgetaucht wäre, weil ich nicht die Königen darin bin, beim Fahren zu essen und zu trinken. Ich bin glücklicherweise trotzdem nicht vom Fleisch gefallen. Denn die Gruppe bedeutet auch, denjenigen mitzuziehen, der vielleicht gerade nicht mehr kann, so dass wir am Ende alle gemeinsam in Leer angekommen sind. Leider erst um 18.35 Uhr, so dass für ein Eis keine Zeit mehr war. 

Dafür gab es mal wieder schöne Begegnungen, so bei Kilometer 200, als ich bei unserer Pause riesige Lust auf Gummibärchen verspürte, aber keine dabei hatte. Einen Laden gab es in dem Dorf leider nicht. Also sprach ich zwei Männer an, die im Garten arbeiteten, ob sie vielleicht eine Tüte Gummibärchen hätten und ob sie mir evtl. eine verkaufen könnten. Darauf einer der beiden: "Ich muss mal gucken, was wir noch da haben, wir haben gestern eine Tüte aufgemacht." Am Ende kam er mit einem ganzen Arm voller Gummizeug zurück, von denen er mir sogar zwei Tüten schenkte. Und wer wollte, konnte seine Wasserflaschen auffüllen. Großartig!

Zwischendurch trafen wir immer wieder auch Vater und Sohn, die mit ihren Mountainbikes aus von Bochum aufgebrochen waren, um die gleiche Route zu fahren, allerdings bis nach Bensersiel.
Und da ich in den frühen Morgenstunden noch davon träumte, dass uns die Menschen am Straßenrand zugejubelt hätten, hätte die eigentliche Tour stattgefunden, stellten wir uns einmal an den Straßenrand und jubelten der Radgruppe zu, die an uns vorbei fuhr.

So war es wirklich ein großartiger Tag und eine tolle Erfahrung von Gemeinschaft, Aktivität, Landschaft und der Großartigkeit des Lebens.

Einziger kleiner Wermutstropfen ist die Tatsache, dass wir durch Eichenprozessionsspinnergebiete fuhren und davon mehr oder weniger betroffen sind, so dass wir jetzt mit unterschiedliche starkem Ausschlag zu tun haben. Bleibt zu hoffen, dass der bald abheilt.

Sr. Kerstin-Marie

Neues aus Bolivien

Sr. Rosa Maria schreibt uns am 7. Juni aus Santa Cruz:

Wir haben Sur (Südwind, Temperatur sinkt bis auf 5° C), mit Regen, seit Tagen. Es ist sehr kalt. Das lässt die Leute den Hunger noch mehr spüren. Ich war heute früh auf der Bank, um das Gehalt für die Lehrer abzuholen. Dann fuhr ich in drei Barrios. 

Heute Nachmittag musste ich noch einmal raus. Dona Paty bat um Hilfe. All ihre Töchter mit den vielen Enkelkindern wohnen rund um ihr Haus (angebaute Zimmer, durch Holzwände getrennt). Allen ging es schlecht und sie hatten nichts zu essen. So fuhr ich hin und nahm Hilfe mit. Da sagte sie mir, dass es ihrer Schwiegertochter Tereza sehr schlecht ginge und bat, ob ich nicht einen Arzt bewegen könne, in ihr Haus zu kommen. Ich ging auf die Suche, fand aber keinen. Als ich wieder zurückkam, starb Dona Tereza. Sie hatte keine Widerstandskraft mehr. Es war sehr sehr hart. Und es sind so viele im Haus. Es gelang ihnen nicht, einen Covid 19-Test zu machen. Aber sie hatte alle Symptome von Corona.

Ich ließ Lebensmittel da und etwas Geld. Dann fuhr ich noch zu andern Familien, die viele Kinder haben, um ihnen etwas zu essen zu bringen. Man hatte mir Kekse geschenkt, die hinterließ ich für die Kinder.

Es ist so kalt, und es hört seit Tagen nicht auf zu regnen. Ich muss herausfahren, weil ich weiß, dass viele Familien mit Kindern nichts zu essen haben, besonders schlimm ist, dass einige „ollas“ (Kochstationen in den Barrios) nicht mehr arbeiten. Ich habe sie angefleht, und sie haben mit versprochen, weiterzumachen. 

Ich kann ihnen gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass ich vom Mutterhaus und von vielen Menschen in Deutschland in jeder Weise so viel Unterstützung bekomme. Danke, auch für das Gebet.

Es ist schlimm. Kein Arzt kommt hierher, und es gibt keine Tests. Die Krankenhäuser kollabieren. Sie nehmen überhaupt den Telefonhörer nicht mehr ab. Bringt man einen Schwerstkranken, dann steht vor dem Krankhaus schon eine Schlange  von Schwerkranken, und man muss meistens den Angehörigen wieder mit nach Hause nehmen. 

Es sterben sehr viele Menschen in den Barrios, auch junge. Aber keiner hat genau festgestellt, woran. Die Symptome sind eigentlich eindeutig. Schlimm ist, dass ja meist viele Menschen zusammen in einem Zimmer leben. Der Kranke kann gar nicht isoliert werden. Und der Tote ist dann  auch noch bis zur Beerdigung da. Sarg, Beerdigung…alles ist ein großes Problem, ein sehr tiefes Leid. 


ein kleines Wunder...

...für uns ist es immer noch unfassbar, aber wir haben es tatsächlich geschafft: mehr als 1000 Abonnenten konnten wir mit vereinten Kräften innerhalb der letzten 24 Stunden gewinnen, so dass wir heute Abend live aus dem Mariensaal senden können! Christina Brudereck, die unserer Gemeinschaft sehr verbunden ist, hat sich im Sommer 2018 mehrere Monate auf den Arenberg zurückgezogen, um diesen Roman zu schreiben. „Die Teetrinkerin“ erzählt Yashi Bhandaris Reise von den südindischen Bergen nach New York, von den Teeplantagen zu den Vereinten Nationen, von einzelnen Menschenrechtsverletzungen zu einer weltweiten Kampagne für faire Mode, von den Erwartungen anderer zur eigenen Stimme. Sie weiß vom Druck der Verantwortung und von der Kraft der Güte. Die Liebe zu ihren Idealen, zu ihren Lieben, ihrer Heimat und zu sich selbst geraten in Konflikt, lassen Yashi am Ende aber ihren Weg finden.

Wir wünschen Ihnen und Euch viel Freude und Inspiration beim Zuschauen!

Sr. M. Ursula

 

Abonnenten gesucht!

In den letzten Wochen haben wir uns auf dem Arenberg ziemlich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie wir in Zeiten von Corona unsere Gäste und Freunde auch inhaltlich weiter mitnehmen können, wo so viele Begegnungen verwehrt waren und Veranstaltungen ausfallen mussten. U.a. haben wir entschieden, unsere Klosterforen nach Rücksprache mit den Referenten jeweils live auf YouTube zu veröffentlichen. 

Gesagt, getan, und ich war damit beauftragt, mich um das technische Equipment zu kümmern, damit der Ton stimmt, das Internet läuft, und die Videoqualität nicht daherkommt, als würden wir aus dem All senden. Nun sind wir bestens ausgerüstet und zu allem bereit, doch OH SCHRECK, als ich einen Testlauf für den morgigen Livestream starten wollte, sagte mir meine YouTube-App, dass ein Live-Übertragung über ein Mobilgerät erst möglich ist, wenn der Kanal mindestens 1000 Abonnenten hat. 

O.k. aber so schnell gebe ich natürlich nicht auf, und wozu hat man denn eine Online-Community?? Also liebe Leute, falls Ihr uns (und am Ende auch Euch selbst) einen großen Gefallen tun möchtet, dann abonniert doch bitte innerhalb der nächsten 24 Stunden mal unseren Kloster-Arenberg-Youtube-Kanal. Gerade (Stand 13.00 Uhr) sind es 105 Abonnenten, wir brauchen also bis morgen nur noch 895 - das müsste doch zu machen sein, oder?
Im Voraus danke ich schon einmal sehr herzlich für alle Unterstützung und überhaupt alle Verbundenheit, über die ich mich immer so sehr freue! Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns morgen Abend schon LIVE :-)))

Also bitte: klickt und teilt, was das Zeug hält: https://www.youtube.com/user/KlosterArenberg?fbclid=IwAR1GgEICpfl79K8HURSZ_AO2uzvmBUCt1AD-je-KDhcBePEI_SirciGjLGE

Sr. M. Ursula

Exerzitien in Corona-Zeiten

Der Heilige Geist führt durch die Exerzitien wie das Radknotenpunktsystem durch die Landschaft.
Der Heilige Geist führt durch die Exerzitien wie das Radknotenpunktsystem durch die Landschaft.

Wie jedes Jahr, seitdem ich im Kloster bin, hatte ich auch in diesem Jahr geplant, in der Osterzeit für eine gute Woche für meine Exerzitien nach Ilanz zu fahren. Alles sollte wie immer sein, der gleiche Ort, das gleiche Haus, die gleiche Begleiterin, viele gleiche Teilnehmerinnen in der Exerzitiengruppe.

Doch als es mit Corona so richtig los ging, schwante mir schon, dass das so wahrscheinlich eher nichts würde, denn Ilanz liegt ja leider nicht gerade um die Ecke und die Grenzen wurden ja recht bald geschlossen. Außerdem war ja auch fraglich, ob das Haus der Begegnung der Ilanzer Dominikanerinnen im Mai überhaupt Gäste hätte aufnehmen können, ob dann unser Kurs stattfinden würde,... Aber weil ich finde, dass die Exerzitien die wichtigste Zeit im Jahr sind, wollte ich sie auch nicht einfach ausfallen lassen. Also verschieben? Aber auf wann? Und würde es dann klappen? 

Vielleicht gab mir aber der Heilige Geist aber auch schon lange vor den Exerzitien den Gedanken ins Herz, dass in digitalen Zeiten auch die Exerzitien digital möglich sein müssten. In den letzten Wochen haben wir uns ja alle immerzu online getroffen, warum sollte das also nicht mit Sr. Sabine, meiner Exerzitienbegleiterin möglich sein? Nur hier in Oberhausen, das war so mein Eindruck, würde ich nicht so richtig in den Exerzitienmodus finden, weswegen ich nach einem anderen Ort Ausschau hielt. Deswegen fragte ich bei Schwestern im Münsterland an: Dorthin könnte ich ohne Probleme mit dem Fahrrad fahren und könnte es so vermeiden, mit dem Zug zu fahren. Da die meisten Gemeinschaften viele Schwestern der Risikogruppe haben, ging ich davon aus, dass sie so abgeschottet leben, wie wir es in den letzten Wochen hier im Altenheim waren, also wäre das der perfekte Ort für mich. Aber genau dieses Argument bedeutete für die Gemeinschaften, die ich fragte, dass sie mich nicht aufnehmen könnten, eben weil sie selber auch sehr darauf achteten, sich das Virus nicht ins Haus zu holen. Sehr verständlich.
Also blieb nur noch mein Joker: Mein Ferienparadies Vechta. Mit 200 Kilometern Entfernung nicht unbedingt eine Radeldistanz, aber machbar, gleichzeitig ein guter Ort, den ich ja eh sehr mag und ein Konvent, der mir WLAN für das tägliche Onlinetreffen mit Sr. Sabine bot, Wald zum Spazierengehen, menschenleere Gegend, um am Abend oder am Vormittag noch eine Runde mit dem Rad zu drehen sowie alle Freiheiten, um meine Meditations- und Gebetszeiten ganz nach meinem Sinn zu gestalten.
Und so radelte ich also am 18. Mai morgens um 5 Uhr los und hatte mit ordentlich Rückenwind den besten Start in die Exerzitien, den ich mir in diesen merkwürdigen Zeiten vorstellen konnte. Alleine Fahrrad zu fahren sortierte meine Gedanken schon sehr gut, zu erleben, dass ich es tatsächlich schaffe, 200 Kilometer am Stück Fahrrad zu fahren, beflügelte mich und der herzliche Empfang in Vechta war eine besonders schöne Eröffnung der Exerzitien. 

Im Laufe der Woche stellte sich heraus, dass ich wirklich einen sehr guten Ort für meine Exerzitien gefunden hatte und ich dank meiner Erfahrung aus Ilanz auch direkt in meinen gewohnten Exerzitienrhythmus kam: für meine drei Meditationszeiten am Tag fand ich wunderbare Orte im Haus, in den täglichen Treffen mit Sr. Sabine bekam ich die richtigen Impulse zur richtigen Stelle, das gemeinsame Gebet mit den Brüdern bildete einen guten Rahmen, die Konventskatze Gin konnte meine Zuneigung aufnehmen und die Möglichkeit, dann noch aufs Rad zu steigen, rundete alles ab. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn die Exerzitien noch etwas länger gedauert hätten und ich noch weiter hätte eintauchen können in das Wort Gottes und seine Botschaft an mich. Aber auch so bewegte mich der Heilige Geist und schenkte mir gute Impulse und Klarheit.

Dass das nicht immer für alle Lebensbereiche gilt, merkte ich jedoch auf der Rückfahrt: Um einen sanften Hügel zu vermeiden, hatte ich beschlossen "unten rum" zurück nach Oberhausen zu fahren. Leider hatte ich bei der Planung nicht so richtig bedacht, dass das bedeuten würde, dass mich stattdessen die Dammer Berge und der Teutoburger Wald erwarten würden. Und so war ich eigentlich in Münster schon gar und hätte nichts dagegen gehabt, wenn das das Ende meiner Radtour gewesen wäre. Aber ein Eis in Lüdinghausen und leckere Kürbissuppe zu Hause brachten mich auch durch die zweite Hälfte der Strecke, so dass ich am Ende sagen kann, dass ich extrem glücklich bin, über dieses großartige Erlebnis "Exerzitien in Corona-Zeiten". 

Ganz herzlich bedanke ich mich bei den Mitbrüdern in Vechta, die mich aufgenommen haben und natürlich bei Sr. Sabine Lustenberger, die mich schon seit vielen Jahren begleitet und sich in diesem Jahr auf das Onlineexperiment eingelassen hat. 

Sr. Kerstin-Marie

auf einen Cappu...

...in Zeiten von Corona gerne auch mit Eierlikörchen ;-)
...in Zeiten von Corona gerne auch mit Eierlikörchen ;-)

Das hat Freude gemacht! Nachdem Mirko und ich vor einigen Wochen über Zoom eine Lesung aus unseren ZweiSichten angeboten hatten, war uns klar, dass wir beide Lust haben, noch weitere Online-Angebote zu gestalten. Und so kam plötzlich die Idee auf, einfach nochmal virtuell das Setting nachzubauen, das vor ein paar Jahren den Nährboden für unser Buch geliefert hat: gute Gespräche bei einer Tasse Cappuccino im Klostercafé. Gesagt getan, als Startschuss haben wir heute Abend zum ersten Mal über unsere Facebook-Accounts zu einem Zoom-Meeting eingeladen, in dem wir beide über das Thema „Wahrheit“ geplaudert haben. Und wir haben es als unglaublich bereichernd erlebt, dass unsere ZweiSichten diesmal durch spannende Diskussionsbeiträge noch einmal aufgebrochen worden und mit ganz anderen Sichtweisen in Berührung gekommen sind. Nach dieser Erfahrung steht für uns fest, dass wir dieses Format in Zukunft regelmäßig anbieten werden. Alle, die live dabei sein möchten und nicht über Facebook mit uns vernetzt sind, können gerne eine Mail an kloster.arenberg@gmail.com schreiben, dann werden Sie über zukünftige Meetings informiert und bekommen per Mail einen Zugangslink. Dabei sein kann man einfach ganz still und leise als ZuhörerIn, sehr gerne aber auch aktiv... Und wenn jemand da draußen noch Ideen, Themenwünsche und / oder Verbesserungsmöglichkeiten hat, sind wir natürlich jederzeit offen für Anregungen :-) 
Nun aber sage ich erst einmal gute Nacht und wünsche allen einen gesegneten Sonntag!
Sr. M. Ursula

Gemeinsame Kochtöpfe

Mittlerweile unterstützt Schwester Rosa Maria, Regionlapriorin unserer Kongregation in Bolivien, mit ihren Schwestern und den Nachbarschaftsteams täglich 1500 Familien in neun Armenvierteln der Stadt Santa Cruz. Sie hat bereits in der Vergangenheit durch ihren unermüdlichen Einsatz für Kinder und Jugendliche die Auszeichnung „boliviana de oro“ erhalten: die goldene Bolivianerin.

Ollas communes – gemeinsame Töpfe: unsere Schwestern verteilen mit ihren Gruppen Lebensmittel an die Familien. Nicht nur in Santa Cruz, sondern auch in Comarapa und in Saipina. 

Sie bringen sie selbst in die Barrios, auch dorthin, wo keine Straßen mehr die Familien erreichen.

Die Nachbarschaftshilfe ist groß. Jeder gibt, was er hat: Reis, Kartoffeln, Gemüse. Mit dem, was unter Mühe mit unserer finanziellen Hilfe aus Deutschland eingekauft und besorgt werden kann, wird im gemeinsamen Topf gekocht und dann an die Bedürftigen verteilt. 

So wünscht sich Papst Franziskus die Kirche, wurde auf einer bolivianischen online-Zeitung diese Arbeit überschrieben: „Gott schweigt nicht, er spricht, und er ist in so vielen bewegten Herzen, in so vielen Händen der Solidarität, in so vielen gebeugten Knien im Gebet, in so vielen prophetischen Stimmen, die die Ursachen für die Übel anprangern, die uns heimsuchen.“ (Pastoralblatt der Erzdiözese Santa Cruz, 02. Mai 2020)

Mich berührt, dass Sorge um die eigene Gesundheit und Sicherheit in den Hintergrund tritt: es sind die Schwestern, die durch Spenden noch andere Möglichkeiten der Hilfe bekommen.

 

Schwester Rosa Maria berichtet am 18. Mai:

Wir haben  hier seit dem 18.03.2020 strenge Ausgangsbestimmungen. Es sollte nur für 20 Tage sein, aber die Pandemie verbreitet sich jeden Tag mehr. Besonders betroffen sind Santa Cruz und Beni. Hier in Santa Cruz haben wir etwa 2000 Erkrankte und unsere Hospitäler sind nicht für solche Erkrankungen eingerichtet. Es fehlt an allem, an Beatmungsgeräten, an Schutzkleidung, an Medikamenten, die ja hier der Patient selber mitbringen muss. Das führt zu einer Katastrophe, denn es fehlt die Nahrung. Das Nötigste fehlt.

So haben wir mit den Verantwortlichen in den Barrios die „olla comun“ organisiert für die Menschen, die keine Nahrung haben, besonders für die Kinder. Die Autoritäten der Stadt versprachen einen „canasta familiar“, eine Lebensmittelzuteilung pro Familie, aber diese erreicht nur wenige Familien und nur ein einziges Mal. Es war also mehr Propaganda als eine wirklich konkrete Hilfe. Als wir diese Situation sahen , haben wir Schwestern, die wir in der Erziehung und Pastoral in den Barrios außerhalb der Stadt arbeiten, mit einer Kampagne begonnen, um Mittel und Lebensmittel zur Unterstützung der „ollas comunes“ zu erbitten und einzelnen besonders armen, meist kinderreichen Familien zu helfen. Seit April besuchen wir regelmäßig die 9 Barrios unserer Zone. Jedes Barrio kocht in 2-3 ollas comunes für jeweils 150-200 Personen. Das heißt also, dass hier rund 3600 Personen geholfen wird. Sie bekommen wenigstens einmal am Tag eine Mahlzeit.

Wir können offiziell nur einmal in der Woche das Haus verlassen, je nach der Nummer unseres Personalausweises, ansonsten brauchen wir eine Sondererlaubnis der Polizei. Aber es gibt Freunde, die für uns die Arbeit übernehmen, wenn wir im Haus bleiben müssen. 

Die Solidarität ist überwältigend!

 

Jedes Mal, wenn wir in die Barrios fahren, nehmen wir Lebensmittel für rund 7000 – 8000 Bolivianos mit, das sind ungefähr 1000 Euros. Die Umtauschquote beträgt im Augenblick 

1 Euro: 7,5 Bolivianos.

 

Kosten für Lebensmittel:

100 Kilo Zucker                       215 Bolivianos

12 Flaschen Speiseöl               130 Bolivianos

1 Packung Nudeln                  65 Bolivianos

1 Huhn                                    15 Bolivianos 

Hühnerfleisch es ist das billigste Fleisch, nun noch billiger, weil kein Verkauf möglich ist auf den Märkten.

 

Um allen Gruppen helfen zu können, muss ich wenigstens 10-12 Zentner Reis, 12 Kisten mit Öl, 12 Packungen Nudeln a 10 kg, Hühner, soweit es reicht, Gemüse etc. mitnehmen.

1 Zentner  Reis reicht nur für 2 Mahlzeiten für etwa 200 Personen. Das ist nicht viel, aber es ist sicher, dass sie an diesen Tagen wenigstens eine Mahlzeit haben mit Reis und einem Ei oder einem kleinen Stückchen Huhn oder eine dicke Suppe. Die Realität ist sehr traurig, aber wir sind glücklich, dass die diejenigen, die etwas haben, sehr solidarisch sind.

Hier in Bolivien hat die Pandemie erst begonnen und der Höhepunkt ist noch lange nicht erreicht. Wir wissen nicht, wie das weitergehen soll. Wenn die Menschen nicht arbeiten können, ist kein Geld da. Was sollen sie essen, wenn die Situation noch länger anhält?

 

Die Schulen sind seit 68 Tagen geschlossen. 

Man spricht von einem virtuellen Unterricht, aber wer hat Internet?“

 

Mein Plan war, im Juli 2020 unsere Schwestern zu besuchen.

Leider sind die Grenzen gesperrt und es wird keine Möglichkeit geben. So bleibt vorerst nur unsere Unterstützung durch die finanziellen Hilfen, durch unsere Gebet und nicht zuletzt durch unsere Liebe zum bolivianischen Volk.

Sr. M. Scholastika

Das ist Bolivien :-)

Von ganzem Herzen danken wir Ihnen/Euch für Ihre/Eure so überwältigende Großzügigkeit und Unterstützung. Welch eine Überraschung! 

Ich verneige mich.

Unsere bolivianischen Schwestern und die Menschen aus Santa Cruz, vor allem aus den Barrios der Stadt, senden dankbare Zeichen der Verbundenheit.

Schwester Rosa Maria erzählt, dass sie nun mit einem Mitarbeiter des Erzbischofs unterwegs ist. So hat sie eine lebendige Genehmigung an ihrer Seite, mit der ihr die Möglichkeit gegeben ist, mit einem Van in die verschiedenen Stadtteile zu fahren.

Jeder Topf, so berichtet sie, ist einem Stadtteil zugeordnet: es wird gemeinsam gekocht, anschließend wird das Essen an die Verteilstelle eines Viertels gebracht.

Compasión y solidaridad

Schwester M. Christa, die mehr als 30 Jahre in Bolivien lebte und kommende Woche 90 Jahre alt wird, ist die tragende Brücke nach Bolivien. Sie bekam heute dieses Wort zugespielt (Übersetzung Sr. M. Christa): 

 

„Viele sind verängstigt 

wegen der finanziellen Lage in der Zukunft.

Was mich jedoch erschreckt, ist, 

jemanden aus meiner Familie zu verlieren

oder jemanden, den ich liebe, 

einen Nachbarn oder einen von Euch...

Wenn es eben ansteht, 

von Null an zu beginnen,

dann beginnen wir eben wieder mit Null,

so lange wir Leben haben, 

ist auch Hoffnung da.

 Und so lange wir etwas Reis haben, 

essen wir ihn mit einem Ei

und wenn nicht, 

muss man sich einfach etwas einfallen lassen. Aber aus all dem 

kommen wir eines Tages heraus.

VERTRAUEN WIR!“

 

DAS ist Bolivien.

 

Sr. M. Scholastika

Wenn existentielle Nöte ganz nahe kommen...

Ein Blick nach Bolivien

Es fällt uns zunehmend schwerer, mit all den Einschränkungen, die uns Covid 19 setzt, umzugehen, und wir merken mehr denn je, mit welcher Freiheit wir uns vor Wochen noch bewegen konnten. Bewegen durften. Begegnungen gehören zu unserem Alltag wie Essen und Schlafen, wir sind angewiesen auf menschliche Nähe, auf buchstäblich gefühlte Augenblicke. Darum wiegt der momentane Zustand der Distanzhaltung so schwer. Gefühle werden wach, die sich bei den täglichen Ablenkungen kaum bemerkbar machen, Beklemmungen tropfen durch die Haut bis ins Herz. Da sind Ängste um die Zukunft, Sorgen um geliebte Menschen, denn Besuche sind weitgehend verboten. 

Die Decke über unseren Köpfen wird von Tag zu Tag dünner. Da ist Leere. Verunsicherung. Mangel. Auch Ohnmacht. Zuweilen auch Langeweile.

Das Leben ist ein anderes geworden und wird ein anderes nach der Krise sein.

Und doch: wir haben noch keine Ausgangssperren, und wenn auch die Lieblingsprodukte da und dort fehlen und Regale leer bleiben, hungern müssen wir nicht.

 

Was mich und unsere Gemeinschaft zutiefst schmerzlich trifft und mich weinen lässt, ist eine aktuelle Nachricht aus Bolivien: Schwester Rosa Maria berichtet, dass sich letzte Woche ein 12-jähriges Mädchen das Leben genommen hat, weil es als älteste Tochter seine jüngeren Geschwister bereits Tage hungern sah – es wollte die Familie durch seinen Tod entlasten. Schlimm. So schlimm! 

 

Diese Wirklichkeit macht völlig ohnmächtig und hilflos.

Wie können wir helfen? Wie unterstützen?

Es ist so: unzählige Menschen in Bolivien haben kein festes Einkommen, sie leben vom Tageslohn. Durch Corona sind die üppigen Märkte zu. Kein Verkauf. Kein Einkauf.

Unsere Schwestern versuchen, sogar mit Unterstützung der Polizei, an Lebensmittel zu kommen; es wird gemeinschaftlich in den Barrios gekocht, und das Essen wird in die entlegenen Hütten gebracht. Groß ist - und es macht mich demütig - wie diese wunderbaren, von existentieller Armut geprägten Menschen teilen, was sie haben, und sie finden einfache Wege trotz des Militärs, das kontrollierend Patrouille fährt, das Essen zu verschenken.

 

Wer die Arbeit unserer Mitschwestern in Bolivien unterstützen möchte, kann dies neuerdings auf unkomplizierte Weise über unseren "Bolivien-Moneypool" tun - wir sorgen dafür, dass jeder Euro bei den hilfsbedürftigen Menschen landet. Dankbar sind wir auch für jedes unterstützende Gebet in einer Situation, die so viele Betroffene und Helfer an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führt. 

Sr. M. Scholastika 

 

Ein Gebet aus Bolivien:

Lehre GOTT,

uns ins Unmögliche zu werfen,

denn hinter dem Unmöglichen

ist deine Gnade und Gegenwart.

Wir können nicht ins Leere fallen.

 

Die Zukunft ist ein Rätsel,

unser Weg verliert sich im Nebel,

aber wir wollen ihn gehen und uns hingeben,

weil Du wartest in der Nacht

mit tausend Menschenaugen, die von Tränen überlaufen.[1]

 

[1]Meyer, Michael, Vellguth, Klaus (Hrsg.), Gebete der Völker. Gebete aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien, Sank Ottilien 2013

 

wir lassen uns das Lesen nicht verbieten ;-)

Gestern Abend um Punkt 20 Uhr hat sie nun also tatsächlich stattgefunden, unsere erste Lesung im Live-Stream auf Facebook. Etwas ungewohnt war die Situation für uns beide schon, und zumindest mein Puls war deutlich höher als normal, denn unsere wackelige Internet-Verbindung auf dem Arenberg ließ mal wieder keine Routine aufkommen. Alles in allem hat aber alles bis auf ein paar Aussetzer gut geklappt, so dass wir nun das Video für alle, die nicht auf Facebook vertreten sind, nochmal auf YouTube zur Verfügung stellen. Und weil das Ganze uns so viel Freude gemacht hat und es so viel Resonanz gab, bleiben wir am Ball und schmieden schon fleißig neue Ideen :-)

Apropos viel Resonanz: ich möchte noch einmal ganz herzlich für die wunderbaren Mails danken, die mich und uns gerade auf so vielen Kanälen erreichen. Und bitte gleichzeitig um Entschuldigung, dass zumindest ich manchmal nur sehr zeitverzögert antworte, weil ich gerade einfach nicht mehr nachkomme. Wir freuen uns riesig über diese Verbundenheit, und freuen uns noch mehr darauf, wenn uns in hoffentlich absehbarer Zeit ein Wiedersehen auf dem Arenberg geschenkt wird. Bis dahin beißen wir die Zähne zusammen und lassen uns noch ein paar nette Aktionen einfallen. Und im Gebet sind wir ja sowieso verbunden! 

Einen gesegneten Sonntag wünscht

Sr. M. Ursula

Das hat's noch nie gegeben!

Eigentlich wären Mirko Kussin und ich in diesen Wochen noch einige Male durch Deutschland getourt, um netten Menschen etwas aus unserem Buch ZweiSichten vorzulesen. Doch leider machte uns die olle Corona einen Strich durch die Rechnung.

Doch so schnell lassen wir uns natürlich nicht unterkriegen, und so werden wir am Samstagabend, den 25.4., zur Primetime um 20 Uhr eine Live-Lesung über Facebook veranstalten (vorausgesetzt natürlich, die sagenhaft schnelle Internetverbindung auf dem Arenberg macht uns keinen Strich durch die Rechnung...). 

Also, wir freuen uns über viele Zuschauer und wünschen Euch schon jetzt viel Freude mit unseren Texten!

Sr. M. Ursula & Mirko Kussin

Schön ohne aber

Eigentlich sollte sein Erscheinen von einem medialen Feuerwerk begleitet werden, doch nun hat es sich Anfang April ganz still und leise auf den Markt geschlichen - Corona macht's möglich! 

"Schön ohne aber - wie wir von Körperhass zu Körperliebe finden" lautet der Titel eines ungewöhnlichen Buches, für das ich vor einiger Zeit ein Kapitel schreiben durfte. 

Ausgangspunkt dieses Gemeinschaftswerkes war die erschreckende Tatsache, dass 93% aller Menschen, vor allem Frauen, ihren Leib eher als Mängelexemplar statt als Gottes Meisterwerk betrachten. 

So haben die beiden Herausgeberinnen mehr als 20 Autorinnen und Autoren gebeten, davon zu erzählen, was ihnen nach oftmals jahrelangen Leidenswegen geholfen hat, eine gesunde, positive Beziehung zu ihrem Leib aufzubauen. Herausgekommen ist ein Buch, welches so vielschichtig ist, wie Menschen nur sein können, welches erschrecken lässt und zugleich zum Schmunzeln bringt, welches auf bezaubernde Art und Weise unsere wahre Schönheit ans Tageslicht bringt, die sich eben nicht in Orangenhaut und Lachfältchen verliert. Ein Buch, welches einfach schön geworden ist, ohne aber! 

Sr. M. Ursula

 

 

ER ist da.

Sehr verehrte, liebe Gäste von Kloster Arenberg,

liebe Freundinnen und Freunde unseres Hauses und unserer Gemeinschaft,

im Namen unserer Gemeinschaft grüße ich Sie sehr herzlich, und wir hoffen, Sie und Ihre Familien und Freunde sind gesund. Mögen Sie Momente des Glücks und des Friedens finden dürfen in dieser für uns alle schwierigen Zeit. Nur schon vorweg: wir beten viel für Sie, ich gestehe, mehr als sonst. Wir beten für Sie, für unser Land und unsere so verletzte Welt.

Ein Wunder wünschen Viele von uns: das Wunder, dass wir befreit werden von dieser Pandemie, die uns im Ungewissen lässt, dass diese hässliche, unberechenbare Gefahr von uns weggenommen wird und wir zurückkehren dürfen in die Unbeschwertheit, nach der wir uns gerade in diesen Wochen und Monaten ausstrecken. 

Dahin geht doch oft unser Verlangen. Wir sehnen uns danach, dass das Bedrohliche von uns weggenommen wird. Ängste. Unsicherheiten, existentielle Nöte. Berechtigt, finde ich. Und wir fragen uns zuweilen: Wo ist denn dieser GOTT, der uns rettet? Der uns hilft und beisteht? Als Christinnen und Christen schauen wir in diesen österlichen Tagen auf Jesus. Auch am Kreuz schreit es aus ihm heraus: „Mein GOTT, mein GOTT, warum hast Du mich verlassen?“

Hast Du uns denn, GOTT, verlassen? Lässt Du uns allein in unserem Schlamassel? Auch Du? Stopp! Sind wir wirklich Verlassene? Mutterseelenallein? Welch ein starkes Wort: mutterseelenallein! Verlassen von aller mütterlichen Präsenz, von bergenden Momenten. 

Es ist doch so -  Corona dirigiert uns: keine Umarmungen, keine tröstende Nähe, keine Berührungen, die halten, aufrichten und stärken. 

Kehren wir zurück zu Jesus. Er schreit diese Worte aus dem Psalm 22 mit der Wucht eines endlos Leidenden hinaus. Scheinbar ins Leere.  Gehen wir jedoch den Versen des Psalms entlang, erfahren wir: Da gibt es dieses Andere in seinem Leben, Tieferes, ihn nicht Verlassendes.

„Denn er, GOTT, hat nicht verachtet, nicht verabscheut des Elenden Elend. 

Er hat sein Angesicht nicht verborgen vor ihm; 

er hat gehört, als er zu ihm schrie.“

Das ist Ostern:

aus Stunden furchtbarer Dunkelheiten und Leere, ich denke an den Karsamstag, kommt dieser GOTT des Lebens seinen Jüngerinnen und Jüngern entgegen. Erst fremd – sie sind noch blind für das Neue. Seine Gefährtinnen und Gefährten haben diesen neuen Zustand zu lernen: Er kommt ganz anders: Maria von Magdala muss sich mehrmals umdrehen, bis in ihr Innerstes hinein, um ihren geliebten Herrn erkennen zu können. Einigen werden die Augen geöffnet durch das Zeichen des Brotbrechens, Anderen  durch die Sichtbarkeit seiner Wunden.

Und -  ein starkes Bild für unsere Situation heute: er kommt selbst durch verschlossene Türen. Er, der den Tod überwunden hat, tritt hinzu, mitten in unser alltägliches Leben. Nicht nur in festlich geschmückte Kirchen, so sehr wir sie auch brauchen, so sehr wir auch Gemeinschaft nötig haben.  

Vielleicht dürfen wir dies in diesem Jahr lernen: der Auferstandene ist kommt und bleibt bei uns, wenn wir am Tisch sitzen, noch nicht frisiert, noch nicht rasiert. Er tritt hinzu, wenn wir spülen und tippen und den Garten umgraben. Wenn wir Mahl halten…

Er kommt in unser Herz. Dort steht er auf.  

In diesen Wochen ist mir ein Gebet sehr nahe, ein Morgengebet der holländischen Jüdin Etty Hillesum, die 1943 mit 29 Jahren in Ausschwitz umgekommen ist: Sie betet:

"Es sind schlimme Zeiten, mein Gott. Heute Nacht geschah es zum ersten Mal, dass ich mit brennenden Augen schlaflos im Dunkeln lag und viele Bilder menschlichen Leidens an mir vorbeizogen. Ich verspreche dir etwas, Gott, nur eine Kleinigkeit: Ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen Tag hängen, aber dazu braucht man eine gewisse Übung. Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst. Es ist das Einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. Und vielleicht können wir mithelfen, dich in den gequälten Herzen der anderen Menschen auferstehen zu lassen. […]

Ich werde in der nächsten Zukunft noch sehr viele Gespräche mit dir führen und dich auf diese Weise hindern, mich zu verlassen. Du wirst wohl auch karge Zeiten in mir erleben, mein Gott, in denen mein Glaube dich nicht so kräftig nährt, aber glaube mir, ich werde weiter für dich wirken und dir treu bleiben und dich nicht aus meinem Inneren verjagen."*

Etty weiß sich in GOTTES Armen, trotz allem. Sie glaubt an seine Präsenz, selbst in der Einsamkeit kann sie vertrauen: Es wird gut. ER macht es gut. 

Wir haben unsere Zukunft nicht als Besitz. Sie bleibt immer ungewiss, immer auch Überraschung, aber glauben zu dürfen, dass wir in GOTTES Händen sind, dass er uns nicht alleine lässt - diesen Glauben, dieses Vertrauen wünsche ich uns allen zutiefst.

Dir Kirchen sind zurzeit leer, unser Herz vielleicht auch. Die Verletzlichkeit und das Fragile unseres Lebens und unserer Schöpfung wird uns hautnah bewusst.

An dieser wunden Stelle darf vielleicht das Neue, das Uralte neu beginnen: Nicht nur ein besonderer, ausgewählter, geheiligter Ort (was auch immer das heißt) , sondern mein Innerstes ist Raum GOTTES. Hier, genau hier spricht er sein Wort: 

„Fürchte Dich nicht, ich bin es! Ich bin da! Nah bei Dir!

Ich komme in Deine Stube und Küche, dorthin, wo Du schläfst, 

im Garten treffe ich Dich und nicht zu vergessen, 

auch in Deine Keller und Speicher komme ich. 

Dorthin, wo Du bist. Dort, wo Du lebst.“

Ein letzter Gedanke:

am frühen Morgen, nach dem Aufstehen (auferstehen?) gehen wir die ersten Schritte barfuß, ohne Schutz von Schuhen: wir sind verletzlich, wir tragen noch keine Rüstung, keine (Ver-) Kleidung, sind so dem Morgenlicht ausgesetzt. Einen Moment lang Urzustand. Verletzliche Frauen und Männer. Kinder. Am Tagesanfang, in den ersten Augenblicken müssen wir noch nichts, müssen nicht irgendjemand sein. Keine Titel. Keine Rolle. Nur wir. Ich. Beim Namen gerufen. Geliebt. 

Und dann mit diesem Bewusstsein in den Tag hinein. Ins Leben. 

Und barfuß bleiben, auch in Schuhen, um nichts zu zertreten, was uns Hoffnung gibt und Zukunft verheißt.

ER ist da. Oft sehr leise. 

Ich wünsche Ihnen dieses Glauben,

auch wenn er dann und wann auf die harte Probe gestellt wird.

Mit Ihnen und auch für Sie möchte ich diese Wirklichkeit glauben dürfen. 

Ihnen ein frohes gesegnetes Osterfest,

verstecken Sie sich irgendwo ein Ei, suchen Sie es, wenn möglich, barfuß.

Ihnen nur Gutes und Liebevolles - das österliche Licht sei in Ihren Räumen. Und innen. Ganz tief.

Von Herzen,

Ihre Sr. M. Scholastika 

 

* Das denkende Herz. Die Tagebücher von Etty Hillesum 1941-1943, Reinbek bei Hamburg, 16. Auflage 2012, 149f

 

 

 

Frohe Ostern!

Einblicke...

Also eins steht fest: Über mangelnde mediale Präsenz können wir uns in diesen Tagen nicht beklagen: Gleich zwei Fernsehberichte waren in dieser Woche über uns zu sehen, die allerdings beide noch in "Vor-Corona"-Zeiten aufgezeichnet wurden. So hatten wir im vergangenen Jahr in der letzten Augustwoche Besuch von Sara Endepols und ihrer zauberhaften Kamerafrau Theresa Berwian, die sich für die Reihe "7 Tage" eine ganze Woche lang in unseren Klosteralltag gestürzt haben. Während Sara anfangs noch verständlicherweise sehr "fremdelte" mit unserer Art zu leben und zu beten, wuchs während dieser Zeit zwischen ihr und uns eine Vertrautheit, die schon fast magisch war. Dass so etwas möglich ist, dass sich zwei derart fremde Welten so wertschätzend und bereichernd begegnen können, ist für mich immer wieder ein Aufsteller und ermutigt mich, weiterhin solche Wege des Dialogs zu suchen und zu beschreiten. 

 

Und dann war ich Mitte Februar, als man noch einfach ungehindert und sorglos quer durch die Republik reisen konnte (das ist gefühlt schon ewig lange her ;-)) für ein paar Stunden bei BibelTV in Hamburg, wo die Sendung "Das Gespräch" aufgezeichnet wurde. Da hat es mir wiederum Freude gemacht, endlich mal gefragt und nicht angefragt zu sein, mich nicht erklären zu müssen, sondern einfach erzählen zu dürfen, was mein Herz bewegt, woran ich glaube, was ich erhoffe, wofür ich brenne und was ich liebe an meiner Lebensform. Auch eine tolle Erfahrung... Hier der Link zur Sendung.

Allen, denen die vielen Fernsehbeiträge über uns so langsam zum Hals raushängen, soll gesagt werden: Nun kehrt erst einmal wieder Ruhe ein. Stattdessen werden wir uns in den kommenden Tagen mit Hochdruck der Fotoaktion widmen, denn zu unserer Freude sind bereits mehr als 80 Mails eingegangen, so dass unser Gästehaus über Ostern nun tatsächlich "voll" wird. Aber keine Angst: wir finden hier für alle ein schönes Plätzchen ;-) 

Wir auf dem Arenberg wünschen Ihnen allen gesegnete Kar- und Ostertage, und seien Sie gewiss: wie schließen Sie fest in unsere Gebete ein. 

Sr. M. Ursula 

 

"zu Gast" im Kloster Arenberg

"Auch vermisst werden, ist eine Art anwesend zu sein." - dieses Zitat stammt aus, dem Passionsprogramm von 2Flügel. Christina Brudereck und ihr Mann Benjamin Seipel zählen zu den vielen Gästen, die wir so gerne in der kommenden Woche auf dem Arenberg begrüßt hätten - die beiden hätten mit "Leidenschaft Leben", dem Karfreitagabend wieder eine ganz besondere Note gegeben.

"Auch vermisst werden, ist eine Art, anwesend zu sein..." - in diesen Tagen hätte sich unser Gästehaus Kloster Arenberg wieder langsam gefüllt mit unseren Ostergästen. Altbekannte Gesichter neben neuen Gästen, Wiedersehensfreude neben gegenseitigem "Beschnuppern", Besuch der altvertrauten "Lieblingsorte" neben Erkundungsrunden durch Haus und Garten - so wie wir es schon unzählige Male erlebt haben, so wie wir es einfach lieben. Manchmal, wenn ich gerade meine Runden durch den einsamen Klostergarten drehe, wenn ich mich zum Arbeiten in mein "Outdoor-Office" auf die Terrasse des Klostercafés setze und die Augen schließe, habe ich tatsächlich den Eindruck, dass sie ja doch alle irgendwie da sind. Diejenigen, die gerne nach dem Mittagessen noch einen Espresso genießen, die treuen Stammgäste in der Raucherecke (hallo Mirko ;-)), die, die mir auf meinen Gartenrunden immer freundlich zulächeln, die, die an allen Chorgebeten teilnehmen, die, die keinen Morgenimpuls auslassen, die, die jeden Gesprächskreis bereichern. Alle sind sie irgendwie anwesend, und wahrscheinlich liegt das tatsächlich am Vermissen. 

Als wir vor ein paar Tagen mit dem Seelsorge-Team nach Ideen gesucht haben, wie unser Vermissen mit dem Vermissen unserer Gäste "zusammengebracht" werden könnte, kam unserem Kaplan eine lustige Idee: Wir laden Sie, Gäste von Kloster Arenberg und solche, die es werden möchten, in den Tagen der Schließungszeit dazu ein, uns ein Portraitfoto von sich zur Verfügung zu stellen, auf welchem Sie gut erkennbar sind. Die Qualität sollte so gut sein, dass es in DIN A 4 ausgedruckt werden kann. Dann werden wir vom Seelsorge-Team Sie hier irgendwo "hinsetzen", fotografieren, und die Fotos kommentarlos auf der Kloster Arenberg-Homepage und unseren Social Media Kanälen veröffentlichen. Unsere Phantasie ist, dass es auf diese Weise eine Menge "Wiedersehensfreude" geben könnte :-) Also, falls Sie Lust haben, in den kommenden Wochen auf diese Art hier Präsenz zu zeigen, senden Sie das Foto mit einem kurzen Vermerk, dass wir es verwenden dürfen, einfach per Mail an kloster.arenberg@gmail.com und lassen Sie sich überraschen, an welch schönem Plätzchen Sie sich am Ende wiederfinden werden!

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen 

Sr. M. Ursula

101 Jahre...

+ Schwester M. Ambrosia Stachelscheid OP

30. Dezember 1918  -  02. April 2020

1918. Unvorstellbar rasant breitete sich damals die spanische Grippe aus und forderte unvorstellbare Zahlen von Toten. 2020. Das Corona-Virus lässt das Leben auch in Deutschland stillstehen. Diese beiden Jahreszahlen, die so viel Leid hervorbrachten und -bringen, zeichnen die Eckpunkte der Lebensjahre unserer Schwester M. Ambrosia, Luise, die am 30.12.1918 in Eschweiler Stolberg als erstes Kind der Eheleute Stacheldscheid-Schürholz geboren wurde. Mehr als 101 Jahre sind ihr geschenkt worden. Wirklich geschenkt, denn sie liebte das Leben und gestaltete es in beeindruckender Treue. Vielleicht war es auch ihr Tag für Tag gelebter Rhythmus, der ihr diese auffallend seelische und physische Gesundheit gegeben hat, ihre Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und Heiterkeit. Ihr tiefes Vertrauen auf die mütterliche Präsenz Marias verlieh ihr eine Unbeschwertheit, die wir alle erfahren durften. Sie verehrte auf besondere Weise Maria als Advocata, die im Dominikanerorden einen eigenen Platz bekommen hat.

Schwester M. Ambrosia sehnte sich nach dem Himmel: wie konnte sie staunen und ihrer Freude über das, was uns Menschen einst in der Ewigkeit erwarten wird, Ausdruck geben! Es gab diesen einen Moment in ihrem Leben, da hörte sie in ihrem Innersten die Zusage GOTTES: „Du wirst mein Angesicht schauen!“ Daraus lebte sie, und daraus schöpfte sie Kraft, gerade auch dann, als sie mehr und mehr ihr Augenlicht verlor. Sie wusste: Das Sehen wird ein Schauen werden.

Schwester M. Ambrosia war die älteste von 8 Kindern. Drei ihrer Schwestern haben später den gleichen Weg gewählt wie sie: zu viert traten sie nach und nach in unsere Gemeinschaft ein. Einer ihrer zwei Brüder erkannte seine benediktinische Berufung und wurde Mönch in Maria Laach. 

Luise freute sich an ihrer beruflichen Perspektive: sie lernte Stenografie und Buchführung. Die Arbeit im Büro war ihr eine sinnerfüllende Aufgabe. Schon in jungen Jahren hatte sie ein Gespür für Mitverantwortung und Pflichtbewusstsein. So ließ sie im Blick auf ihre Familie immer wieder ihre eigenen Pläne durchkreuzen. Dazu kam der Beruf des Vaters als Bahnmeister und auch der 2. Weltkrieg: sie forderten mehrere Umzüge, die Beweglichkeit und Flexibilität für die ganze Familie bedeuteten. 

 Doch ein Anderer, GOTT selbst brachte sie in Bewegung und zog sie, rief sie: 1947 trat sie in unsere Gemeinschaft ein. Düsseldorf (1950- 1954) und Remscheid (Priorat von 1964-1971) waren ihre Stationen, doch über Jahrzehnte war sie im Mutterhaus das freundliche, liebenswürdige Gesicht im damaligen Kneipp-Sanatorium, später dann an der Mutterhauspforte. 

Eine Geste ist untrennbar mit Schwester M. Ambrosia verbunden: ihre segnende Hand in so vielen Begegnungen. Der Zeichnen des Kreuzes auf die Stirn war ihr Markenzeichen. Und das Rosenkranzgebet – bis ins hohe Alter.

Nun ist ihre jede Blindheit genommen, und sie schaut die Schönheit und Herrlichkeit des Himmels. 

Deine Sehnsucht, 

liebe Schwester M. Ambrosia,

hat sich erfüllt:

Nun schaust Du IHN, Deinen GOTT. 

Sr. M. Scholastika

In Kontakt

Wer in Kloster Arenberg Urlaub macht, trifft in der Regel zuallererst auf die Mitarbeiterinnen am Empfang. Dort herrscht naturgemäß immer ein munteres Kommen und Gehen, denn neben Gästen, die an- und abreisen, ist der Empfang für viele auch Dreh- und Angelpunkt in zahlreichen anderen Anliegen: Wie komme ich in den Klosterkeller? Muss ich mich für den Vortrag heute Abend anmelden? Könnte ich noch eine Wolldecke in mein Zimmer bekommen? Zwei bis drei Mitarbeiterinnen teilen sich deshalb in „Normalzeiten“ die Arbeitsplätze am Empfang – beantworten Fragen, erklären Abläufe oder geben Tipps für den Klosteraufenthalt. 

Jetzt, da das Gästehaus geschlossen ist, ist es ruhig am Empfang. Ein und aus gehen außer dem Paketdienst nur die Mitarbeiter, die auch in der Schließungszeit arbeiten, sowie die Schwestern, die hier im Mutterhaus wohnen. Auf dem Tresen steht ein Mittel zur Händedesinfektion. Hinweisschilder erinnern daran, einen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern zu halten. Um diesen auch hinterm Tresen einhalten zu können – und weil momentan viel weniger zu tun ist als sonst –, leisten die Mitarbeiterinnen ihren Empfangsdienst zurzeit nicht mehr zu mehreren, sondern alleine ab. Zu ihnen gehört Helena Noggler. Ihr Gesicht ist vielen Gästen nicht nur vom Empfangstresen, sondern auch aus dem Jubiläums-Fotoband von 2017 bekannt. Dort sieht man sie zusammen mit ihrem damals neugeborenen Sohn und mit Sr. M. Irmingard, auch sie für die meisten ein vertrautes Gesicht, da sie die Gäste täglich an der großen Tafel zu den Gebetszeiten im Mutterhaus abholt. 

Weil die Kita ihres mittlerweile zweieinhalb Jahre alten Sohnes zurzeit geschlossen ist, hat Helena Noggler ihre Arbeitszeiten am Empfang gebündelt. Die Arbeitsstunden, die sie sonst über mehrere Tage verteilt, leistet sie jetzt ganztägig ab. So kann ihr Mann in der Zeit, die sie hier ist, auf den Nachwuchs aufpassen. Denn wegen der Ansteckungsgefahr vor Corona fallen die Großeltern momentan als Babysitter aus. Wie in vielen Familien lässt sich der Kontakt nur über moderne Kommunikationsmedien halten.

Kontakt halten – ein wichtiges Stichwort. Denn auch in dieser Schließungszeit gehen zahlreiche Anrufe am Empfang von Kloster Arenberg ein. Gäste buchen nicht nur für „die Zeit danach“, sie rufen auch gerne mal an, um zu fragen, wie es uns hier auf dem Arenberg geht. Manch einem merkt man die Einsamkeit in den eigenen vier Wänden an, meint Helena Noggler. Das tut ihr besonders leid. Denn sie bekommt mit, wie abgeschnitten manch ein Single zurzeit von der Außenwelt ist, wenn Kurse, Veranstaltungen und all die Aktivitäten ausfallen, in denen Menschen aufeinandertreffen und sich gegenseitig mit dem Corona-Virus infizieren könnten. Umso mehr freut es sie, wenn diejenigen, die ihre Urlaubspläne vorerst ad acta legen mussten, jetzt schon für eine spätere Jahreszeit buchen. Und hier am Empfang nicht mehr nur das Telefon klingelt, sondern es dann hoffentlich auch wieder etwas wuseliger zugeht.

Kathrin Schäfer, Postulantin

Es ist Frühling.

Es ist seltsam in diesem Jahr, die Sache mit dem Frühling. Während ich sonst um diese Jahreszeit mit einem Dauergrinsen durch die Natur laufe, jedes grüne Blättchen persönlich begrüße, die wärmenden Sonnenstrahlen in mich aufsauge und staunend die aufbrechenden Knospen betrachte, fühle ich mich in diesem Jahr innerlich irgendwie abgeschnitten von all dem Zauber. Bewusst wurde mir das u.a. auch durch die große Resonanzwelle, die über das „Ohne Sie ist alles doof“-Video zu mir und uns geschwappt ist. Neben vielen sehr berührenden und dankbaren Rückmeldungen kommentierten manche, dass man den Frühling aber doch bitte nicht als doof bezeichnen dürfe. Klar haben diese Stimmen Recht, zumal ich das Video auch mit einem zwinkernden Auge gestaltet hatte und die Sehnsucht nach diesem wunderbaren Ort hier wachhalten wollte. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, fühle ich mich momentan inmitten dieser ganzen Herrlichkeit tatsächlich wie Falschgeld. Ich fahre jeden Mittag bei wolkenlosem Himmel eine Stunde Fahrrad durch die wunderbare Landschaft vor unserer Haustür, aber von Unbeschwertheit kann keine Rede sein. Ich drehe morgens und abends meine Runden durch den Garten und nehme die Schönheit wahr, aber von Freude oder gar österlichem Erwachen im Herzen kann noch keine Rede sein. Stattdessen habe ich den Eindruck, dass sich da innerlich viel Schweres zwischen mich und all das Schöne gelegt hat. Es sind die Bilder der unzähligen Flüchtlinge, die immer noch vor den Toren Europas auf Hilfe warten. Es sind die Nachrichten aus dem Elsass, in denen davon berichtet wird, dass über 80jährigen Corona Patienten jede Beatmung versagt und stattdessen Sterbehilfe angeboten wird. Es sind die Existenzängste der vielen Einsamen, Verunsicherten, Ratlosen, die sich gerade Tag für Tag verzweifelt bei uns melden. Es ist der Gedanke, wie viele Menschen wohl dieser Seuche zum Opfer fallen werden, wenn sie in Ländern wütet, deren Gesundheitssystem sowieso in keiner Weise funktioniert. Und es ist nicht zuletzt die Sorge um meine eigene Gemeinschaft – warum sollten eigentlich ausgerechnet wir von dieser Katastrophe verschont bleiben, wenn sie doch so viele andere trifft? Gedanken, die sich gerade auf mein Herz legen wie eine dunkle Glocke und tatsächlich dazu führen, dass sich alles irgendwie doof und falsch anfühlt. 

Aber: Der Frühling um mich herum hört trotzdem nicht auf. Das wurde mir heute Morgen noch einmal krass vor Augen geführt, als ich im Garten an einem alten Kirschbaum vorbei ging, der bereits vor drei Jahren einem Sturm zum Opfer fiel und seitdem als „Totholz“ auf unserer Schafweide liegt. Ich war urplötzlich zutiefst berührt, als ich sah, dass selbst dieser Baum, der ja schon so lange Zeit von seinen Wurzeln abgeschnitten ist, noch einmal - wie auch in den letzten beiden Jahren - alles gibt und solche Knospen treibt. Heute Morgen kam mir der Gedanke: Genau so ist das wahrscheinlich auch mit Gott und uns Menschen. Der Geist Gottes, der Geist, der lebendig macht, er ist in dieser Welt gegenwärtig. Ob wir persönlich uns von ihm ergreifen lassen oder nicht, ob wir ihn wahrnehmen oder nicht, er ist da, er macht „sein Ding“, nämlich: Zum Blühen bringen. Die meiste Zeit unseres Lebens hindern uns wahrscheinlich jede Menge Sorgen und andere Dinge daran, uns von diesem Geist ganz und gar durchwirken zu lassen, nicht zuletzt, weil wir ja in der Regel auch das Gefühl haben, unser Leben auch ohne Hilfe von oben recht gut im Griff zu haben. Dann laufe ich wahrscheinlich so „neben Gott her“, wie ich mich in diesen Tagen in der Natur erlebe. Ich sehe, rieche, fühle, aber in der Tiefe geschieht keine Wandlung. Ein Gefühl des Abgeschnitten-Seins, wie tot. Es sind dagegen die Gnadenzeiten in unserem Leben, in denen wir neu aufgebrochen werden für das Wirken Gottes in unserem Leben und mit Leib und Seele zu Ihm in Resonanz gehen. 

Gestern haben wir im Evangelium zum Passionssonntag die Auferweckung des Lazarus (Joh 11, 1-45) betrachtet. In einer Situation, die an Hoffnungslosigkeit nicht zu überbieten ist, erweist Jesus seine Macht. „Nehmt den Stein weg!“, befiehlt er, auch wenn Marta ihn darauf hinweist, dass der Verstorbene nach vier Tagen schon im Zustand der Verwesung sein könnte. Und dann schreit er mit lauter Stimme ins Grab hinein: „Lazarus komm heraus!“. Wie sehr wünsche ich mir, dass wir alle dieses heilsame Wirken Jesu gerade in diesen vorösterlichen Tagen am eigenen Leib erfahren dürfen. Dass er die Steine ins Rollen bringt, die uns abschneiden vom wahren Leben, das uns von Gott her verheißen ist. Dass der Frühling mit geballter Macht Einzug halten darf in unsere Herzen, allen Ängsten, Vorbehalten und Sorgen zum Trotz. Dafür bete ich. 

Sr. M. Ursula

unermüdlich

Seit einer Woche ist es nun ruhig geworden hier auf dem Arenberg, zumindest was den Gästebetrieb angeht. Denn während ich letzte Woche ehrlich gesagt leise auf eine Brachzeit gehofft hatte, ist genau das Gegenteil eingetreten: Eine Sitzung jagt die nächste, im E-Mail-Postfach stapeln sich Presseanfragen, wir haben jede Menge prickelnde Ideen, wie wir mit den vielen Menschen in Kontakt bleiben möchten, die uns immer wieder so liebevolle Zeichen der Verbundenheit schicken, und dann gibt es ja natürlich auch noch den ganz normalen Alltag in unserer Gemeinschaft, der auch gerade noch einmal neu gelernt werden will. Denn so vieles, was bisher im alltäglichen Umgang für uns selbstverständlich war, ist angesichts der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen absolut nicht mehr möglich. Mit 40 geliebten potentiellen Risikopatientinnen unter einem Dach zu wohnen, kann in diesen Tagen schon sehr nervenaufreibend und kräftezehrend sein. Puh.

Auf der anderen Seite erlebe ich gerade zwischen Mitarbeitenden und Schwestern und unter den Mitarbeitenden eine Solidarität, die mich zutiefst berührt. Da der Gästebetrieb still steht, hilft eine Hand der anderen, die Servicemitarbeiter helfen im Garten mit, Küchenmitarbeiter in der Wäscherei, wieder andere sind im Homeoffice fleißig dabei, Mundschutze zu nähen... 

Apropos Mundschutz nähen: Erwähnenswert ist auch, dass unsere 92jährige Sr. Marietta, deren Nähkünsten wir übrigens unser wunderschönes Ordenskleid verdanken, gerade in die Mundschutz-Großproduktion eingestiegen ist, nachdem sie in den Wochen zuvor in Rekordzeit 300 neue Serviettentaschen fürs Gästehaus genäht hatte. Auf dem Foto führt sie gerade ihr neuestes Modell vor :-) Wie heißt es so schön: Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, soll man den Kopf nicht hängen lassen. Das versuchen wir hier ganz tapfer und werden nicht müde, uns mit aller Kraft ganz trotzig für das Leben einzusetzen, wo immer es uns gegeben ist. 

Sr. M. Ursula

 

Corona und die Engelchen

Seit elf Jahren nun lebe und arbeite ich an einem Ort, der für viele andere Sehnsuchtsort und sogar geistliche Heimat ist. Ich lebe zwar eigentlich immer im Bewusstsein, dass dies ein großes Privileg ist, aber momentan, wo mich und uns so viele Zuschriften von Menschen erreichen, die jetzt einfach gerne hier auf dem Arenberg wären, empfinde ich das noch einmal sehr viel intensiver als sonst. In den letzten Tagen habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was mein persönlicher Ausdruck der Verbundenheit mit unseren Gästen sein könnte, und musste gar nicht lange nachdenken: Jeden Abend nach der Komplet steige ich jetzt bewusst die vielen Stufen hoch in die Gästekapelle, zünde ein Kerzchen in der "Mutter-Gottes-Ecke" an und bete für diejenigen, die zur gleichen Zeit alleine in ihrer Wohnung sitzen, von Sorgen und Ängsten geplagt sind, um ihre Existenz bangen oder sogar akut gegen den Virus zu kämpfen haben. Ich merke, wie solche Rituale gut tun in einer Zeit, in der gefühlt nichts mehr so ist, wie es einmal war. 

Heute Abend stand ich nun wieder dort oben und machte Maria und allen Heiligen noch einmal ganz unmissverständlich klar, dass sie in diesen Tagen bitte schön eine Menge zu tun haben. Und plötzlich musste ich schmunzeln, als mein Blick auf den unteren Teil der Figur fiel: dort steht nämlich Marias zierliches Füßchen ziemlich lässig auf einer Schlange ("der höllischen Schlange den Kopf sie zertritt..." - so singen wir in einem Marienlied, in Anlehnung an Offb 12). Das arme Höllenvieh musste wohl einsehen, dass es der marianischen Wirkmacht nichts entgegenzusetzen hat: So zahm ist es geworden, dass eines der Engelchen, die unter Marias Rockzipfel hervorlugen, es sogar am Kopf streicheln kann. Ich konnte nicht anders, aber ich hab die Schlange heute Abend einfach mal Corona getauft. Hat mir jedenfalls gut getan. Ich weiß, sie wird höchstwahrscheinlich noch viel Leid und Unheil anrichten, bevor sie endlich gezähmt werden kann. Corona und die Engelchen, sie helfen mir gerade dabei, mich selbst, die Menschen, denen ich mich verbunden fühle und unsere ganze unheile Welt immer wieder DEM anzuvertrauen, der in Wahrheit die Macht über Leben und Tod hat. 

Und so werde ich mich in den kommenden Wochen noch oft auf den Weg in die Gästekapelle machen, Kerzchen anzünden, um Heilung beten und vielleicht auch ab und zu mal wieder etwas schmunzeln ;-)

Sr. M. Ursula

Verbunden...

Nun ist es also tatsächlich passiert: Gestern mussten wir im Kloster Arenberg den Gästebetrieb einstellen. Die letzten Gäste sind am späten Nachmittag abgereist. Schließungszeiten kennen wir zwar aus den vergangenen Jahren, doch diesmal ist alles anders. Waren diese Zeiten sonst immer freiwillig, langfristig und minutiös durchgeplant, wurden sie uns diesmal durch das Coronavirus auferlegt. 

Ähnlich wie Sie wurden auch wir in den letzten Tagen von den Ereignissen überrollt und befinden uns nun in einer Situation, die wir erst einmal "leben lernen" müssen. Noch vor einer Woche war dieser Zustand für uns unvorstellbar, ist es uns doch ein wichtiges Anliegen, gerade in dieser existentiellen Krise den Menschen einen Ort zu geben, an dem sie sich geborgen fühlen. Konfrontiert mit der exponentiellen Verbreitung des Virus und den Auflagen des Ordnungsamtes für Gästebetriebe, war eine Schließung des Hauses der einzige Weg, um Mitarbeitende, Gäste und die Gemeinschaft der Schwestern bestmöglich vor Ansteckung zu schützen. 

Und dennoch möchten wir weiterhin gerne für Sie da sein, gerade jetzt. In den kommenden Wochen möchten wir Sie darum gerne teilhaben lassen an unserem Alltag, unseren Gedanken und Gebeten. Auch wenn körperliche und räumliche Distanz derzeit das Gebot der Stunde ist, bieten uns moderne Medien wie dieser Blog oder auch unsere Facebook-Seite ja Gott sei Dank die Möglichkeit, unserer Verbundenheit einen Ausdruck zu geben. 

Wir, das ist übrigens gerade neben mir, Sr. M. Scholastika und Sr. Kerstin-Marie auch unsere Postulantin Kathrin. 

Also, schauen Sie doch in den nächsten Tagen immer mal wieder hier rein - gemeinsam werden wir die kommenden Wochen bestehen und kreativ neue Wege zueinander finden. 

Sr. M. Ursula

Zu Hause bleiben

Aus Bolivien erhielten wir dieses Bild. Der Text lautet übersetzt:

Die Impfung gegen das Coronavirus bist Du, sind wir alle. Bleibt zu Hause!

Wir schließen uns der Empfehlung an, auch wenn wir die ein oder andere Gelegenheit, die wir jetzt nicht nutzen können, vermissen. Aber wir sind sehr dafür, dass das Virus sich möglichst langsam ausbreitet und versuchen uns zu schützen, besonders auch deshalb, weil wir so viele alte Schwestern sind, für die eine Erkrankung ja sehr schwerwiegend verlaufen könnte. Deswegen folgen wir den Empfehlungen der Experten, husten in unsere Ärmel und waschen uns die Hände mit Seife, bis sie rau werden. 

Gott sei Dank sind wir in der glücklichen Lage, dass wir noch gemeinsam Gottesdienste feiern können. Das Stundengebet ja sowieso und da wir Hausgeistliche haben, können wir auch weiterhin Eucharistie feiern. Leider darf niemand von außen dazu kommen, aber wer ein Anliegen für die Fürbitte hat, kann uns das sehr gerne schicken. Wir denken an alle, die mit uns verbunden sind und nun nicht zu uns kommen können.

Wer für die kommende Zeit noch etwas Lesestoff sucht, der findet hier das aktuelle kontinente-Heft: https://www.kontinente.org/epaper/202002/dominikanerinnen/

Für die kommenden Tage wünschen wir allen viel Geduld, Sonne im Herzen, Demut und das Vertrauen darauf, dass am Ende alles gut wird, wenn wir miteinander vernünftig handeln.

Bleiben Sie gesund - Gott ist mit uns!

Sr. Kerstin-Marie

Sammlung

Ansprache zur Postulatsaufnahme von Kathrin Schäfer am Gedenktag des Hl. Franz von Sales

"HERR UND GOTT, da bin ich.

Nichts als ich. Vor dir.

Ich bringe nichts mit als mich selbst.

Nichts als mich selbst.

Was wird nun geschehen mit mir,

vor dir?

Geschieht etwas?

Die anderen sind auch da.

Jeder hat sich mitgebracht. Sich selbst.

Das genügt schon an Last.

Da sind wir also da vor dir.

Soviel jeder kann, ist er da.

Was noch nicht da ist

von uns selber,

das holen wir noch herein. Wir holen uns,

so gut wir können,

herein zu dir.

Wo du doch da bist.

HERR UND GOTT, nichts als du.

Gut, Herr,

wir sind zusammengeholt, hereingeholt,

von draußen herein gesammelt,

in deine alles hereinholende,

alles in sich sammelnde GEGENWART."

(Silja Walter)

 

„Gott hat mich mir selbst genommen, um mich ihm zu geben, und dann gab er mich an die Menschen zurück. Das heißt, er wandelte mich von dem, was ich für mich selbst war, zu dem um, was ich für andere sein sollte.“

Diese Worte, liebe Kathrin, die der hl. Franz von Sales kurz vor seiner Bischofsweihe betete, holen gut den heutigen Startpunkt ins Ordensleben ein, das Du für Dich als Deine Bestimmung erkennst.

Du weißt Dich von GOTT berührt, von IHM gerufen, von IHM geführt. Seine Liebe gibt Dir die Kraft, das Kostbare der letzten Jahre zurücklassen, Dich neu einzulassen auf den Weg, auf dem Du Deine tiefe, innerste Berufung entdeckst, auf die Du nun konkret und mit Deinem ganzen Leben antworten willst. Das ist Großes:

Antworten mit dem eigenen Leben. Nicht mit dem, was man so übrig hat, sondern mit allem, was Dich ausmacht. Mit Haut und Haar. Was der hl. Franz beschreibt, ist ein immerwährende Kreislauf: ich lasse mich mir nehmen - das ist wunderbar ausgedrückt. Ich überlasse mich diesem GOTT, von dem ich weiß und glaube, dass Er die Fülle des Lebens bereithält, dass Er Liebe ist, und dass Seine Führung in die Freiheit führt. Ich lasse mich mir nehmen, ich lasse es zu, erlaube ihm, dass er mich nehmen darf, um mich ihm zu geben, und er gibt mich an die Menschen zurück. Er wandelt mich von dem, was ich für mich selbst war, zu dem, was ich für andere sein sollte.

Wir sind nicht die, die den Weg wissen müssen, nicht diejenigen, die ihre Baustellen genau kennen sollten und dann selber entscheiden müssen, woran gearbeitet wird in den nächsten Jahren. In einem Gespräch in den letzten Tagen habe ich Dir ein Zitat wiederholt von Simone Weil, das wir in der Morgenlesung gehört haben:

„Der Held trägt eine Rüstung, der Heilige geht nackt.“

Alles darf sein, alles darf vor GOTT sein, Er ist es, der wandelt, der stärkt und immer die Fülle bringt, auch und gerade am Kreuz. In der Leere. In der Nacktheit. Das „Für-mich-selber“ wird aufgebrochen in ein „Leben-für-alle“. Das macht Gemeinschaft aus: im Tagesgebet hörten wir heute, dass der hl. Franz allen alles wurde. Das ist unsere Berufung.

Und die Gebete des heuten Tages zeigen uns beeindruckend, welche Frucht diese Wandlung des bloß Eigenen in ein Für-Andere bewirken kann. Wir beten am heutigen Tag, dass die Menschenfreundlichkeit GOTTES durch uns sichtbar wird und dass jene Güte, die den heiligen Franz so liebenswert gemacht hat, auch in uns wachsen kann.

Liebe Kathrin,

Du hast den heutigen Tag für die Postulatsaufnahme in den Blick genommen, vielleicht weil der hl. Franz Patron der Journalisten und Schriftsteller ist. Seine Predigten ließ er auf Blätter drucken, die er überall dort befestigte, wo Menschen lebten, arbeiteten und unterwegs waren, da der Bevölkerung unter Androhung von Strafen jeglicher Kontakt mit dem charismatischen Priester verboten war: mit einfachen, zu Herzen gehenden Worten erreichte er die Menschen*. Er war kein Heiliger, der mühelos durchs Leben ging.

Obwohl er von Natur aus eher aufbrausend war, bemühte er sich, allen Angriffen gegen ihn mit Sanftmut, Güte und Liebe zu entgegnen.

„Die Zeit damals war geprägt von den Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Calvinisten. Die Calvinisten glaubten, das ewige Leben oder die ewige Verdammnis eines Menschen seien von Geburt an von Gott bestimmt. Die Katholiken waren überzeugt, dass für einen Christen Werke der Nächstenliebe entscheidend seien.

Franz stürzte durch diese unterschiedlichen Auffassungen in eine schwere Glaubenskrise. Diese überwand er nach Jahren intensiven Betens und dem Studium der heiligen Schriften. Sein Glaube an die Liebe und Gnade Gottes war nun durch nichts mehr zu erschüttern.“*

In seinem bekanntesten Werk „Philothea. Anleitung zum frommen Leben“ gibt er die Weisung:

„Erwäge die ewige Liebe, die Gott uns erwiesen hat. Gott liebte dich; wann begann er dich zu lieben? Als er begann, Gott zu sein, d. h. da er immer war, ohne Beginn und Ende, hat er dich immer und ewig mit grenzenloser Liebe geliebt. Von Ewigkeit hält er die Gnaden und Gunsterweise, die er dir gab, für dich bereit. Er sagt es durch den Propheten: „Ich habe dich geliebt (er spricht zu dir, als wärest du allein) mit ewiger Liebe; deshalb habe ich dich an mich gezogen.“

Liebe Kathrin,

mögest Du aus dieser vom Uranfang sprudelnden Quelle der Liebe GOTTES Tag für Tag trinken dürfen. Es ist uns eine Freude, Dich in unsere Gemeinschaft aufzunehmen, Dich kennenlernen zu dürfen und mit Dir unseren Auftrag der „heilenden Liebe“ zu leben. Dein Entschluss bleibt für uns ein neues Wunder und ein Geschenk des Himmels. Und wir hoffen, dass unsere Gemeinschaft Dir Ort des Wachsens und Entfaltens sein darf und Du Wandlung erfahren darfst, wo Dein Herz und Deine Seele sich danach sehnen.

Eine Aufgabe möchte ich Dir mitgeben, nein, keine Aufgabe, einen Rat, den Du wahrscheinlich kennst. Der hl. Franz hat ihn aufgeschrieben für uns:

„Wenn dein Herz wandert ...

bring es behutsam an seinen Ort zurück

und versetze es sanft

in die Gegenwart des Herrn.

Und selbst wenn du in deinem Leben

nichts getan hast,

außer dein Herz zurückzubringen

und wieder in die Gegenwart Gottes

zu versetzen,

obwohl es jedes Mal fortlief,

nachdem du es zurückgeholt hattest,

dann hast du dein Leben wohl erfüllt“.

 

Die Postulats- und Noviziatszeit ist eine nicht wiederkehrende Zeit, in der Du genau dieses Bleibende einüben darfst: Dein Herz immer wieder zurückzuholen und in die Gegenwart GOTTES zu versetzen. Wir können Dir kein Leben ohne Enttäuschungen und Entbehrungen versprechen, wir leben viel Alltäglichkeit, und auch das Böse bleibt nicht außerhalb unserer Klausur, aber es ist ein Leben mit Christus, das zutiefst glücklich macht, das uns eine Unruhe schenkt, die uns den Weg zeigt und uns ständig aufbrechen lässt. Es ist ein Leben der Liebe, die wir zu lernen und lernen und lernen haben.

Da sind wir also da vor dir.

Soviel jede kann, ist sie da.

Mit Dir.

Als Zeichen der Zugehörigkeit möchten wir Dir das Mantelwappen mitgeben, das uns daran erinnert, immer wieder neu zu beginnen, und dass wir noch zu einer viel größeren Gemeinschaft gehören dürfen, zur dominikanischen Familie. Und der hl. Franz fand Stärkung und Heilung durch das Meditieren der Hl. Schrift. Auch sie möchte ich Dir im Namen von uns Allen in die Hände legen.

Sr. M. Scholastika

 

*(zitiert aus https://www.katholisch.de/artikel/7688-patron-derjournalisten, Margret Nußbaum, 24.01.2020)

 

 

 

Schwestern

Gestern trafen wir uns mit dem sogenannten Juniorat zum Austauschtag in Köln. Wir sind das sogenannte Juniorat, weil eigentlich nur noch Sr. M. Christina die Juniorin ist, aber wir sie zum einen nicht alleine lassen wollten und es andrerseits auch genießen, miteinander in Kontakt zu sein, Zeit zu verbringen und Ideen zu spinnen. 

So haben wir es auch gestern genossen, miteinander unterwegs zu sein, auch wenn wir uns leider nicht mit unseren geliebten Rosinenbrötchen stärken konnten. Dafür konnten wir uns im Austausch miteinander stärken, darüber berichten, was uns gerade beschäftigt, wie wir unseren Alltag erleben und was uns Freude macht. Gleichzeitig hatten wir die Gelegenheit, das Christkind zu treffen und uns von verschiedenen Geschäften und Angeboten inspirieren zu lassen. 

Und auch, wenn wir uns nicht ausgesucht haben, denke ich, ist doch zu merken, dass wir in besonderer Weise miteinander verbunden sind. Wie Schwestern eben... Und das empfinde ich wirklich als ein besonderes Phänomen, dass wir als Gemeinschaft zusammen leben, obwohl wir oft sehr unterschiedliche Interessen haben. Aber gerade das ist natürlich auch bereichernd.

Für Sr. M. Johanna wurde in den vergangenen Monaten klar, dass für sie das Leben in unserer Gemeinschaft nicht so bereichernd ist. Sie hat sich daher entschieden, ihre Berufung und ihren Weg zu überprüfen und war deswegen gestern auch nicht mit uns zusammen in Köln. 

Wir wünschen ihr für ihre Zeit der Klärung die Gaben des Heiligen Geistes und sind dankbar für die Zeit, die sie mit uns verbracht hat als unsere Schwester.

Sr. Kerstin-Marie

Advent

Advent im Kloster – für mich persönlich die Zeit im Kirchenjahr, in der ich unseren klösterlichen Alltag nicht nur einfach schön, sondern als puren Luxus empfinde. Jedenfalls kommt es mir so vor, wenn ich in diesen Tagen in der vollen Innnenstadt unterwegs bin und danach wieder in den Bus Richtung Arenberg steigen darf. So sehr ich auch glitzernde Weihnachtsbeleuchtung und Glühwein mag, so dankbar bin ich, hier oben den Advent auch in seiner Kargheit spüren zu dürfen - die winterliche Dunkelheit, die Stille, vor allem aber die bewegenden Texte und Gebete in unseren Gottesdiensten, in denen die ganze Sehnsucht der Menschheit nach Heil und Leben zum Ausdruck gebracht ist.   

In der vergangenen Woche ging es zwar auch bei uns im Kloster hoch her – auf die Adventsfeier für unsere Mitarbeitenden folgten Barbara-Tag, Nikolausabend und das Hochfest Maria Empfängnis – aber ab der nächsten Woche wird es nun wirklich still, nicht nur bei uns im Kloster, sondern vor allem auch im Gästehaus. Zum ersten Mal bieten wir dort eine Themenwoche „Stille“ an, in der auf vielfältige Weise Erfahrungen von Stille vermittelt werden. Zu den Angeboten zählen mehrere tägliche Meditationszeiten, stilles Verweilen in der Natur, meditative Schreibangebote, stille Anbetung in der Mutterhauskirche, Leibübungen, und am Ende der Woche einen Erfahrungsaustausch, wie es beispielsweise gelingen kann, Zeiten der Stille auch im Alltag einzubauen. Im Vorfeld hat es unserem Team viel Freude gemacht, darüber nachzudenken, wie wir unsere Gästen unterstützen können, sich auf Schweigen und Stille einzulassen, und sind schon jetzt sehr gespannt darauf, welche Resonanz es auf unsere Angebote geben wird. „Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen“, hat der französische Philosoph Blaise Pascal einmal festgestellt. So betrachtet, werden wir im Kloster Arenberg in der kommenden Woche also eine Art „Trainingscamp für glückliches Leben“ anbieten :-)

Wie auch immer Sie die kommenden Tage verbringen werden – ob im vorweihnachtlichen Großstadtgetümmel oder auch bewusst zurückgezogen und in Stille – ich wünsche Ihnen und uns allen hier eine segensreiche Zeit, die uns tiefer in das Geheimnis der Menschwerdung Gottes hineinwachsen lässt. 

Sr. M. Ursula

Wie das Leben so spielt...

Eigentlich begann alles ganz unspektakulär. Vor einigen Wochen war ich nach Mannheim eingeladen zu einer SWR-Talkshow „Mal ehrlich - es ist zu laut!“. Während die meisten der anderen Talkgäste erzählten, welcher Lärmbelastung sie in ihrem Alltag ausgesetzt sind, war es mein Part, ca. zwei Minuten etwas zum Thema „Stille“ bzw. der Wirkung von Stille zu sagen. Zusammen mit mir war auch Dennis, ein Yogalehrer als Teil der „stillen Fraktion“ eingeladen. Kaum waren wir uns vor der Sendung begegnet, hatten wir beide uns direkt so viel zu sagen, dass ausgerechnet an unserem Tisch von Stille keine Rede mehr sein konnte. Auch nach der Sendung gingen wir munter plappernd aus dem Studio zur After-Show-Party und tauschten unsere Erfahrungen aus. Dort gesellte sich dann eine wiederum sehr interessante Frau zu uns, die mich durch ihre Geistesgegenwärtigkeit, Zugewandtheit und Klugheit absolut faszinierte. Irgendwann war dann der Zeitpunkt gekommen, an dem wir alle zum Bahnhof mussten, und bevor wir uns verabschiedeten, wollten wir uns noch schnell bei Instagram verknüpfen. Als ich die gute Frau fragte, wo ich sie denn dort finden könne, meinte sie: „Unter meinem Namen!“, was für mich zunächst nur halb aussagekräftig war. Doch als sie mir auf meine erneute Nachfrage leise „Bettina Böttinger“ sagte, wäre ich am liebsten im Boden versunken. Denn es war für mich nicht irgendjemand, den ich nicht erkannt hatte, sondern ausgerechnet die Moderatorin, die ich in meiner Jugendzeit regelrecht verehrt hatte. Ich fand es schon damals großartig, wie sie geistreich und humorvoll mit den verschiedensten Menschen ins Gespräch kam. Aber da ich an diesem Abend in keiner Weise mit ihr gerechnet hatte, und seit meinem Eintritt 2006 fast kein Fernsehen mehr geschaut hatte, war es für mich im Nachhinein kein Wunder, dass ich so blind gewesen war. „Sie hören von mir!“, rief sie mir beim Abschied noch fröhlich zu… 

Tatsächlich klingelte schon wenige Tage später mein Handy, und eine nette Dame am anderen Ende der Leitung sagte mir, dass Bettina Böttinger mich gerne in den Kölner Treff einladen würde. Und so kam es, dass ich mich am vergangenen Dienstag tatsächlich auf den Weg nach Köln machte, um zusammen mit Marius Müller-Westernhagen, Sascha Grammel, Mario Barth, Guido Maria Kretschmer und Klaudia Paterok an der Live-Aufzeichnung dieser Talkshow mitzuwirken. Die Stunden in Köln wurden für mich zu einem spannenden Ausflug in eine andere, fremde Welt, auch wenn es nicht meine erste Fernseherfahrung war. Ja, es kam mir wirklich vor, als sei ich gerade in einem sehr anderen Film, als der, den mir mein Leben ansonsten spielt. Auf der einen Seite ein wunderbarer Streifen mit netten Menschen und inspirierenden Begegnungen, auf der anderen Seite aber auch ziemlich anstrengend und ermüdend. Als ich am Morgen nach der Aufzeichnung vor meiner Abfahrt noch den Kölner Dom besuchte, kam mir sogar ein Tränchen der Dankbarkeit, wieder in mein „normales Leben“ zurückkehren zu dürfen. Ich fühlte mich, als wäre ich nach einer langen Reise wieder nach Hause gekommen, dabei war ich erst 20 Stunden zuvor vom Arenberg aufgebrochen! 

Von Normalität kann allerdings seit meiner Rückkehr vorerst noch keine Rede sein, denn seit Tagen werde ich regelrecht überflutet von Mails, WhatsApp-, Facebook- und Instagram-Nachrichten, Anrufen, Briefen und fröhlichen Zurufen auf der Straße wie: „Schwester, ich hab‘ Sie gestern im Fernsehen gesehen, super!“ Genauso, wie mich die offenbar große Wirkung meines Beitrags einerseits natürlich riesig freut und ehrt, sehne ich mich aber auch schon jetzt danach, wenn sich langsam die Wogen glätten und es wieder alltäglicher zugehen darf in meinem Leben. Was bleibt, ist eine riesige Dankbarkeit, denn in den letzten Tagen hatte ich so intensiv wie selten das Gefühl, von oben geführt zu werden. Ob im Fernsehstudio oder in der Meditation, ob im Seelsorge-Gespräch oder im Austausch mit meinen Mitschwestern, ob auf den Höhen des Erfolgs oder im alltäglichen Frust, da gibt es JEMAND in meinem Leben, der da ist. Und diese Gewissheit  ist es,die mich unendlich viel glücklicher macht, als ich es in Worte fassen kann.

So bin ich nun gespannt, wie das Leben wohl weiter spielen wird ;-)

Sr. M. Ursula

 

Amerika

Vergangene Woche bin ich erneut aus Amerika zurück gekehrt. Dieses Mal durfte ich in Begleitung meines Studienfreundes Benedikt reisen, der ein großer USA-Liebhaber ist. So war es wirklich schön, nicht alleine unterwegs sein zu müssen. Da wir über New York zurück geflogen sind, hatte ich die Gelegenheit, die Freiheitsstatue zu sehen, konnte das Guggenheim-Museum besuchen und durfte in der Bronx bei meinem Kommilitonen Stephen eine Kinderkatechese halten. Es ist immer interessant, die verschiedenen Gottesdienstgemeinden kennen zu lernen. Am Ende kann man sagen: Auch in Amerika wird nur mit Wasser gekocht. Oder mit fettfreier Milch, was dann ja auch Wasser ist.

Beeindruckend fand ich in New York noch die Kathedrale St. Patrick, die auch am Abend gut besucht war. Und schön war, dass wir am Sonntagabend einen Mitbruder treffen konnten, der auch gerade in den USA ist.
Studientechnisch beschäftigen wir uns in diesem Semester mit der Praxis. Wir lesen viele Bücher darüber, wie eine Predigt aufgebaut sein sollte, wie man eine Predigt so hält, dass möglichst alle sie verstehen und wie man auch schwierige Themen in einer Predigt ansprechen kann. Um das gleich zu üben, müssen wir in diesem Semester zwei Predigten halten, sie auf Video aufnehmen und bei YouTube hochladen, so dass man sie später überall auf der Welt anschauen kann. Die erste Runde ist schon geschehen, so dass wir viele verschiedene Predigten in St. Louis anschauen und anhören konnten. Das war bereichernd und sowohl die Dozenten, Kommilitonen als auch ich sind mit meiner Predigt sehr zufrieden. Gleichzeitig führt die Auseinandersetzung mit der Frage, wie eine gute Predigt aussehen soll, auch dazu, dass ich sonntags oft die Idee habe, wie man es hätte anders machen können, wenn der Prediger sich etwas ausführlicher mit der Gemeinde beschäftigt hätte. Denn, das ist mit das A und O der Predigtvorbereitung, der Prediger muss sich Zeit nehmen für die Vorbereitung und am besten schon Tage vorher damit beginnen. Sicher für viele Priester im Alltag eine Herausforderung, jedoch offensichtlich notwendig, wenn man das Wort Gottes für uns hier und heute auslegen möchte.

 

So ist und bleibt das Studium spannend, inspirierend und manchmal auch herausfordernd. Und dachte ich im letzten Semester noch, dass ich verrückt gewesen sein muss, mich auf ein so langes Studienprogramm eingelassen zu haben, bin ich jetzt froh, dass wir die Hälfte noch nicht erreicht haben, anstatt schon wieder ans Ende zu denken.

Sr. Kerstin-Marie

Nachklang

Obwohl ich nun schon seit mehr als zwei Monaten aus meinen Fahrradferien zurück bin, klingen sie noch in mir nach. Es gibt noch "Reste", die mich daran erinnern, Bilder, die in mir aufsteigen und die Freude an den vielen Erlebnissen. 

Vor ungefähr vier Monaten gab es dann noch einen besonderen Nachklang: Ich bekam einen Brief, dessen Absender ich gar nicht einordnen konnte. Erst, nachdem ich den Brief geöffnet und die Karte darin gelesen hatte, lichtete sich das Geheimnis. Wie im letzten Beitrag berichtet, war ich ungefähr 30 km lang mit Pete aus Kanada zusammen gefahren und wir hatten unterwegs festgestellt, dass wir uns schon in den Tagen vorher hätten treffen können. In Dänemark hätten wir sogar fast einmal zur gleichen Zeit am gleichen Platz übernachtet, wenn ich mich dann nicht doch noch für den Campingplatz entschieden hätte. Jener Pete also erzählte mir, dass er von Hamburg aus noch weiter fahren wolle, um seine Tante in Celle zu besuchen. Und nun bekam ich einen Brief von jener Tante, die sich darüber freute, dass ich ihrem Neffen begegnet sei, der wiederum fasziniert davon war, einer radelnden Ordensfrau begegnet zu sein. Über die allgemeine Freude freute ich mich und noch mehr freue ich mich daran, dass jene Tante sich extra die Mühe gemacht hatte, meine Adresse herauszufinden, um mir zu schreiben. 
Wie faszinierend, welche unsichtbaren Bande und Netze es doch gibt. Der Glaube verbindet dabei wirklich über Ländergrenzen und Interessen hinweg und sorgt für tolle Überraschungen und eine unerwartete Ferienverlängerung.

Sr. Kerstin-Marie

Sonne, Wind und Regen

Inzwischen bin ich schon seit fast einem Monat zu Hause, aber die wunderbaren Erlebnisse meiner langen Ferien sind noch ganz präsent. Zum ersten Mal hatte ich in diesem Jahr quasi alles auf eine Karte gesetzt und für den Sommer 26 Tage Ferien eingeplant. Den größten Teil davon verbrachte ich auf meinem Fahrrad und in meinem Zelt und es war eine tolle Erfahrung. 

Mit dem Zug ging es dafür zuerst nach Holstebro in Dänemark, von wo aus ich in Richtung Nordseeküstenradweg startete. Schon die erste Nacht war ein Erlebnis, da ich, nach den ersten 30 Kilometern schon einmal komplett nassgeregnet, auf einem Shelterplatz übernachtete. Hier gab es drei Holzhütten, zwei Sitzgruppen, eine Feuerstelle, einen Wasserhahn sowie jede Menge Vögel. Andere Menschen waren nicht in Sicht und man musste sich auch nirgendwo anmelden oder etwas bezahlen. Eine spannende Erfahrung, vor allem, als sich am Abend die vielen Vögel auf dem Dach das Holzhäuschens niederließen, dass ich mir ausgesucht hatte, und ich im ersten Augenblick die Geräusche der Vogelfüßchen gar nicht zuordnen konnte. Spannend war auch die Erfahrung, sich mal wieder nur an einem Wasserhahn zu waschen, ganz ohne Waschbecken, Spiegel, Ablage usw. Als Mitteleuropäerin hatte ich das schon ziemlich lange nicht mehr gemacht. 
So war die erste Nacht ein guter Auftakt für eine tolle Reise, während derer ich ungefähr 1400 km mit dem Rad unterwegs war. Gott sei Dank ohne einmal einen Servicekasten wie diesen auf dem Bild aufsuchen zu müssen. Stattdessen traf ich viele nette Menschen. In St. Peter-Ording freute sich eine Frau auf der Straße so sehr, in der Diaspora mal wieder eine Ordensfrau zu sehen. Auf dem Campingplatz in Kollmar kam eine ganze Community von Radwanderern zusammen und wir fachsimpelten über Radwege, Rückenwind und Ausrüstung. Auf dem Weg nach Hamburg fuhr ich ca. 30 km lang gemeinsam mit Pete aus Kanada, der durch fast ganz Europa geradelt war und nun langsam den Heimweg antrat, nicht ohne vorher seine Tante in Celle zu besuchen. In Stade lud mich eine Frau ein, auf dem Rückweg bei ihr in Hamburg im Gästezimmer zu übernachten, im Alten Land schenkte mir eine Obstverkäuferin Kirschen und in Berne an der Weser teilten Vater und Sohn ihre Streckenerlebnisse mit mir. An einem Tag fuhr ich 143 km - mein persönlicher Streckenrekord an einem Tag - und auf dem Weg nach Cuxhaven dachte ich, der Gegenwind würde mich zurück nach Hamburg pusten. Manchmal war ich so nass, dass ich jedes Kleidungsstück hätte auswringen können und an anderen Tagen fing ich mir einen Sonnenbrand ein. Während der heißen Woche im Juli konnte ich Schatten bei den Mitbrüdern in Vechta finden und an anderen Abenden kochte ich mir im Zelt am Abend einen warmen Tee und kroch so tief in den Schlafsack, wie es nur ging. 

Ich überquerte die Grenze von Dänemark nach Deutschland und merkte es nur an den anderen Straßenschildern, aß in vielen verschiedenen Bäckereien Rosinenbrötchen, und freute mich an der Weite der Landschaft und an Ortsnamen wie Dagebüll, Klanxbüll, Niebüll oder Harlesiel, Carolinensiel, Bensersiel. 

Ich konnte mich jeden Tag neu entscheiden, wo ich langfahren und wann ich Pause machen wollte, war ganz frei und fühlte mich doch nie allein. Ach, es war einfach eine herrliche Zeit, und als ich am 5. August in Borkum auf die Fähre stieg, um nach vier Wochen zum ersten Mal wieder mit dem Zug zu fahren, war ich doch ein bisschen wehmütig. Auch wenn ich am Ende sagen kann, dass mir Gegenwind keine Angst mehr macht und ich weiß, dass man - oder zumindest ich - einfach nass wird, wenn es regnet. 

Die Tour hat so viel Freude gemacht, dass ich davon noch lange zehren werde und gleichzeitig schon wieder überlege, wann und wohin es wieder aufs Rad geht. Für mich die tollste Art, Ferien zu machen.

Sr. Kerstin-Marie

Aus Bolivien und der Welt

 

Wer noch nicht im Sommerurlaub ist oder dorthin keine schwere Lektüre mitnehmen möchte, ist mit unserem aktuellen ePaper gut beraten. Für die, die (noch) zu Hause sind, gibt es Stoff, um gedanklich in die Ferne zu schweifen. Für die, die unterwegs sind, gibt es anregende und platzsparende Lektüre. 

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und stets ein kühles Plätzchen.

Sr. Kerstin-Marie 

Gemeinsam unterwegs...

Im vergangenen November wurde eine großartige Idee geboren – mit der „U60-Gruppe“ unserer Gemeinschaft (alle Schwestern unter bzw. um die 60 Jahre) hatten wir uns bei Sr. M. Josefa und Sr. M. Andrea in Datteln-Meckinghoven getroffen und machten nach dem Mittagessen bei schönstem Wetter einen kleinen Verdauungsspaziergang am Dortmund-Ems-Kanal. „Eigentlich müssten wir hier mal eine Fahrradtour machen!“, sagte plötzlich eine von uns, und die Idee stieß spontan auf Zustimmung. Die Terminfindung erwies sich zwar bei unseren vollen Kalendern schwieriger als vermutet, doch nach längerer Suche einigten wir uns schließlich auf den 18.6.2019. Ehrlich gesagt hatte ich bis kurz vor Beginn der Tour große Zweifel, ob wir es wirklich hinbekämen, diesen Termin zu halten, umso mehr freute ich mich, als Sr. Scholastika, Sr. Christina und ich tatsächlich am Dienstagmorgen um 6:40 mit unseren Fahrrädern im IC saßen und Richtung Recklinghausen fuhren. Sr. Maria und Sr. Kerstin-Marie stiegen in Oberhausen ein, und wir erreichten pünktlich (danke, Deutsche Bahn!!) um kurz vor 9 Uhr Recklinghausen. Von dort aus war es nur ein Katzensprung nach Datteln-Meckinghoven, wo wir nach einem kurzen Kaffeeplausch zusammen mit Sr. Josefa und Sr. Andrea auf die Räder stiegen. 

Um es kurz zu machen: Diesen Tag werden wir wahrscheinlich alle so schnell nicht mehr vergessen. Anfangs hatte ich etwas Not, ob wir uns das Ziel nicht etwas zu hoch gesteckt hatten und wir überhaupt gemeinsam auf dem Rad in Münster einrollen würden. Während unsereins ja noch relativ gut im Training war, gab es auch Schwestern in unserer Gruppe, die schon monatelang nicht mehr auf dem Fahrrad gesessen hatten – in diesem Fall sind knappe 70 km doch eine ziemlich krasse Hausnummer. 

Die erste Etappe unserer Tour führte uns ins ca. 25 km entfernte Lüdinghausen, wo wir uns in der Mittagshitze in einer viel umschwärmten Eisdiele mit kühlen Köstlichkeiten verwöhnen ließen. Die Portionen waren üppig bemessen, und insbesondere Anblick des „Pizzaeisbechers“ brachte uns zum Lachen bzw. Sr. Maria ins Schwitzen – beim Verzehr konnte sie dann jedoch natürlich auf mitschwesterliche Unterstützung zählen. So gestärkt waren die nächsten 25 km nach Senden fast ein Kinderspiel, obwohl wir unterwegs stellenweise mit nicht unerheblichem Gegenwind zu kämpfen hatten. Für unsere nächste größere Pause hatten wir uns ein schönes schattiges Plätzchen am Kanal ausgesucht, erfreulicherweise ganz in der Nähe eines Getränkemarktes, und so konnten wir durch den Genuss eines kühlen Radlers etwas für unseren Elektrolythaushalt tun. Schön, dass wir von unserem Rastplatz aus auch das Schild „Münster 20 km“ sehen konnten – 20 km, das erschien uns ja nur noch wie ein Klacks! Der letzte Abschnitt unserer Tour endete ziemlich amüsant: Sr. Kerstin-Marie, Sr. Christina und ich waren vorgeprescht, hatten allerdings wohl zwischendurch irgendwo ein Schild übersehen, so dass wir unfreiwillig ca. 6 km Umweg machten. Unsere „Seniorengruppe“ dagegen war rechtzeitig in Richtung Münster abgebogen und wir staunten nicht schlecht, als wir drei nach einem ziemlich sportlichen Sprint von mehreren Kilometern plötzlich am Stadtrand einige Meter vor uns unsere Mitschwestern radeln sahen. Umso schöner war es, dass wir dann am Ende tatsächlich alle gemeinsam auf dem Domplatz einrollten, wo wir als Erinnerung ein „Finisher-Foto“ machten. 

Auch das war verrückt: Sr. Kerstin-Marie hatte uns vorweg in einem kleinen Lokal in Münster einen Tisch reserviert für ca. 17:45 Uhr. Ohne dass wir an diesem Tag auch nur ein einziges Mal auf die Uhr geschaut haben, saßen wir dort um 17:40 Uhr – zwar etwas angemüdet, dafür aber stolz wie Oskar und quietschvergnügt – beim Abendessen. Und überhaupt hatte dieser ganze Tag für mich und uns viel Unbeschwertes: Einfach mal einen Tag lang die vielen Gedanken abschalten, die Natur zu genießen und alle Kraft in die Beine fließen lassen, das empfand ich persönlich als Luxus. Zu erleben, wie jede von uns ihr eigenes Tempo fahren konnte, wie wir als kleine Schwesterngruppe in aller Unterschiedlichkeit auf ein konkretes gemeinsames Ziel hin miteinander unterwegs waren, wie wir uns gegenseitig zu Höchstleistungen angespornt und miteinander die Pausen gestaltet haben, war einfach ein Geschenk und ist für mich auch ein starkes Bild für die Art und Weise, wie wir heute miteinander Leben gestalten. Und dass am Ende die Letzten die Ersten sein werden, hat Jesus ja nebenbei bereits vor 2000 Jahren prognostiziert ;-) 

Nach dieser großartigen Erfahrung hoffe ich jedenfalls sehr, dass weitere gemeinsame Touren folgen und wir auch weiterhin auf diese schöne Art und Weise Leben teilen werden. 

Sr. M. Ursula

Sakramente

Die Konstitutionen regeln unser Leben als und in Gemeinschaft. In ihnen steht, wie wir gemeinsam leben, wie wir unsere Spiritualität pflegen, was uns wichtig ist, auf welche Weise man bei uns eintreten kann, wer die Leitung der Gemeinschaft inne hat und noch viel mehr. Da wir eine Gemeinschaft päpstlichen Rechts sind, wurden unsere Konstitutionen von Rom approbiert, d.h., von der Religiosenkongregation auf Richtigkeit überprüft und dann genehmigt. Wollen wir etwas an unseren Konstitutionen ändern, geht das nicht ohne die Genehmigung von Rom.
Nun steht in unseren Konstitutionen, dass wir täglich zur Eucharistiefeier zusammen kommen und dass wir öfter das Bußsakrament empfangen. Selbstverständlich ist für uns auch, dass kranke und ältere Mitschwestern die Krankensalbung empfangen. Und natürlich sind wir alle getauft und gefirmt, ohne diese beiden Sakramente könnten wir ja nicht Profess ablegen. Die Sakramente gehören also unabdingbar zum Vollzug unserer Spiritualität und es ist uns ein Anliegen, dass wir die Sakramente feiern können. Und da Rom unsere Konstitutionen kennt und sie genehmigt hat, erwarte oder erhoffe ich mir, dass die Kirche - wer auch immer das in diesem Fall sein mag - uns dabei unterstützt, unseren Glauben zu leben. 
Das wird jedoch zunehmend schwerer. Denn die Zahl der Priester nimmt ja ab. Daher ist es nicht immer möglich, einen Priester zu finden, der mit uns Schwestern die Messe feiern kann. Der Priester, der alle paar Monate zu uns ins Haus kommt, um die Beichte zu hören, schneidet sich diese Zeit auch förmlich aus den Rippen. Und natürlich sind wir dankbar, wenn und dass Priester zu uns kommen, um mit uns zu feiern, denn wir könnten es gar nicht leisten, jeden Tag z.B. alle 26 Schwestern aus dem Vincenzhaus in eine Kirche in der Umgebung zu bringen. Dafür akzeptieren wir, dass die Predigten eher selten für uns geschrieben und gesprochen werden, dass auch schon einmal das Vater Unser in der Messe vergessen wird oder die Wandlung aus dem Blick gerät.

Natürlich, Priester sind auch nur Menschen und oft, aufgrund ihrer Aufgaben oder ihres Alters, müde und erschöpft. Und natürlich sind wir vielleicht auch nicht die frischeste Gemeinde. Aber so, wie es ja auf den Spender nicht ankommt, denke ich, sollte es eigentlich auch nicht auf die Beschaffenheit der Gemeinde ankommen. Stattdessen wünsche ich mir, dass wir die Sakramente feiern können, so dass sie in mein tägliches Leben hineinwirken, so dass ich spüre, dass Jesus Christus da ist und in dem Moment die Realität verändert, so dass wir darauf Energie schöpfen können, um in die Welt zu wirken, so dass ich mich verbunden fühle mit der dominikanischen Familie und allen Brüdern und Schwestern auf der Welt. 
Und deswegen wünsche ich mir und hoffe, dass Rom unsere Situation sieht und darauf eingeht. Denn ich möchte aus den Sakramenten schöpfen und leben können. Was das am Ende bedeutet, weiß ich nicht. Da es ja aber auf den Spender nicht ankommt, spielt es für mich keine Rolle, wer dann am Ende geweiht wird und mit uns die Sakramente feiert. Aber feiern möchte ich sie, dass man merkt, dass der Himmel offen ist.

Sr. Kerstin-Marie

Lesestoff

Wer fürs Wochenende noch etwas zum Lesen sucht, wird hier fündig. Denn das aktuelle ePaper von kontinente ist online und kann am Computer, auf dem Smartphone oder Tablet gelesen werden. 

In der Heftmitte sind unsere eigenen Inhalte zu finden, in denen es um die bevorstehende Europawahl geht, um einen Menschen, der sich engagiert und wir suchen Menschen, die sich mit uns engagieren. Aber auch den "Mantelteil", wie wir die äußeren Seiten nennen, ist auf jeden Fall lesenswert. Dort ist die Rede von Menschen, die jetzt noch die Auswirkungen des Vietnamkrieges spüren und die Redaktion hat die sexuelle Gewalt gegen Ordensfrauen näher beleuchtet. Die sehenswerte Dokumentation von Arte zu diesem Thema ist zur Zeit leider nicht zu sehen, daher lohnt sich ein Blick ins Heft umso mehr.

Die Themen mögen nicht ganz leicht sein, aber hoffentlich Augen-öffnend. 

Wir wünschen eine anregende Lektüre

Sr. Kerstin-Marie

 

 

Christus ist auferstanden!

Christus ist auferstanden - Halleluja! 
Die Osterfreude umgibt uns an diesem Tag, auch wenn wir um die schrecklichen Ereignisse auf der Welt wissen. Trotzdem freuen wir uns, dass der Tod eben nicht das letzte Wort hat und bringen das in vielen Hallelujas zum Ausdruck, die wir natürlich sehr gerne singen. Heute zum Beispiel in der Vesper im Canticum aus der Offenbarung des Johannes, das von vielen Hallelujas begleitet wird. Mit diesem Gesang wird für mich immer deutlich, dass es wirklich um Leben geht und dass das Leben da ist und für uns da ist. Ich singe gerne die vielen Hallelujas und freue mich, dass wir sie von nun an so ziemlich jeden Sonntag singen werden.
Meine persönliche Kar- und Ostererfahrung hatte ich in diesem Jahr schon am Karfreitag: Für mein Studium muss ich eine Buchbesprechung schreiben, was ich noch nie gemacht habe. Noch dazu über ein Buch, dass wir in den letzten Wochen gelesen haben, das aber nicht leicht zu lesen war. Selbst die amerikanischen Kommilitonen haben gestöhnt und einer sagte: "Ich bin immer eingeschlafen, wenn ich das Buch gelesen habe." Für letzte Woche hatte ich mir, um genügend Zeit zu haben, schon vorgenommen, mit der Besprechung zu beginnen anhand eines konkreten Leitfadens, den wir bekommen haben. Aber dann kam dies und das dazwischen und es war Donnerstagabend. Bis dahin hatte ich zwar noch etwas Sekundärliteratur gelesen, aber noch keinen Satz geschrieben.

Und am Donnerstag in der Anbetung wurde mir auch klar warum ich diese Arbeit so gerne vor mir her schiebe: Es könnte ja sein, dass ich, wenn ich mich hinsetze und schreiben möchte, merke, dass ich es gar nicht kann. Schließlich muss ich auf Englisch schreiben, irgendwie hab ich den Eindruck, nur Fragmente des Buches im Hirn zu haben und überhaupt, wie schreibt man eigentlich eine Buchbesprechung? Also, ich wollte es vermeiden, zu scheitern.

Daher kam mir der Gedanke, dass es wirklich gut wäre, am Karfreitag mit der Arbeit zu beginnen. Denn wenn Christus am Freitag leidet, kann ich es auch tun. Und siehe da, es gestaltete sich als sehr mühsam, ich musste viel Hirnschmalz investieren, ich bin noch nicht fertig und muss wahrscheinlich jede Menge kürzen, aber am Ende bin ich doch in der Lage, dieses Buch zu besprechen. Wow, doch schon eine Ostererfahrung am Karfreitag. Und genau diese Erfahrung mit den ersten Sätzen auf dem Papier und den Gedanken im Kopf passt so gut zum Karfreitag. Denn wir wissen ja, dass Christus nicht im Grab bleiben wir und verehren nur deswegen das Kreuz. Aber bis zur Auferstehung, bis zur Fertigstellung der Arbeit, dauert es eben noch seine Zeit, durch die ich, durch die wir, hindurch müssen. Dann stehen am Ende viele Hallelujas und die Freude über das Leben sowie die Erleichterung über eine abgeschlossene Arbeit. 

Damit es dazu kommen kann, braucht es den ersten Schritt, die ersten Sätze auf dem virtuellen Papier und das Sich-Einlassen auf das Geschehen des Karfreitags. Dann kann es losgehen in Richtung des neuen Lebens.

In diesem Sinne: Allen ein lebensspendendes Osterfest und die Erfahrung, dass es sich lohnt, anzufangen, auch Unangenehmes anzunehmen und dadurch hindurch verwandelt zu werden, um am Ende viele Hallelujas im Herzen zu tragen.

Sr. Kerstin-Marie

In der Fremde geborgen - Teil 2

Gerade bin ich auf dem Rückweg meines vierten Aufenthaltes in den USA. Dieses Mal war es ein besonderer Aufenthalt. Freundlich sind die Menschen hier ja eigentlich immer - bis auf den Officer bei     der Einreise vor zehn Tagen, der fragte, was ich schon wieder hier wolle -, aber so richtig wohl gefühlt hab ich mich bislang nicht. Zu viel Plastik, zu wenig Radwege, zu viele Klimaanlagen. 
Dieses Mal jedoch war es anders: Ich wusste jetzt ja schon, dass man darauf achten muss, wenn man Kaffee nicht in Pappbechern trinken möchte, wohin man gehen und was man sagen muss. Ich kenne jetzt meinen Radweg zum Institut und finde es gut, dass in der Stadt die Autos recht vorausschauend fahren. In unserer Studiengruppe waren wir jetzt auch schon ziemlich vertraut miteinander und haben uns gefreut, uns endlich wieder zu sehen. Und das Zusammensein mit den Schwestern ist immer wunderbar. Sei es mit Sr. Shu-Chen in Chicago, mit der ich zusammen einen Rosamunde-Pilcher-Verschnitt schauen durfte oder mit den Schwestern im CDN, dem gemeinsamen Noviziat in St. Louis, mit denen ich alles teilen durfte, das Leben, das Essen, die Heilige Schrift sowie Scrabble und weitere Spiele oder jetzt zum Schluss mit den Nonnen in Summit, die mich so herzlich empfangen haben und bei denen ich einen sehr guten Abschluss meiner Woche hier erlebt habe mit schönen Gebetszeiten und vielen inspirierenden Gesprächen mit Sr. Judith Myriam. Es war eine Freude und jetzt kann ich sagen, dass ich mich schon darauf freue, im Oktober wieder nach Amerika zu kommen. 
Nicht unbedingt, weil ich Freund von Burgern oder riesiegen Portionen bin, sondern weil ich inzwischen so viele tolle Menschen kennengelernt habe, mit denen ich gerne mehr Zeit verbringen möchte. 
Was für eine Gnade, dass ich dieses Studium machen kann!
Sr. Kerstin-Marie

In der Fremde geborgen...

„Jetzt musst du noch einmal die Kälte genießen…“ – etwas wehmütig ging ich am späten Abend des 10. Januar noch ein letztes Mal durch unseren dunklen Klostergarten. Ziemlich genau 36 Stunden später würden uns in Santa Cruz 38° C. und 100% Luftfeuchtigkeit erwarten – darin waren sich alle Wettervorhersagen einig, und auch unsere Mitschwestern vor Ort warnten vor einem unerträglichen Klima in der Stadt. Ich gestehe, meine Vorfreude hielt sich in diesem Moment sehr in Grenzen, schwüle Hitze zählt zu den Wetterlagen, auf die mein Körper in der Regel wahlweise mit Migräneattacken oder massiven Kreislaufproblemen reagiert. Und trotzdem hatte mich die Abenteuerlust gepackt und ich war sehr gespannt, zum

ersten Mal in meinem Leben in eine mir fremde Kultur eintauchen zu dürfen. Mein erstes Mal in Bolivien, meine erste Reise in das Land, über das ich in den letzten Jahren schon so viel gehört hatte, gleichzeitig auch meine erste Reise nach Südamerika!
Die Spannung hätte nicht größer sein können, als wir am darauffolgenden Abend in Madrid das Flugzeug bestiegen, um knappe 11 Stunden später in Santa Cruz zu landen. Und die erste Überraschung kam schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug – es schüttete aus Kübeln, wodurch die Hitzewelle der vergangenen Tage gebrochen war. Und warum Regen gerne mal als „Segen von oben“ bezeichnet wird, konnte ich in den darauffolgenden drei Wochen erleben:  Tatsächlich kam es mir vor, als hätte unsere ganze Reise unter einem besonderen Segen gestanden! Um ehrlich zu sein: wenn es eines gab, womit ich in Bolivien fest rechnete, dann war es die Tatsache, dass während unseres Aufenthaltes sicherlich nicht alles glatt gehen würde. Nach allem, was ich bis jetzt von diesem Land gehört hatte, würde es sicherlich hier oder dort unerwartete Behinderungen geben: Schwierigkeiten bei der Ein- oder Ausreise, überflutete Straßen, große Verspätungen auf den Flughäfen, unvorhergesehene Blockaden, Magen-Darm-Beschwerden, möglicherweise sogar Raubüberfälle, extreme Wetterlagen, Erdrutsche… Kurzum, ich machte mich so ziemlich auf alles gefasst, nur nicht auf die Tatsache, dass wir in Sachen Unannehmlichkeiten komplett ungeschoren davonkommen würden. Doch genau dies war der Fall, und für mich persönlich ist es ein kleines Wunder, dass ich mich in diesem mir so fremden Land spontan derart wohl und geborgen gefühlt habe. Angst hatte ich nur einen winzigen Augenblick lang, als wir am ersten Abend in Comarapa eine (für mich) riesige schwarze Spinne auf dem schwarzen Boden in Richtung unserer Schlafzimmer flitzen sahen. Da war ich sehr dankbar, dass die furchtlos tapfere Sr. M. Scholastika das ungeliebte Vieh mit Hilfe eines Besens wieder ins Freie scheuchte. Nachdem die Schwestern uns am kommenden Tag dann glaubhaft versicherten, dass es in Comarapa eigentlich gar keine großen und gefährlichen Spinnen gäbe, wurden dann für den Rest des Aufenthaltes auch keine weiteren Wesen dieser Art mehr gesichtet ;-)

Bolivien ist ein Land der Extreme, jedenfalls war das mein erster Eindruck. Auf der einen Seite überwältigend schöne Landschaften, auf der anderen Seite Menschen, die in unvorstellbarem Elend leben und im Müll nach Essen suchen. Am krassesten empfand ich dies während eines Besuches in einem kleinen Dorf in der Nähe von Saipina. Wir besuchten dort arme Familien, trafen auf Kinder, welche deutliche Anzeichen einer Mangelernährung aufwiesen und in der Nacht zu acht auf zwei Matrazen schlafen mussten, während ein paar Meter weiter der große Garten eines Obstbauern lag, mit dessen Früchten man wahrscheinlich ganz Koblenz wochenlang hätte versorgen können. Diese Situation ist für mich ein Bild für die Frage, die mich seit meinem Aufenthalt noch viel mehr schmerzt als früher, und sich nicht nur auf Bolivien, sondern auf die ganze Welt bezieht: Wenn doch mehr als genug für alle da ist, warum schaffen wir Menschen es nicht, die Güter so zu verteilen, dass jeder das bekommt, was er braucht? Und wo ich gerade bei krassen Gegensätzen bin – ich fand es extrem beeindruckend, wie herzlich und unkompliziert wir selbst in der kleinsten Hütte empfangen wurden, und vor allem, welches Strahlen ich in vielen Gesichtern wahrgenommen habe. Damit will ich keineswegs die Armut der Menschen relativieren oder verharmlosen, aber wenn man mal erlebt hat, wie sehr sich eine Familie über neue Matratzen freut, die vorher auf dem blanken Lattenrost schlafen musste, dann macht das schon sehr sehr nachdenklich. Nun bin ich schon fast 14 Tage wieder zurück in der Kälte Deutschlands, aber in meinem Herzen ist es immer noch warm. Ich denke an zahllose liebevolle Umarmungen (abrazos) mit mir unbekannten Menschen, an ca. 3jährige Kinder, die mir auf der Straße ein fröhliches „Hola hermanita“ („Hallo Schwesterchen“) zuriefen, obwohl ich mehr als doppelt so groß war wie sie, und ich spüre gleichzeitig, was mir hier in der Heimat zuweilen schmerzlich fehlt: weniger die warmen Außentemperaturen als vielmehr die arglose zwischenmenschliche Herzenswärme, die man in unseren Breiten leider oft vergeblich sucht. Für manch einen, der Bolivien mit seinen vielen ungelösten Problemen viel besser kennt als ich, mag sich das alles vielleicht ein wenig naiv und blauäugig anhören. Natürlich ist auch mir nicht entgangen, dass fast überall irgendwo der Schuh drückt, aber dennoch haben mich das Land und seine Bewohner deutlich mehr fasziniert als schockiert. Leben kann auch ganz anders funktionieren als bei uns in Deutschland, dies wurde mir u.a. deutlich bewusst, als ich mit einem breiten Lächeln im Gesicht auf der Ladefläche unserer „camioneta“ auf unasphaltierten Wegen durch eine atemberaubende Natur bretterte. Und auch die Erfahrung, sich mit acht Schwestern in einen normalen PKW zu quetschen, war für mich bis dato neu, zählt aber zu den Dingen, die man unbedingt im Leben mal gemacht haben sollte. Die Bolivianer sind „cariñosos“, so habe ich es einige Male gehört. Es ist bezeichnend, dass es gleich mehrere deutsche Worte braucht, um das richtig zu übersetzen: „liebevoll, anhänglich, zärtlich, fürsorglich, warmherzig, liebend“. Und auch wenn uns nun wieder mehr als 10000 Kilometer und ein ganzer Ozean voneinander trennen, den festen Platz in meinem Herzen, den haben sie sich im Sturm erobert!

…es berichtete die ziemlich begeisterte:

Hna M. Ursula

Kontemplation und Schönheit

Am ersten Januarwochenende war ich zum Treffen junger europäischer Dominikanerinnen - kurz YSOP - in Oslo.

Sr. Agnes von den Dominikanerinnen aus Sittard in den Niederlanden hat darüber einen kurzen Text geschrieben, den ich hier ins Deutsche übersetzt wiedergebe:

"Kann Kunst verglichen werden mit Schönheit? Welche Rolle spielte Sr. Plautilla Nelli OP in der Kunstschule von San Marco im 15. und 16. Jahrhundert? Sehen wir die "Zeichen der Zeit", die in der heutigen Kunst zu finden sind?

Die jungen europäischen Dominikanerinnen trafen sich im Katarinahjemmet in Oslo für ihr jährliches Treffen, um dort gemeinsam über die angeführten Fragen nachzudenen und weitere Fragen zu entdecken, während sie sich mit dem Thema "Kontemplation und Schönheit" befassten. Professor Gregory Reichberg, Philosoph am Friedensforschungsinstitut Oslo und von Thomas von Aquin begeistert,  bot in seinem Vortrag einen Überblick über die Schönheit in den Schriften Thomas von Aquins an und stellte dabei insbesondere den Zusammenhang von Schönheit und Wahrheit sowie dem Guten und die Unterscheidung zwischen der transzendenten und der ästhetischen Schönheit dar.

Fr. Alain Arnould brachte den Teilnehmerinnen die Kunstschule von San Marco von Fra Angelico bis Sr. Plautilla Nelli näher und rief dazu auf, sich mit der heutigen Kunst auseinander zu setzen.

Sr. Dana Benedicta Pawlowicz, Künstlerin und Schwester der Gemeinschaft von Katarinahjemmet brachte ihre Gedanken zur Situation des Predigers zur heutigen Zeit zum Ausdruck und stellte dar, in welcher Weise der Prediger auch Künstler ist.

Neben diesen Präsentationen genossen die Schwestern die großzügige Gastfreundschaft der Norwegischen Schwestern, die bereichernden Konversationen untereinander und die Möglichkeit, gemeinsam zu beten und Eucharistie zu feiern. Schwestern aus Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Irland, Littauen, den Niederlanden, Norwegen und der Slowakei nutzten die Chance, um einander zu treffen und in Kontakt zu sein. Die Organisatorinnen hoffen, dass das nächste Treffen im Januar 2020 stattfinden kann."

Es war wieder ein bereicherndes Treffen und eine wunderbare Gelegenheit, um mit alten Bekannten und neue Schwestern in Kontakt zu sein.

Sr. Kerstin-Marie

Bolivia!

Während Herr Grunau, Sr. M. Scholastika und Sr. M. Ursula unterwegs nach und in Bolivien sind und ich noch an der kommenden Ausgabe von kontinente arbeite, ist die aktuelle Ausgabe als ePaper erschienen und kann hier entdeckt und gelesen werden: https://www.kontinente.org/epaper/201901/dominikanerinnen/.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und unseren Reisenden eine gute und sichere Reise. Warum es dieses Mal ganz besonders spannend ist, kann man dann in der nächsten Ausgabe von kontinente nachlesen, die als Papierausgabe Anfang März erscheint und in den ersten Märztagen dann auch wieder hier oder auf unseren Facebookseiten zu finden sein wird. Dort wird auch in den kommenden Wochen immer wieder etwas über die aktuelle Bolivienreise zu finden sein.

Und während unsere Schwestern und Herr Grunau dort schwitzen werden, wünschen wir hier allen, die mit uns verbunden sind, immer einen guten Weg durch die Schneemassen, die gerade an manchen Orten das Leben schwierig machen.

Sr. Kerstin-Marie

Zwischen den Jahren...

Ich liebe diese Zeit "zwischen den Jahren"! Nach dem Lichtglanz der Heiligen Nacht und den beiden großen Weihnachtsfeiertagen, genieße ich es jedes Jahr neu, wenn am 27.12. der Trubel zwar etwas verebbt, aber das feierliche "Weihnachts-Grundrauschen" dennoch weiter in allen Vollzügen spürbar bleibt. Diese Tage, in denen gefühlt 99% aller Mails mit dem Autoresponder "Ich bin ab dem 2.1. wieder erreichbar" beantwortet werden, diese Brachzeit, in der das Alte noch nicht ganz vergangen ist und das Neue noch nicht begonnen hat, versetzt mich jedes Jahr neu innerlich in eine Art Standby-Modus. In kaum einer anderen Zeit im Jahr gelingt es mir so gut, innezuhalten und nachklingen zu lassen: Die Augenblicke, die mich im vergangenen Jahr berührt haben, die Personen, denen ich begegnet bin, die Herausforderungen, die es zu bewältigen gab, die Projekte, die mit Leben gefüllt wurden und die Pläne, die auch nach Silvester noch auf meiner To-Do-Liste zu finden sein werden. Für mich ist es inzwischen Tradition, dass ich mir in diesen Tagen an wenigstens einem Abend Zeit nehme, um noch einmal meine persönlichen "Bilder des Jahres" anzuschauen und die entsprechenden Eindrücke nochmals aufleben zu lassen. Auch im Kloster kommt es häufig vor, dass ein Ereignis das nächste jagt, und es kaum Zeit gibt, das Erlebte zu verdauen. Und so tauchte ich gestern Abend noch einmal ein in das Jahr 2018, in welchem wir das 150. Jubiläum unserer Gemeinschaft - "150 Jahre Heilende Liebe" gefeiert haben.

"Ach ja, das war ja auch noch.... Oh, das war aber schön... Ach stimmt, im März lag ja noch hoher Schnee...! Morgens allein am Strand, war das herrlich!... Dieser eine Regenschauer mitten in diesem heißen Sommer, der mich bis auf die Haut nass werden ließ... OMG, was sind wir Schwestern verrückte Hühner!!..." -  beim Betrachten der Bilder bekam ich so eine Freude, dass ich vollkommen die Zeit vergaß und erst zu unklösterlich später Stunde ins Bett ging. 

Ja, 2018 war ein besonderes, ein heiliges Jahr für unsere Gemeinschaft, in dem wir auf vielerlei Weise inspiriert wurden, mit neuen und alten Freunden einen weiten Pilgerweg unter die Füße genommen haben, Schritte der Versöhnung setzen konnten und immer wieder mit großer Dankbarkeit darüber staunen konnten, wie unsere Gründerin und Mitschwestern aller Generationen auch und gerade in schweren Zeiten durch Gottes Geist geführt worden waren. Da lohnt es sich einfach, all das Erlebte nochmals zu würdigen und DANKE zu sagen für das Wunder des Lebens, welches sich immer wieder neu, immer wieder anders und oft ganz unerwartet Bahn bricht. 

Ich wünsche Ihnen und Euch eine frohe Zeit "zwischen den Jahren" und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Sr. M. Ursula

Frohe Weihnachten!

Weihnachten aus der Schafsperspektive
Weihnachten aus der Schafsperspektive

Wir genießen dieses wunderbare Fest der Menschwerdung Gottes in vollen Zügen. Wir freuen uns an dem Licht, das in der dunkelsten Zeit des Jahres durch ein winziges Kindchen in unsere Welt kommt. Wenn Gott Mensch wird unter allermenschlichsten Umständen, dann ist er auch hier und heute anzutreffen, egal, ob im Stall, im Altenheim, im Gästehaus oder an der Kaffeetafel. Daran freuen wir uns und wollen Augen, Ohren und Herzen weit aufsperren, um Gott zu entdecken, so, wie die Weisen aus dem Morgenland den Stern am Himmel entdeckten, der sie zur Krippe führte.

So halten wir auch Ausschau nach dem Stern, lassen uns zur Krippe führen und von Stephanus, Johannes, Maria und Josef ermutigen, heute unseren eigenen Weg zu finden und zu gehen. 

Das wünschen wir auch allen, die mit uns verbunden sind und freuen uns, dass so viele mit uns auf dem Weg sind. 

In diesem Sinne: Frohe und gesegnete Weihnachten! 

Sr. Kerstin-Marie 

Segensworte für die Lebensreise

So könnte man eigentlich das nennen, was am vorletzten Samstag in Köln stattgefunden hat: Gemeinsam mit einer Freundin und Kollegin habe ich in Köln einen Tag für Paare angeboten, die ihrem Geheimnis auf der Spur sind. Das Berufungscoaching war uns dabei als Methode hilfreich, um die Paare zu unterstützen, ihr ganz eigenes und individuelles Geheimnis zu entdecken, das sie als Paar haben. Mindestens so hilfreich waren aber auch die Segenstexte aus dem Buch von Giannina Wedde, das auf dem Bild zu sehen ist. Denn der für mich eindrücklichste Moment war der, als sich zum Abschluss des Tages die jeweiligen Partner einander zuwandten und ich einen Segenstext vorlas, in dem einer dem anderen zusagt, immer an seiner Seite sein zu wollen, mit ihm oder ihr zu tragen, was an Schwerem kommt, die fröhlichen Stunden zu teilen und sich auf den gemeinsamen Weg zu begeben. Dieser Segen ist so berührend schön geschrieben und die Paare waren so innig einander zugewandt, dass ich echt Gänsehaut bekam beim Vorlesen. 


Beeindruckend, welchen Weg manche Paare miteinander zurück legen, dass sich zwei Menschen so um ihre Partnerschaft kümmern und dass jemand - Giannina Wedde - so berührende Segenstexte schreibt. In diesem Sinn war der Samstag auch für mich ein echter Genuss und Gewinn.

Sr. Kerstin-Marie  

ZweiSichten - die Buchparty

Auch wenn die Ereignisse sich gerade mal wieder überschlagen, eines sollte hier im Blog jedoch keinesfalls unerwähnt bleiben: Am vergangenen Donnerstag, den 18.10., feierten wir hier auf dem Arenberg eine kleine, aber sehr feine Buch-Party zu unseren "ZweiSichten", welche Ende August im ADEO-Verlag erschienen sind. 

Acht Jahre schon hatten Mirko Kussin und ich die Idee zu diesem Buch schon mit uns herumgeschleppt, bevor letzten Jahr plötzlich alles ganz schnell ging. Statt "wir könnten ja mal..." "vielleicht schaffe ich es, bald mal mit dem Schreiben loszulegen" war plötzlich ein Autorenvertrag unterschrieben - der ADEO-Verlag hatte unser Konzept einfach so gekauft, obwohl wir beide auf dem Markt noch relativ unbeschriebene Blätter waren. Ich gestehe, dass mir diese geschaffenen Tatsachen noch vor einem Jahr gewaltige Bauchschmerzen bereitet hatten, und ich zunächst große Bedenken hatte, ob wir es wirklich schaffen würden, die vielen schon bereits vorher angedachten Themen in eine gute Form zu bringen. Doch statt mich in Zweifeln zu verlieren, packte ich es an, sortierte meine Gedanken und fing an zu schreiben, was das Zeug hielt. Während ich bei all meinen anderen Tätigkeiten inzwischen sehr gut abschätzen kann, wie viel ich an einem Tag gearbeitet bekomme, sieht es beim Schreiben ganz anders aus, was die Ursache für manch mulmige Momente war. Es gab Tage, da setzte ich mich am Morgen an den Computer und hatte am Abend ein fertiges Kapitel vorzuweisen, mit dem ich sehr zufrieden war, es gab aber auch Themen, über die ich mir tagelang den Kopf zerbrach, ohne dass es mir gelang, sie in Worte zu fassen, mit denen ich auch 24 Stunden später noch leben konnte. Überhaupt, die meisten und besten Gedanken kamen mir eben nicht, wenn ich schreibbereit und hochmotiviert vor dem Computer saß, sondern im Garten, im Rosenkranzgebet oder in Situationen, in denen ich eigentlich gerade etwas anderes zu tun hatte. So erntete ich in dieser Zeit nicht selten fragende Blicke, wenn ich scheinbar Selbstgespräche führend durchs Haus ging, weil ich mir gerade einen wichtigen Satz in mein Handy diktierte.

Der ganze Prozess des Schreibens war für mich unberechenbar und daher auch unendlich spannungsreich. Umso mehr war ich froh und dankbar für viele ermutigende Worte und Gebetszusagen aus dem Kreis meiner Mitschwestern, von denen ich auch immer mal wieder hilfreiche Rückmeldungen zu den bereits fertig gestellten Texten bekam. Als ich am 25. Mai wenige Minuten vor der Vesper den letzten Satz des letzten Kapitels geschrieben hatte, klappte ich den Laptop zu und musste erst einmal um Fassung ringen vor lauter Erleichterung, dass nun alles in trockenen Tüchern war. 

Dieser ganze Werdegang unseres Buches war natürlich wieder präsent, als wir in der letzten Woche im rappelvollen Mariensaal die Release-Party feierten und die begeisterten Reaktionen der Gäste und Pressevertreter wahrnehmen durften. Für Mirko und mich bedeutete das Gänsehaut pur, so dass wir uns fast zwicken mussten, ob wir nicht gerade träumen. 

"Jetzt schauen wir mal, wie unser Baby draußen so die Welt erkundet", schrieb Mirko heute scherzhaft in einer Mail, in der er ebenfalls noch einmal seine Dankbarkeit für diesen tollen Abend ausdrückte. Ja, wir sind gespannt, und freuen uns natürlich über Rückmeldungen und weitere SichtWeisen!!

Sr. M. Ursula

Lebenslanges Lernen

Als Dominikanerinnen ist uns das lebenslange Studium sehr wichtig. In unseren Konstitutionen heißt es deswegen unter Nr. 78, dass wir uns lebenslang fortbilden. Ich bin seit diesem Sommer in der besonderen, komfortablen, aufregenden, inspirierenden und fordernden Situation, dass ich mich in ganz besonderer Weise fortbilden darf: Seit diesem Semester bin ich nämlich wieder Studentin und für einen Doctor of Ministry in Preaching am Aquinas Institute in St. Louis in den USA eingeschrieben. Hier darf ich mit 16 Männern und einer anderen Frau lernen, was Predigen eigentlich bedeutet, wie man predigt und was es für mich als Frau in der katholischen Kirche heißt, zu predigen. 
Da das Studienprogramm für Menschen gedacht ist, die im Beruf stehen, ist es weitesgehend online, nur einmal pro Semester treffen wir uns für ein Intensive. Das war letzte Woche der Fall und es war wirklich inspirierend, in einer Gruppe zu lernen, die so divers ist: Ein Kommilitone ist aus Kamerun, einer aus Nigeria, einer aus Vietnam, drei aus Burma, ich aus Deutschland und die verbleibenden zwölf aus den USA. Einer ist Baptist, einer Nazarener. Es gibt Diakone, Priester, Pastorale Mitarbeiter,...

Dazu kommt noch das spezielle Studiensystem, das deutlich anders ist, als ich es von meinem Universitätsstudium vor vielen Jahren kenne: Hier ist vorgesehen, dass man jede Woche 100 bis 150 Seiten liest und das auch nachweist. Für die Hausarbeit am Ende des Semesters sind nur drei Wochen Zeit vorgesehen, um diese zu verfassen, so dass alles viel enger getaktet ist. Aber das passt mir in meinem Alltag sehr gut, da ich weiß, was wann Priorität hat. Und schon die Auseinandersetzung mit Dietrich Bonhoeffer, Karl Barth, der dialektischen und der sakramentalen Theologie - natürlich alles auf Englisch - hat mich schon ungemein bereichert, so dass ich mich auch darauf freue, nächste Woche meine erste Hausarbeit in Angriff zu nehmen, nachdem ich mein wöchentliches Lesepensum für diese Woche erledigt habe. 

Eine Besonderheit des Aquinas Institute ist außerdem, dass unsere Studiengruppe einen "Bund" schließen wird, der uns durch unsere gemeinsame Studienzeit tragen soll. Während unseres Mittagsgebetes am Donnerstag lag der Text unseres Bundes auf dem Altar und wir werden ihn im nächsten Semster, wenn wir wieder in St. Louis zusammen kommen, feierlich unterschreiben. Das habe ich vorher auch noch nicht erlebt, aber es soll uns helfen, die Herausforderungen des Studiums gemeinsam zu meistern.

Wenn also auch etwas Arbeit ansteht in den nächsten vier bis sechs Jahren - so lange dauert das Programm -, freue ich mich doch sehr darauf und bin sehr froh, dass ich die Gelegenheit dazu habe, weiter zu lernen und neue Felder zu entdecken. Lebenslanges Lernen eben.

Sr. Kerstin-Marie

Hühnerglück

Totgeglaubte leben länger – als ich am 27. Juni das kleine, von der Glucke verstoßene Küken aus dem Hühnerstall fischte, hätte ich nicht gedacht, dass es auch nur den Hauch einer Überlebenschance hat. Ich legte es in einen Schuhkarton und bastelte in meiner Dusche mit einer Rotlichtlampe einen „Brutkasten“. Als es dann in der kommenden Nacht irgendwann aufhörte zu piepsen und mit den Beinchen nach oben im Karton lag, schaltete ich die Rotlichtlampe aus, in der Meinung, es habe das Zeitliche gesegnet. Doch dann wurde ich um 5:30 Uhr von einem Piepsen geweckt, und siehe da, das Viehchen war tatsächlich noch am Leben! Dies war der Startschuss zu einem „Sommermärchen“, welches wir Schwestern wahrscheinlich so schnell nicht vergessen werden. Die brütende Hitze ab der letzten Juni-Woche leistete einen wertvollen Beitrag dazu, dass unser „Urselchen“ (so wurde es von unserer Generalpriorin getauft) sich auch ohne wärmende Glucke binnen kürzester Zeit prächtig entwickelte. Während des Zwischenkapitels unserer Gemeinschaft, bei dem wir Schwestern über schwierigen Zukunftsfragen brüteten, stand Urselchens Kiste hinter einem Fenster in der Sonne, und in den Pausen durfte sie mit lautem Gepiepse ihre Runden durch den Mariensaal drehen. Von Tag zu Tag wurde sie agiler, verlor ihren Flaum, entwickelte Federchen, sprang dann kurze Zeit später todesmutig aus der Kiste, um auf eigene Faust die Welt zu erkunden. Statt seiner Mutter lief es in diesen Wochen allem hinterher, was weiß gekleidet war und vor allem ein Skapulier anhatte- so drehte ich zur Erheiterung unserer Gäste meine Gartenrunde am Morgen und am Abend mit dem Küken im Schlepptau. Urselchen war immer dabei, wenn wir Rekreation hatten, und als sie dann etwas größer war, liebte sie es, auf meine Schulter zu fliegen und sich durch die Gegend tragen zu lassen. Nochmal eine Nummer größer geworden, setzten wir sie tagsüber in unseren Marienhof, wo sie durch die geöffneten Fenster andächtig dem Chorgebet lauschte. Interessanterweise war Urselchen immer ganz ruhig, solange wir sangen, machte sich dann aber laut bemerkbar, sobald das Gebet zu Ende war. Unser ansonsten wenig belebter Klausurhof wurde in diesem Sommer zu DER Attraktion für die Schwestern, besonders natürlich am Abend, wenn wir mit vereinten Kräften versuchten, das rasend schnelle Hühnchen wieder einzufangen, um es in sein Nachtquartier zu bringen.

 

Am vergangenen Wochenende war es nun soweit, selbst die größte Hühnerliebhaberin musste zugeben, dass Urselchen jetzt definitiv groß genug ist, um zu den anderen Hühnern auf die große Wiese umziehen und wir setzten das heiß geliebte Tierchen zu seinen Artgenossen, die ihm sogar einen einigermaßen freundlichen Empfang bereiteten. So viel steht fest: Hätte es bei uns im Kloster jemals so etwas wie ein Sommerloch gegeben: DAS wäre die perfekte Füllung gewesen :-)
Für mich wurde Urselchen jedenfalls zum starken Zeichen dafür, wie sich das Leben immer wieder Bahn bricht, manchmal sogar unter widrigsten Umständen. Und wie schön, wenn das aufblühende Leben dann auch andere lebendig macht!

Sr. M. Ursula

 

Jubiläum

So richtig aus dem Feiern heraus kommen wir in diesem Jahr nicht - aber wer uns kennt, weiß, dass unsere Gemeinschaft mit "Herausforderungen" dieser Art bestens umgehen kann ;-) 

Nachdem wir Ende Juni ein ganzes Wochenende lang 150 Jahre Arenberger Dominikanerinnen gefeiert haben, standen am vergangenen Wochenende unsere Schwestern im Mittelpunkt, die in diesem Jahr für 65 Jahre, 60 Jahre, 50 Jahre und 25 Jahre Profess danken.

Eine besondere Freude und Ehre war für uns, diese Jubiläumsfeier zusammen mit unserem Mitbruder Christoph Kardinal Schönborn aus Wien begehen zu können, der einer unserer Jubilarinnen und unserer ganzen Gemeinschaft seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden ist. Die beiden ergreifenden Predigten, mit denen er uns und unsere Gäste im Hochamt und in der Vesper beschenkt hat, seine liebevolle Präsenz und seine bescheidene Art gingen nicht nur uns Schwestern sehr zu Herzen und waren wie das "Sahnehäubchen" auf einem Tag, der schöner nicht hätte sein können. Deo gratias!
Sr. M. Ursula

Musik liegt in der Luft

Wir freuen uns, dass wir kurzfristig zu einem tollen Konzert einladen können, bei dem die Musik die Luft, aber auch jede Zelle des eigenen Körpers erfüllen wird.

Piraí Vaca spielt so unglaublich wunderbar Gitarre und entlockt dem Instrument auf unkonventionelle Weise unglaubliche Töne.

Wer also die Möglichkeit hat, sollte dieses Konzert nicht verpassen. 

Herzliche Einladung zu uns nach Arenberg! 

Sr. Kerstin-Marie 

Lesestoff

Ehe es hier Berichte über die vergangenen Wochen gibt, gibt es hier etwas digitalen Lesestoff aus der Einen Welt. Das neue kontinente-Heft ist schon online und kann hier gelesen werden:

https://www.kontinente.org/epaper/201805/dominikanerinnen/

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und Stöbern und Träumen.

Und dann kommt bald, versprochen, mehr aus den vergangenen Wochen...

Sr. Kerstin-Marie

Zum Fest des hl. Dominikus

grüßen wir alle, die mit uns verbunden sind und wünschen allen einen frohen und gesegneten Fest- und Feiertag unseres Vaters Dominikus.

Der hl. Dominikus sagte kurz vor seinem Tod zu seinen Brüdern, die traurig darüber waren, dass er bald nicht mehr unter ihnen sein werde, er werde ihnen im Himmel mehr nutzen als auf Erden, da er immerzu Fürbitte einlegen wolle für die seinen. 

Dass die Fürsprache unseres Ordensvaters nicht ohne Wirkung ist, kann man am heutigen Tag sehr gut beobachten: Zumindest hier in Oberhausen ist es fast zehn Grad kühler als gestern noch, es hat am Morgen eine Stunde geregnet und auch jetzt ist es eher bewölkt als heiter, so dass wir uns über die Erholung freuen und darauf, heute Abend gemeinsam mit Freunden die Vesper zu feiern - zugegebenermaßen im noch heißen Schwesternchor - und anschließend im Garten zu grillen. Da auch der hl. Dominikus gerne mit den Seinen zusammen war und auch mit ihnen feiern, fühlen wir uns da ganz in die Tradition unserer Ordensfamilie hinein genommen.

Wie im letzten Jahr, so gibt es auch im diesen Jahr wieder pünktlich zum Dominikusfest unseren Dominikusbrief, in dem verschiedene Neuigkeiten aus der Gemeinschaft zu lesen sind. Wer daran interessiert ist, möge sich bei uns melden, dann senden wir sehr gerne ein Exemplar zu.

Einen frohen Festtag und viele angenehm temperierte Stunden

Sr. Kerstin-Marie

 

...und was für ein Fest!!

Ja, wir haben schon viele schöne Feste auf dem Arenberg gefeiert, doch das, was wir am letzten Wochenende erleben durften, stellte gefühlt so ziemlich alles Bisherige in den Schatten. Ich persönlich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, jemals innerhalb so kurzer Zeit so viele

Gänsehautmomente erlebt zu haben.

Nun aber von vorne: Im wahrsten Sinne des Wortes eingeläutet wird das Jubiläumswochenende am  Freitagnachmittag mit der glücklichen Ankunft

unserer Pilgergruppe. „Sie sind jetzt in Bad Ems!“, hören wir am späten Vormittag… „Jetzt sind sie am Golfplatz!“, ca. 2 Stunden später. „Nun sind sie

am Dreispitz!!“, hören wir gegen 16 Uhr, und dann, wenig später, als die Gruppe durch die Straßen von Arenberg zieht, ziehen auch wir mit einer großen Schar von Schwestern in den Cherubine-Willimann-Weg, um die Pilgergruppe bei festlichem Glockengeläut würdig in Empfang zu nehmen. Es bleibt kein Auge trocken, als wir schließlich gemeinsam mit dem Konvent in der prallvollen Mutterhauskirche das Te Deum anstimmen. Tief berührt begrüßt Sr. M. Scholastika die Pilger, Mitschwestern, Mitbrüder und Freunde, die in großer Zahl gekommen sind, um gemeinsam mit unserer Gemeinschaft für 150 Jahre Heilende Liebe zu danken.

Nach dieser feierlichen Begrüßung „pilgern“ wir schließlich weiter in den Josefshof, wo sich alle mit frisch gebackenen Waffeln stärken können.
Den Freitagabend verbringen wir mit Brüdern und Schwestern und Freunden unserer dominikanischen Familie. Besondere Freude kommt auf, als ab 20 Uhr der Gelosia-Eiswagen vor dem Gästehaus steht und uns mit eisigen Köstlichkeiten verwöhnt. Wie schön, dass nach diesem Gaumenschmaus beim Nachtimpuls in der

Mutterhauskirche schließlich auch noch unsere Ohren und Herzen verwöhnt werden: Wir hören Ausschnitte aus unserer Gründungsgeschichte, Zitate von Mutter Cherubine, einige Elfchen, die unsere Gäste in den letzten Monaten zum Thema „Heilende Liebe“ verfasst haben, im Wechsel mit wunderbarer Musik: Pater Thomas (Orgel) und Sr. M. Christina (Oboe) berühren uns zutiefst durch ihre Improvisation zu alten dominikanischen Gesängen.

Leiblich und seelisch gestärkt hören wir am Samstagmorgen einen Vortrag unseres Mitbruders Pater Thomas Eggensperger, in dem es um den spanischen Dominikaner Bartolomé de Las Casas geht, der sich im 16. Jahrhundert mit all seinen Kräften für den Schutz der Indios einsetzte. Der Samstagnachmittag ist geprägt von verschiedenen Workshops, zu denen wir unsere Gäste einladen: Berufungscoaching, meditatives Tanzen, ein Impulsvortrag zum Thema „Freiheit hinter Klostermauern“, Informationen zum Konzept unseres

Gästehauses wechseln sich ab mit Schreibangeboten und Angeboten des Vitalzentrums und lassen etwas von dem aufscheinen, was „Heilende Liebe“ für uns konkret bedeutet.

Auch wenn es für einige Mitfeiernde eine fast unzumutbare Härte bedeutet, das WM-Vorrundenspiel Deutschland-Schweden am Samstagabend lassen wir uns entgehen. Statt unsere Nerven vor dem Fernseher überzustrapazieren, trainieren wir unsere Lachmuskeln beim Kirchenkabarett mit Ulrike Böhmer alias

Erna Schabiewsky, die uns mit ihrem bezaubernden Humor u.a. sehr anschaulich die Wirkung von Weihrauch erklärt und von ihren überaus entspannenden Erfahrungen in Kloster Arenberg berichtet.

Die schönen Augenblicke dieses Tages hätten bereits unzweifelhaft ausgereicht, um ein ganzes Jahr davon zu zehren, aber am Sonntag geht es munter weiter. Zusammen mit unserem Bischof Stephan Ackermann, zahlreichen Konzelebranten und vielen Menschen aus nah und fern feiern wir um 10 Uhr unter freiem Himmel den offiziellen Festgottesdienst zum 150jährigen Bestehen unserer Gemeinschaft. Und die Schöpfung freut sich mit – obwohl zunächst dunkle Wolken am Himmel sind, bricht immer mehr die Sonne durch, und auch unser Hahn kann gar nicht mehr aufhören sich zu freuen (O-Ton Bischof Stephan am Ende des Gottesdienstes: „Ich ahne, wie unglaublich entspannend Ferien auf dem Arenberg sein müssen, wenn hier sogar der Hahn erst um 11 Uhr zu krähen beginnt!“ :-) Auf dem ganzen Gelände herrscht eine unbeschreiblich schöne Atmosphäre, überall wird geplaudert und gelacht, Schwestern und Brüder verschiedener Ordensgemeinschaften, Gäste von Kloster Arenberg, junge Familien aus der Umgebung, Pilger und Mitarbeiter machen diesen Tag so besonders, dass er uns garantiert unvergesslich bleiben wird.

Nachdem wir uns mit Schwestern aus Bolivien und allen Konventen in den vergangenen Tagen zum Zwischenkapitel getroffen haben, wird unser Pilgerweg in der kommenden Woche für die meisten von uns erst einmal ganz alltäglich weitergehen, worauf wir uns nach diesen intensiven Tagen allerdings

auch sehr freuen!

Und für alle die, die nicht das Glück hatten, live dabei zu sein, gibt es hier die 1000 schönsten Fotos vom Festwochenende!

Sr. M. Ursula

 

Ein Fest!

Dieses Wochenende ist es endlich soweit: die Pilger kommen nach fünf Wochen Pilgerweg in Arenberg an und eröffnen damit sozusagen unser Jubiläumswochenende. Zuerst feiern wir im Kreise der Familie und ziehen die Kreise dann in den nächsten Stunden immer weiter. Am Sonntag hoffen wir dann auf Sonnenschein, damit wir mit Bischof Stephan Ackermann und vielen Gästen voller Freude feiern können.

Wer noch nicht geplant hat zu kommen, kann vielleicht vom Programm dazu gebracht werden, seine Wochenendplanung nochmal zu überdenken. Wir freuen uns auf alle, die mit uns gemeinsam feiern wollen. 

Sr. Kerstin-Marie 

Rickenbach - Schwyz - Arenberg

Aufbruch!! Gestern morgen bin ich mit einer Delegation Arenberger Schwestern, unserem Hausgeistlichen Kaplan Toth und der ersten Pilgergruppe nach Rickenbach aufgebrochen, wo wir feierlich den Höhepunkt unseres Jubiläumsjahres eingeläutet haben. Dort, wo das segensreiche Leben unserer Gründerin Mutter Cherubine begann, feierten wir mit der Pfarrgemeinde ein festliches Dankamt anlässlich des 150jährigen Bestehens unserer Gemeinschaft. Nach einer kurzen Statio am Taufstein von Mutter Cherubine verlagerte sich das Fest in den Pfarrsaal, wo wir alle zu einem Apero mit kleinen Schweizer Köstlichkeiten eingeladen waren. 
Heute Morgen machten wir uns dann in aller Herrgottsfrühe auf den Weg nach Schwyz, um mit den Schwestern des Klosters St. Peter um 7 Uhr Eucharistie zu feiern. Auch dieser Ort ist eng mit dem Leben unserer Gründerin verbunden, war sie doch im 19. Jhd. zunächst in dieses beschauliche Kloster eingetreten, um ihr Leben ganz Gott zu weihen. Die sechs Schwyzer Schwestern bereiteten uns einen überaus liebevollen Empfang und verwöhnten unsere doch recht große Gruppe nach dem Gottesdienst mit einem köstlichen Frühstück aus frisch gebackenem Brot und frisch gekochter Erdbeermarmelade (für mich persönlich eindeutig ein Vorgeschmack des Himmels!!). Doch ebenso wie Mutter Cherubine war es auch uns heute leider nicht vergönnt, an diesem paradiesischen Ort zu bleiben, denn die Zeit drängte zum Aufbruch. Während ein Teil der Gruppe wieder im Auto den Nachhauseweg auf den Arenberg antrat, brach der andere Teil zu Fuß in Richtung Einsiedeln auf, denn heute startete endlich unser großer Pilgerweg Schwyz-Arenberg. In wechselnden Gruppen werden wir in den kommenden fünf Wochen mit Schwestern, Mitarbeitenden und Freunden unserer Gemeinschaft die ca. 750 km lange Strecke betend unter die Füße nehmen - den gleichen Weg also, den unsere Gründerin zusammen mit den ersten Schwestern 1868 auf sich genommen hat, damals allerdings größtenteils mit der Eisenbahn. Wir werden in dieser Zeit beten in den Anliegen, die uns für diesen Weg anvertraut worden sind, werden darum beten, dass wir als Gemeinschaft immer neu Wege finden, die Heilende Liebe Gottes in die Welt hinein zu tragen. Und die gute Nachricht: Auch Sie alle können im Herzen oder mit den Füßen dabei sein - alle Informationen zu unserem Pilgerweg finden Sie hier, einen tagesaktuellen Reisebericht finden Sie hier und einige Fotos vom großartigen Start finden Sie hier.

Nebenbei: ein erstes kleines Wunder konnten wir "Heimfahrer" schon gestern und heute erleben: Dass wir am Freitag und Samstag vor Pfingsten ohne jeden Stau die Strecke Arenberg - Rickenbach - Schwyz - Arenberg zurücklegen konnten, war gefühlt ein 6er im Lotto. 

Von Herzen danken wir allen, die uns in den kommenden Tagen bis zu unserem Jubiläumswochenende besonders im Gebet begleiten und freuen uns auf alle Begegnungen und Erfahrungen, die uns in dieser sicherlich spannenden Zeit geschenkt werden. Auf geht's!! 

Sr. M. Ursula, die es schon gar nicht mehr erwarten kann, in der kommenden Woche endlich "richtig" mitpilgern zu dürfen :-)

Berufung

Letzte Woche war ich von Donnerstag bis Samstag beim Katholikentag, wo ich in zwei Gesprächskreisen und drei Werkstätten ca. 120 Menschen begegnete, die sich Gedanken über ihre Berufung machten und heute hatte ich bereits zwei Sitzungen mit Menschen, die ihrer persönlichen Berufung auf der Spur sind. Dabei hat mich heute und in den letzten Tagen wieder einmal sehr beeindruckt, wie intensiv die Menschen auf der Suche sind. Ganz normale Frauen und Männer, die ihr Leben leben und oft den Eindruck haben, dass das doch nicht alles gewesen sein kann. Männer und Frauen, die vom Evangelium angesprochen und berührt sind und es leben wollen, oft aber nicht wissen wie. Menschen, die gar nicht getauft sind, aber, wenn ich sie danach frage, was sie unter dem Begriff "Berufung" verstehen, ein Verständnis an den Tag legen, dass so auch der heilige Johannes Paul II. sagt: Dass es für jeden Menschen einen Idealplan gibt, den es gilt zu entdecken und in sein Leben zu integrieren.

Mich beeindruckt, wie viele Menschen Zeit und z.T. auch Geld investieren, um ihrer eigenen Berufung auf die Spur zu kommen, weil sie davon überzeugt sind, dass sie persönlich gemeint sind. Und mich haben die Menschen beim Katholikentag beeindruckt, die z.T. schon deutlich vor Gesprächsbeginn im Raum waren, weil sie unbedingt teilnehmen wollten. Oder die beiden Paare, die eigentlich im falschen Gesprächskreis waren, dann aber doch froh waren, dass sie am falschen, richtigen Ort gelandet waren. Wie sehr die Menschen darum ringen, glücklich zu werden und wie intensiv sie sich einließen auf das, was wir - Johannes Schäfers und ich - ihnen in der Werkstatt anboten. 

Ich denke, schon allein für diese 120 Menschen hat sich der Katholikentag gelohnt. Denn ich habe den Eindruck, sonst gibt es gar nicht allzu oft die Gelegenheit, der eigenen Berufung auf die Spur zu kommen. Und hier haben diese Menschen begeistert und ernsthaft die Gelegenheit wahrgenommen.

Ich denke, die Frage und Suche nach der eigenen Berufung ist ein Pfund, mit dem die Kirche vielmehr wuchern könnte, denn so viele Menschen, auch außerhalb der Kirche, sind ernsthaft auf der Suche und wollen wissen, was der Sinn ihres Lebens ist und anderen Gutes tun.

Ich denke, dass ich wirklich dankbar und froh bin, dass ich das BerufungscoachingWaVe entdeckt und kennengelernt habe und dass ich es anderen Menschen anbieten kann. Mir gibt es so viel Energie und Freude, wenn ich mit Menschen arbeiten kann, die sich selber immer besser kennen lernen und dann entdecken, wozu sie da sind und dadurch glücklich werden. Dann fühle ich mich am Ende mindestens so beschenkt wie diejenigen, die zu mir kommen, weil sie suchen.

Eine echte Ostererfahrung also, die ich in den letzten Tagen machen durfte. Und ich hoffe, dass noch viele Menschen ähnliche Erfahrungen machen können. Sei es mithilfe des Berufungscoachings oder durch andere Methoden und Begleiter, die ihnen helfen, sie selber zu werden.

Sr. Kerstin-Marie

Leuchtfeuer

Spiri-Jurten-Team: Phil, Sr. Kerstin-Marie, Sr. Thekla MMS, Handpuppenschwester Johanna Baptist, Sr. Judith OP. Dank an Volker Stanko für das Bild.
Spiri-Jurten-Team: Phil, Sr. Kerstin-Marie, Sr. Thekla MMS, Handpuppenschwester Johanna Baptist, Sr. Judith OP. Dank an Volker Stanko für das Bild.

„Leuchtfeuer – Löschen unmöglich“

Unter diesem Motto fand vom 27. April bis zum 1. Mai der bundesweite Leiterkongress der dpsg, der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg, statt, zu dem über 3000 junge Menschen kamen.

Als ich vor über einem Jahr davon erfuhr, schlug mein Pfadfinderherz höher, so dass wir mit der AG Berufungspastoral der Orden beschlossen, Teil von Leuchtfeuer zu sein und beim Kongress in Westernohe im Westerwald ebenfalls vertreten zu sein. Also liehen wir uns eine Jurte, ein schwarzes Rundzelt, in dem man auch Feuer machen kann, sowie ein Hauszelt zum Übernachten und einen Helfer und machten uns mit drei Schwestern – ein Franziskaner war kurzfristig erkrankt – auf den Weg nach Westernohe. Hier boten wir in der „Spiri(tualitäts)-Jurte“ den ganzen Tag über Brot und Fisch an, denn der Auferstandene isst mit seinen Jüngern Brot und Fisch. Es brannte also den ganzen Tag ein Feuer in unserer Jurte, was sehr angenehm war, und die jungen Erwachsenen konnten zu uns kommen, Stockbrot machen, sich auf gemütlichen Bänken am Feuer niederlassen, Lakritzfische und andere Süßigkeiten essen und über Gott und die Welt sprechen. Und wir staunten nicht schlecht, worüber sie sprachen. Auf die Frage eines Leiters: „Wer hat schonmal Gott gehört?“ kam ein ganz angeregtes und tiefes Gespräch zustande, die Besucher unserer Jurte tauschten sich über ihr Verständnis der Wunder Jesu aus, unterhielten sich über die Situation der Kirche in Deutschland und fragten uns, was Ordensleben bedeutet, warum wir da seien und wieso wir sie eigentlich zum Stockbrot einladen. Und das nur, weil wir ein offenes Zelt, ein Feuer, immer frischen Hefeteig und Zeit hatten. Es war beeindruckend und bewegend für uns.

Bewegend waren aber auch die Morgen- und Nachtimpulse, zu denen, trotz des dichten Programms, bis zu 20 Leiterinnen und Leiter kamen und besonders abends noch lange am Feuer hocken blieben, während gleichzeitig das Leben in den verschiedenen (Zelt)Kneipen und Cafés tobte.

Am Sonntagabend durften wir dann einen wirklich Geist-erfüllten Gottesdienst mit 2500 Leiterinnen und Leitern in der Arena von Westernohe mitfeiern. Das war im Grunde schon ein pfingstliches Ereignis, das deutlich gemacht hat, dass wir alle Leuchtfeuer sein können, weil Gott in uns brennt.  

Als wir am 1. Mai unsere Zelte wieder abbauten, stank zwar alles gut nach Rauch, aber wir wussten: Es war ein wunderbares Wochenende, an dem wir so reich beschenkt wurden. Und so schrieb Sr. Thekla Schönfeld MMS am Ende:

 

"DANKE sagt das Team der "Spiri-Jurte" für ungezählte tolle Begegnungen, inspirierende Gespräche über Gott und die Welt, gemeinsames Stockbrot-Knuspern und Vieles mehr... Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!"

Sr. Kerstin-Marie

kontinente

 

 

 

Das aktuelle kontinente-Heft ist online und kann hier aufgerufen, angeschaut, gelesen und weitergereicht werden.

Wir freuen uns, wenn viele Menschen von den Anliegen der Einen Welt und besonders unserer Schwestern in Bolivien erfahren. Von daher freuen wir uns über jede Weiterleitung und Verlinkung unseres Heftes, aber auch darüber, wenn jemand Freude an unserem Heft hat. Wie auch immer: Wir wünschen viel Freude beim Lesen und anregende Entdeckungen. 

Sr. Kerstin-Marie

Consolatrix Afflictorum

Dass ich hier über Kevelaer schreibe, ist ja keine Neuigkeit. Schließlich war ich in den letzten Jahren mindestens einmal im Jahr dort. Mit dem Fahrrad, mit dem Auto, mit dem Bus. Mit Freunden, mit Schwestern, mit Mitarbeitenden. Und gestern war ich wieder in Kevelaer. Zum ersten Mal zu Fuß, von Weeze aus. Das war zwar ein bisschen speziell, weil wir mit dem Zug durch Kevelaer fuhren, um dann wieder zurück zu laufen, immer an der Niers entlang. Aber es war ein wunderbarer Pilgertag mit wunderbaren Wetter, einem schönen Picknickplatz und echter Freude in unseren Herzen, als wir die Basilika zum ersten Mal sehen konnten. Und immer wieder neu berühren mich der Wallfahrtsort und das Gnadenbild der Consolatrix Afflictorum, der Trösterin der Betrübten. Die Anlage des gesamten Ortes, das kleine Bild, von dem aber auf jeden Fall eine besondere Anziehung ausgeht, die vielen Kerzen, die angezündet werden - wir haben dieses Mal auch einen extra großen Beitrag geleistet im Jubiläumsjahr -, die Möglichkeit, Zeit vor und mit dem Allerheiligsten zu verbringen,... Kevelaer ist einfach unverwechselbar wunderbar und ich freue mich heute schon auf die nächste Wallfahrt nach Kevelaer, weil das Gnadenbild immer eine Wallfahrt wert ist.

Für mich ein wunderbar guter Auftakt für die Exerzitien, zu denen ich unterwegs bin.

Und wer noch nicht da war, sollte, so meine ich, unbedingt einmal die verschiedenen Möglichkeiten nutzen, mit denen man Kevelaer erreichen kann und eine Wallfahrt machen.

Sr. Kerstin-Marie 

Tag der offenen Klöster

"Gut. Wir sind da" - so lautet das Motto des zweiten bundesweiten Tages der offenen Klöster. Natürlich sind auch wir Arenberger Schwestern wieder mit von der Partie und werden am Samstag, den 21. April unsere Türen öffnen. Damit alle Interessierten auch wissen, was sie an diesem Tag in unserem Mutterhaus erwartet, hier ein kleiner Programm-Überblick:

 

11:30 Uhr Mittagsgebet im Schwesternchor
anschl. einfaches Mittagessen im Refektorium
13:30 Uhr Führung durch die Räume der Klausur
ab 14:00 Uhr Kaffeeplausch mit frisch gebackenen Waffeln im Refektorium
15:00 Uhr Impulsreferat "Heilige Verrücktheit" 

16:00 Uhr Filmangebot

17:30 Uhr Vesper in der Mutterhauskirche

 

Dazwischen gibt es natürlich reichlich Gelegenheit für Gespräche über Gott und die Welt! 
Wir freuen uns auf viele schöne Begegnungen und sagen schon jetzt: HERZLICH WILLKOMMEN!


Frohe und gesegnete Ostern!

Mit diesem etwas unscharfen Bild von einem wunderbaren Osterlied wünschen wir allen, die mit uns verbunden sind, frohe und gesegnete Ostern!

In der Freude über die Auferstehung ist nicht immer alles ganz klar: Wie war das möglich, wo ist Jesus jetzt, was bedeutet das für uns? Aber klar ist: Die Auferstehung Jesu bedeutet für uns, dass der Tod niemals das Ende ist, weil Jesus, wie es im Lied heißt, den Sieg errungen hat. Und das nicht nur für sich, sondern in erster Linie für uns. 

Ein riesiger Grund zur Freude, die uns in diesen Tagen alle erfüllen möge und viele wunderbare Osterüberraschungen ans Tageslicht bringen möge. 

Wir freuen uns, mit der ganzen Welt in das österliche Halleluja einstimmen zu können und wünschen allen diese Freude. Kein Wunder, dass man diese große Freude 50 Tage lang feiern kann...

Sr. Kerstin-Marie

Trauermetten

Jetzt, während der Kartage, beten wir morgens die Trauermetten.

Dabei werden die Lesehore und die Laudes miteinander verbunden, so dass wir am Ende fünf Psalmen, ein Canticum und das Benedictus singen. Dazwischen hören wir die Lesungen der Lesehore, die uns hineinnehmen in das Geheimnis des Triduums und die uns verdeutlichen wollen, was wir in diesen besonderen Tagen des Jahres begehen, worauf wir uns vorbereiten, wodurch wir erlöst sind. 

Zusammen mit den Responsorien, dem Invitatorium, Hymnus, Preces usw. verbringen wir so rund 50 Minuten gemeinsam im Gebet.

Für mich ist das die schönste Liturgie des Jahres, weil ich es ganz besonders mag, gemeinsam die Psalmen zu singen. Das ruhige gemeinsame Singen der alten Gebete bringt mich ins Beten. Und ich kann einfach einschwingen in das, was mir durch die Texte angeboten wird. Nie singen wir so viele Psalmen gemeinsam am Stück, so dass ich die Trauermetten besonders genieße, auch wenn sie für mich bedeuten, dass ich mich als Kantorin ziemlich konzentrieren muss. Aber die Konzentration lohnt sich auf jeden Fall, denn auch wenn z.B. in Psalm 22 die Verzweiflung des Betenden zum Ausdruck kommt, macht Psam 147 deutlich, dass wir niemals von Gott verlassen sind. So scheinen in der Stille und Verzweiflung des Grabes am Karsamstag immer die Hoffnung und der feste Glaube daran auf, dass der Tod nicht das letzte Wort hat und dass die Erlösung schon auf uns wartet. Was für eine Freude!

Die Dauer der Trauermetten, aber auch die Zeit, die wir am Gründonnerstag in der Nachtwache verweilen, die wir uns nehmen, um am Karfreitag in aller Ruhe den Kreuzweg zu beten und die Liturgie vom Karfreitag zu feiern, machen deutlich, meine ich, dass das Gebet und die Feier des Festgeheimnisses in diesen Tagen Priorität hat, auch wenn natürlich klar ist, dass für Ostern alles schön vorbereitet werden soll und auch wenn klar ist, dass in der Küche schon alle möglichen guten Zutaten darauf warten, zu köstlichen Kuchen und Desserts verarbeitet zu werden, um Ostern auch auf diese Weise zu feiern. Zuerst aber kommt das gemeinsame Gebet an diesen Tagen, das ich voll und ganz genieße.

Sr. Kerstin-Marie

Netzwerk Eine Welt

 

 

Mit etwas Verspätung ist nun auch das ePaper zur aktuellen Ausgabe von kontinente online. 

Wer also daran interessiert ist , was in der Einen Welt passiert, der findet hier wieder gute Reportagen und informative Artikel. In der Mitte des Heftes, in dem wir über unsere Arbeit in Bolivien berichten, stellen wir die Aktion "Essensbon" vor, mit der wir Kindern in Santa Cruz ein ausgewogenes Mittagessen ermöglichen. Da jeder, der mitmacht, die Chance hat, etwas zu gewinnen, lohnt es sich, ins Heft zu schauen und mitzumachen.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen.

Sr. Kerstin-Marie

Adios!

Sie brauchte keinen Rollator und keinen Stock. Sie hatte für jeden, der ihr begegnete, ein Lächeln auf Lager und war so schnell nicht aus der Ruhe zu bringen. Sagenhafte 71 Jahre ihrer 98 Lebensjahre lebte sie als glückliche Arenberger Dominikanerin, lange Jahre als Küchenschwester. Ja, wenn man einen einzigen Menschen auf dieser Welt als zu-frieden bezeichnen kann, dann war sie es. 
"Schwester, wir freuen uns schon darauf, im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag zu feiern!", scherzte dieser Tage eine Mitschwester mit ihr. "Nein, dazu wird es nicht kommen, ich bin bereit!", antwortete sie, und zeigte lachend nach oben. 

Heute Morgen nun fehlte unsere Schwester Maria Jucunda in der Laudes, und als eine Mitschwester nach ihr schaute, zeigte sich, dass sie tatsächlich in der Nacht still und leise die Heimreise angetreten hatte. 
So vollkommen unbegreiflich ihr so plötzlicher Tod für uns alle ist, so groß ist unsere Dankbarkeit, diesen wunderbaren Menschen so lange Zeit in unserer Mitte gehabt zu haben. Möge das Zeugnis dieses erfüllten Lebens uns weiterhin inspirieren und unsere Herzen weit machen für das, was Gott an uns und durch uns in diese Welt hinein wirken will.
Adios, liebe Schwester!
Sr. M. Ursula, die übrigens im vergangenen Jahr in einem Impuls auf katholisch.de eine kleine Hommage an sie geschrieben hat, nachzulesen hier!

Herzlichen Glückwunsch!

Inzwischen sind für mich 11 Jahre vergangen, dass ich mich am Ende meines Postulates - damals noch ein wenig zögerlich - auf den Weg ins Nähzimmer in der 4. Etage unseres Mutterhauses gemacht habe. Mir war damals ganz feierlich zumute, und oben angekommen wurde ich liebevoll empfangen von unserer Schwester Marietta, die mich sofort von Kopf bis Fuß vermaß und sich an die Arbeit machte, damit ich dann auch püntklich am 19. März  im Rahmen der Noviziatsaufnahme mein Ordenskleid empfangen konnte. Seit ihrem Eintritt 1956 ist sie dort eingesetzt, hat im Laufe ihres Lebens Generationen von Schwestern (und viele Mitbrüder) mit Kleidern ausgerüstet und so das äußere Erscheinungsbild unserer Gemeinschaft ganz maßgeblich mitgeprägt. Wieviele Kilometer Stoff mag sie wohl im Laufe ihres Ordenslebens verarbeitet haben?
"Ein anständiger Mensch kommt überall durch!" - mit diesem Satz und einem dazu gehörigen Grinsen werde ich heute oft empfangen, wenn ich ihr mal wieder ein durchgewetztes Kleid ins Nähzimmer bringe. Für uns alle ist es unvorstellbar, dass unsere "Nähschwester" am heutigen Tag ihren 90. Geburtstag feiert. Auch wenn ihr hier und da das Alter inzwischen doch ein wenig zu schaffen macht, so kommt mir bei ihrem Anblick immer unweigerlich der Psalmvers in den Sinn "Wie dem Adler wird dir die Jugend erneuert..." Wir wünschen Sr. Marietta Gottes reichen Segen und danken ihr für alles, was sie Tag für Tag auch im Verborgenen für unsere Gemeinschaft wirkt!

Sr. M. Ursula

 Foto: Conny Kurz

Online!

Nachdem die Homepage unserer Gemeinschaft doch ziemlich in die Jahre gekommen war und wir ja wissen, wie wichtig die Onlinepräsenz ist, freuen wir uns nun, unsere neue Seite präsentieren zu können.  Passend zum Jubiläumsjahr erstrahlt nun auch unsere Website in neuem Glanz, noch dazu haben wir als Gemeinschaft ein neues Logo bekommen. 

Viele haben mitgeholfen, damit dieses, wie wir finden, wunderbare Werk entstehen konnte, bei dem man die ein oder andere Minute verweilen und etwas durchstöbern kann. Sr. M. Ursula hat hier in den letzten Monaten einige Arbeit geleistet, um all die Informationen und Texte zusammen zu tragen, die passenden Bilder auszusuchen und die Arbeit aller Beteiligten zu koordinieren. 

Nun bleibt zu hoffen, dass viele Menschen den Weg zu ihr finden und sie genauso schön, informativ und anziehend finden wie wir. Und dass diese Homepage einen Eindruck vermitteln kann, wie wunderbar unser Leben als Schwestern der heiligen Katharina von Siena ist und wie gerne wir die heilende Liebe im Sinne unserer Mutter M. Cherubine leben.

Wer auf das Foto klickt, wird direkt weitergeleitet und kann dort lesen, was uns bewegt und umtreibt. Viel Freude dabei!

Sr. Kerstin-Marie

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150 Jahre Heilende Liebe

Gestern Abend also haben wir in all unseren Konventen in einer sehr feierlichen Vesper unser Jubiläumsjahr eröffnet. So waren wir, auch wenn wir räumlich nicht zusammen waren, doch alle miteinander verbunden, indem wir die gleichen Worte hörten, die gleiche Kerze anzündeten und alle die gleichen Bändchen bekamen - abgesehen natürlich von den gleichen Psalmen und Texten aus der Heiligen Schrift. 

Die Bändchen sind für uns als Schwestern vielleicht etwas ungewöhnlich, da wir ja in der Regel nicht auf Festivals gehen und auch eigentlich nur wir jüngeren Schwestern, wenn überhaupt, Armbänder tragen. Und so gab es gestern auch die ein oder andere Überraschung, als wir feststellen mussten, dass man den Verschluss nicht mehr zurückschieben kann, ist er einmal nach vorne geschoben. Aber das kann ja auch ein ganz besonderes Zeichen sein: Wer sich einmal dazu entschieden hat, die Heilende Liebe zu leben, kommt aus der Nummer auch nicht mehr raus. Den lässt es so schnell nicht mehr los. Das zeigen uns unsere älteren Mitschwestern, die vor 50 und mehr Jahren Profess abgelegt und sich dafür entschieden haben, die Heilende Liebe in die Welt zu bringen. 

Gleichzeitig kann das Armband, das man so leicht nicht mehr abnehmen kann, auch eine Gedächtnisstütze dafür sein, was eigentlich unser Auftrag ist. Denn auf ihm steht ja nur "150 Jahre Heilende Liebe". Nicht mehr und nicht weniger. Aber wenn ich das vor Augen habe, dann können mir Tag für Tag die Augen geöffnet werden, wozu ich mich entschieden habe und wofür ich unterwegs bin. Eine Hilfe also, um unsere Spuren in die Zukunft zu entdecken, wenn es darum geht, wie wir die Heilende Liebe in den kommenden 150 Jahren leben wollen.

Und so habe ich gestern mit viel Freude das Bändchen angelegt und den Verschluss zugezogen nach einem sehr gelungenen Auftakt unseres Jubiläumsjahres. Ich freue mich darauf, bei den verschiedenen Gelegenheiten mit verschiedenen Menschen zu feiern, dass unsere Mutter M. Cherubine vor 150 Jahren den Mut hatte, sich ganz in den Dienst nehmen zu lassen im Sinn der Heilenden Liebe und ich freue mich darauf, mit vielen Menschen den Weg in die Zukunft zu wagen. Ob es dann 150 Jahre oder mehr oder weniger werden, liegt nicht in unserer Hand, aber schön wird es allemal.

Sr. Kerstin-Marie

Begegnungen

 

Das neue Jahr hat schon begonnen, aber das alte klingt noch nach. So z.B. auch die verschiedenen Begegnungen, die es im letzten Jahr gab. So wie auf dem Bild mit den wunderbaren Bischöfen aus Bolivien im vergangenen September oder später dann mit verschiedenen Schwestern aus ganz Europa in Oslo. Und nicht zu vergessen die Begegnungen mit unseren Mitschwestern in Bolivien, mit denen wir eng verbunden sind, deren Kultur jedoch eine andere ist. Davon und von noch vielen interessanten Erfahrungen und Begegnungen kann man im aktuellen kontinente-Heft lesen, das jetzt auch wieder digital vorliegt.

Hier ist es zu finden. Wir wünschen viel Freude bei der Lektüre und beim Weiterempfehlen.

Sr. Kerstin-Marie

Dem Stern folgen

Wir wünschen allen, die mit uns verbunden sind, ein gesegnetes neues Jahr 2018!

Die Sterndeuter aus dem Morgenland sind noch unterwegs zur Krippe und folgen dabei dem Stern. Denn sie selber wissen gar nicht so genau, wohin sie eigentlich unterwegs sind, haben jedoch eine Ahnung davon, dass der neugeborene König der Juden auch etwas mit ihrem Leben zu tun hat.
So ähnlich geht es uns vielleicht auch, wenn wir in dieses neue Jahr starten. Was uns erwartet, wissen wir noch nicht so genau, auch wenn zumindest im Kalender schon ziemlich viel feststeht. Von daher ist die Richtung vorgegeben. Für uns als Arenberger Dominikanerinnen bedeutet das in diesem Jahr, dass wir uns daran erinnern, dass vor 150 Jahren Mutter M. Cherubine nach Arenberg kam und dort unsere Gemeinschaft ihren Anfang hatte. Das wollen wir ganz besonders feiern und haben deswegen einige tolle Veranstaltungen geplant und vorbereitet.

M. Cherubine und ihre Art, unter dem Motto der heilenden Liebe als Dominikanerin mit Jesus, dem Kind in der Krippe, unterwegs zu sein, ist für uns heute so etwas wie ein Leitstern, der uns den Weg in die Zukunft weisen soll. Dabei geht es uns ähnlich wie den Sterndeutern: Wo genau es hingehen soll, wissen wir noch nicht und es ist unsere Aufgabe, den Stern nicht aus den Augen zu verlieren. Denn wie leicht kann das passieren, das man dem Wegweiser nicht mehr folgt und dann vom Weg abkommt. Wir nehmen unseren Weg in doppelter Hinsicht ganz besonders in den Blick: Zum einen auf unserem großen Pilgerweg von Schwyz nach Arenberg im Sommer diesen Jahres und dann später auf unserem Zwischenkapitel und explizit danach schauen, wo wir gerade stehen und wie wir weitergehen wollen.

Wir freuen uns, wenn viele mit uns auf dem Weg sind und haben deswegen ein Jubiläumsprogramm aufgelegt, das man hier online anschauen kann. Und immer freuen wir uns über eine Wegbegleitung im Gebet, ganz besonders auch in diesem Jahr, wenn wir unseren Weg neu in den Blick nehmen.

Sr. Kerstin-Marie

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Musik!

Unsere Sr. M. Roswitha hatte am Sonntag die ziemlich gute Idee, dass wir uns doch in dieser Adventszeit mal zum gemeinsamen Musizieren treffen könnten. Das haben wir bislang noch nicht gemacht, was ziemlich schade ist. Denn gestern trafen sich drei Schwestern, um gemeinsam Flöte zu spielen. Gott sei Dank haben wir einen reichlichen Notenfundus, so dass wir direkt loslegen konnten. Unser Spiel klang vielleicht nicht unbedingt wie die himmlische Musik - Blockflöten sind ja an und für sich schon so eine Sache -, aber wir hatten ziemlich viel Freude dabei und wollen unsere Fähigkeiten bis Weihnachten auf jeden Fall verbessern.

Und egal, wie es am Ende dann klingen mag, es ist einfach schön, gemeinsam ein Hobby zu pflegen und relativ zweckfrei etwas gemeinsam zu tun. Aufgrund unserer Gegebenheiten ist das gar nicht immer einfach, schließlich hinterlässt das Alter bei den meisten von uns doch seine Spuren, so dass z.B. an gemeinsame Radtouren nicht zu denken ist und auch andere Unternehmungen sind nicht immer leicht zu organisieren. Umso schöner, dass Sr. M. Roswitha diese gemeinsame Unternehmung angeregt hat.

Am Samstag werden wir dann auch in die gemeinsame Weihnachtsbäckerei einsteigen, wofür man eigentlich nur Lust und ein bisschen Zeit braucht, so dass noch mehr Schwestern mitmachen können. 

Und dann werden in den nächsten Tagen sicher immer wieder drei Flöten erklingen...

Allen eine frohe und gesegnete Adventszeit

Sr. Kerstin-Marie

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Von Brötchenoberteilen und -unterteilen

Am Dienstag und Mittwoch haben wir uns im Mutterhaus zum zweiten Mal mit der Gewaltfreien Kommunikation auseinandergesetzt, um besser miteinander in Kontakt zu sein und um unser Miteinander zu verbessern. Unsere Referenten Andrea Lohmann half uns geduldig dabei, die Unterschiede von Gefühlen und Bedürfnissen zu erkennen und klare Ich-Botschaften zu senden. Ein erheiterndes Beispiel war hier die Geschichte von der Frau, die ihrem Mann jeden Morgen das Oberteil des Brötchens gab, um sich nach 20 Jahren Ehe empört darüber zu äußern, dass sie das eigentlich viel lieber möge, während der Mann schon immer lieber das Unterteil genommen hätte. Auch wenn wir uns in der Gemeinschaft darüber seltener Gedanken machen, merkten wir doch sehr schnell, dass es auch bei uns viele Felder gibt, in denen wir nicht sorgsam miteinander kommunizieren, sondern aufgrund irgendwelcher Annahmen denken und handeln. Wie einfach könnte das Leben sein!

Besonders beeindrucken war für uns die Vorstellung, dass es nicht egoistisch ist, wenn man seine eigenen Bedürfnisse und Gefühle kennt und benennen kann, sondern dass uns das eine wirkliche Wahl ermöglicht. Und dass hilfreich ist, von Antipathie und Sympathie zur Empathie zu kommen, um die andere als andere ernst zu nehmen.

Mit großem Vergnügen warfen wir uns in das Übungsfeld, auch wenn uns schon am ersten Abend ganz schön die Köpfe rauchten. Aber gleichzeitig erlebten wir eine belebende Offenheit untereinander, die uns ermutigt, weitere Schritte in diese Richtung zu setzen. Dass wir dafür noch viel üben müssen und auch noch oft die Unterstützung von Frau Lohmann brauchen, ist es uns klar. Da Übung den Meister macht, freuen wir uns schon auf das nächste Mal, wenn es wieder darum geht, Gefühle und Bedürfnisse zu identifizieren und zu benennen.

Sr. Kerstin-Marie

Aus aller Welt

 

 

Während in der Redaktion schon mit Hochdruck an der ersten Ausgabe für das Jahr 2018 gearbeitet wird, können wir hier die aktuelle Ausgabe von kontinente zum bequemen Lesen am Computer, Tablet oder Telefon anbieten.

Wer mehr zum Bild wissen möchte, muss sich noch zwei Monate gedulden, denn dann kann man es in der nächsten Ausgabe von kontinente finden und erfahren, was es damit auf sich hat. Jetzt kann man erstmal etwas darüber lesen, wen wir in Rom getroffen haben, wie die Stimmung dort war und wer Rosa von Lima ist. 

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und für heute einen schönen Sonntagabend.

Sr. Kerstin-Marie

 

Unverwechselbar Kevelaer

Im Rahmen unserer Jubiläumsvorbereitungen wallfahren wir weiter. Während das Mutterhaus in zwei Gruppen nach Bornhofen pilgert, waren wir aus Oberhausen am Mittwoch bei der Consolatrix Afflictorum in Kevelaer. Das Gnadenbild ist ja wirklich winzig klein, hat aber auf mich eine große Anziehungskraft. Und so finde ich, man kann eigentlich nicht oft genug nach Kevelaer wallfahren. 

Wir machten uns am Mittwoch in zwei Gruppen auf den Weg: Der eine Teil der Gruppe fuhr mit dem Bus, während ein etwas kleinerer Teil mit dem Fahrrad fuhr. Und ich muss sagen, dass ich noch nie perfekteres Fahrradwetter hatte. Es war herrlich sonnig, aber nicht zu heiß und ein leichter Rückenwind schob uns quasi unserem Ziel entgegen. So herrlich! Da wir auch nicht allzu schnell unterwegs waren, konnten wir das gute Wetter und die herrlich niederrheinische Landschaft in vollen Zügen genießen. Während der Überfahrt über den Rhein fühlten wir uns wie auf großer Expedition. In Kevelaer angekommen versüßte uns das goldene Herbstwetter den Aufenthalt, der viel zu schnell schon zu Ende war. Wir beendeten unseren Pilgertag mit einer Messe in der Kerzenkapelle, nachdem wir uns vorher anhand von Psalm 122 darüber Gedanken gemacht hatten, was unsere Sehnsucht ist, wen wir im Herzen mit zur Gottesmutter bringen und wer uns zur Seite steht. 

Ein Pilgertag, wie er im Buche steht und wahrscheinlich auch nicht der letzte.

Sr. Kerstin-Marie

PS: Wir danken Herrn Reichert für die Pilgerfotos!

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Lesestoff

Mit etwas Verspätung kommt hier nun die aktuelle kontinente-Ausgabe als ePaper. Für alle, die lieber am Computer als auf Papier lesen. Es ist auch eine kleine Episode von unserer Romwallfahrt im März zu finden. Also viel Freude beim Lesen!
Und wer noch etwas mehr von Bolivien erfahren möchte: Am 25. September ist um 20.00 Uhr in Kloster Arenberg "Bolivien-erzählt"-Abend im Rahmen der Bolivienpartnerschaftswoche. In diesem Jahr geht es um das Thema Schöpfung. Da vier Bischöfe aus Bolivien an diesem Abend in Arenberg sein werden, wird es Erzählungen aus erster Hand geben. Herzlich Willkommen!

Sr. Kerstin-Marie

Begegnungen

Nachdem die erste Gruppe von Schwestern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ja schon im März nach Rom gepilgert war, folgte in der letzten Woche die nächste Runde. Alle hatten vorher ein bisschen Sorge wegen des Wetters und des Wassermangels in Italien, aber dann wurde alles doch wunderbar. Es war gar nicht so heiß wie befürchtet und das Wasser lief fast überall wie gewohnt. Der Vatikan hatte trotzdem ein Einsehen und verlegte die Generalaudienz am Mittwoch in die Audienzhalle, anstatt sie auf dem Petersplatz stattfinden zu lassen, wo wir in der prallen Sonne hätten warten müssen. Das bedeutete allerdings auch, dass nicht so viele Menschen wie sonst bei der Audienz Platz hatten, was dazu führte, dass fünf von unserer Gruppe leider nicht mehr mit in die Audienzhalle kommen konnten, sondern die Audienz auf den Bildschirmen draußen verfolgten. Für den Rest der Gruppe hieß es: Weil wir zu den letzten Teilnehmern gehörten, kam der Papst quasi hautnah an vielen von uns vorher. Hna. M. Rita und Hna. M. Selva aus Bolivien konnten ihm sogar die Hand schütteln, andere wenige Worte mit ihm wechseln. Was für ein Erlebnis! Damit hatte keiner gerechnet.

Aber auch die, die dem Papst nicht so nah sein konnten, kamen auf ihre Kosten, als wir am Freitag in Santa Sabina waren. Wir standen vor der Kirche und wollten uns nach einer schönen Messe in der Kirche wieder auf den Weg machen, als plötzlich Bruno Cadoré, der Ordensmeister, hinter uns stand. Die Zeit reichte für einen kleinen Austausch und ein Gruppenfoto. Was für eine Begegnung mit dem Mann, den der Ordensmeister der Franziskaner einmal als den demütigen Fußwäscher bezeichnet hat. 

Neben den Begegnungen mit diesen besonderen Persönlichkeiten begegneten wir uns als Mitpilgernde auf ganz besondere Weise. Es wurde wieder einmal deutlich, dass Sprache nun wirklich kein Kontakthindernis ist, wenn sich Bolivianerinnen und Deutsche am Tisch mischten. Und die Abende auf der Dachterrasse des tollen Gästehauses ermöglichten das gegenseitige Kennenlernen und den Austausch untereinander.

Kein Wunder also, dass wir uns jetzt ganz besonders auf nächstes Jahr freuen, wenn wir unser 150jähriges Jubiläum feiern und dabei hoffentlich noch oft Gelegenheit haben, einander zu begegnen.

Sr. Kerstin-Marie

Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder freue ich mich auf die Zeit im Jahr, in der ich mein Fahrrad besteige und irgendwo durch die Republik radle. Schon Monate vorher überlege ich, wohin es gehen soll, halte Ausschau nach Zugverbindungen und Campingplätzen, denke über mögliche Etappen nach und darüber, was meine Ausrüstung noch perfektionieren könnte jenseits meines 30 Jahren alten Tellers.

Und so startete ich am 16. Juli in Flensburg bei Regen in Richtung Süden, grob entlang der Ostseeküste, nach Lübeck, Hamburg und Bremen, um dann, auch das wie jedes Jahr, noch eine Woche in meinem persönlichen Ferienparadies Vechta zu verbringen. Unterwegs habe ich viel erlebt, von gerissenen Speichen über Gewitter bei Nacht, Zeltplätzen, die eigentlich eher einem Unkrautstreifen glichen, Gottesdienst am Strand, Frühstück auf der Promenade zu Begegnungen unterwegs und meinem persönlichen Distanzrekord an einem Tag. Dabei hatte ich überwiegend Glück mit Wind und Wetter. 

Mir macht diese Art von Urlaub viel Freude, auch wenn ich dieses Mal froh war, dass nach fünf Nächten im Zelt eine feste Behausung bzw. ein Zimmer zur Verfügung stand. Warum mich diese Art des Reisens aber so erholt, das habe ich vielleicht erst so richtig verstanden, als ich auf der Rückfahrt von Vechta in der Bahn das Buch von Henning Sußebach "Deutschland ab vom Wege. Eine Reise durch das Hinterland" las. Denn auch wenn ich dieses Mal überwiegend auf dem Ostseeküstenradweg und damit auf so etwas wie einer Fahrradautobahn durch touristisches Vorderland unterwegs war, führt mich so eine Radtour doch weg von gewohnten Wegen. Ich komme durch Gegenden, in die kein Zug fährt, wo es manchmal länger dauert, bis der nächste Laden oder Supermarkt zu finden ist und wo es immer wieder nette und überraschende Begegnungen gibt. Wie die mit den beiden Radlerinnen, die auch an einer Steigung überholte - was wirklich nichts über mein Vermögen am Berg aussagt - und die mich später einholten, als ich auf einer Bank am Strand saß. Das war ein Hallo. Oder das Gespräch mit dem Herrn am Strand, der mir den Tipp zu einer kleinen Abkürzung gab - dass diese für mich ein kleines Abenteuer am Ende des Tages bedeutete, ahnte er auch nicht, aber ich kam auf einen wunderbaren Campingplatz mit allen Annehmlichkeiten. Dazu die Freude über Himbeeren und Mirabellen, die am Wegrand wachsen und nur darauf warten gepflückt zu werden. Das erlebe ich im Alltag eher selten. 

Ich erlebe auf so einer Reise mit dem Rad eine Gegend langsamer, als ich sie im Auto oder mit dem Zug erleben würde. Ich sehe und erlebe Sachen, von denen ich sonst keine Ahnung habe. Ich bin mit meinem Zelt mitten unter Menschen, denen ich sonst vielleicht auf der Straße begegne, mit denen ich aber eher wenig Kontakt habe. 

All das, gepaart mit der Tatsache, dass in diesen Tagen allein Fragen nach Wetter, Weg, Essen und Übernachtungsmöglichkeit wichtig sind, machen diese Art von Urlaub für mich extrem schön, bereichernd und erholsam. Immer wieder denke ich an Erlebnisse aus den vergangenen Jahren und freue mich schon darauf, auch im nächsten Jahr wieder mein Fahrrad mit dem Mainzelmännchenteller und anderen Utensilien zu beladen. 

Sr. Kerstin-Marie

PS: Sachdienliche Tourhinweise werden gerne entgegen genommen.

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Visitation

Sr. M. Scholastika ist heute morgen in Santa Cruz in Bolivien gelandet. Dort wird sie in den nächsten zwei Wochen die Visitation vornehmen, die alle drei Jahre stattfindet. Was genau bei der Visitation passiert, wird in der nächsten Ausgabe von kontinente zu lesen sein, die am 31. August erscheinen wird. Auf jeden Fall ist es kein Ferienaufenthalt...

Wie schön es aber trotzdem ist, schon allein wegen der Zeit in Comarapa, wo unser Regionalmutterhaus ist und wo die Gespräche mit allen Schwestern stattfinden, davon kann das Video einen kleinen Eindruck geben. Die Kjarkas sind eine extrem bekannte Band in Bolivien und darüber hinaus, so dass es schon ziemlich besonders ist, dass diese Band ein Lied über Comarapa gemacht hat. Also anschauen und genießen, auch wenn man den Text nicht versteht, weil man kein Spanisch kann.

Sr. Kerstin-Marie

Online!

 

 

Was bietet sich bei diesem Wetter mehr an, als sich in den Schatten zu setzen und zu lesen? Das aktuelle kontinente-Heft bietet dafür gute Lektüre mit Berichten aus der ganzen Welt. U.a. geht es um das Fahrrad, das in diesem Jahr 200 Jahre alt wird. Wenn man das Heft also ausgelesen hat und es wieder kühler wird, kann man sich aufs Rad schwingen und die Welt genießen.

Dabei wünsche ich viel Freude,

Sr. Kerstin-Marie

 

Das Jahr steht auf der Höhe

"Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht." Das ist eines meiner Lieblingslieder aus dem neuen Gotteslob, was auch damit zusammenhängen mag, dass ich diese Wochen, in denen das Jahr auf der Höhe steht, als die schönsten Wochen des Jahres empfinde.

Nach einer inspirierenden Osterzeit, in der wir den Sieg des Lebens über den Tod gefeiert haben, sind wir wieder eingetreten in die "normale" Zeit im Jahreskreis. Die Antiphonen im Stundengebet sind allen Schwestern schon längst in Fleisch und Blut übergegangen, und so beten wir ganz entspannt und froh viermal am Tag die Psalmen miteinander.

Wenn ich morgens aufwache, ist es schon so hell, dass ich kein Licht mehr anzumachen brauche und so habe ich das Gefühl, dass es gar nicht soo früh ist.

Und wenn ich abends ins Bett gehe, wenn es noch nicht stockfinster ist, habe ich den Eindruck, dass die Nacht viel länger ist als sonst. Ein herrliches Gefühl.

Um diese Zeit liegen die Ferien in der Regel noch vor mir und ich kann mich gedanklich schon darauf freuen, in einigen Wochen zu starten. Ich studiere Landkarten auf der Suche nach dem schönsten Weg, sammle Sachen zusammen, die ich in den Ferien brauchen werde und freue mich auf eine entspannte Woche in meinem Ferienparadies in Vechta.  

Und wenn es dann im Posteingang langsam ruhiger wird und sich verschiedene Leute in den Urlaub verabschieden, ist Zeit, um über Neues und mögliche Projekte nachzudenken und sie vielleicht schon auf den Weg zu bringen.  

Wie es im schon erwähnten Lied heißt, ist diese Zeit zwischen blühen und ernten wirklich besonders und gesegnet.

In diesem Sinne wünsche ich wunderbare Sommerwochen

Sr. Kerstin-Marie 

 

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Vernetzt

 

Das aktuelle kontinente-Heft ist online. Die Lektüre ist quasi eine automatische Vernetzung mit der Einen Welt, gleichzeitig aber auch mit uns und den anderen dominikanischen Gemeinschaften, mit denen wir gemeinsam unseren Eigenteil in der Heftmitte gestalten. Wir vernetzen uns also auch untereinander und merken, wie gut uns das tut. Wir brauchen gar keine Sorge zu haben, dass wir uns untereinander Konkurrenz sein könnten, denn auch, wenn wir alle Dominikanerinnen sind, hat doch jede Gemeinschaft ihr eigenes Charisma. So ergänzen wir uns eigentlich perfekt. Also gut, dass das auch im Heft zum Ausdruck kommt.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und einen wunderbaren 3. Ostersonntag

Sr. Kerstin-Marie

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Wählen gehen!

Heute morgen bekam ich per Post die Wahlbenachrichtigung zur Landtagswahl in NRW am 14. Mai. Ein nicht gerade österlicher Brief, aber da wir in diesen Tagen ganz besonders den Sieg des Lebens über den Tod feiern, hat die Wahlbenachrichtigung dann doch etwas mit Ostern zu tun - zumindest für mich. Denn wer wählen geht, setzt sich für das Leben ein. Der nimmt unsere Staatsform und unser Regierungssystem, nämlich die parlamentarische Bundesrepublik mit der parlamentarischen Demokratie, ernst, die uns seit mehr als 70 Jahren den Frieden im Land sichert und für die allermeisten einen gewissen Wohlstand mit sich bringt. 

Und auch, wenn ich mich in keiner politischen Partei engagiere, bedeutet meine Teilnahme an den verschiedenen Wahlen, dass ich meinen Mindestbeitrag als Bürger in unserem Land leiste und damit die Demokratie unterstütze. Was ich dann wähle, steht ja auf einem anderen Blatt, wichtig ist zu allererst mal, dass ich spätestens am 14. Mai meinen Wahlzettel abgebe. Ob ich dabei nun die Partei der Tierfreunde gewählt habe - falls es die gibt - oder den Zettel ungültig gemacht habe, zuerst einmal signalisiere ich, dass ich unser Regierungssystem unterstütze. Wenn ich mich dann auch noch ernsthaft für eine Partei entscheide, die meine Interessen vertritt, kann ich indirekt auch mitgestalten, wie unser Land aussehen soll. Da Parteiprogramme oft recht langwierig und manchmal auch irgendwie ähnlich sind, kann ja der Wahl-O-Mat weiterhelfen. Für NRW ab dem 24. April hier.

Nicht zu wählen, bedeutet letztendlich, der Demokratie zu schaden, sich nicht für das Leben einzusetzen. Und das finde ich schräg, wo wir doch gerade das Leben feiern.

Und damit ich am 14. Mai nicht vergesse, zur Wahl zu gehen - was mir tatsächlich einmal passiert ist, als es um eine Volksabstimmung zu einem Freibad ging -, habe ich heute gleich Briefwahl beantragt. Noch bequemer kann man es ja gar nicht haben, wenn die Wahlurne quasi ins Kloster kommt.

Und dann hoffe ich, dass am 14. Mai viele Bürgerinnen und Bürger hier in NRW wählen gehen und später am 24. September in ganz Deutschland. Auch das kann man ja bequem per Briefwahl erledigen oder es mit einem Sonntagsspaziergang verbinden.

Sr. Kerstin-Marie

 

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der Himmel über Rom...

Grooooße Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Im Jahr 2018 wird es genau 150 Jahre her sein, dass die - natürlich ganz objektiv betrachtet! - beste Ordensgemeinschaft der Welt gegründet wurde. Schon seit einigen Monaten sind wir daher mit einer kleinen Gruppe aus Mitarbeitenden und Schwestern damit beschäftigt, dieses Jubiläum inhaltlich vorzubereiten und ein vielseitiges und ansprechendes Programm zusammenzustellen (nebenbei: man darf sich freuen!). Eine Idee war, bereits in diesem Jahr zusammen mit Schwestern und Mitarbeitenden aus all unseren Einrichtungen nach Rom zu pilgern, um dort einerseits Weltkirche zu erleben, und andererseits auf den Spuren des Hl. Dominikus und unserer Schutzpatronin, der Hl. Katharina von Siena unterwegs zu sein. Und so machte sich in der vergangenen Woche eine erste Schwestern-Mitarbeiter-Gruppe, bunt zusammengewürfelt aus Arenberg, Oberhausen, Rickenbach und Bolivien unter der Leitung von Kaplan Michael Toth und Sr. Kerstin-Marie auf den Weg die Heilige Stadt. Nachdem wir bei unserer Ankunft mit reichem "Segen" von oben begrüßt worden waren, waren wir gar nicht mal sooo traurig, dass wir im weiteren Verlauf unseres Aufenthaltes kein - auch noch so kleines - Wölkchen mehr am Himmel entdecken konnten. Die Rahmenbedingungen konnten jedenfalls nicht besser sein, dass in diesen Tagen bei allen Wallfahrern auch innerlich der Himmel aufgehen konnte. Nach einer Woche voller wertvoller Begegnungen, ergreifender Gottesdienste an besonderen Orten, gemeinsamem Feiern, lecker Essen und gefühlt unzähligen erlaufenen Kilometern sind wir nun am Wochenende wieder nach Hause zurückgekehrt. Und ich hoffe leise, dass wir einige dieser wunderbaren Erfahrungen in den Alltag hinüberretten können, wobei möglicherweise diese und andere Fotos helfen können :-)

Sr. M. Ursula

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Doppelhochzeit

Diese Konstellation gab es bei uns zuletzt vor genau 40 Jahren: Gemeinsame Feier einer Erstprofess und einer ewigen Profess! Sowohl unsere Juniorin Sr. M. Johanna, als auch unsere Novizin Sr. M. Christina hatten Anfang Januar den Ordensrat um die Zulassung zur Profess gebeten und sich seitdem intensiv auf diesen großen Tag vorbereitet.

Um es kurz zu machen und die Bilder sprechen zu lassen: Der gestrige Tag, vor allem auch das Festhochamt mit unserem Trierer Weihbischof Jörg Peters, war ein Freudenfest der Extraklasse für unsere ganze Gemeinschaft, von dem wir sicherlich noch in 40 Jahren schwärmen werden. Und wie schön, dass die beiden nicht ganz alleine am Altar standen, sondern umringt waren von unseren Mitschwestern, die vor 65, 60 und 50 Jahren JA gesagt haben zu ihrem Weg mit Gott in der Gemeinschaft der Arenberger Dominikanerinnen. So können wir unserem guten Gott einfach nur danken für den Weg, den wir nun gemeinsam fortsetzen dürfen und wünschen unseren beiden Professschwestern Seinen reichen Segen, die Erfahrung Seiner treuen Gegenwart mitten im Alltäglichen.

Für alle, die nicht live dabei sein konnten, gibt es hier einige schöne Fotos zu sehen - ich hoffe, die Freude sprudelt ein wenig über ;-)
Sr. M. Ursula

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Was macht unser Leben reich?

Ansprache von Sr. M. Scholastika zur Einstimmung in den Festtag am 18. März 2017

 

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ fragte kürzlich Leser danach, was ihr Leben reich macht:

 

"Sonntags früh, es ist noch kalt beim Morgengebet in unserer Abteikirche, da höre ich zum ersten Mal in diesem Jahr den melodiö­sen Gesang einer Amsel. Nach den stillen Wintermonaten darf ich mich wieder an ihren herrlichen Morgenkonzerten freuen."

Bruder Simeon Friedrich, Benediktinerabtei St. Matthias, Trier

 

"Morgens den Badezimmerschrank zu öffnen und das Parfum meiner Frau zu riechen. Sie beendet gerade über 250 Kilo­meter entfernt ihr Studium, weshalb ich sie nur alle zwei Wochen sehe." Philipp Piontek, Bad Harzburg, Niedersachsen

 

"Ich besuche mit meinen beiden Enkelinnen eine Aufführung des Märchens „Die kleine Meerjungfrau“. Der Vorhang fällt, Applaus, da beugt die Kleine sich zu mir rüber: »Opa, können wir noch 'ne Folge?«"

Frithjof Schuylenburg, Hamburg

 

Sind es Banalitäten oder doch diese Kostbarkeiten, die beglücken, die Tor und Tür auf GOTT hin sind? Auch für uns? Für uns vielleicht noch viel mehr? Weil ER, GOTT, unser Leben ist? Auch unser alltägliches Leben?

 

Was ist, wenn sie uns nicht mehr froh macht, unsere gegenseitige allmorgendliche Einladung: „Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn!“,

wenn es nur noch Pflicht wäre, das so gewöhnliche Leben in Gemeinschaft.

 

Was mein Leben reicher macht. WER macht mein Leben reicher … Es ist gesetzt, und wir müssten die Luft anhalten über dieses Wunder:  

 

GOTT.

Soli Deo.

Inschrift des Ringes.

Welches Wort!

Welche Ungeheuerlichkeit.

Welches Leben.

 

GOTT.

Nur GOTT.

Mehr nicht.

Letztlich nicht.

Weil er uns alles sein will.

Weil es mehr ist als alles.

Weil er GOTT ist.

 

Liebe Jubilarinnen,

Fast 65, 60 und 50 Jahre tragen Sie ihn, den Ring. Das Zeichen des Bundes, das Zeichen der Liebe. Soli Deo – erinnert er uns.  

Und Du, liebe Schwester M. Johanna, wirst ihn ab morgen tragen. Du setzt ein Zeichen von Dir her: JA, JA - hier bin ich. Hier bin ich, mit allem, was mich ausmacht, hier bin ich mit mir und meiner Gemeinschaft und für sie, um vor GOTT zu stehen und IHM zu dienen. Um mit IHM und für IHN zu leben. Für SEIN Reich, um Seine Liebe zu bezeugen: In allem DU, GOTT. Soli Deo. Heute und alle Tage meines Lebens. 

Hier schwingst Du Dich, liebe Schwester M. Johanna, heute ein, und sagst JA bis zum Tode. Bis zum Tod, denn die Ewigkeit hat dann andere Gesetze.

 

Liebe Festtagsschwestern, die ganzen Exerzitien waren Morgen für Morgen durchzogen mit dem Hohenlied der Liebe. Warum sonst wären wir hier! 

Die Liebe ist

langmütig, / die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, / sie prahlt

nicht, / sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, / sucht nicht

ihren Vorteil, / lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach.

Sie freut sich nicht über das Unrecht, / sondern freut sich an der Wahrheit.

Sie erträgt alles, / glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand. Die Liebe

hört niemals auf. /

 

Unberechenbar ist sie. Nicht mit Stunden abzurechnen, nicht mit Taten aufzurechnen. Die Liebe liebt einfach, liebt im Jetzt. Liebt im Heute.

Das ist ja das Große, erste Profess bzw. auch die ewige Profess kann bedeuten: ich sage JA, Schülerin der Liebe zu bleiben, Sucherin der Wahrheit, denn: Wir haben sie ja nicht, die Wahrheit GOTTES und seine Liebe.

 

Wir eilen durch die Städte unseres Herzens, durch die Straßen unserer Gemeinschaft, durch die Pfade dieser Welt, um sie zu suchen, um

IHN zu suchen, wie wir im alttestamentlichen Hohelied die Geliebte hören: Habt Ihr IHN gesehen, den meine Seele liebt?

 

Und Sie, liebe Jubilarinnen, können erzählen, was heißt, diesen GOTT immer und immer wieder zu suchen, ihn auch aus dem Blick zu verlieren. Seine Stimmen nicht mehr zu hören. Da gibt es Zeiten, wo sein Wort uns nichts mehr sagt. Sie können Ihre Erfahrungen teilen und wissen, was es heißt, ihn zu suchen, auch in der Leere, auch in der Wüste des Herzens. Was heißt, mit Christus unterwegs zu bleiben. Was es bedeutet, immer und immer wieder Herausgerufene zu sein. Was Treue bedeutet. Das Entdecken einer Freiheit, die nur Liebende erahnen können.

Es ist dieses ständige Auszug aus den Grenzen meiner selbst, das Hinüberwandern in den „göttlichen Bereich, wie Teilhard de Chardin es erkannte. Auf der Suche bleiben: mit der ersten und ewigen Profess sagt Ihr Ja dazu. Auf der Suche bleiben, auch nach 50, 60 und 65 Jahren

Profess.

 

Suchen ist das Gegenteil von Sitzenbleiben, von Klammern und Festhalten. Wir sind immer wieder gefährdet, etwas zu suchen, etwas von GOTT zu suchen, seinen Trost, seinen Frieden, seine Liebe. Suchen wir jedoch IHN, haben wir Verlangen nach IHM? Lebt da eine Sehnsucht in uns nach IHM, ein Verlangen nach IHM, das uns in Bewegung bringt, das uns nicht sitzen lässt, die uns ermutigt, mit wenig Gepäck immer und immer wieder aufzubrechen. Denn wer wirklich aufbricht – kommt mit dem Wesentlichen aus.

Mit der Profess wählen wir das Leben, entscheiden wir uns für das Leben, stellen wir uns auf die Seite des Lebens.

 

Schwester M. Christina, Schwester M. Johanna, Ihr legt Profess ab auf das Leben, das er selber ist. Profess ist keine Entscheidung zur Abtötung, keine Entscheidung zum Existenzminimum. Sie ist das JA zum Leben schlechthin, zur Fülle des Lebens.

 

In diesem JA geben wir uns GANZ.

Und in Innersten wissen wir es:

nur dieses Ganze schenkt uns tiefstes Glück,

nicht das Halbherzige, nicht die eigenen Wege, die wir

ohne auf GOTT zu hören, wählen und gehen.

 

Das Ja, das Ihr gebt, dieses Ja, das Sie, liebe Jubilarinnen erneuern holt uns weg vom Unverbindlichem, vom Labilen und Unentschiedenen,

vom Unsteten, Dieses Ja holt uns herunter von selbstgebauten Türmen. 

Zugehören dürfen ist Eure Sehnsucht, liebe Schwester M. Johanna, liebe Schwester M. Christina. Wer liebt, sucht die Nähe des Geliebten.

Petrus wird dreimal nach der Liebe gefragt, nach nichts anderem, nur nach der Liebe.

Wer liebt, sehnt sich nach dem Geliebten, tastet die kleinen Augenblicke des Alltags ab, und Ordensleben ist viel Alltag. Darum bleibt die erste Frage die stete Frage nach der Liebe. Noch einmal.

 

Die Liebe ist

langmütig, / die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, / sie prahlt

nicht, / sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, / sucht nicht

ihren Vorteil, / lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach.

Sie freut sich nicht über das Unrecht, / sondern freut sich an der Wahrheit.

Sie erträgt alles, / glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand. Die Liebe

hört niemals auf. /

 

Manchmal wird es notwendig, wie es Simone Weil sagt, ins Leere hinein zu lieben, oder zumindest lieben zu wollen, sei es auch nur mit dem winzigsten Teil ihrer selbst. Dann eines Tages naht sich Gott selbst und zeigt sich ihr, sagt sie.

 

Das ist das Wichtige: Liebe ist eine Entscheidung. Simone Weil spricht vom Wollen: die Liebe wollen. Es geht viel weniger um Gotteserfahrungen, die wir dann und wann auch brauchen, es geht zuerst um die Entscheidung für Christus. Die Frage nach der Liebe ist die Frage nach den Prioritäten meines Lebens. „Petrus, liebst Du mich?“

Und diese Liebe will Ausdruck im Alltäglichen. Sie wird nicht im luftleeren Raum gelebt. Sondern wächst und gestaltet sich in der alltäglichen Begegnung. Tertullian sagt: „Hast Du Deinen Bruder, Deine Schwester gesehen, dann hast Du deinen Herrn gesehen."

 

Schwester M. Christina, Dir wird heute das Kreuz in die Hände gelegt, und Dir, Schwester M. Johanna, wird der Dornenkranz überreicht.

 

Mit unserem JA der Profess wählen wir auf radikale Weise den Weg Jesu, wird die Torheit des Kreuzes unsere Lebensregel: diese Liebe, die nicht endet an unseren menschlichen Grenzen, die alles Tödliche in unserer Mitte überwindet.

Wir lesen zurzeit während des Tisches „Die Reformation des Herzens“.

Christina Brudereck schreibt:

 

"Ich nenne Jesus

den, der gründlicher hoffte als wir.

Der liebt, was Gott liebt.

Der sich verschenkt. Sein Herz nicht an Dinge hängt.

Ich nenne ihn Licht,

ich nenne ihn: »Mehr brauch ich nicht.«

Manchmal nenn ich ihn »Lieblingsgedicht«,

denn er reimt mir die Liebe in mein Leben.

 

Liebe und

lass dich lieben.

Liebe Gott, deine Nächsten, dich selbst.

Und liebe sie alle auch dann noch, wenn sie dir feind sind.

Er glaubte an Wandlung:

Dies Brot ist mein Leib und eure Herzen werden satt.

Dann wurde

es immer enger, er liebte weiter.

Es wurde noch enger, er liebte weiter.

Er liebte und starb vor lauter Liebe.

Er hing. In der großen Lücke von Himmel und Erde.

Er erlebte Schmerz. Todesangst, Verlassenheit, Einsamkeit.

Abschied, Sterben, Ende.

 

Und so wie

er zeit seines Lebens nie

über uns hinweggegangen ist,

nicht über die Erde stolziert, grub er sich immer tiefer in unser Leben ein.

Er ging durch die Hölle und beschenkte die Erde in ihrer innersten Mitte mit

Leben.

Und dann wurde er von Gott gerufen,

gefordert, geweckt.

 

Es ist die

gründlichste Unterbrechung der Geschichte,

das Unglaublichste und Trotzigste des Glaubens:

Der Gescheiterte ist der Geliebte.

Der Verfluchte der Segen für alle."

 

Der morgige Tag ist die Unterbrechung der Geschichte, Unterbrechung des Alltäglichen, Unterbrechung der eigenen Pläne, Unterbrechungen menschlichen Denkens.  Ein Unterbrechung, die in die Freiheit führt, in die Lebensfülle. In die Liebe.

 

Liebe Jubilarinnen, liebe Schwester M. Johanna, liebe Schwester M. Christina,

möge Euch Christus mit seiner Liebe ganz nahe kommen, mögen Sie seine Nähe finden und darin Ihr Glück finden. 

Euer Herz möge wach bleiben. Denn Er, GOTT, kann Ihnen entgegenkommen, hier und jetzt und vielleicht, im Gesang einer Amsel,

im guten Duft einer Blüte, im frisch gebrühten Kaffee. Vielleicht dann, wenn Sie mitten im Alltäglichen ein Lächeln trifft, ein gutes Wort.

 

Sr. M. Scholastika 

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Nachrichten aus der Einen Welt

Wir freuen uns, dass wir auch die zweite Ausgabe unseres kontinente-Heftes wieder als ePaper zur Verfügung stellen können. Wenn man unterwegs ist und das Heft zu Hause gelassen hat, kann man so im Zug, im Bus oder auf einem fremden Sofa gemütlich im Heft lesen und so erfahren, was in der Welt los ist. 

Und wer dauerhaft Interesse an unserem Heft hat, kann es leicht und unkompliziert bei uns bestellen. Wer es auch in Zukunft lieber digital lesen möchte, der meldet sich auch einfach bei uns.

Und hier gehts zum aktuellen Heft.

Sr. Kerstin-Marie

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Vier Wochen Ausnahmezustand

"Alles außer Alltag" - so könnte man die vergangenen vier Wochen hier auf dem Arenberg überschreiben. Kaum hatte sich nämlich am 13.01. die Tür hinter dem letzten Gast geschlossen, ging  es in unserem Gästehaus zu wie in einem Ameisenhügel. Vier Wochen Schließungszeit war angesagt, da es notwendig geworden war, unsere Küche grundlegend zu sanieren. Und da wir sowieso das Haus schließen mussten, wurden eben auch mal die gefühlten 1000 "Kleinigkeiten" erledigt, die wir eigentlich immer schon mal ändern und ausbessern wollten, weil sie im Alltag zu Störungen führen. Ja, und nach 13 Jahren durchgehender Öffnung für Gäste und ca. 400000 Übernachtungen war auch die ein oder andere Erneuerung in den Zimmern kein Luxus mehr.

Dass diese vier Wochen im Januar/Februar 2017 für alle Beteiligten sehr arbeitsintensiv werden würden, hatten wir vorher schon geahnt, aber dass dieser Umbau sooo viele wunderbare "Nebeneffekte" mit sich bringen würde, davon konnte vorher niemand auch nur träumen. Es war allein schon ziemlich lustig zu erleben, dass in dieser Zeit die allermeisten Mitarbeiter "fachfremd" eingesetzt waren und viele bislang unerkannte Talente zum Vorschein kamen. So zerlegten beispielsweise der Seelsorge-Chef zusammen mit dem Koch Klosterkeller und Spülzentrale in 1000 Teile, und die Leiterin des Vitalzentrums mit ihrem Team wurde gar nicht müde, alles auseinander zu bauen, was nicht bei drei auf dem Baum war. Allein in den ersten 48 Stunden schafften wir es mit der geballten Kraft unserer Mitarbeiter, das ganze Haus "baufertig" zu kriegen, so dass montags morgens die einrückenden Hundertschaften von Handwerkern direkt mit ihrer Arbeit loslegen konnten. Jeden Tag wurde in der Schließungszeit ein gemeinsames kostenloses Mittagessen für Mitarbeiter und Handwerker im Mariensaal angeboten, und zweimal in der Woche gab es dabei auch einen kleinen Kurzfilm zu sehen. Besonders dieses "Lunchkino" wurde gegen Ende immer mehr zu einem Magneten, so dass der Mariensaal dann an den Kinotagen um 12:30 Uhr aus allen Nähten platzte. Ein anderes Mal haben wir Schwestern im Refektorium für alle Arbeiter und Mitschwestern Waffeln gebacken, auch hier gab es viel Freude und schöne Begegnungen. Für mich persönlich war die gemeinsame Fortbildung der Teams Seelsorge und Vitalzentrum ein absolutes Highlight. Gemeinsam mit unserer Referentin Anneliese Hecht vom Katholischen Bibelwerk betrachteten wir drei Tage lang auf sehr ganzheitliche Weise biblische Heilungsgeschichten und machten uns intensiv Gedanken darüber, was "Heilende Liebe" für uns heute bedeutet und wie wir in unserem Haus künftig auch in dieser Hinsicht neue Akzente setzen könnten. Es war einfach unglaublich bereichernd, voneinander zu hören und intensiv miteinander zu teilen, wie wir im Alltag heilsam präsent sein können.

Bevor nun ab morgen Mittag wieder die ersten 70 Gäste anreisen, bildete am Freitag ein kleines Fest den krönenden Abschluss dieser für uns so besonderen Zeit. Und auch hier kamen Talente zum Vorschein, die den ganzen Saal zum Toben brachten, wie man auf den folgenden Videos erkennen kann: So werden wir uns künftig zweimal überlegen, ob wir wirklich einem Exil-Bayern den Auftrag geben, den Klosterkeller leer zu räumen (s. hier) und wenn unsere Bundeskanzlerin demnächst Unterstützung braucht, wenn es darum geht, etwas zu schaffen, soll sie einfach mal unsere Mitarbeiter anrufen (s. hier und hier). Und alle, die nun meinen, ich hätte gerade übertrieben, sollten sich mal dieses Video anschauen, um sich ein Bild zu machen von dem, was hier in vier Wochen alles gestemmt wurde ;-)

Morgen geht nun für uns der Alltag wieder los, doch bei aller Erleichterung und Dankbarkeit, dass alles so gut funktioniert hat, mischt sich doch auch hier und dort etwas Wehmut ein, dass diese intensive Zeit des gemeinsamen Anpackens nun erst einmal vorüber ist. Bleibt nur zu hoffen, dass wir gaanz viele dieser Mut machenden Erfahrungen in den Alltag hinüberretten können, so wie wir es ja unseren Gästen auch immer wünschen. Also: HERZLICH WILLKOMMEN im guten alten, rundum aufgehübschten Kloster Arenberg!!

Sr. M. Ursula

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Die Mission des Ordens

Letzte Woche hatte ich die große Freude, am Kongress zur Mission des Ordens zum Abschluss des 800. Jubiläums teilnehmen zu können. 600 Mitglieder aus allen Zweigen des Ordens waren nach Rom gekommen, um gemeinsam darüber nachzudenken, wozu wir als dominikanische Familie gesandt sind, was es heute heißt, "Prediger" zu sein. Dabei lauteten die Ausgangsfragen: "Von wem sind wir gesandt? Zu wem sind wir gesandt? Mit wem sind wir gesandt? Was bringen wir mit in unserer Sendung?" 

Die Antwortversuche wurden von verschiedenen Schwestern und Brüdern in den Bereichen "Evangelium und Menschlichkeit", "Predigt und Begegnung" sowie "Gesendet zum Dienst" gegeben. Hierbei eröffneten die morgendlichen Reden die anschließende Workshopsession, in denen es wiederum Unterthemen gab. So war ich z.B. mit Sr. Megan McElroy und fr. Greg Heille am zweiten Tag zum Thema "Dominican Preaching Network" vertreten. Am ersten Tag nahm ich am Workshop "Preaching Justice" teil, in dem zwei Werke vorgestellt wurden, die den dominikanischen Einfluss auf die Sozialethik des 20. Jahrhunderts darstellten und am dritten Tag nahm ich am Workshop zum Thema "Estudio" teil. Die Workshoptitel und die Notizen in meinem Heft zeigen, dass es ziemlich international zuging und alles in einer der drei Ordenssprachen Englisch, Französisch oder Spanisch gehalten wurde.
So auch die künstlerischen Darbietungen in der Mittagspause, über ein Theaterstück, Klaviermusik hin zu einem Chorkonzert, wie auch die Podiumsdiskussionen am Nachmittag, die zum jeweiligen Tagesthema passten.

Das Programm wurde abends abgeschlossen durch einen kleinen Pilgerweg, nach Santa Sabina, in die Synagoge und nach Santa Maria sopra Minerva.

Also ein reich gefülltes Programm, das am Samstag mit der Conclusio und der Papstmesse inSan Giovanni in Laterano endete. Eine dichte Woche, von der ich einige Punkte ganz besonders mitnehme:

Wieder einmal den beeindruckenden Reichtum unserer Ordensfamilie. Ihre Vielfalt, die Präsenz in allen Teilen der Erde und unter und mit allen Menschen.

Den Appell des Ordensmeisters Bruno Cadoré, zu studieren, zu studieren, zu studieren, um so die Wahrheit verkünden zu können. Im Zeitalter alternativer Fakten scheint mir das besonders wichtig zu sein.

Die Aufforderung von Sr. Teresa Hieslmayer und fr. Felicissimo Martinéz, im anderen das Evangelium der Menschlichkeit zu sehen und sein Gesicht als Herausforderung für die Verkündigung anzunehmen. In Zeiten, in denen Gesellschaften beginnen, sich abzuschotten, ist das für mich ein wichtiger Impuls.

Und die Erfahrung, wie belebend und schön ist es, mit Brüdern und Schwestern zusammen zu sein, mit ihnen in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen und ähnliche Gedanken und Ideen zu teilen. Aber auch zu erleben, unter welchen Bedingungen sie leben, z.B. in Nigeria oder im Irak oder...

Eine bewegende Woche, die Lust macht auf die nächsten 800 Jahre unseres Ordens.

Sr. Kerstin-Marie

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In die Zukunft

 

Wie im gesamten Print-Geschäft, so merken auch wir bei "kontinente", dass die Menschen ihre Lesegewohnheiten ändern und nicht mehr unbedingt ein gedrucktes Heft lesen, so gut es auch sein mag. Deswegen haben wir uns schon vor drei Wochen in Köln getroffen und uns beraten lassen, wie wir mit unserem Magazin in die digitale Zukunft gehen können. Dabei haben wir mal geschaut, was solche Zeitungen wie die "New York Times" machen und was uns allgemein in Zukunft erwarten könnte.

Ehe wir aber mit einem eigenen Snapchat-Kanal beginnen, wollen wir erstmal das schon fast klassische ePaper testen. Deswegen freuen wir uns, dass wir die erste Ausgabe der kontinente von 2017 digital anbieten können.

Hier ist sie zu finden und wartet nur darauf, heruntergeladen und gelesen zu werden. Uns würde interessieren: Wer hätte auch zukünftig Interesse daran, das Heft digital lesen zu können? Wir freuen uns daher über Kommentare und auf Nachrichten.

Viel Freude beim Lesen

Sr. Kerstin-Marie

 

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Frohe Weihnachten!

 

Der Engel verkündete den Hirten auf dem Feld eine große Freude: Christus, der Retter, ist da!

In dieser Freude wünschen wir allen, die mit uns verbunden sind, von Herzen frohe und gesegnete Weihnachten. Möge die Ankunft des Herrn auch uns bewegen, so wie sie die Hirten auf den Weg zur Krippe gebracht hat. Mögen wir die große Freude tief in unseren Herzen spüren, nicht nur an den Festtagen, sondern alle Tage im neuen Jahr. Und mögen wir selber zu Verkündern der Frohen Botschaft werden, dass Christus auch heute für uns angekommen und da ist.

So wünschen wir Ihnen und Euch von Herzen alles Gute, viel Segen und Frieden im Herzen und in der Welt.

Sr. Kerstin-Marie

 

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Was wäre, wenn...

Gestern Abend gegen halb zehn bekam ich via Facebook mit, dass in Berlin etwas Schreckliches passiert war. Um diese Uhrzeit wusste man nur, dass ein LKW in den Weihnachtsmarkt gefahren war und dass es ein bis neun Tote und viele Verletzte gab. In einem Statement sagte der Polizeisprecher von Berlin um diese Uhrzeit, man wisse noch nicht, ob es Bremsspuren gäbe. Kein Mensch wusste also, ob die Tat vorsätzlich erfolgt war oder ein schrecklicher Unfall war.

Trotzdem wurde auf Facebook schon reichlich kommentiert und gepostet: "Merkel muss weg!", "Das haben wir jetzt davon.", "Alle abschieben!" und Schlimmeres war da zu lesen, was ich gar nicht wiederholen möchte.

Diese Kommentare und Posts entfachten in meinem Kopf ein kleines Gedankenspiel, befeuert auch durch das Interview mit Wolfgang Bahro, der in Hochhuths "Gasherd und Klistiere oder Die Urgroßmutter der Diätköchin" Adolf Hitler gespielt hatte. In diesem Stück wird die Diätköchin Adolf Hitlers von ihm entlassen, weil sie Achteljüdin ist. Das heißt, ihre Urgroßmutter war Jüdin.

Dieses Gedankenspiel ließ mich fragen, wohin denn alles gehen sollte, wenn die Forderungen derer, die bereits vor der Polizei wissen, wer der oder die Täter waren, erfüllt würden. Müssten dann alle Ausländer Deutschland verlassen? Würden "Achtelausländer" ihre Arbeit verlieren? Wie würde unser Alltag dann aussehen, z.B. hier im Vincenzhaus, wo Menschen aus verschiedenen Kulturen miteinander arbeiten und leben? Wer wäre dann noch hier?

Und dabei sind laut "IFAK - Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe - Migrationsarbeit" 60 Prozent der jungen Menschen, die sich radikalisieren und in den Dschihad ziehen oder Anschläge verüben wollen, Konvertiten. Also keine Menschen mit Migrationshintergrund, keine Ausländer. Sollen sie das Land auch verlassen? Und wer kann sagen, was in wem vorgeht?

Nein, das kann ja nicht funktionieren. Und so funktioniert auch ein freiheitlicher und demokratischer Staat nicht, in dem zuerst die Unschuldsvermutung gilt. Stattdessen sollten wir uns an das halten, was der Berliner Bischof Markus Dröge heute Abend in der Berliner Gedächtniskirche sagte: "Wir geben dem Terror nicht dadurch Recht, dass wir uns entzweien lassen. Wir lassen uns nicht zur Unmenschlichkeit verführen."

Lassen wir uns doch nicht zum Hass und zur Unmenschlichkeit verführen, sondern beten wir für die Opfer und ihre Angehörigen, hier bei uns und überall auf der Welt, wo Menschen Krieg, Hass und Gewalt zum Opfer fallen. Und bereiten wir uns so auf Weihnachten vor.

Sr. Kerstin-Marie

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bist du es, der da kommen soll?

So richtig will das heutige Evangelium nicht zu diesem Gaudete-Sonntag passen, an dem ja eigentlich die Freude im Mittelpunkt stehen soll. Und doch stellt es in der Person Johannes' des Täufers auf bewegende Weise die Spannung dar, in der unser Leben steht und die unseren Glauben lebendig hält. Meine etwas ausführlicheren Gedanken zum Sonntagsevangelium sind in dieser Woche wieder in der Reihe "Ausgelegt" unter www.katholisch.de zu finden.

 

Adventliche Grüße vom Arenberg sendet Ihnen und Euch

Sr. M. Ursula

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den Wein der Freude trinken...

...dominikanische Spiritualität als Leidenschaft für die Wirklichkeit - so heißt der Titel einer Radio-Sendung, die ich vor einiger Zeit mit Frau Dr. Silvia Becker gestalten durfte. Heute morgen nun wurde sie nun in der Reihe "Am Sonntagmorgen" übertragen und kann inzwischen auf der Seite des Deutschlandfunks angehört bzw. heruntergeladen werden.

 

Eine gesegnete zweite Adventswoche wünscht

Sr. M. Ursula

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Advent

Der längstmögliche Advent hat begonnen und wir befinden uns schon in der Mitte der ersten Woche. Wie immer wird die Zeit bis Weihnachten viel zu schnell vergehen und werden längst nicht alle Karten geschrieben und Plätzchen gebacken sein. Aber auch, wenn viel los ist in diesen Wochen - die vorweihnachtliche Feier unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Priorinnennamenstag, Nikolaus, die Feiern der Etagen,... - ist besonders der Beginn des Advents für mich eine spezielle Zeit. Vor acht Jahren bin ich zum 1. Advent in das Postulat aufgenommen worden und wenn wir zum Beginn des Kirchenjahres damit beginnen, die Hymnen und Antiphonen des Advent zu singen, dann merke ich immer wieder die Freude und Aufregung von damals.

Wie es in den ersten Tagen im Mutterhaus und dann in der Schweiz war, wie es war, sich an den klösterlichen Tagesablauf zu gewöhnen und daran, nach dem Aufstehen erstmal zwei Stunden lang nicht zu sprechen, obwohl mir doch so viel auf der Zunge und dem Herzen lag. 

Wie schön, ganz automatisch daran erinnert zu werden und dann zu schauen, was in den vergangenen Jahren alles passiert ist.  Wie unendlich die Welt in dieser Zeit gewachsen ist, wenn ich daran denke, dass ich in diesem Jahr in Bolivien und den USA war und überall und immer auf Familienmitglieder treffe, die alle angesteckt und begeistert sind von der Idee des hl. Dominikus, das Wort Gottes zu verkünden zum Heil der Menschen. 

Von all dem ahnte ich damals im schier unendlichen Schnee in Rickenbach noch gar nichts. Stattdessen wurde mein Horizont Woche für Woche und Monat um Monat erweitert und wird es tagtäglich neu.  Langweilig wird es in unserem Orden auf jeden Fall nie und so freue mich auf all das, was wohl noch auf mich zukommen wird, von dem ich noch nichts ahne.

Ich denke, der Advent kann da, bei allen Feiern und Anlässen, eine gute Gelegenheit sein, zu schauen, wonach ich bei all den Überraschungen so Ausschau halte, auf was ich persönlich noch warte, bei all dem, was mir bereits zugekommen ist. Und wer weiß, was da noch für mich bereit gehalten wird.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine frohe und gesegnete Adventszeit voller Vorfreude auf das Kommende.

Sr. Kerstin-Marie

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sie wird uns fehlen...

"Machen Sie's wie wir: Werden Sie hier glücklich." Mit diesen Worten begrüßte Sr. M. Synesia vor einigen Jahren eine neue Postulantin, der ich die Schwestern auf unserer Pflegestation vorstellte - und sie strahlte dabei bis über beide Ohren. Diese Szene berührte mich umso mehr, als es unserer Schwester schon damals nicht wirklich gut ging - hinfällig wie sie war, hätte sie viele Gründe zum Klagen gehabt, und doch sprudelte uns in diesem Moment aus ihren fast blinden Augen pures Glück entgegen. Und auch wenn sie schon seit Jahren - bedingt durch ihre zunehmende Demenz, ihre Blindheit und Taubheit - nur noch sporadisch an unserem Konventleben teilnahm, trieb uns unsere unvermindert unternehmungslustige Schwester zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten ein Lächeln ins Gesicht. Man hörte sie nämlich stets schon aus der Ferne: Immer wenn es in der Klausur irgendwo rumpelte und krachte, flüsterten wir uns zu: "Synesia...", da sie - wenn sie mit ihrem Rollator ihre Runden drehte, natürlich nach Gehör bzw. Gefühl fuhr (nach dem Motto: wenn's kracht noch 'n Meter) und so an nahezu allen Türpfosten sichtbare Spuren hinterließ. Und immer wenn eine Schwester ihr etwas sagen wollte, musste sie so laut schreien, dass man es über mehrere Flure hören konnte. Gestern ist unsere liebe Sr. M. Synesia nun im Alter von 92 Jahren - im 65. Jahr ihrer Profess von Gott heimgerufen worden - nun darf sie sehen, was kein Auge geschaut und hören, was kein Ohr gehört hat: Das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (vgl. 1 Kor 2,9). Und wir, wir werden sie vermissen.
Sr. M. Ursula

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Viva Boliva

Am Wochenende war das große Boliviennachtreffen der gesamten Reisegruppe dieses Sommers in Hildesheim. Weil wir alle eingeladen waren, Bilder mitzubringen und zu teilen, nutze ich die Gelegenheit, um dieses kleine Video zu teilen. In all unseren Einrichtungen und Konventen, in denen ich war, wurden wir so herzlich begrüßt. Wie viel Mühe hinter all diesen selbstgestalteten Plakaten steckt...

Hier in Deutschland bewegt mich die Frage sehr, wie wir die Menschen um uns herum aufmerksam machen können für Bolivien, die Menschen dort, unsere Schwestern und ihre Arbeit. Denn ohne finanzielle Unterstützung wäre all das gar nicht möglich. Da die Schwestern in Bolivien quasi keine Einnahmequelle haben, sind sie dringend angewiesen auf Spenden aus Deutschland. Natürlich weiß ich, dass überall Geld gebraucht wird, aber da ich die Menschen nun einmal getroffen haben, liegen sie mir natürlich besonders am Herzen. Noch davon bin ich überzeugt, dass unsere Arbeit in Bolivien den Menschen wirklich hilft, selbständig zu werden. Die Kinder und Jugendlichen, die bei uns in den Kindergärten, Horts und Schulen waren, haben die Möglichkeit, später einmal zu studieren und so einen Beruf zu ergreifen, von dem sie leben können. Dann können sie auch selber für ihre Gesundheitsversorgung zahlen und die Betreuungskosten für ihre Kinder übernehmen. Also alles nachhaltig...

Wer mich einlädt, dem erzähle ich gerne mehr von unserer Arbeit in Bolivien und dem Land selber. Natürlich mit noch mehr Bildern und wunderbaren Eindrücken.

Sr. Kerstin-Marie

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Go and do likewise!

Colloquium on Dominican Preaching

Nach mehreren Vorbereitungstreffen, einem Preview-Meeting und monatlichen Zoom-Konferenzen wurde es nun wirklich wahr: Vom 10.-14. Oktober fand in St. Louis, Missouri das erste internationale Kolloquium zur dominikanischen Predigt statt. Unter dem Motto "Go and do likewise!" fanden sich über 60 Mitglieder der dominikanischen Familie aus 20 Nationen in den Vereinigten Staaten ein, um gemeinsam über das Thema "Predigt" nachzudenken. In drei Hauptreden beleuchteten fr. Bruno Cadoré, der Ordensmeister der Dominikaner, Sr. Sara Böhmer, die Generalpriorin der Dominikanerinnen von Bethanien und Maria Erika Bolanos, Mitglied der dominikanischen Laien der Philippinen auf eindrückliche Weise, was die Predigt im jeweiligen Zweig des Ordens bedeutet. Alle Beiträge wurden aufgezeichnet und können hier nachgeschaut werden. 

Daneben gab es viele Predigten zu hören, versuchten wir in verschiedenen Workshops der Sache auf den Grund zu gehen, trafen uns in Regionalgruppen und nahmen am Bankett zur Verleihung des Predigtpreises des Thomas-Aquinas-Institutes teil. Beeindruckende Tage, bei denen mich besonders die verschiedenen Blickwinkel auf das eine Thema Predigt inspirierten. Bei denen noch einmal deutlich wurde, dass Predigt eben nicht Homilie ist. Bei denen in den verschiedenen Workshops eine hohe Energie zu spüren war. Bei denen zu merken war, wie ein Netzwerk entsteht, das aus zarten Fäden besteht. Bei denen ich mit vielen tollen Brüdern und Schwestern zusammen sein konnte. 

Und da nach dem Colloquium vor dem nächsten Treffen ist, freue ich mich schon auf die nächsten virtuellen und realen Treffen, um weiter am Thema "Dominikanische Predigt" zu arbeiten.

Sr. Kerstin-Marie

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Ein Flügel...

Foto: 2Flügel
Foto: 2Flügel

Momentan freuen wir uns in unserem Gästehaus Kloster

Arenberg über zwei ganz besondere Gäste: Eine ganze Woche lang sind die evangelische Theologin Christina Brudereck und der Pianist Ben Seipel (auch bekannt als 2Flügel) bei uns zu Gast, die sich als „artists in residence“ von der Atmosphäre unseres Hauses beflügeln lassen, um ihr neues Programm auszuarbeiten.

Für diese anspruchsvolle Arbeit hilft es natürlich sehr, dass in unserem Mariensaal ein wunderbarer Steinway-Flügel steht, in den sich Ben Seipel bei seinen letzten Aufenthalten geradezu verliebt hat. Anfang der Woche nun war das Instrument allerdings etwas verstimmt, weshalb ein Klavierstimmer herbeigerufen wurde. Und als die beiden so ins Gespräch kamen, tauchte plötzlich die Frage auf, wieviele Jahre der gute alte Steinway denn wohl auf dem Buckel hätte. Also wurde die Modellnummer ausfindig gemacht und

mal eben in der Firmenzentrale in Hamburg angerufen, ob dort möglicherweise Informationen zu diesem Instrument vorliegen. Sie lagen vor, und es kam heraus, dass der Flügel im übernächsten Jahr bereits seinen 90. Geburtstag feiern kann – im Jahr 1928

wurde er nämlich gebaut und dann nach Remscheid ausgeliefert. Als ich davon heute beim Mittagessen einer Mitschwester erzählte, die lange im Konvent in Remscheid gelebt hatte, wusste sie sogar noch Genaueres zu erzählen. Die Geschichte hinter dem wunderbaren Instrument könnte trauriger nicht sein:

Der Flügel gehörte einem leitenden Arzt unseres dort ansässigen Krankenhauses, der seine Frau über alles liebte. Für dieses junge Paar war es ein unvorstellbares Leid, dass ihre Beziehung nicht durch Kinder gesegnet war – im Gegenteil, all ihre Kinder wurde entweder tot geboren, oder verstarben unmittelbar nach der Geburt. Dann, als das sechste Kind auf die Welt kommen sollte, saßen der Arzt und sein bester Freund an diesem Flügel und spielten vierhändig, um seine nebenan gerade gebärende Frau zu beruhigen. Doch als dann Frau und Kind nach der Geburt starben, war für den alleine hinterbliebenen Mann klar, dass er niemals mehr auf diesem Instrument spielen wollte; also schenkte er den Flügel kurzerhand unserer Gemeinschaft.

Manchmal kann uns das Leben wirklich brutal mitspielen - umso beeindruckender ist für mich, dass meine Mitschwester mir mit leuchtenden Augen erzählte, welch ein faszinierender, origineller, unglaublich hilfsbereiter Mensch dieser Arzt gewesen sein muss. „Man kann nur einmal im Leben einen Menschen so lieben, wie ich meine Frau geliebt habe“, so hätte er festgestellt, und blieb deshalb auch sein ganzes weiteres Leben lang unverheiratet, bis er dann schließlich in hohem Alter starb. In seinem Wesen war keine Spur von Verbitterung oder Härte, und sein Leben brachte letztlich große Frucht hervor - nicht durch so sehr ersehnten leibliche Kinder, sondern durch sein Da-Sein, seine liebevolle Sorge für andere. Wieder einmal ein unendlich wertvolles Lebenszeugnis, das uns zeigt, zu welcher Größe Menschen, die der Liebe in ihrem Leben Raum geben, fähig sind.

Der gute alte Steinway-Flügel, er wird heute noch gespielt, sein wunderbarer Klang berührt immer noch viele Ohren und Herzen und lässt Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen aufleben.

Meine Gänsehaut-Geschichte des Tages.

 

Sr. M. Ursula

 

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Fotos vom Feste

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...als hätte der Himmel die Erde geküsst

Einstimmung unserer Generalpriorin in die Jubiläumsfeier am Fest Maria Geburt

 

Liebe Jubilarinnen,

 

was bewegt Sie heute, liebe Schwestern, nach 50, 60 und 65 Jahren Ordensleben?

Ein Gedanke geht bestimmt zu dem hohen Begriff der Berufung. Gerufene sind wir, Herausgerufene.

Wie muss es für Sie gewesen sein? Damals?

Weg von Gewohntem, weg von dem, was vertraut war und auch mit Liebe gelebt wurde, weg ins immer auch Ungewisse, in Räume und Welten, die einer Suche bedürfen, die ein lebenslanges Suchen in Gang setzen.

Da gibt es kein Haben mehr, kein wirklicher Besitz, da ist dieses mir von GOTT Anvertraute, dieses Freiwerden, diese eigentümliche Freiheit, die in GOTT ist, die ein stetes Ertasten bleibt.

Da war vielleicht in aller Gewissheit eine ängstliche Unsicherheit, die alle kennen, die sich auf GOTT einlassen, auch die Heiligen.

Weil dieser Weg mit Christus auch Abschied bedeutet, Zurücklassen, weil Bewegungen des Zulassens und Einlassens gefordert waren und gefordert bleiben. Oft eigene Vorstellungen durchkreuzend.

 

Die immer tiefere Entfaltung der Berufung bleibt ja, sie hört nicht mit der ersten Profess, schon gar nicht mit der Ewigen Profess auf. Dieses Einlassen auf GOTT, dieses beständige Hören auf IHN, auf Sein Wort bleibt die Grundbewegung des Herzens, bis wir IHN schauen dürfen.

Von Angesicht zu Angesicht.

 

Und es ist letztlich auch das Wunderbare, im Älterwerden, das oft einher geht mit wachsenden Einschränkungen, entdecken zu dürfen, dass das Herz, dass die Seele nicht schwerhörig werden können, wenn wir uns selber nicht verhärten in Unversöhntem, und der Eigenwille nicht so starke Mauern aufgebaut hat, die unser Innerstes taub werden lassen können.

 

Das innerste Gehör, das Horchen auf GOTTES Wort bleibt.

Hier setzt ja die Größe des Menschen an, wie wir sie in Maria entdecken, dass wir in einer überwältigenden Freiheit sagen können: „Mir geschehe nach Deinem Wort!“ Im Sinne: Ich höre Dein Wort.

DU,

GOTT, hast das Sagen über meinem Leben;

ich

lasse es zu, ich lasse mich ein,

ich erlaube Dir Dein Wirken in mir.

Du, Herr, darfst mich nehmen, darfst über mein Leben verfügen, darfst mich immer wieder neu rufen.

 

Vielleicht fasst dieses hohe Wort von Maria „Mir geschehe“ am lebendigsten die Gelübde, die Sie, liebe Jubilarinnen, morgen erneuern, zusammen. Dieses „Mir geschehe“ manifestiert sich in der Armut, im Gehorsam, in der klaren, entschiedenen Liebe, die sich in der Jungfräulichkeit ausdrückt.

 

„Mir geschehe“ – es ist das Grundwort Marias. Aus ihm lebte sie.

Schwestern, Frauen in Christus, wie Pater Theophan Sie heute Morgen in der Hl. Messe rief:

Was ist Ihr Grundwort? Aus welchem Wort leben Sie?

Welches Wort hat sie durch Ihr langes Ordensleben begleitet und immer wieder neu herausgerufen?

Welches ist Ihnen Kraft, Licht und Haltepunkt?

Welches ist Ihnen Liebeswort?

 

GOTT hat ein einzigartiges Wort für jede von uns.

Als sich verschenkende Liebe wendet Er sich jedem Menschen auf eine unwiederholbare Weise zu, und darin wird jede unserer Berufungsgeschichten einzigartig.

 

Romano Guardini erzählte kurz vor seinem Tod von einem Traum. Er schreibt am 01. August 1964:

Heute Nacht, aber es war wohl morgens,

wenn die Träume kommen, dann kam auch zu mir einer. Was darin geschah, weiß ich nicht mehr, aber es wurde etwas gesagt, ob zu mir oder von mir selbst, auch das weiß ich nicht mehr. Es wurde also gesagt, wenn ein Mensch geboren wird, wird ihm ein Wort mitgegeben, und es war wichtig, was gemeint war: nicht nur eine Veranlagung, sondern ein Wort. Das wird hineingesprochen in sein Wesen, und es ist wie ein Passwort zu allem, was dann geschieht.

Es ist Kraft und Schwäche zugleich.

Es ist Auftrag und Verheißung.

Es ist Schutz und Gefährdung.

Alles, was dann im Gang der Jahre geschieht, ist Auswirkung des Wortes, ist Erläuterung und Erfüllung. Und es kommt alles darauf an, dass der, dem es zugesprochen wird, es versteht und mit ihm ins Einvernehmen kommt.

 

Thomas Merton lebte von einem ähnlichen Gedanken: Gott bringt den Menschen hervor wie ein Wort. Ein Wort aber wird die Stimme, durch die es ausgesprochen wird, nie zu erschöpfen vermögen. Darum ist es an uns, diesem Wort treu zu bleiben, diesem Gedanken GOTTES die Treue zu halten, dann werden wir unseres Daseins voll sein und ihn überall in uns finden … wir werden in ihm verloren sein, das heißt: wir werden uns finden, wir werden „das Heil“ erlangen.

Heil spiegelt Gottes unendliche Zuneigung zum Menschen wider, seine Liebe und Besorgtheit um das innerste Wesen des Menschen, seine Liebe zu dem, was im Menschen sein wahrstes Eigentum ist: die Gotteskindschaft.

Geheilt sein, erlöst sein heißt zurückkehren zu unserer unversehrten und ewigen Wirklichkeit, zum Leben in GOTT. Wir als Ordensfrauen haben für diese Heilwerdung, für dieses Ganzwerden den Weg der Gelübde gewählt, die Sie morgen, liebe Jubilarinnen, an diesem festlichen Tag erneuern werden. Profess heißt „öffentlich bekennen“ und wir als Gemeinschaft dürfen nochmals Zeuginnen sein.

 

„Mir geschehe nach Deinem Wort“: Maria öffnet sich mit Leib und Seele diesem GOTT. Er darf das Zentrum dieser jungen Frau sein. Bedingungslos. Sie willigt ein, sie lässt zu, lässt sich ein. In Maria kommt das Göttliche und das Menschliche wirklich zusammen. Auf ihre Frage: Wie soll das geschehen, dass der Sohn Gottes mein Kind wird, antwortet der Engel:

„Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“.

Himmel und Erde werden verbunden – in Maria wird eine neue Schöpfung. Das ewige Wort Gottes wird Fleisch.

Uns allen gilt diese Zusage Gottes: Ihr seid erwählt, durch euch soll das Göttliche zur Entfaltung kommen. In euch soll Christus Gestalt annehmen. Mit Maria können wir uns dieser Verheißung öffnen. Und mit ihr können wir mehr und mehr begreifen, was das ganz konkret bedeutet. Himmel und Erde verbinden sich, oder wie es Eichendorff ins Bild brachte:

"Es war, als hätte der Himmel die Erde geküsst“.

So beginnt jede Berufung, in dieser zarten Berührung entfaltet sie sich bis in den Tod hinein:

Sie sprechen es morgen deutlich aus:

"Aus Dankbarkeit erneuere ich meine heilige Profess und gelobe gottgeweihte Keuschheit, Armut und Gehorsam bis zum Tode."

Wir danken Ihnen für dieses Zeugnis, für Ihre bewusste Entscheidung, weiterhin in und mit unserer Gemeinschaft GOTT zu suchen und aus Ihm lebend seiner Liebe den größtmöglichen Raum zu geben.

Wir könnten diese Professerneuerung belächeln: nach 50, 60, nach 65 Jahren, gar nach 70 Jahren wie unsere Schwester Maria Willigis in Berlin, uns nochmals für die Gemeinschaft zu entscheiden, die da leben will nach der Regel des hl. Augustinus, nach den Konstitutionen der Schwestern der hl. Katharina im Orden des hl. Dominikus. Und doch: es IST eine Entscheidung, gemeinsam zu gehen, gemeinsam zu suchen, gemeinsam zu lieben, gemeinsam das Evangelium zu leben.

Es ist, als hätte der Himmel die Erde geküsst. Durch eine leise Berührung, durch ein Wort, Jeder von uns zugesprochen.

Sr. M. Scholastika

 

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Begegnungen

Gestern Abend bin ich aus meinen Ferien nach Hause gekommen. Wie in den letzten Jahren auch schon, bin ich zuerst eine Woche mit dem Fahrrad durch Deutschland gefahren, um dann am letzten Sonntag in Vechta, meinem persönlichen Ferienparadies, anzukommen. Dieses Jahr startete ich in Leipzig, um über Schönebeck an der Elbe, Hildesheim, Hamelnd und Bremen ins südoldenburger Münsterland zu kommen. Bei meinen Planungen hatte ich gar nicht richtig bedacht, dass es zwischen Elbe und Weser doch ein bisschen hügelig ist und so musste ich mich am zweiten Tag meiner Radreise mit verschiedenen Steigungen auseinander setzen. 

Am Morgen des Dienstag ahnte ich bei diesem prächtigen Sonnenaufgang noch nicht, was mich also erwarten würde: Quasi jeder Kilometer von Schönebeck nach Wolfenbüttel war ein Kampf. Nicht nur, dass zu den Steigungen - manchmal einfach genau über den Berg hinweg - z.T. schlechter Untergrund kam, sondern - irgendwie musste das Hoch über dem Mittelmeer ja nach Deutschland kommen - alles wurde noch gekrönt durch beständigen Gegenwind. Es war also ziemlich anstrengend, auch wenn die Landschaft wirklich schön war. Da ich mir aber vorher vorgenommen hatte, alles ganz locker anzugehen, hatte ich mittags schon keine Lust mehr. Also saß ich auf einer Bank in einem kleinen Ort und versuchte heraus zu bekommen, wie ich von dort mit dem Zug weiterreisen könnte. Währenddessen kam ein Herr auf mich zu und sagte: "Haben Sie sich verfahren?" "Nein, ich habe keine Lust mehr. Es ist mir zu hügelig und zu anstrengend. Ich will mit dem Zug weiter." "Wo wollen Sie denn hin?" "Nach Wolfenbüttel." "Ja, das sind noch mehr als 20 Dörfer. Aber fahren Sie mal ruhig. Ich fahre da auch immer lang, wenn ich meinen Sohn in Goslar besuche." "Auch mit dem Fahrrad?" "Nein, mit dem Auto. Aber fahren Sie ruhig. Die Steigung da vorne ist nicht so lang und dann können Sie in Hötensleben noch das Grenzmahnmal anschauen. Das ist gut, machen Sie das mal."
Was blieb mir da anderes übrig, als wieder aufs Rad zu steigen? 

Einige Zeit und Steigungen später kam mir eine Frau auf dem Rad entgegen: "Was, Sie sind ganz alleine unterwegs? Wo wollen Sie denn hin?" "Nach Wolfenbüttel. Aber jetzt erstmal nach Hötensleben." "Mann, das ist ja ne Sache. Kommen Sie, ich fahre mit Ihnen und zeige Ihnen, wo Sie lang fahren müssen. Sie können mir vertrauen." Wir einigten uns dann darauf, dass ich der Karte folge, aber die Dame gab mir noch alle guten Wünsche mit auf den Weg, was mir wieder ein bisschen Auftrieb für die nächsten Kilometer gab.

Stunden später füllte mir eine Dame in Warle meine Wasserflaschen wieder auf und in Schöppenstedt meinte eine andere zu mir: "Ach, Sie haben heute schon so viele Kilometer geschafft, den Rest schaffen Sie jetzt auch noch." Und tatsächlich, von dort aus ließ es sich ganz leicht fahren. 

Allerdings war ich deutlich länger für die 100 Kilometer unterwegs als am Tag zuvor. Zu allem Unglück gab es in Wolfenbüttel keinen Campingplatz, auf dem Stellplatz für Wohnmobile durfte ich nicht bleiben und eine Übernachtung im Hotel für 60 Euro war mir dann doch ein bisschen hochpreisig. Als ich deshalb gerade ein bisschen ratlos in Wolfenbüttel saß, kam genau zur richtigen Zeit eine Nachricht meiner Freundin Jeanne: "Wie läufts bei Dir? Alles klar?" Und dann die Einladung: "Wenn Du nix findest, setz Dich in den Zug und komm nach Hildesheim." Eigentlich war das erst für den nächsten Tag geplant, aber nach diesem Kilometern einfach zu verlockend...

Als ich dann schlussendlich im Zug saß, traf ich ein Ehepaar, die mich auf mein Rad und meine Ausrüstung ansprachen. Sie sagten zu mir: "Ja, manchmal muss man Pläne einfach ändern." Im Gespräch kam dann raus, dass die beiden vor einigen Wochen erst von einer anderthalbjährigen Radtour rund um die Welt zurückgekehrt waren und immer wieder ihre Pläne ändern mussten.

In Hildesheim wurde ich dann mit einem kühlen Getränk am Bahnhof erwartet und ich muss sagen, es war super, nach diesem Tag eine kleine Fahrradpause einzulegen.

Was für Erlebnisse. Auch an den anderen Tagen hatte ich tolle Begegnungen, aber die hier geschilderten haben mich wirklich gegen den Wind über die Berge gebracht. 

Sr. Kerstin-Marie

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Dein Wort ist Licht und Wahrheit

Alle zwei Wochen treffen wir uns am Freitag zum Schriftgespräch. Hier in Oberhausen teilen wir uns in zwei Gruppen auf und eine liest das Evangelium des kommenden Sonntags am Nachmittag und eine am Abend. Ich gehe immer zur Abendgruppe und ich gestehe: Lust habe ich eigentlich nie. Das Schriftgespräch gehört halt dazu und dass es ausgerechnet am Freitagabend ist, an dem ich gefühlt schon das Wochenende einläuten könnte - mal davon abgesehen, dass wir am Samstag wie an jedem Werktag die Laudes um 6.30 Uhr beten -, macht es nicht unbedingt attraktiv. Also gehe ich hin...

Dabei erlebe ich dann aber eigentlich jedes Mal, dass das Schriftgespräch eine echte Bereicherung für uns als Gemeinschaft ist. Selten haben wir so gute Gespräche wie an diesen Abenden. Wir lassen uns anregen von dem, was wir in der Heiligen Schrift lesen und schauen, was das mit unserem Alltag zu tun hat. Wir versuchen zu entdecken, inwiefern die Umstände vor 2000 Jahren auch heute noch aktuell sind. Dabei kommen wir schon einmal darauf, dass die vermeintlich Fremden bei uns gar nicht so fremd sind, sondern die gleichen Sorgen und Gedanken haben wie wir. Oder dass wir herausgefordert sind, immer wieder neu zu beginnen.

So ähnlich war es dann auch am letzten Freitag: Schon beim Mittagessen "stöhnte" die ein oder andere von uns darüber, dass das Evangelium des Sonntags ganz schön schwierig sei. Und auch ein Blick in einen Kommentar brachte keine wirkliche Erleuchtung. Als wir uns dann am Abend trafen, war das Evangelium noch immer nicht leichter zu verstehen. Deswegen nahmen wir uns einfach Vers für Vers vor und versuchten zu entdecken, was und wie wir es verstehen könnten. Und siehe da, nach und nach schlüsselte sich der Text auf und wir konnten einen Zugang finden. Was für ein Geschenk!

Und so bin ich schon gespannt aufs nächste Mal, bei dem meine Lust wahrscheinlich wieder nicht unendlich groß sein wird, ich mich aber am Ende wahrscheinlich über ein inspirierendes Schriftgespräch freuen kann.

Sr. Kerstin-Marie

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Segensworte für die Lebensreise

So könnte man eigentlich das nennen, was am vorletzten Samstag in Köln stattgefunden hat: Gemeinsam mit einer Freundin und Kollegin habe ich in Köln einen Tag für Paare angeboten, die ihrem Geheimnis auf der Spur sind. Das Berufungscoaching war uns dabei als Methode hilfreich, um die Paare zu unterstützen, ihr ganz eigenes und individuelles Geheimnis zu entdecken, das sie als Paar haben. Mindestens so hilfreich waren aber auch die Segenstexte aus dem Buch von Giannina Wedde, das auf dem Bild zu sehen ist. Denn der für mich eindrücklichste Moment war der, als sich zum Abschluss des Tages die jeweiligen Partner einander zuwandten und ich einen Segenstext vorlas, in dem einer dem anderen zusagt, immer an seiner Seite sein zu wollen, mit ihm oder ihr zu tragen, was an Schwerem kommt, die fröhlichen Stunden zu teilen und sich auf den gemeinsamen Weg zu begeben. Dieser Segen ist so berührend schön geschrieben und die Paare waren so innig einander zugewandt, dass ich echt Gänsehaut bekam beim Vorlesen. 

Beeindruckend, welchen Weg manche Paare miteinander zurück legen, dass sich zwei Menschen so um ihre Partnerschaft kümmern und dass jemand - Giannina Wedde - so berührende Segenstexte schreibt. In diesem Sinn war der Samstag auch für mich ein echter Genuss und Gewinn.
Sr. Kerstin-Marie 

So könnte man eigentlich das nennen, was am vorletzten Samstag in Köln stattgefunden hat: Gemeinsam mit einer Freundin und Kollegin habe ich in Köln einen Tag für Paare angeboten, die ihrem Geheimnis auf der Spur sind. Das Berufungscoaching war uns dabei als Methode hilfreich, um die Paare zu unterstützen, ihr ganz eigenes und individuelles Geheimnis zu entdecken, das sie als Paar haben. Mindestens so hilfreich waren aber auch die Segenstexte aus dem Buch von Giannina Wedde, das auf dem Bild zu sehen ist. Denn der für mich eindrücklichste Moment war der, als sich zum Abschluss des Tages die jeweiligen Partner einander zuwandten und ich einen Segenstext vorlas, in dem einer dem anderen zusagt, immer an seiner Seite sein zu wollen, mit ihm oder ihr zu tragen, was an Schwerem kommt, die fröhlichen Stunden zu teilen und sich auf den gemeinsamen Weg zu begeben. Dieser Segen ist so berührend schön geschrieben und die Paare waren so innig einander zugewandt, dass ich echt Gänsehaut bekam beim Vorlesen. 

Beeindruckend, welchen Weg manche Paare miteinander zurück legen, dass sich zwei Menschen so um ihre Partnerschaft kümmern und dass jemand - Giannina Wedde - so berührende Segenstexte schreibt. In diesem Sinn war der Samstag auch für mich ein echter Genuss und Gewinn.

Sr. Kerstin-Marie  

Gerade bin ich auf dem Rückweg meines vierten Aufenthaltes in den USA. Dieses Mal war es ein besonderer Aufenthalt. Freundlich sind die Menschen hier ja eigentlich immer - bis auf den Officer bei der Einreise vor zehn Tagen, der fragte, was ich schon wieder hier wolle -, aber so richtig wohl gefühlt hab ich mich bislang nicht. Zu viel Plastik, zu wenig Radwege, zu viele Klimaanlagen. 
Dieses Mal jedoch war es anders: Ich wusste jetzt ja schon, dass man darauf achten muss, wenn man Kaffee nicht in Pappbechern trinken möchte, wohin man gehen und was man sagen muss. Ich kenne jetzt meinen Radweg zum Institut und finde es gut, dass in der Stadt die Autos recht vorausschauend fahren. In unserer Studiengruppe waren wir jetzt auch schon ziemlich vertraut miteinander und haben uns gefreut, uns endlich wieder zu sehen. Und das Zusammensein mit den Schwestern ist immer wunderbar. Sei es mit Sr. Shu-Chen in Chicago, mit der ich zusammen einen Rosamunde-Pilcher-Verschnitt schauen durfte oder mit den Schwestern im CDN, dem gemeinsamen Noviziat in St. Louis, mit denen ich alles teilen durfte, das Leben, das Essen, die Heilige Schrift sowie Scrabble und weitere Spiele oder jetzt zum Schluss mit den Nonnen in Summit, die mich so herzlich empfangen haben und bei denen ich einen sehr guten Abschluss meiner Woche hier erlebt habe mit schönen Gebetszeiten und vielen inspirierenden Gesprächen mit Sr. Judith Myriam. Es war eine Freude und jetzt kann ich sagen, dass ich mich schon darauf freue, im Oktober wieder nach Amerika zu kommen. 
Nicht unbedingt, weil ich Freund von Burgern oder riesiegen Portionen bin, sondern weil ich inzwischen so viele tolle Menschen kennengelernt habe, mit denen ich gerne mehr Zeit verbringen möchte. 
Was für eine Gnade, dass ich dieses Studium machen kann!
Sr. Kerstin-Marie