hatte Jesus schlechte Laune?

"Ausgelegt" heißt eine neue Reihe bei katholisch.de, bei der ich künftig im Wechsel mit einigen anderen Autoren in regelmäßigen Abständen meine Gedanken zum Sonntagsevangelium teilen werde. Startschuss war heute ein recht unbequemer Ausschnitt aus dem Lukasevangelium: http://www.katholisch.de/artikel/hatte-jesus-da-schlechte-laune

 

Einen gesegneten Sonntag wünscht

Sr. M. Ursula 

 

Sommerzeit

Nun scheint der Sommer ja vielleicht doch so langsam Einzug zu halten, jedenfalls hat es in Oberhausen heute nicht geregnet und der Himmel wurde blauer und blauer. 

Eigentlich perfekt, denn ich bin gerade auf dem Weg in die Exerzitien. Was kann es da schöneres geben, als blauen Himmel und Sonnenschein. Spielt sich das ganze dann noch an den längsten Tagen des Jahres ab, sind die besten Voraussetzungen gegeben für bewegende und berührende Tage. Natürlich ist das gerade in Exerzitien nicht planbar, aber wenn die Sonne scheint, ist der Geist gleich viel wacher. So freue ich mich, dass ich, nachdem ich am Freitag meine Coachingausbildung abschließen durfte, auf die bestmögliche Weise in den Sommer starten kann. Mal sehen, was die Tage bringen werden.

Sr. Kerstin-Marie

Arenberger Dominikanerinnen, April 2021

Nun sind bereits einige Monate vergangen, seit wir auf dem Arenberg unser XXIII. Generalkapitel gefeiert haben. Dass dieses wichtige Ereignis für unsere Schwestern nicht einfach nur ein Strohfeuer war, sondern uns wirklich neu ausgerichtet und in vielerlei Hinsicht beflügelt hat, ist für uns alle bis heute spürbar.

Ein kleines "Früchtchen" war, dass wir im Kapitel beschlossen haben, uns in diesem Jahr einmal in einem Visionsentwicklungsprozess die Frage zu stellen, was unsere Gemeinschaft im Tiefsten ausmacht, was unser gemeinsames Charisma ist, wo wir noch wachsen und welche Schwerpunkte wir zukünftig setzen möchten. Dieser Prozess ist für uns wichtig geworden in einer Zeit, in der wir nahezu alle unsere früheren Werke (Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime) abgegeben und wir Schwestern erst einmal kein gemeinsames Arbeitsfeld mehr haben. Was bedeutet es für uns heute Arenberger Dominikanerin zu sein? Was gehört unbedingt zu uns, worauf könnten wir künftig auch verzichten? Wofür brennen wir als Gemeinschaft?

So trafen wir (über 30 hochmotivierte Schwestern zwischen 36 und 93 Jahren) uns bereits im April mit Prof. Alexander Kaiser und Stefan Gächter zu einer ersten Einheit "VIKOBAMA", um zunächst einmal die bisherigen Sternstunden unserer Gemeinschaft, aber auch unsere eigenen Fähigkeiten und Begabungen genauer in den Blick zu nehmen und damit den IST-Zustand in den Blick zu nehmen. Zwischen April und Mai bekam jede der Teilnehmerinnen die Aufgabe, ganz konkret in die Zukunft zu schauen: Wenn ich im April 2021 morgens aufwache und durch und durch glücklich bin, Arenberger Dominikanerin zu sein: Durch welche Begleitumstände wird dieses Glück ermöglicht? Was sollte sich bis dahin getan haben? Wo stehe ich persönlich, wo steht die Gemeinschaft?

Und so trafen wir uns nun in der vergangenen Woche, um uns zunächst einmal in aller Ausführlichkeit unsere eigenen Visionen für unsere Gemeinschaft vorzustellen, und uns dann in einem zweiten Schritt zu einer gemeinsamen Vision vorzutasten, die jede von uns mittragen kann und will. Als wir am Freitagnachmittag wieder auseinander gingen, war diese Vision zwar noch nicht ausformuliert (das wird nun in den kommenden Wochen geschehen), aber wir alle waren überrascht, wie einfach es letztlich für uns in dieser wild zusammengewürfelten Schwesterngruppe war, gemeinsame Ziele zu formulieren und zu erspüren, was für uns in Zukunft wesentlich sein wird.

Und so kann ich heute nur wieder einmal voller Dankbarkeit sagen: Es ist einfach großartig, einer solchen Gemeinschaft anzugehören, die äußerlich vielleicht immer schwächer wird, sich aber innerlich immer neu auf den Weg macht, um offen zu sein für das, was Gott an uns und durch uns in diese Welt hinein wirken will. Und eines steht fest: es bleibt spannend!!

Sr. M. Ursula

 

2 Kommentare

Das Evangelium verkünden. Seit 1216.

Seit 800 Jahren ist der Dominikanerorden päpstlich bestätigt und im Auftrag der Verkündigung unterwegs. Wie vielfältig die Verkündigung sein kann, dürfte deutlich werden, wenn man in unserem Blog liest. Grund genug, ein ganzes Jahr lang zu feiern. Einen Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete aber auf jeden Fall das "Festwochenende" von Freitag bis Sonntag in Köln. Die Provinzen Teutonia und Albertus Magnus hatten eingeladen und viele Brüder, Schwestern, Laien und Freunde des Ordens waren gekommen.

Los ging es mit einer wunderbaren Familienfeier am Freitag im Kloster Heiligkreuz. Am Samstag folgte dann der feierliche Festakt im Maternushaus mit einer beeindruckenden szenischen Lesung verschiedener Texte aus der dominikanischen Geschichte. Weiter ging es am Nachmittag mit einem Straßenfest an St. Andreas und einem Open-Air-Konzert des Jugendchors St. Stephan am Abend. Den Abschluss fand das wunderbare Festwochenende am Sonntag mit einem Pontifikalamt mit Kardinal Woelki und Nuntius Erzbischof Eterovic sowie der anschließenden Einladung zu Suppe und Kuchen.

Es war wirklich ein tolles Wochenende mit schönen Begegnungen, berührenden Liturgien und top Darbietungen. Wir haben uns so gefreut, dass wir dabei sein konnten und schließen uns den Worten des Provinzials P. Johannes Bunnenberg an, der am Ende der Sonntagsmesse sagte: "Wer jetzt noch kein Dominikaner ist, sollte es werden."

Sr. Kerstin-Marie 

1 Kommentare

Aus der Zukunft lernen

Aus der Zukunft lernen Berufungscoaching WaVe

Schon vor zwei Jahren habe ich meine Ausbildung als Berufungscoach WaVe abgeschlossen. Seitdem habe ich das Glück, mit vielen Menschen arbeiten zu können, die sich fragen, was sie wirklich wirklich im und vom Leben wollen. Die nach ihrem Platz suchen und eine Idee davon haben, dass sie für das Glück geschaffen sind. 

Heute morgen war wieder eine Frau da, die ich nun über ein gutes halbes Jahr begleitet habe. Und heute war das letzte Treffen, bei dem es konkret darum ging, in die Zukunft zu schauen, um aus ihr zu lernen. Natürlich können wir nicht in die nächsten 15 Jahre gucken, aber doch einen Blick voraus werfen. Wie der Prophet Jesaja sagt: "Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?" 

Genau das haben wir gemacht, geschaut, was Neues zum Vorschein kommen möchte und wie man es erreichen kann. Dabei überkam mich eine große Dankbarkeit. Weil ich durch die Ausbildung im Berufungscoaching und im Coaching so tolle Methoden an der Hand habe, mit denen ich Menschen helfen kann, ihren ganz eigenen Weg zu entdecken und zu beschreiten. Ich muss dabei eigentlich nichts wissen, ich muss auch keinen Plan in der Tasche haben, sondern kann einfach etwas anbieten. Gehen muss der Mensch dann selber. Und im Rahmen unserer Zusammenarbeit erlebe ich auch gar nicht unbedingt, dass jemand ans Ziel kommt. Aber ich erlebe, dass jemand das Neue sieht und erste Schritte darauf zu macht. Das gibt demjenigen oft eine große Energie und bestärkt ihn, so dass er weitergehen kann. Das freut mich und macht mich froh.

Für mich ist das eine tolle Aufgabe, die perfekt zu unserem Charisma als Arenberger Dominikanerinnen mit dem Gedanken der heilenden Liebe passt. Denn Menschen können Heilung erfahren, wenn sie sich ändern, wenn sie einen neuen Blick auf sich und ihre Leben bekommen oder wenn sie das Neue entdecken, was hervorkommen möchte. Und das einzige, was ich vom Prinzip brauche, ist die Liebe zu diesen Menschen, gepaart mit den nötigen Methoden. 

In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Menschen, die ihr Neues entdecken wollen.

Sr. Kerstin-Marie

1 Kommentare

Es grünt so grün...

Wenn es etwas gibt, was während der letzten Tage in der Leipziger Innenstadt sehr dominant war und ins Auge gestochen ist, dann war es die Farbe GRÜN. Zusammen mit vielen Tausend Katholiken, Christen anderer Konfessionen, Andersgläubigen, Suchenden und Fragenden ohne Bekenntnis, Atheisten und Agnostikern waren auch wir Schwestern beim 100. Deutschen Katholikentag vertreten. Grün war die Farbe, mit der das diesjährige Motto "Seht, da ist der Mensch" unterlegt war, und nahezu alle Teilnehmer waren im Straßenbild an ihren grünen Bändern und Schals erkennbar. Für manch einen Leipziger mag dieses plötzliche Ergrünen wohl recht befremdlich gewesen sein, die allermeisten aber nahmen es mit großer Gelassenheit hin und viele begegneten den grünen Scharen mit freundlicher Zugewandtheit und aufrichtigem Interesse.

Während der Tage in Leipzig hatte ich einerseits das Gefühl, als würden dort zwei einander völlig fremde Welten aufeinander treffen -  auf der anderen Seite hat es mich fasziniert, im Gespräch mit einigen Menschen, die sich selbst als ungläubig bezeichneten, große innere Nähe zu spüren. Genau diese Gleichzeitigkeit hat mich in der vergangenen Woche am meisten bewegt. So viele unterschiedliche Facetten des Mensch-Seins durften wir während dieses Katholikentages erleben, und ich konnte mich gar nicht sattsehen an den vielen menschlichen Gesichtern, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Inmitten aller äußeren Verschiedenheit das tiefe Verbindende zu entdecken, war wohl die größte Herausforderung, die wichtigste "Seh-Schule", zu der uns das Motto des Katholikentages eingeladen hatte.

So bin ich gestern sehr dankbar und beschenkt nach Hause zurückgekommen - dankbar für die wertvollen Begegnungen und Gespräche während dieser Tage, dankbar aber vor allem auch dafür, dass ich hier im Kloster Arenberg an einem Ort leben und arbeiten darf, an dem wir der Faszination Menschsein zusammen mit unseren Gästen und Mitarbeitern Tag für Tag auf den Grund gehen und immer neu lernen dürfen, was es bedeutet, dass wir unterschiedslos alle etwas von Gottes Herrlichkeit in dieser Welt widerspiegeln.

Sr. M. Ursula

1 Kommentare

Herzlich Willkommen

Als Willkommen haben wir unserer neuen Priorin Sr. Maria einen Grill geschenkt. 

Eh klar, dass er möglichst bald eingeweiht werden musste. Das Wetter war dafür heute Abend perfekt und wir genossen einen wunderbaren Abend in unserem Klostergarten. Jetzt hoffen wir auf einen langen Sommer, um noch möglichst oft im Garten essen zu können. Das ist so schön und wir genießen die entspannte Atmosphäre. Da kann man auch schonmal ein Fläschen Malzbier in der Schürzentasche abtransportieren.

Sr. Kerstin-Marie

1 Kommentare

Translatio

The death of St. Dominic (fra Angelico)
The death of St. Dominic (fra Angelico)

Heute feiern wir das Fest der Übertragung der Gebeine des hl. Dominikus. Zwölf Jahre nach seinem Tod betteten ihn die Brüder um in ein neues Grab, das ihnen würdiger erschien.

Der Ordensmeister, fr. Bruno Cadoré schreibt dazu: "Der hl. Dominikus wollte zu Füßen seiner Brüder beerdigt werden. Das ist auf der einen Seite ein Zeichen seiner Demut: in der Mitte seiner Brüder als ein Diener der Einheit der Gemeinschaft. Das war der Ort, an dem er beigesetzt werden wollte, der versprochen hatte, weiterhin Fürsprache für seine Brüder einzulegen bei Gott. Wenn man bedenkt, dass die Menschen im Mittelalter in der Nähe der Altäre, in denen die Reliquien der Heiligen waren, beerdigt werden wollten, dann war der Ort der Heiligkeit für Dominikus die Gemeinschaft seiner Brüder."

Somit bekommt das vielleicht ein bisschen merkwürdig anmutende Fest eine wunderbare Bedeutung: In besonderer Weise werden wir durch Dominikus daran erinnert, wie wichtig die Gemeinschaft ist und wie sehr wir sie pflegen sollen. 

Für uns in Oberhausen ist es heute ein ganz besonderer Festtag, denn wir freuen uns heute auf eine neue Priorin. Denn auch wenn jede Schwester ihren Beitrag zur gelungen Gemeinschaft leistet, hat doch die Priorin einen besonderen Dienst für das Miteinander. Sie gestaltet die Atmosphäre, sie bringt Schwestern zusammen, die sich unter Umständen schwer tun, sie hört die Sorgen und Nöte, aber auch die Freuden der einzelnen an.

So freuen wir uns heute auf unsere Dienerin der Einheit der Gemeinschaft und wünschen allen einen frohen Festtag.

Sr. Kerstin-Marie

 

2 Kommentare

Angekommen im Jahreskreis

Seit gestern sind wir wieder angekommen im Jahreskreis. Für mich ist das immer eine besondere Zeit: Die festliche Osterzeit, die wir kräftig gefeiert haben, ist vorbei, der Sommer noch nicht richtig da. Aber irgendwie streckt er seine Fühler aus.

Irgendwie wird es, zumindest gefühlsmäßig, wieder etwas ruhiger. Werfe ich einen Blick in meinen Kalender, stimmt das zwar nur bedingt, aber vielleicht hat es auch mehr mit der Liturgie zu tun: Seit gestern singen wir wieder die Psalmen, Hymnen und Antiphon aus dem normalen Vierwochenrhythmus. Die sind mir inzwischen so bekannt, dass ich mich einfach fallenlassen kann und mich nicht auf jede Note voll konzentrieren muss. Die Kirche ist auch wieder "jahreskreislich" gestaltet und vielleicht bewirkt das so ein Gefühl von Entspannung. 

Die Vorbereitung auf das Osterfest in der Fastenzeit war gut, die Osterzeit selber haben wir hier in Oberhausen in vollen Zügen genossen und sind jetzt vielleicht einfach feiersatt. Natürlich gibt es noch verschiedene Feste zu feiern, aber ich denke jetzt an heiße Sommertage, in denen alle von der Sonne verwöhnt werden. Ferienpläne werden geschmiedet und der Garten mit Sonnenschirmen ausgerüstet. Wir freuen uns auf und über leckere Erdbeeren und lange, laue Sommernächte.

So ist diese Zeit so kurz nach Ostern auch eine Zeit der Vorfreude. Und das ist ja die schönste Freude. Von daher freue ich mich an dieser Zeit und genieße sie. Und vielleicht trägt die gefühlte Ruhe ja auch dazu bei, häufiger etwas im Blog zu schreiben.

Sr. Kerstin-Marie

2 Kommentare

Cantus firmus

Bild: Begegnung - Sr. Ruth Nussbaumer, Kloster Eschenbach CH
Bild: Begegnung - Sr. Ruth Nussbaumer, Kloster Eschenbach CH

Ansprache von Sr. M. Scholastika zur Professerneuerung von Sr. M. Johanna

 

Liebe Schwester M. Johanna, liebe Schwestern,

aus der Musik kennen wir den Begriff des cantus firmus: er ist eine festgelegte Melodie, die von anderen Stimmen umspielt wird, ohne selbst dabei groß verändert zu werden. Gleichsam ranken sich die anderen Melodien kunstvoll um diesen einen feststehenden Gesang. Der cantus firmus ist ein Bild, das Dietrich Bonhoeffer in einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge aufgriff:

„Gott und seine Ewigkeit will von ganzem Herzen geliebt sein, nicht so, dass darunter die irdische Liebe beeinträchtigt oder geschwächt würde, aber gewissermaßen als cantus firmus, zu dem die anderen Stimmen des Lebens als Kontrapunkt erklingen …“

In unserem Leben als Ordensfrauen geht es um diese eine Liebe. Sie ist es, in der wir uns bejahen können, uns selbst und einander gegenseitig. Sie ist es, die uns vergeben lässt, die uns dankbar macht und aus der wir die wahre Fülle empfangen. Sie ist es, die uns den Weg in die Gemeinschaft gehen lässt. Sie ist es auch, liebe Schwester M. Johanna, die Dich morgen bewegt, erneut JA zu sagen zu unserer Lebensform, in der wir uns unaufhörlich üben, Gott die erste Stelle in unserem Leben zu geben und aus IHM mehr und mehr zu leben. Es ist die Liebe, die uns frei werden lässt für die Hingabe, die allein tiefes, bleibendes Glück schenkt.

Die Religiosenkongregation [1] hat zum Abschluss des Jahres der Orden noch einmal einen schriftlichen Punkt gesetzt. Grundlage dieser Schrift ist das Hohelied im Alten Testament. Es sind uns bekannte Verse: „Auf den Gassen und Plätzen will ich ihn suchen, den meine Seele liebt!“ Wir Ordenschristen sind leidenschaftliche Gottsucherinnen und Gottsucher: wir haben ihn nicht, wie viele Menschen meinen. Es bleibt eine zuweilen auch mühevolle Herausforderung, stets und ständig Ausschau zu halten nach IHM und bei IHM zu bleiben, oder wie es Kaplan Toth heute Morgen in der Hl. Messe ausgedrückt hat, seine Nähe zuzulassen und sie auch auszuhalten. Und mich bewegt in diesen Tagen der Passion, was es heißt bei IHM zu bleiben, ihm nachzugehen in allen Bedrängnissen: gestern und heute hörten wir im Evangelium, wie seine Gegner Jesus steinigten wollten, er sich ihnen jedoch entzog und sich verbarg. Was es dann heißt, in diesen Stunden bei IHM zu bleiben, IHN mitten in allen Ängsten um das eigene Leben, durch alle Hindernisse hindurch, die uns verwunden lassen, zu suchen und bei IHM zu bleiben.Lieben bedeutet die Bereitschaft, den täglichen Lernprozess der Suche zu durchlaufen.

Die Dynamik der Suche zeigt, dass niemand sich selbst genügt. Sie ruft uns in einen Exodus, der uns in die Tiefen unserer selbst führt. Die Liebe im Hohelied zeigt sich auch mühevoll suchend; sie wird nicht idealisiert, sondern besungen im Bewusstsein ihrer Krisen und möglichen Verirrungen. Die Suche lässt uns aufbrechen, immer und immer wieder neu, sie mutet uns auch die Dunkelheit der Nacht zu. Nacht bedeutet, die Abwesenheit aushalten, bedeutet, das Fernsein dessen aushalten, den die Seele liebt. So drücken es die Verse im Hohelied aus: die Braut auf dem Lager sucht ihren Geliebten, aber er ist nicht da. Er MUSS gesucht werden - auf den Gassen und Plätzen. Allen Gefahren der Nacht trotzend, verzehrt vom Verlangen, ihn wieder in die Arme schließen zu dürfen, stellt die Braut die ewige Frage: Habt ihr ihn gesehen, den meine Seele liebt? Diese Frage ist wie eine Wunde. Die Braut macht sich auf die Suche, und alleingelassen in der Nacht wird sie von den Wächtern der Mauern entdeckt, geschlagen, verwundet und ihres Mantels beraubt. Und dann nicht aufzugeben. Was das heißt!

Was das heißt, in diesem eigenen Angefochtensein der Liebe Raum zu geben, die größer ist als alle Angst. Wer den Winter der Einsamkeit kennt, vielleicht im Alter mehr als in jungen Jahren weiß, was Frühling bedeuten kann, wenn die Begegnung mit dem Herrn endlich wieder zarte Knospen trägt. Exerzitien wollen uns in dieses innere Blühen hineinstellen. Unsere Bereitschaft dafür ist die eine Seite, das Knospen jedoch ist das Wirken GOTTES. Die Nähe zum Herrn, die wir existenziell zulassen, vermag unser Herz zu wandeln. Die Liebe verändert uns, sie macht uns anders, es wächst eine neue Zugehörigkeit, die uns von anderen Abhängigkeiten wegbringen kann. Zum Suchen gehört das Finden. Was heißt aber Finden?

Papst Franziskus gibt der Fähigkeit des Staunens Gewicht, die Fähigkeit, in die Stille hineinzuhorchen und das Säuseln zu hören, in dem GOTT zu uns spricht. Er offenbart sich in der konkreten Wirklichkeit, daher rät uns Papst Franziskus, uns nicht zu verschließen, nicht vor dem zu fliehen, was wir nicht verstehen, nicht vor den Grenzen, die uns gesetzt sind, nicht vor den Schwierigkeiten, die zum Leben gehören, die Augen zu verschließen, sie nicht zu leugnen. Er ermutigt uns, über die eigenen Sicherheiten, über die Trägheit und Gleichgültigkeit, die uns bremsen, hinauszugehen und sich auf die Suche der Wahrheit, der Schönheit und der Liebe zu begeben. Die Nähe zum Herrn öffnet uns die Augen des Herzens, damit wir die Präsenz GOTTES in den Begegnungen, die wir uns oft in einer Gemeinschaft nicht aussuchen können, entdecken, dass wir IHN aufspüren in den konkreten Stunden des Alltags, in den Ereignissen, in die wir hineingestellt sind. Das Leben wird dann nicht zum Hindernis auf GOTT hin, sondern es wird zum Ort GOTTES, zum Ort der Liebe und des Erbarmens, gleichsam zum Haus, in dem Freundschaft gelebt wird. Auch dies ist unsere Aufgabe, die uns anvertraut ist: in unserer Zeit Zeugnis abzulegen dafür, dass GOTT Glück bedeutet, Erfüllung unserer tiefsten Sehnsüchte. Die Liebe kennt keine Zwänge, keine Befehle, die uns auferlegt werden, sie ist Freiheit in Gebundenheit. Wir bauen unser Leben nicht auf Regeln, sondern da ist diese Ekstase, dieses Hingerissensein, das uns wegruft von Sicherheiten und Gewohnten, weg von festen Vorstellungen, damit uns das Leben neu gezeigt werden kann. Wir sind Herausgerufene, in Bewegung Gesetzte, um unser Leben tiefer als ein Leben in Gemeinschaft verstehen. In der Liebe wird das Wunder wach: „ich für Dich - Du für mich“. Und in dieser Gegenseitigkeit wächst Gemeinschaft. Sie ist keine Selbstverständlichkeit, die zur Gewohnheit wird, sondern sie bedeutet immer neuer Auftrag. Ein geistliches Leben zu pflegen, darf nicht zu einem Dasein führen, das zwischen Himmel und Erde hängt, sondern zu einem Leben, das in der demütigen Nähe zu GOTT und in der aufrichtigen Empathie unserm Nächsten gegenüber ein geläutertes Dasein schafft. GOTTES Liebe ist der cantus firmus in allem: unsere Aufgaben, alle Dinge, mit denen wir Tag für Tag umgehen, sind hin geordnet auf diese eine Liebe hin. Wir werden befreit vom Habenwollen, vom Besitzenwollen. Sie zeigt sich in einem diskretes Zuneigem. Papst Benedikt schreibt in einer Predigt:

Um wirklich mit einem anderen Menschen zu kommunizieren, muss ich ihn kennen, in der Stille seiner Nähe stehen können, ihm zuhören, auf ihn mit Liebe blicken. Die wahre Freundschaft lebt von der Gegenseitigkeit der Blicke, von Momenten der Stille voller Achtung und Ehrfurcht, so dass die Begegnung in der Tiefe erlebt wird, persönlich und nicht oberflächlich.

Wir brauchen einander als Gemeinschaft mehr und mehr; wir brauchen voneinander die Geduld, die Akzeptanz des Anderseins einer jeden, wir brauchen das gegenseitige Freigeben. Dies vermögen wir nur aus diesem cantus firmus der Liebe GOTTES.

 

Und Dir, liebe Schwester M. Johanna, sind Freundschaften ganz wichtig. Du willst Zeit haben für Menschen: sind Räume der Begegnung gegeben, siehst Du sie als großes Geschenk. Auch diese Freundschaften bekommen ihre gesunde Relation nur aus dieser Liebe zu GOTT.

Darum lege ich Dir diesen cantus firmus ans Herz. Lerne den Rhythmus und die Melodie der Liebe unseres GOTTES. Halte Dir in Deinen jungen Jahren des Ordenslebens Räume der Stille frei für Deinen Herrn, lass Deine Zelle, Deine Aufgaben, seien sie zurzeit auch noch etwas unstrukturiert, Deine Begegnungen eingetaucht sein in der liebenden Gegenwart GOTTES. Und geh Du, nein – besser gehen wir alle in die Schule der Liebe. Bleiben wir Schülerinnen.

 

[1] Zitate und Impulse aus der Schrift: Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens, Betrachtet. An die geweihten Männer und Frauen auf den Spuren der Schönheit, zum Jahr des geweihten Lebens, Vatikan 2016

6 Kommentare

Lebenszeichen

Zeichen schauen wir nun,

Irdisches wird zum Bilde hier;

denn das kreisende Jahr

lässt nach des Winters Frost und Nacht

den Frühling die Erde für Ostern bereiten.

(aus einem Laudes-Hymnus)

 

Ja, der Winter bläht sich nochmal mächtig auf in diesen Tagen und lässt seine Muskeln spielen. Während die Sehnsucht nach wärmender Frühlingssonne und aufblühendem Leben Tag für Tag größer wird, entwöhnt uns die Natur derzeit mit eisigem Wind und heftigem Schneegestöber. In diesem Jahr - so scheint es - hat der Frühling noch eine ganze Menge zu tun, wenn er die Erde noch für Ostern bereiten will... Und doch - als ich am Wochenende dem unwirtlichen Wetter trotzte und ganz tapfer eine Runde durch unseren Garten drehte, staunte ich nicht schlecht, dass sich bei genauem Hinschauen an fast jedem Baum und Strauch bereits das neue Leben Bahn bricht.

Vielleicht können diese kleinen Zeichen uns in den kommenden Tagen der Vorbereitung auf das Osterfest dabei helfen, unseren Blick im Alltag einmal ganz bewusst nicht auf die vielen lebensbehindernden Widrigkeiten zu richten, mit denen wir alle immer wieder zu kämpfen zu haben, sondern das junge Grün aufzuspüren, welches sich mitten im lebensfeindlichen Milieu entfaltet und uns vertrauen lässt, dass es am Ende ja doch nur einen Sieger geben wird: Das Leben.

Sr. M. Ursula

0 Kommentare

die Umstehenden verstehen nicht...

Manchmal

im Leben ändert sich etwas

ganz schnell, ganz schnell,

von einem

Augenblick zum anderen.

Dein Herz erschrecke nicht.

Unbemerkt

hat es sich längst abgelegt,

das Neue,

mitten im

Alten hat es begonnen,

unbemerkt, unbewusst.

Der Schmerz des Alten war nötig,

um das Neue hervorkommen zu lassen.

Das sind die besonderen Lichtzeichen im Leben,

die selten sind und kostbar.

 

 

Die Umstehenden verstehen es nicht,

brauchen Zeit, um zu sehen,

was geschehen ist.

Du aber

lasse dich ganz ein auf das,

was geschieht.

Gehe mutig

und froh voran.

 

In dieser besonderen Zeit

kannst du nichts falsch machen,

denn denen solches geschieht,

die stehen unter dem besonderen Schutz

der anderen Welt aus Liebe und Licht.

Aus: Altes hebräisches Ritualbuch, Kap. 2, Text 13

 

In der vergangenen Woche habe ich mit unseren beiden Novizinnen wieder einmal an einer Noviziatswerkwoche in Horrem teilgenommen. Fünf ganze Tage waren uns geschenkt, in denen wir uns in einer sehr offenen Gruppe intensiv mit Heilungs- und Nichtheilungsgeschichten im Neuen Testament auseinandergesetzt haben. Die Alt- und Neutestamentlerin Anneliese Hecht vom Katholischen Bibelwerk führte uns auf methodisch vielfältige und ansprechende Weise in die Texte ein, so dass diese Tage für uns alle zu einer sehr tiefen, heilsamen Erfahrung wurden.

Obwohl ich all diese Heilungsgeschichten schon viele Male für mich selbst betrachtet und meditiert hatte, gab es in dieser Woche ein Motiv, das sich für mich wie ein roter Faden durchzog und mir vorher nie derart krass aufgefallen war: Die Rolle des Umfeldes, in dem die Heilungen geschehen. Nicht selten ist dieses Umfeld nämlich alles andere als lebensfreundlich: Oft wird von einer großen Schar berichtet, mit der Jesus

durch die Lande zog, und meist gibt es da gar kein Herankommen an Jesus vor lauter Gedränge. Ab und zu sind auch die Pharisäer im Spiel, die regelrecht darauf lauern, dass Jesus den Fehler macht, am Sabbat zu heilen, damit sie einen Grund zur Anklage gegen ihn finden. Man kann sich sehr leicht ausmalen, dass das weder für Jesus, noch für den zu Heilenden besonders angenehme Begleitumstände sind… Wir können uns dieses Gewühle von Menschen wahrscheinlich gar nicht chaotisch genug vorstellen, und umso mehr berührt es mich, wie Jesus in all diesen Situationen DA ist, wie er mit einer ungeheuren Spürigkeit genau wahrnimmt, was jetzt in diesem Augenblick zu tun ist. Da ist kein blinder

Aktionismus, kein einfaches Abfertigen von Menschenmassen, um durch möglichst viele Wunder möglichst viele zu beeindrucken – nein, er wird den Menschen, die in einem bestimmten Augenblick zu seinen Nächsten werden, in tiefster Weise gerecht.

Besonders beeindruckend kommt mir das bei der Heilung der blutflüssigen Frau (Mk 5,21-43) entgegen, in einer Situation, in der Jesus regelrecht in „Heilungsstress“ gerät. Eigentlich ist er ja – umgegeben von einer riesigen Schar Menschen – auf dem Weg zur totkranken

Tochter des Jairus, als sich da plötzlich von hinten eine Frau an ihn heranschleicht, die in der Berührung seines Gewandes ihre letzte Rettung sieht. Inmitten dieses Getümmels spürt Jesus, dass eine Kraft von ihm ausgeht, und seine Frage, wer ihn denn berührt hätte, stößt bei den Jüngern auf Unverständnis: Wer bitte schön, hat dich denn NICHT berührt in diesem großen Gedränge? Jesus hätte in dieser Situation alle Gründe gehabt, einfach weiterzugehen, und die spontan geheilte Frau mit dem, was da an ihr geschehen ist, einfach allein zu lassen, aber er wendet sich ihr ganz zu. Der folgende kurze Dialog erweckt den Eindruck, als seien Jesus und die Frau ganz allein auf der Welt, auch hier

geht es extrem dicht zu, allerdings diesmal innerlich. Kaum ist die Frau durch Jesu Zusage wieder ganz rehabilitiert und gemeinschaftsfähig, da kommen auch schon die Hiobsboten aus dem Haus des Synagogenvorstehers, um Jairus zu sagen, dass seine Tochter gestorben sei. In diesem Augenblick erkennt Jesus, dass es not-wendig ist, sich von der Menge freizuschaufeln – nur drei seiner Jünger und später auch die Eltern dürfen mit in den Raum, in dem das Mädchen liegt. Denn auch im Haus des Jairus herrscht wieder ein riesiges Getöse – die laut weinenden, lärmenden Menschen, deren Weinen in Hohn und Spott umschlägt angesichts der Äußerung Jesu, dieses Kind sei nicht gestorben. Auch hier ist Jesus der einzige, der noch Lebensspuren in dem scheinbar toten Kind wahrnimmt und es mit seinem wirkmächtigen Wort wieder ins Leben aufrichtet.

Für mich persönlich wurde diese feine Wahrnehmung Jesu in seiner ganzen Achtsamkeit für die Menschen in der vergangenen Woche zu einem wertvollen Impuls für das kürzlich eröffnete Jahr der Barmherzigkeit. Zum einen, weil ich mir wünsche, dass das zuweilen hektische Vielerlei des Alltags mir nicht den Blick und die Sensibilität raubt für das „Dahinter“ meiner Mitmenschen, zum anderen, weil ich mich selbst – wie oben

im Text so schön beschrieben – in diesem Heiligen Jahr von Neuem ganz einlassen möchte auf das, was zwischen Christus und mir geschieht, um „mutig und froh voranzuschreiten“ in Seiner Nachfolge.

Sr. M. Ursula

2 Kommentare

Beten hilft

Beten hilft - das glauben wir und beten deswegen auch immer wieder in bestimmten Anliegen. Oft für die Kranken, für diejenigen die auf der Flucht sind, in den Anliegen, in denen unsere Gäste oder andere Menschen uns um ihr Gebet bitten. Da nehmen wir gerne auch das Gebetsanliegen von Papst Franziskus auf, was wir eigentlich eh immer tun, und freuen uns, dass es in so einem tollen Video vorgebracht wird. 

Beten wir also, "dass der aufrichtige Dialog zwischen Männern und Frauen der verschiedenen Religionen Früchte des Friedens und der Gerechtigkeit hervorbringe."

Sr. Kerstin-Marie

0 Kommentare

Frohe Weihnachten

Wir wünschen allen, die mit uns unterwegs sind, frohe und gesegnete Weihnachten!

Wir können uns freuen, dass das Wort, dass Gott selber, Mensch geworden ist, wegen uns. Wegen Dir, wegen Ihnen, wegen mir. Das ist doch ziemlich großartig. Und deswegen, so meine ich, haben wir allen Grund, es so wie die drei Weisen zu machen: Etwas Schönes einpacken und losziehen, um zur Krippe zur kommen. Dort erwartet Gott uns schon voller Sehnsucht. 

Weihnachten ist ja nicht morgen schon wieder vorbei, sondern dauert noch ein bisschen. Da bietet es sich doch so zwischen den Jahren eigentlich an, darüber nachzudenken, was ich Schönes im Gepäck habe.

Was auch immer das ist, ich glaube, im Jahr der Barmherzigkeit kann man alles gut gebrauchen, um es einem anderen zu Gute kommen zu lassen. Manchmal kommt es dann so, wie man es erwartet.

Und manchmal geht es einem vielleicht so wie den Weisen, die wohl kaum daran gedacht hatten, dass der Stern sie zu einem Stall führen würde, wo nur ein paar ärmliche Gestalten sie erwarten. Jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick sind sie selber reich beschenkt und trauen dem Wunder, dass sie dort erleben. Das bringt sie dazu, auf dem Rückweg nicht bei Herodes vorbei zu gehen und ihm zu sagen, was dort in dem Stall ist. 

Also, vielleicht erleben auch wir ein Wunder, wenn wir uns auf den Weg zur Krippe machen. Wie auch immer das aussehen mag. Wer möchte, kann vielleicht etwas in den Kommentaren davon schreiben.

In diesem Sinne: Gesegnete und wunderbare Weihnachtstage

Sr. Kerstin-Marie

1 Kommentare

Alle Jahre wieder...

Eigentlich ist die Vorbereitung von Impulsen ja eines unserer "Kerngeschäfte" im Seelsorgeteam von Kloster Arenberg. Die täglichen Morgenimpulse in der Gästekapelle zählen ebenso selbstverständlich zum Angebot des Hauses wie die zweimal wöchentlich stattfindenden Nachtimpulse, so dass kaum eine Woche vergeht, in der nicht einer von uns irgendwann einen Impuls zu halten hätte. Normalerweise geht diese Impulsvorbereitung uns allen relativ leicht von der Hand - nur einmal im Jahr, da wird die sie für unser Team zur Schwerstarbeit - und das ist der Impuls, den wir anlässlich der Adventsfeier für unsere Mitarbeiter gemeinsam gestalten. Stundenlang sitzen wir da manchmal zu viert mit rauchenden Köpfen zusammen, überlegen ein ansprechendes Thema, mit dem wir den Abend überschreiben werden, ringen um die Botschaft, die wir gerne mitgeben möchten, erwägen gefühlt jedes einzelne Wort, entwickeln großartige Ideen, um sie kurze Zeit später wieder zu verwerfen, geben uns nochmal Zeit, ganz neu und anders zu denken usw. usw. Seit ich in Kloster Arenberg arbeite, habe ich es noch nie anders erlebt, als dass der Impuls für die Adventsfeier nach einem unendlich anspruchsvollen Prozess frühestens am Morgen des Tages, an dem er gehalten werden sollte, geboren war.

Wenn ich unser Team in diesen zähen Sitzungen manchmal „von außen“ betrachte, kann ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Normalerweise läuft unsere Zusammenarbeit nämlich das Jahr über ziemlich reibungslos. Wir - das sind unser Chef Dr. Hofmeir (Theologe und Psychologe), Elke Hübers (Paar- und Familientherapeutin), Kaplan Toth (Priester und Mädchen für alles) und ich – könnten unterschiedlicher fast gar nicht sein. Jeder von uns hat seine „Nische“, in der er bzw. sie auf seine Weise gut und ungestört arbeiten kann, keiner nimmt dem anderen etwas, jeder von uns hat eine ganz eigene Art der Verkündigung, die von den Gästen gleichermaßen angenommen wird, jeder von uns lebt sein eigenes Charisma, ohne im anderen eine Konkurrenz zu sehen. Mit anderen Worten: wir ergänzen uns ganz prima. Nur einmal im Jahr eben, da wir unsere Verschiedenheit zur geradezu unglaublichen Herausforderung, wenn wir uns zu viert an einen gemeinsamen Impuls heranwagen, dazu noch für Menschen, mit denen wir Tag für Tag zusammen arbeiten. In diesem Jahr blitzte da bei mir – müde geworden vom vielen Herumdiskutieren - plötzlich der Gedanke auf, es doch einfach sein zu lassen und den Impuls wie sonst auch durch einen von uns vorbereiten zu lassen, um uns dadurch eine Menge Stress zu ersparen. Doch gestern Morgen, als wir nach getaner Arbeit wieder einmal alle vier aus ganzem Herzen sagen konnten: „Gut so!“, da spürte ich, dass uns genau dieses „Einmal-im-Jahr-Zusammenraufen“ für unser Team von großer Bedeutung ist. Plötzlich ist mir bewusst geworden, wie wertvoll es ist, dass wir in diesem gemeinsamen Suchen auch immer eine Menge über das erfahren, was uns persönlich wichtig und heilig ist, was uns auf unserem eigenen Weg mit Gott bewegt und beschäftigt. Mein persönliches Fazit nach

getaner Arbeit also – und das passt auch ganz hervorragend zum Ordensleben: Gemeinschaftliche Prozesse sind zwar oft gruselig anstrengend und kräftezehrend, öffnen aber zugleich auch völlig neue Perspektiven und belohnen am Ende mit einem Reichtum, von dem man nicht einmal träumen könnte, wenn man für sich allein im stillen Kämmerlein säße.

Und so hoffe ich, dass unsere Mitarbeiter beim Adventsgottesdienst gestern Abend genauso viel mitnehmen konnten wie wir in der

Vorbereitungsgruppe und schaue schon jetzt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den November 2016, wo wir – und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche – garantiert wieder mit rauchenden Köpfen leicht angenervt in Kaplans Büro sitzend um jedes einzelne Wort ringen werden ;-)

Sr. M. Ursula

 

1 Kommentare

dem Licht entgegen

Quelle Foto: Kathrins Hundeknipserei
Quelle Foto: Kathrins Hundeknipserei

Adventsbrief unserer Generalpriorin Sr. M. Scholastika


Liebe Schwestern,

 

Sie werden mich belächeln: ein Hund zu Beginn des Adventes?

Immer wieder, wenn ich dieses Bild betrachte, berührt es mich: dieser kleine Vierbeiner läuft dem Licht entgehen - auf Hundeart, versteht sich. Mit einer Leichtigkeit, die, finde ich, ansteckend ist und Freude weckt.

Der Advent zieht uns in die Bewegung hinein, dem Licht entgegen zu laufen. Silja Walter sagt: „Was ist, was lebt, wird gezogen … wo ich bin, bin ich als Gezogene!“

Vor Urzeiten haben sich Menschen auf den Weg gemacht, mit einer großen Verheißung im Herzen, Weise ließen sich führen von einem Stern, der sie nach langen, mühsamen Wegen niederfallen lässt vor einem Kind, das später von sich selbst sagen wird:

„Ich bin das Licht der Welt.“  


In IHM gibt es keine Finsternis, keine Dunkelheit, nichts Verworrenes. Dieses Kind ist der Heiland, den die Völker mit Sehnsucht erwartet haben. Und bis heute bleiben wir auf der Suche nach DEM, der unserem Leben seinen tiefsten Sinn gibt, sehnen wir uns nach DEM, der uns wahre Fülle schenkt, im Wissen, dass alles Irdische, so wunderbar es sich auch zeigen mag, vorläufig ist.


Alfred Delp bekannte:

Immer bleibt das Herz voll Sehnsucht und Heimweh:

Glaubt mir, ein irdisches Ding macht dieses Herz nicht ruhig. Einmal muss einer kommen, der uns alle Fenster und Türen aufmacht, der uns ansieht mit heiligen Augen. Der unser Herz anrührt mit heilenden Händen. Einmal muss einer kommen. Ich habe ein Leben lang auf ihn gewartet.

 

Einmal muss einer kommen: dieser Eine ist Christus. ER ist gekommen und bleibt doch der ewig Kommende. In dieser beginnenden Adventszeit öffnen wir uns neu für IHN.

Wir sind aufgeweckt, IHM entgegen zu laufen, und wenn die Füße uns nicht mehr tragen, mit unserem lebendigen Herzen: Wir sind Gerufene, IHM entgegenzugehen aus der Kraft des Glaubens, weil ER es ist, der uns mit heiligen Augen ansieht, weil ER unser Herz anzurühren vermag mit heilenden Händen, weil ER es ist, auf den wir in allem und durch alles Suchen hindurch warten.

Was brauchen wir, wen brauchen wir mehr als IHN, den Heiland der Welt?

Wen brauchen wir mehr als IHN, der unsere Welt herausholt aus dem Schatten des Todes, aus Gewalt, Terror und Verfolgung?

Wen brauchen wir mehr als IHN, der uns Augenblick für Augenblick nahekommt?

Und vergessen wir dabei nie: der uns nahekommt in jedem Gesicht, in jeder Mitschwester, wirklich in jeder.

Der uns nahekommt in den Höhen und Tiefen unseres Lebens, in den Beschwernissen des Alltags, in den Grenzen, die unser Älterwerden setzt, auch auf der letzten Wegstrecke des Sterbens, das volles Leben ist, eine Wegstrecke, die uns auch ängstlich machen kann.

Wir laufen ihm entgegen durch offene Fenster und Türen, in offene Arme.

Das ist ja die Kraft dieses Kindes, das wir erwarten: es bahnt sich einen Weg in unsere Welt, nichts hält es davon ab, bei uns sein zu wollen: wir werden dieses Geheimnis neu an Weihnachten feiern.


Mögen wir dabei mit Bedacht auf die Hl. Nacht zugehen, dass die vorbereitenden Aktivitäten unser Herz nicht zu arg besetzen.

GOTTES Kommen soll das Wichtigste bleiben dürfen.

Ich weiß, es ist leicht gesagt, dennoch wage ich es kühn auszusprechen:

die Bereitung unseres Herzens, unserer inneren Krippe bleibt die vorrangige Aufgabe, und wenn dabei die Krippen im Haus einfacher werden, eine Kugel weniger am Baum hängt, ein Fenster nicht geputzt ist, wenn da und dort auch etwas fehlen darf und ein Brief weniger geschrieben ist.

Das Wichtigste ist unsere Erwartung, unsere Sehnsucht nach diesem Kind, das ganz und gar in unsere große und kleine Welt hineingeboren wird.

 

Christus kommt auf uns zu, und wir dürfen IHN empfangen. Weihnachten ist wie eine Kommunion: Empfangende sind wir, nicht Nehmende. Nicht Ergreifende. Wir sind Beschenkte, von IHM längst Ergriffene, überreich Beschenkte. GOTT wird uns Tag für Tag in die Hände gelegt. Tag für Tag werden unsere Hände, wird uns Herz eine Krippe für IHN: aus IHM leben wir, aus IHM erhält unser Leben seine Ausrichtung und Orientierung.

 

Mehr als vier Wochen sind uns geschenkt, wie die Hirten und die Weisen dem kommenden Christus entgegenzugehen. Mehr als vier Wochen sind uns geschenkt, IHM einen „herzlichen“ Empfang zu bereiten.

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit beginnt:

Mögen wir an uns die Barmherzigkeit GOTTES erfahren dürfen, und mögen wir selber Liebende werden, gütige, warmherzige und mütterliche Frauen nach dem Herzen GOTTES, das ist mein bleibendes Gebet für uns alle,

Sr. M. Scholastika



1 Kommentare

Der Hund mit der Fackel

Am Samstag haben wir mit der ganzen familia dominicana weltweit das Jubiläumsjahr zu 800 Jahre Dominikanerorden eröffnet. Und schon vor genau einer Woche war ich eingeladen, in der JVA Bochum - quasi schon vorauseilend zum Jubiläum - den heiligen Dominikus vorzustellen. Einmal im Jahr gibt es von der Seelsorge der JVA aus das Angebot "Eine Hand voll Heilige", bei der an drei aufeinander folgenden Abenden verschiedene Heilige vorgestellt werden. Ca. 60 Inhaftierte nahmen dieses Angebot an und ließen sich am letzten der drei Tage etwas über den heiligen Dominikus erzählen. Am Anfang stand ein kleines Video von den Philippinen, das wir gemeinsam anschauten und das helfen sollte, unseren Gründer und seine Beweggründe ein bisschen besser kennenzulernen. Darin kommt sehr prominent auch der Hund mit der Fackel vor, mit dem Dominikus oft dargestellt wird.

Nach einer Pause war im zweiten Teil des Abends für die Männer dann die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Allgemein zu Dominikus und seinem Leben, aber auch zu meinem Leben. Auf jeden Fall war ein großes Interesse zu spüren, denn die Fragen endeten nicht, bis es Zeit war, die Veranstaltung zu beenden. Im Gegensatz zu einer Veranstaltung an einem anderen Ort war hier klar, dass der Zeitrahmen einzuhalten ist, schließlich mussten die Männer wieder zurück in ihre Zellen.

Besonders schön fand ich nach diesem schönen und anregenden Abend, als P. Placidus aus Stiepel mir letzten Freitag nach der Jugendvigil erzählte, dass er in der JVA gerade einen Häftling auf die Taufe vorbereite. Dieser tue sich ein bisschen schwer mit vielen Dingen. Aber er habe ihm davon erzählt, dass am Mittwoch eine Dominikanerin dagewesen sei und etwas von Dominikus und dem Hund mit der Fackel erzählt habe. Mich hat berührt, dass dieser Mann offensichtlich von Dominikus berührt war.

Was auch immer hängen bleibt bei einzelnen Menschen, mit denen wir reden, wir wissen es vorher nicht. Und wenn es manchmal vielleicht auch nur Kleinigkeiten sein mögen, wie der Hund mit der Fackel, so bin ich mir sicher, dass dieser Mann, sobald er eine Darstellung des hl. Dominikus mit Hund und Fackel sieht, weiß, wer das ist. Und vielleicht fällt ihm noch ein bisschen mehr ein von diesem Abend. 

So war der Abend in der Krümmede ein doppeltes Geschenk für mich.

Sr. Kerstin-Marie

3 Kommentare

Alles Spanisch, oder was?

Derzeit steht wieder die nächste Ausgabe von kontinente, der Missionszeitschrift, bei der wir Mitherausgeber sind, an. Nach dem Generalkapitel, bei dem ich unsere vier Mitschwestern aus Bolivien kennenlernen und außerdem noch mit ihnen einen Tag in Köln verbringen durfte, war ich letzte Woche natürlich ganz anders motiviert. Von Sr. Maria Martha hatte ich auch schon einen Bericht bekommen. Diese Berichte direkt aus Bolivien sind immer ziemlich interessant und manchmal unglaublich, dass das der Alltag unserer Schwestern ist. Und so machte ich mich an die Übersetzungsarbeit - auch hier noch ganz entspannt, weil ich im Kontakt mit den Mitschwestern ganz gut auf Spanisch zurecht kam. Da sollte der Text eigentlich keine so große Herausforderung darstellen.

Tja, denkste, denn zwischendurch kam mir alles sehr Spanisch vor und ich fühlte mich an meine Graecums-Klausur vor 15 Jahren erinnert. Da nahm ein Satz auch kein Ende und ich fand den Sinn nicht. Da war er natürlich, sowohl im Text über Origenes, als auch im Text über Roxana und ihre fünf Kinder. Wie damals in der Klausur galt auch jetzt, dass ein Aufgeben keine Möglichkeit wäre. Beim einen Mal hing das Graecum und damit der weitere Verlauf des Studiums dran, bei diesem Mal die nächste Ausgabe der kontinente, die pünktlich zum 1. Januar und im neuen Gewand erscheinen soll. 
Geschafft habe ich es sowohl damals als auch heute. Vor 15 Jahren hat mich das irgendwie angespornt, die Griechischsachen nicht in die Ecke zu werfen und auch jetzt denke ich, dass ich wohl einfach noch ein bisschen besser Spanisch lernen muss. Damit ich dann eines Tages die Berichte lesen kann, als wären sie, wenn schon nicht auf Deutsch, dann vielleicht auf Englisch. Und natürlich, damit ich, wenn es eines Tages ein Wiedersehen mit den Mitschwestern aus Bolivien gibt, mich besser verständlich machen und verstehen kann, was sie sagen. Denn es ist ja wunderbar, dass wir miteinander auf dem Weg sind, auch wenn wir durch viele Kilometer getrennt sind. Aber dank Email, WhatsApp, Facebook usw. läßt sich die Entfernung überwinden. Einzige Voraussetzung: Habla Espanol! 

In diesem Sinne will ich mal weiter üben und empfehle gleichzeitig das neue kontinente-Heft ab Januar 2016!

Sr. Kerstin-Marie

0 Kommentare

es liegt jemand in der Luft...

was wir wirklich empfinden

wir können es nicht sagen

die zungen würden uns brechen

manchmal aber

wie vom himmel gefallen

geistesgegenwärtiges verstehen

ich kann dein inneres betreten

alle sprachlosigkeit findet ein ende

es brennt auf der zunge

ich finde mein wort

simultanübersetzung

unserer gefühle

es liegt jemand in der luft

der zur liebe bestürmt

(aus: Andreas Knapp, Höher als der Himmel, echter Verlag 2010)


 

12 Tage lang haben wir auf dem Arenberg gerungen, beraten, diskutiert, Pläne geschmiedet, Versöhnung erfahren, gewählt, Erfahrungen ausgetauscht, Vertrauen geschenkt, abgestimmt, miteinander gegessen, gebetet, gehört, gelacht, geweint, geträumt, gefeiert, geschwiegen, Hoffnungen, Sorgen, Ängste und vor allem LEBEN geteilt….

Nun ist es vorbei, das XXIII. Generalkapitel unserer Kongregation – und was bleibt, ist eine unendliche Dankbarkeit für unsere Gemeinschaft und das, was der Hl. Geist vom 01.-12. Oktober in unseren Herzen bewirkt hat.

Heute kehren 31 begeisterte Kapitularinnen wieder in ihre Konvente zurück - auch wenn es sicherlich eine Herausforderung wird, die unglaublich dichte Atmosphäre der vergangenen Wochen für diejenigen erfahrbar zu machen, die während der Tage zuhause die Stellung gehalten haben, so bin ich mir doch sicher, dass der ein oder andere Generalkapitels-Funke überspringen wird. Und damit auch unsere Blogleser einen Hauch Kapitelswind zu spüren bekommen, gibt es hier einige Fotos zu schauen, die während der langen Sitzungstage entstanden sind :-)

Fast fühle ich mich heute wie am Ende einer guten, intensiven Exerzitienzeit - glücklich und beseelt und zugleich motiviert und voller Tatendrang, gemeinsam mit meinen wunderbaren Mitschwestern neue Wege zu bahnen.

Sr. M. Ursula

 

Generalkapitel

6 Kommentare

Die Stewardess, der Papst und wir

„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch

nicht das Ende.“ Diesen Zettelblock bekam ich vor einiger Zeit als kleine Aufmunterung geschenkt, und das Zitat von Oscar Wilde passt ganz hervorragend zu den Erfahrungen, die wir in der vergangenen Woche in Rom gemacht haben.

Papst Franziskus hatte anlässlich des „Jahres des geweihten Lebens“ junge Ordenschristen aus aller Welt eingeladen, um gemeinsam über unsere Berufung und unsere Sendung in die Welt von heute nachzudenken. Im Vorfeld hätte alles nicht chaotischer sein können – Anmeldechaos, Terminverschiebungen und Informationsknappheit trugen nicht unbedingt dazu bei, unsere Vorfreude auf dieses Großereignis zu mehren. Und so stiegen Sr. M. Alberta, Sr. M. Christina, Sr. M. Melanie und ich dann am vergangenen Dienstagnachmittag auch mit sehr gemischten Gefühlen in die Lufthansa-Maschine, wo wir von einer unglaublich netten, am Ordensleben interessierten und dazu noch lustigen Crew begrüßt

wurden (dazu später aber mehr).

Um es kurz zu machen: die Tage in Rom zählen tatsächlich zu den verrücktesten, die ich je erlebt habe, und teilweise kamen wir uns vor wie in einem Abenteuerspiel, bei dem es ständig neue Herausforderungen zu bestehen gibt. Immer wieder gab es Situationen, in denen wir spontan von Plan A zu Plan D switchen mussten, und Temperaturen um 38 Grad inkl. 85% Luftfeuchtigkeit machten die weiten Wege über römisches Kopfsteinpflaster zur perfekten Bußübung. Wir alle hatten im Laufe der Tage irgendwann einen fiesen Durchhänger, an dem unsere Nerven blank lagen und unsere innere Verfasstheit und körperliche Kondition auf dem Nullpunkt angekommen war, doch irgendwie haben wir es dann doch immer wieder geschafft, uns gegenseitig aufzurappeln und zu motivieren.

Aber natürlich gab es während dieser Woche auch jede Menge schöne Überraschungen! So hatten Sr. M. Melanie und ich am Tag der Papstaudienz das völlig unerwartete Glück, ganz vorne mit dabei zu sein und Papst Franziskus persönlich zu begrüßen und waren tief berührt, diesen wunderbaren Menschen aus nächster Nähe erleben zu dürfen. Tags darauf gab es auf dem Petersplatz ein riesiges „Hallo“, als wir dort in der Morgensonne unseren Trierer Weihbischof Jörg Peters trafen, der unserer Gemeinschaft schon lange verbunden ist... Oder wer hätte anfangs gedacht, dass am letzten Morgen sogar der ganze Petersdom für Touristen gesperrt sein würde, damit wir dort mit 5000 jungen Ordensleuten aus 150 Ländern ungestört unseren Abschlussgottesdienst feiern können?

In der vatikanischen Audienzhalle wurden wir täglich von Kardinal Aviz, Erzbischof Carballo und anderen Referenten mit hervorragenden Impulsen verwöhnt, die sicherlich noch lange in uns weiterwirken werden. Ich persönlich muss sagen, dass ich meine eigene Kirche und deren Vertreter noch nie so offen, so weit und so frei erlebt habe wie in diesen Tagen, was für mich ein ganz großes Hoffnungszeichen war.

Und so wurde unsere Romfahrt am Ende tatsächlich gut – und nicht nur gut, sondern zu einem unvergesslichen, ganzheitlichen Erlebnis, von dem wir wahrscheinlich noch in 50 Jahren erzählen werden.

Wer gerne einmal ein wenig in die Atmosphäre dieser Tage eintauchen möchte, kann hier unsere persönlichen Impressionen und hier die offiziellen Fotos anschauen, daneben gibt es weitere viele schöne weitere Fotos und Videos auf dieser Seite zu sehen...

Übrigens: Die Welt ist wirklich klein, und zwar richtig klein. Gestern bekam ich von Weihbischof Peters eine Mail, in der er uns Grüße von der Chefstewardess seiner Lufthansamaschine ausrichtete. Sie fragte ihn, als er an Bord kam, ob er denn auch "bei dem Treffen da" gewesen sei und erzählte ihm von einer Gruppe von vier weiß gekleideten Schwestern, drei mit weißem, eine mit schwarzen Schleier......

Sr. M. Ursula

5 Kommentare

mit unserem Gott überspringen wir Mauern...

"Man kann Profess auch ganz anders feiern - aber garantiert nicht schöner" - so drückte es Weihbischof Vorrath am Dienstag aus, und sprach uns allen damit aus dem Herzen. Sowohl die Einkleidung unserer Sr. M. Melanie am Vortag als auch der Festtag selbst war für uns alle ein Stück offener Himmel, so dass sich selbst die Hartgesottensten unter uns das ein oder andere Tranchen nicht verkneifen konnten. Besonders auch am Abend im Refektorium, als Sr. M. Christa, die an diesem Tag ihr 60jähriges Professjubiläum feierte, uns mit einem großartigen Vortrag zeigte, was es bedeutet, ein soooo lange Zeit treu in der Nachfolge Christi unterwegs zu sein. Diesen Beitrag möchten wir unseren Bloglesern nicht vorenthalten und wünschen viel Freude beim Lesen ;-)
Sr. M. Melanie, die ihr Noviziat begonnen hat, Sr. Kerstin-Marie, die nun auf ewig unsere Mitschwester ist und unseren Jubilarinnen, die uns Jungen durch ihr Lebens-Zeugnis so viel Hoffnung und Kraft schenken, wünschen wir Gottes reichen Segen auf ihrem weiteren Weg - möge die Freude des Festtags noch lange im Herzen nachwirken!
Sr. M. Ursula

 

 

Unser Festtag soll nicht enden,

ohne uns an die zu wenden,

die in allen Lebenslagen

uns lehrten, diesen Vers zu sagen:

Mit meinem GOTT überspringe ich Mauern.

 

Schau auf ihn und sei nicht bange,

und sei die Prüfung noch so lange,

vertraust du viel, so wird nicht klein

Seine Kraft in dir zu spüren sein. Ja:

Mit deinem GOTT überspringst du Mauern.

 

Dank sei Ihm, der an einem Tage,

stellt uns allen diese Frage:

Liebst du mich und folgst du mir?

Vertraue nur, ich bin bei dir!

Und so sagen wir voll Vertrauen:

Mit unserem GOTT, da überspringen wir Mauern.

 

Unsere Älteste, die Anneliese, eine Dame sehr fein:

Sie entschied sich: Dominikanerin ja, doch Arenberg nein.

Aber wie sie in Frankfurt spazieren geht,

findet sie ein großes Plakat, darauf steht:

„Dominikanerinnen Schlehdorf am Kochelsee“ – Toll!

das ist eine Filiale von Arenberg wohl.

Also tret ich in Arenberg ein,

und wünsch mir: nach Schlehdorf versetztet zu sein.

Gesagt, getan, aber was kam,

der Anneliese fast den Atem nahm:

„So ist das nicht, mein liebes Kind,

schau das sind zwei verschiedene Ding –

in Arenberg wirst du am Rhein,

in Schlehdorf am Kochelsee beheimatet sein.

Der Schreck war groß, doch abgemindert

durch die Frau, die diese Botschaft verkündet:

Mutter Maria Gratia im Nu bezwang

die Anneliese mit Charme und Elan.

Der Traum vom Wassersport war zwar vorbei,

doch der Herrgott hielt eine Lösung bereit:

Den Wassersport bekam sie am ersten Tag,

den sie im Waschhaus am Waschtrog mit schwarzen Strümpfen

verbracht,

und wollt ihr wissen den Erfolg von der Geschicht?

zu Tisch bekam man ein Postuläntchen mit acht verbundenen

Fingern zu Gesicht!

Und trotzdem sagt sie voll Vertrauen:

Mit meinem GOTT überspringe ich Mauern.

 

Wir waren eine große Schar aus Westen und Osten, aus

Süden und Norden,

stille Wasser, Vulkane, Träumer und Aktive, alle Sorten.

In Küche und Büro, bei den Kranken und Alten,

in der Schule, bei Hühnern, da war unser Walten.

Oberinnen brachten wir zwar keine hervor,

aber wir waren ein ganz toller harmonischer Chor.

Gab’s Stürme, Gewitter – jeglicher Art,

wir hielten zusammen, denn uns war klar:

Unserem Gott können wir trauen:

Mit unserem GOTT überspringen wir Mauern.

 

Wir durften bewegte Zeiten durchleben:

Sieben Generalas, sieben Päpste, das Konzil daneben,

vom Harmonium zu Orgel, vom latein zu deutsch,

vom Geschnörkel der Sprache zur Einfachheit,

vom Karton am Kopf zum gefälligen Schleier,

vom Chauffeur Herr Möller zur Schwester am Steuer,

von Deutschland zur Schweiz nach Bolivien,

von verarmten Deutschen zu viel Immobilien,

vom dezent Gekleideten zum Hippie,

vom gehorsamen Kind zum Antiautorität-Titti,

vom Grammophon zum CD-Player und nun gib acht:

vom Telefon zum Smartphone, das war ein Start,

vom kleinen Heintje zu Helene Fischer,

vom VW Käfer zum elektrischen Flitzer,

von dem „du musst“ zu dem „du darfst“,

und dieses macht uns frei und stark. –

Die Dinge gingen, die Dinge kamen,

wir lebten den Umbruch und wir nahmen,

gespannt halt wie ein Flitzebogen,

das, was wir nun als gut erwogen.

Das eine war sicher: GOTT, er war DA,

im Sturm und im Säuseln: ER war nah.

Und also bekannten wir voll Vertrauen:

Mit unserem Gott, da überspringen wir Mauern.

 

Und so war es in jener Zeit,

es scheint schon eine Ewigkeit:

Ein lautes Lachen im Refektor,

du lieber Gott, da stand was bevor!

Und fehlt uns dieses Lachen heut einmal,

dann ist da ein Loch, das ist doch klar.

Was man früher als „Krach“ bezeichnet,

wird heute als Hoffnungsmusik gedeutet.

Aber Gott bleibt der Gleiche, zu jeder Zeit,

das einst und das jetzt ist Seine Zeit.

Und ob heut, ob früher, ob jung oder alt,

die Freude ist Nahrung, Gott gibt sie halt,

er schenkt sie uns weiter, damit wir sie leben,

Er gab sie immer, denn Er ist das Leben.

 

Bis hierher hat uns Gott gebracht durch seine große Güte,

so singen wir und vertraun auch heut, dass er uns weiter

hüte.

Ob krumm oder gerade, mit Stock oder Rolls Royce,

im Bette liegend, gesund oder bleich,

immer sind wir Eigentum des Herrn,

zusammengerufen: Feuer zu sein – für die nah und die

fern,

oft sind wir nur Glut, die stille brennt

aber keine andere Sehnsucht kennt,

als mit unserem Leben Dank zu sagen

und Jesu Botschaft weiterzutragen.

Und so singen wir Alten noch mit Vertrauen:

Mit unserem Gott überspringen wir Mauern.

 

Zuerst und zuletzt sei Gott Dank gegeben,

er schenkt uns, dass noch in diesem Leben

wir voller Staunen und Vertrauen,

wir Neues anbricht dürfen schauen.

Ihm anvertrauen wir das neue, keimende Leben,

Er mögs in Seine Hände und in sein Herze nehmen.

Er war es, der uns in all diesen Jahren

auf Adlerflügeln hat getragen,

durch Hoffnung und Bangen, über Höhen und Tiefen,

er suchte uns auf Irrwegen, die wir liefen,

er stärkt uns, erquickt uns, er ist unsere Freude.

Er wird uns erwarten im Anbruch des HEUTE:

Und so sagen auch heut wir voll Dank und Vertrauen:

Mit unserm Gott, ja, da überspringen wir Mauern.

Sr. M. Christa Kitschen OP

 

 

 

 

 

5 Kommentare

angekommen...

Ansprache von Sr. M. Scholastika zum Festtag am 08.09. 2015


„Es gibt Dinge, die lassen sich nicht erklären. Nicht mit Worten, nicht mit Bildern, nicht mit Gesten. Diese Dinge muss der Mensch selbst erfahren. Zur rechten Zeit. Am rechten Ort. Mit den richtigen Menschen. Auf einmal ist da was tief drinnen in dir und echte Berührung wird möglich. Das Zweifeln und Klagen hört auf, und du weißt: Ich bin angekommen, bei mir, bei Gott. Bei den Anderen. Eine echte Dreifaltigkeit im Hier und Jetzt.[1]

 

Liebe Jubilarinnen, liebe Schwester Kerstin-Marie, liebe Melanie,

ein Journalist, der Taizé kennengelernt hat, beschreibt so seine eigene Erfahrung

an diesem besonderen Ort. Und er setzt fort: „Und dann passiert es. In einer einfachen, bescheidenen, unbequemen Umgebung, die kontrastreicher zum modernen Leben nicht sein könnte, küsst dich ein Geist. Wie zum ersten Mal. Und in einem Meer entflammter Kerzen … entbrennt auch dein Herz und du verstehst: Jesus lebt. Das Christentum lebt. In mir. Durch uns. Hell und klar.“

 

Das ist ja das Wunderbare, dass das Große, das Wesentliche unseres Lebens an uns geschieht. Oft in einer einmaligen Stunde. Da haben wir nichts zu machen, nichts selber in die Wege zu leiten oder in die Hand zu nehmen. Und das Unerhörte: selbst wenn wir zuweilen auf Wegstrecken nichts suchen, schlicht unsere vertrauten Pfade gehen, kann es uns erwischen, kann GOTT uns erwischen. Das eigene Leben wird noch einmal empfindlich aufgerüttelt, zerstört, gar umgekrempelt, neu ausgerichtet. Wenn wir uns einlassen! Wenn wir uns diesen

inneren Anstößen nicht verschließen!

 

Liebe Jubilarinnen,

Sie könnten uns wahrscheinlich von vielen solchen Momenten erzählen. Laute und leise. Manchmal ist es ja nur ein zartes Berührtwerden, und im Herzen geschieht Unvorstellbares. Die Heilige Schrift ist voll von solchen Begegnungen. Zuweilen erschütternde Begegnungen: Ich denke an Jakob, wie er ringt mit GOTT und als Gezeichneter, als Hinkender weitergeht. Ich denke an Saulus, der auf dem Weg nach Damaskus eine solch buchstäblich umwerfende Begegnung mit Christus hatte und sein Leben bekam eine völlig andere Richtung. Und ein ganz leises Erschüttertwerden: Maria. Als der Engel zu ihr trat - was hat diese Begegnung ausgelöst: Die Welt hat sich verändert. Durch eine junge

Frau im Hören auf GOTT.

 

Keine von Ihnen wird doch letztlich ihre Berufung erklären können. Weil die Liebe sich nicht erklären lässt. Sie geschieht, verändert, verwandelt,

und eine Kraft wird spürbar, die wir nicht aus uns heraus haben. Eine Kraft, die uns freisetzt, die uns Vertrautes verlassen lässt, eine Kraft, die uns in die Weite bringen will. Noch einmal: Sie, liebe Jubilarinnen,könnten uns Ihre Geschichten erzählen, und sie könnten eine Stärkung sein,

besonders auch für Melanie, die heute einen intensiven Weg mit Christus beginnt, die sich noch einmal rufen lässt, mit dem Namen, den sie in ihrem Herzen schwingen hört: Du, liebe Melanie, wirst uns heute Schwester.

Eine plötzliche Berührung von GOTT, ein Aufmerken, ein Angesprochensein, oft unerklärlich, und dann gibt es dieses Nicht-mehr-anders-können als Einlassen und Mitgehen.

 

Pater Karl sagte es heute Morgen treffend: Exerzitien sind ein Einüben, in der Nähe des Herrn zu bleiben. Ich erlaube mir, dieses Wort noch zu weiten. Ist nicht unser ganzes Leben ist ein einziges Einüben, in die Nähe des Herrn zu kommen und bei ihm zu bleiben? Aufmerksam zu sein für seine Gegenwart, für sein Licht, seine bleibende Einladung: „Komm!“? Auch noch nach 50, 60, 65, gar 75 Jahren?

 

Unser Leben als eine Übung, unser Leben als ein Gewecktwerden, ein Auferwecktwerden in die österliche Haltung hinein: Wir sind Herausgenommene aus der Knechtschaft, aus einer niedergedrückten, geduckten Lebensweise, aus Akten reiner Pflichterfüllung, wir sind Weggerufene, weg von dem „Man tut, man macht, man soll!“. Du, liebe Schwester Kerstin-Marie, sagst es morgen ganz deutlich: „Ich

will! Ich bin bereit“! Möge Dich der Ring, den Du empfangen wirst, Dich auch an diese starken, entschiedenen Worte erinnern – lebenslang.

 

Aus der Tradition der Ostkirche gibt es eine eigentümliche Geschichte[2], die den österlichen Weg beschreibt, den wir Tag für Tag gehen: Da gab es einen Starez, einen frommen Gottsucher, der die Gewohnheit hatte, seine Schüler das Vater Unser immer beim letzten Wort anstimmen zu lassen, um das Gebet mit den Worten „Vater Unser“ zu beenden. 

Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Unser tägliches Brot gib uns heute. Dein Willegeschehe, wie im Himmel so auf Erden. Dein Reich komme. Geheiligt werde Dein Name. Unser Vater im Himmel.

 

Beginnend mit „Führe uns nicht in Versuchung - erlöse uns von dem Bösen“ … aus den alltäglichen kleinen und größeren Versuchungen, die uns aus der Nähe des Herrn weglocken, uns immer neu GOTT zuwenden. ausziehen aus dem, was uns träge macht, was uns die göttliche Würde raubt und uns neu ausrichten, im Wissen und der Erfahrung der Vergebung und Versöhnung von GOTT her und füreinander. Uns das Brot, die Nahrung schenken lassen, das wir brauchen, seinen Willen erhorchen, ertasten, um dem Land der Verheißung, dem Land der Fülle näher zu kommen, wo uns immer Größeres geschenkt wird, wo uns das Größte erwartet, was GOTT uns offenbaren kann: das Geheimnis seines Namens: Unser Vater.dem unverbrüchlichen, unverrückbaren Ich-bin-der-ich-bin-da. Für Dich! begegnen dürfen  

Das „Vater Unser“, vorne beginnend und auch rückwärts gebetet, gebe ich Ihnen, liebe Jubilarinnen, gebe ich Euch, liebe Schwester

Kerstin-Marie, liebe Melanie heute mit. Dieses Gebet, das wir so oft beten, taucht uns in GOTT ein und entlässt uns aus IHM wieder zu den Menschen. In unsere Aufgaben, in unseren Alltag. In GOTT bleiben, aus IHM leben: d.h. seinen Willen ertasten, aus IHM in uns die Sehnsucht wecken lassen, IHN noch tiefer, seinen Namen noch klaren erfassen können, um darin seinen Willen, zu erkennen: wachsend. Aus

dieser Ausrichtung bekommen unser Leben seine klare Orientierung, sein Licht und sein Salz. Daraus werden unsere Beziehungen heiler, versöhnter, freier. Daraus wächst Gemeinschaft, „gelingt uns ein fruchtbares Miteinander und Zueinander, in dem eine um die andere Sorge trägt, eine der anderen zugetan ist und niemand vergessen wird“.

 

Liebe Jubilarinnen,

ihr Jubiläum zeigt diese ganz menschlichen Wege mit all ihren Auf- und Einbrüchen, immer auf GOTT zu, und aus Ihm in diese Welt. Auf dem Boden, auf dem wir stehen und leben. Aus IHM immer wieder neu ins Heute. Das war auch Ihr Übungsweg, und er bleibt es, und da sind für uns starke Spuren der Treue zu entdecken, für die wir Ihnen von Herzen danken. Möge das Fest morgen, auch das Teilnehmendürfen an der Ewigen Profess unserer Schwester Kerstin-Marie für Sie Stärkung sein, ein Schub des Glücks, um im ganz Gewöhnlichen und oft auch Mühsamen die Schönheit des Lebens zu entdecken, das Fest, das Du, liebe Schwester Kerstin-Marie an unmöglichen Orten, Zeiten und Gegebenheiten sichten darfst. Da bist Du einzigartig. Noch aus Unscheinbarem gelingt es Dir, ein Fest zu feiern, das Gute herauszuschälen, GOTT aufzuspüren. Du hast Dir dies sogar zur Aufgabe gemacht: Menschen zu begleiten, die auf der Suche nach dem sind, wer sie wirklich sind, was sie erfüllt und ein Lebensfest feiern lässt. Dieses Feiern ist nicht ein oberflächliches Spazierengehen, das wäre Dir zuwider, sondern Du glaubst mit aller Ernsthaftigkeit an GOTTES Verheißung, dass er DA ist, dass er DA sein wird, alle Tage unseres Lebens.

 

Wenn Du Dich an diesen einen GOTT bindest, frei und aufgerichtet, bindest Du Dich auch an unsere Gemeinschaft und darin bei allem Schönen und Beherzten auch an ganz Gewöhnliches. Mögen Dir diese Augen geschenkt bleiben, überall, wirklich überall GOTT als den Liebenden zu entdecken, und auch dieses eine große Fest, das er uns bereitet hat: das ist Hoch-Zeit.

 

Melanie,

sein Name ist auf Deine Stirn geschrieben. Dein Name in seine Hände, in sein Herz, eine Einritzung, die viel tiefer greift als jede Tätowierung. Einige unter uns fragen nach Deinem Namen, und wir lachen, wenn Du bereits „Irmela“ gerufen wirst. Du willst Deinen Taufnamen behalten dürfen, willst das Taufgeschehen an Dir immer neu geschehen lassen: Leben mit Jesus, eintauchen in die Wasser seiner Liebe, nicht ausweichen, wenn es auch schwierig wird. Und vertrauen, dass Er es ist, der mit Dir, in Dir geht: „Ich gehe mit Dir, wohin Du auch rollst, wohin auch immer Dein Herz unterwegs ist. Ich bin da!“ Was wir heute und morgen begehen, ist unverdient, ist Geschenk: Du

willst mit uns das Leben teilen, Melanie, Dich einüben in diesen täglichen Rhythmus, der ganz klar auf GOTT ausgerichtet ist – für die Menschen, für diese Welt. 

Und Du bekundest Dein Bleiben, Schwester Kerstin-Marie - bis der Tod uns scheidet. Und Sie liebe Jubilarinnen bezeugen, dass dieser Weg mit Christus sich lohnt und bekräftigen dieses vor 50, 60 und 65 Jahren, Schwester M. Adelgundis sogar vor 75 Jahren gesprochene Ja, diese einmalige JA der Liebe: Ich will, ich bin bereit! Wenn das nicht Fest ist! Explodierende Freude! Hoch-Zeit!

 

Wie hörten wir? Das Zweifeln und Klagen hört auf, und du weißt: Ich bin angekommen, bei mir, bei Gott. Bei den Anderen. Eine echte Dreifaltigkeit im Hier und Jetzt.  

Sr. M. Scholastika


[1] www.theo-magazin.de/2013/09/12/mystische-einfachheit-taize/

[2] vgl. Müller, Klaus, Gottes ABC. Texte für das Lesejahr A, Münster 2013, 144-146

 

0 Kommentare

pack' die Badehose ein...

Bevor wir am 07. und 08. September nicht nur die Ewige Profess von Sr. Kerstin-Marie, sondern auch die Noviziatsaufnahme und Einkleidung unserer Postulantin Melanie feiern werden, haben wir es uns in der vergangenen Woche mit dem ganzen Noviziatskonvent in unserem Kloster Rickenbach gemütlich gemacht, um dort einige gemeinsame Ferientage zu erleben.

Das erste Highlight ließ nicht lange auf sich warten: Anlässlich des 200. Geburtstagsjubiläums ihres Gründers, des Hl. Johannes Bosco, hatten die Salesianer in Beromünster zu einem Spendenlauf für verschiedene Ausbildungsprojekte für benachteiligte Jugendliche eingeladen. Da unsere Gemeinschaft den Patres schon lange freundschaftlich verbunden ist, war es klar, dass unsere geballte Schwesternpower bei diesem witzigen Event auf keinen Fall fehlen durfte - aber dass uns diese Aktion soo viel Freude machen würde, hatten wir dann auch wieder nicht geahnt. Das Publikum auf den Rängen und unsere Mitläufer feuerten uns zu Höchstleistungen an, und selbst Sr. M. Christa (übrigens die älteste Teilnehmerin) mit ihrem Rollator und Melanie im Rollstuhl waren nicht mehr zu bremsen und drehten Runde um Runde für den guten Zweck. Am Ende waren wir ziemlich stolz auf 257 mal 200m, die wir gemeinsam erlaufen hatten.

Nach dieser Anstrengung ging es dann aber den Rest der Woche wesentlich entspannter zu – mit Ausnahme einer ganz und gar ergreifenden

Pilgertour zur Einsiedelei des Hl. Bruder Klaus in den Ranft ließen wir uns die Sonne auf den Bauch scheinen, genossen die köstliche Schweizer Küche, planschten bei wolkenlosem Himmel im Sempacher See, lasen das ein oder andere schöne Buch und ließen unsere Seelen baumeln. Richtig Ferien eben, mit allem was dazugehört.

Heute Nachmittag sind wir wieder auf dem Arenberg gelandet – rundum erholt und voller wunderbarer Eindrücke, von denen wir einige durch die unten stehenden Fotos teilen möchten.

Sr. M. Ursula

7 Kommentare

Es wird ernst.

Nach einem wunderbaren Juniorat am letzten Wochenende in der Schweiz geht es für mich nun so langsam aber sicher in den Endspurt. Jetzt ist es wirklich nicht mehr lang hin bis zum "Ja" für immer. Gästelisten werden aktualisiert und Aufgaben, Ämter und Plätze werden verteilt. Es wird alles vorbereitet für ein wunderbares Fest.

Damit das und besonders die Liturgie möglichst entspannt - insofern jemand an diesem Tag entspannt sein kann - laufen kann, war heute schon Prälat Holkenbrink bei uns, damit wir gemeinsam schon mal auf den Ablauf schauen konnten. 

Beim Gespräch nach dem Mittagessen ging mir noch einmal auf, was für ein unendlich großes Glück ich doch habe. Ich fühlte mich ein bisschen wie die Goldmarie wie im Märchen von Frau Holle, die am Ende mit jeder Menge Gold überschüttet wird und es bald nicht fassen kann. Auch ich fühlte mich überschüttet von diesem Großen und absolut Unfassbaren, was die Profess bedeutet. Was für ein Glück, dass ich meinen Platz und meine Gemeinschaft gefunden habe. Was für ein Glück, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, was für ein Glück, was ich alles erlebe und erfahre!

Die Profess ist dazu die Bekräftigung und die Bindung. Ich binde mich an Gott und er sich an mich und das für immer. Großartig! Und so kommt mir in diesen Tagen immer wieder der Satz einer Freundin in den Sinn, die vor einiger Zeit zu mir sagte: "Es ist soo schön, einen Ring zu bekommen." Ich glaube, da steckt genau das große Glück dahinter. Egal, woraus der Ring besteht, er ist das Zeichen des Bundes und darauf freue ich mich aus ganzem Herzen!

Sr. Kerstin-Marie

1 Kommentare

Ein Stück Himmel

Am vergangenen Dienstag haben wir uns mit dem Noviziat auf den Weg nach Köln gemacht. Um den 27. Geburtstag unserer noch relativ frisch gebackenen Sr. M. Alberta würdig zu feiern, hatten wir eine Pilgertour zum Grab des Hl. Albertus Magnus inkl. einem kleinen aber feinen Rahmenprogramm geplant. Dass aus diesem "kleinen Rahmenprogramm" schließlich ein Erlebnis wurde, von dem wir wahrscheinlich noch in 50 Jahren mit leuchtenden Augen erzählen werden, können wir irgendwie immer noch nicht fassen.

Am Vormittag hatten wir einen Termin in der Kölner Dombauhütte vereinbart. Mehr als eine Stunde nahm sich Steintechniker Michael Jürkel zunächst Zeit, um uns durch die Dombauhütte zu führen und die Arbeit der Steinmetze, Bildhauer und Schreiner zu erklären, die sich übrigens in den letzten 800 Jahren nur ganz unwesentlich verändert hat. Das, was uns bei dieser Führung am meisten beeindruckte, war die ansteckende Leidenschaft und Begeisterung derer, die dort aus dem groben Stein geradezu unglaublich filigrane Kunstwerke herausbildeten. Ob es der Lehrling war, der gerade erst 14 Tage zuvor seine Ausbildung begonnen hatte, und noch hingebungsvoll übte, die raue Stein-Oberfläche glatt zu bekommen, oder der Steinmetz, der schon fast 40 Jahre Tag für Tag in der Dombauhütte arbeitet - überall entdeckten wir ein Strahlen in den Gesichtern, welches uns zeigte, dass die Menschen dort nicht einfach nur ihren Job verrichten. Unwillkürlich hatte ich plötzlich das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein - und zwar in einer Welt, die uns Menschen in vielerlei Hinsicht viel mehr gerecht wird. Stress, Zeitnot, Hektik - von all dem, was uns oft so leiden macht, war in der Dombauhütte rein gar nichts zu spüren. "Zeit spielt für uns keine Rolle" - antwortete dann Herr Jürkel auch auf meine Frage, wie es den Steinmetzen denn gelingt, möglichst fehlerfrei zu arbeiten. "Ob ein Steinmetz sechs Monate oder ein Jahr an einem Werk arbeitet, ist nicht wesentlich, Hauptsache es kommt am Ende etwas Schönes dabei heraus".

Als wir uns nach der Führung verabschiedet hatten -  innerlich tief bewegt von dem, was wir gehört und gesehen hatten - kam Herr Jürkel plötzlich wieder auf uns zu und fragte uns, ob wir denn am Nachmittag noch in der Stadt seien. Ihm sei ein Termin ausgefallen, und falls wir Freude daran hätten, könnte er uns noch im Aufzug mitnehmen auf 45 m Höhe und uns einen Teil des Dachstuhls zeigen. Natürlich zögerten wir keine halbe Sekunde, dieses wunderbare Angebot anzunehmen!

Nach einem sehr schönen Mittagsgebet am Grab des Hl. Albert, einem kleinen Imbiss an der weltbesten Pommesbude und einem erfrischenden Gläschen Kölsch im Früh, machten wir uns also nochmals auf den Weg zum Dom, um die Auffahrt in die Höhe zu wagen. Interessanterweise hatten wir alle das Gefühl, dass uns bei der Führung am Morgen ganz neu die Augen geöffnet worden waren, denn überall entdeckten wir plötzlich an dem alten Gemäuer frisch restaurierte Abschnitte und mussten an die Menschen denken, die diese wahrscheinlich nur wenige Jahre zuvor noch auf ihrer Werkbank bearbeitet hatten. Auch wenn sich anfangs nicht alle auf der zugigen Plattform in 45 m Höhe gleichermaßen wohl fühlten, so wurde die Führung durch den Dachbereich inkl. vieler wertvoller Informationen zu den verschiedenen Phasen des Dombaus zu einem echten Highlight. Nicht nur, dass uns ganz ungewöhnliche Ausblicke auf Köln geschenkt wurden, sondern wir kamen einfach aus dem Staunen nicht mehr heraus, zu welch unglaublicher Kunst Menschen fähig sind. Wir entdeckten plötzlich so viele Details, die uns auch schmunzeln ließen (zum Beispiel ein Wasserspeier mit dem Gesicht eines ehemaligen Dombaumeisters), es gab so viele schöne "Augen-blicke" und auch Begegnungen mit den Arbeitern, dass es uns am Ende wirklich schwer fiel, wieder in den Aufzug zu steigen und diesen "Berg Tabor" zu verlassen.

Am Ende des Tages, an dem einfach alles gestimmt hat, und den Sr. M. Alberta als den schönsten Geburtstag ihres Lebens bezeichnete, hätten wir vor Freude die ganze Welt umarmen können. Und damit auch unsere treuen Blogleser ein Häppchen von dieser Freude abbekommen, gibt es unten noch einige Fotos zu sehen ;-)
Sr. M. Ursula

Noviziat in Köln


1 Kommentare

Dominikus

Grußwort von Sr. M. Scholastika zum Dominikusfest 2015

Dies ist vielleicht die Botschaft des Dominikus an unsere Zeit:

Die Gnade der Verkündigung besteht darin,

die Welt unserer Zeit wahrzunehmen wie sie ist,

selbst in ihren stummen Schreien,

sie zu lieben, wie sie sein sollte,

allem und uns selbst zum Trotz,

da sie doch von GOTT geliebt ist,

der will, dass alle Menschen "zur Erkenntnis der Wahrheit" gelangen,

wie es in der Liturgie heißt.

Guy Bedouelle OP

Liebe Schwestern,

Dominikus liebte die Welt. Er betete für sie und weinte um sie in der langen Stille der unzähligen Nächte. Er nahm die Welt, wie sie war und legte das Evangelium Jesu gleichsam wie eine heilende Salbe in die Wunden seiner Zeit. Was über Bartolomé de Las Casas geschrieben wurde, trifft auch für Dominikus zu: er "predigt die Liebe, die die Quelle des Lichtes ist, die dem Leben seinen wahren Sinn gibt und so Lust und Freude des Lebens." Die Liebe predigen, die Liebe leben und so die Welt in ihr auffangen wie in einem bergenden Netz. Dazu ist jede von uns berufen.

Unsere Welt hungert nach unseren Gesichtern, in denen etwas von GOTTES Güte zu lesen ist, von einem gelebten Vertrauen, dass unser GOTT ein GOTT des Lebens ist. Unsere Welt hungert nach Worten, die aufrichten und Orientierung geben, Worte, die nicht verurteilen, sondern Hoffnung schenken. GOTT ist DA für diese Welt: nach dieser schlichten und doch umwerfenden Wahrheit fragen die Menschen auch heute. Und sie zählen auf uns, dass wir den Himmel für sie offen halten.

Unsere Welt - manchmal ist sie klein und hat die Größe eines Konventes; sie bewegt sich in den Räumen unserer Klausur. Und dann gibt es diese andere Welt in unserem Dorf, in unserer Stadt, in der Ferne, von der wir mehr hören als wir sie erleben. Auch sie braucht uns. Dringend. Sie braucht unsere Zuwendung, unsere Solidarität, die sich ausdrückt in einem einfachen, anspruchslosen Lebensstil. Sie braucht unser Gebet, auch dann, wenn wir müde sind, Schmerzen haben, und uns die täglichen Alltagswege Mühe bereiten. Sie braucht unser lebendiges Zeugnis, dass das Leben mit Christus sich durch und durch lohnt.

Lassen wir uns durch diesen Festtag neu beauftragen, wie Dominikus der Liebe GOTTES konkrete Gestalt zu geben!

Sehr herzlich

Ihre Sr. M. Scholastika



0 Kommentare

Frohlein zu Besuch

Es ist zwar schon mehr als 14 Tage her, aber weil's sooo schön und vor allem so lustig war, muss ich hier noch von einem sehr netten Besuch erzählen: Vor einiger Zeit bekamen wir per Mail eine Anfrage von Bianca Schäb, die in der Werbebranche arbeitet und sich für diesen Sommer ein ganz besonderes Projekt vorgenommen hat - mit ihrem 12 PS starken Goggomobil reist sie - auf diese Weise sehr konkret entschleunigt - quer durch Deutschland, um mit unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch über Fragen wie "Was kann ich tun, damit mein Leben nicht einfach nur vorbeirauscht, sondern mir wieder länger vorkommt?"
Wir haben uns natürlich sehr darüber gefreut, dass sie auch bei uns im Kloster Station gemacht hat, obwohl wir - entgegen ihrer anfänglichen Erwartungen - nicht den ganzen Tag nur schweigen. Die Begegnung mit dem etwas verrückten, aber seeehr sympathischen Frohlein-Wunder und ihrem entzückenden Autochen war auch für uns im Kloster inspirierend und besonders unsere Königin Sr. M. Beatrix war aus dem fahrbaren Untersatz kaum noch herauszukriegen (was nicht nur daran lag, dass ihr Rosenkranz sich in der Handbremse verfangen hatte :-))) Wer Biancas Reise gerne weiterverfolgen oder sogar unterstützen möchte, kann dies hier tun - wir jedenfalls wünschen ihr noch eine gesegnete Zeit, viele nette Begegnungen und wertvolle Erkenntnisse!
Sr. M. Ursula

1 Kommentare

Ein Genuss

Ich lese gerne. Schon immer und fast alles, was mir in die Hände fällt. Und manchmal ist es auch so, dass mich ein Buch so sehr fesslt, dass ich es nur schwer zur Seite legen kann. Deswegen gibt es im Urlaub fast nichts schöneres, als den ganzen Tag an der frischen Luft zu sitzen und ein Buch nach dem anderen zu lesen. Oder ein Buch anzufangen und erst damit aufzuhören wenn die letzte Seite gelesen ist, auch wenn das erst nachts um drei der Fall ist.

Leider dauert es in diesem Jahr aber noch ein bisschen, bis ich in den Urlaub fahre, weswegen ich mich lesetechnisch ein bisschen disziplinieren muss. Allerdings fiel mir in den vergangenen Tagen wieder so ein Buch in die Hände, das ich nur schwer zur Seite legen konnte. Nämlich das zweite von oben hier auf dem Bücherstapel. Letzte Woche hatte ich durch Zufall die Verfilmung des Buches gesehen und durch einen weiteren Zufall das Buch dann ausgeliehen bekommen. Mich berührte es, warum auch immer, so sehr, dass ich nur schlecht das Lesen unterbrechen konnte.

Umso besser, dass gestern Sonntag war. So warf ich einfach alle meine Pläne - Briefe und Emails schreiben, sporteln,... - über den Haufen und legte mich nach dem Mittagessen ins Bett, um das Buch zu Ende zu lesen. Einfach herrlich! Als ich am Nachmittag damit fertig war, fand ich, dass ich den Sonntag wirklich geheiligt hatte, indem ich das getan hatte, was mein Herz erfreute - lesen.

In diesem Sinne hoffe ich auf weitere wundervolle Bücher und lange Sonntage bzw. dann im September auf meinen Urlaub in Vechta.

Sr. Kerstin-Marie

2 Kommentare

Ein Segen sollst du sein!

Unter dem Mott "Ein Segen sollst du sein!" findet derzeit die jährliche Apollinariswallfahrt in Remagen statt. Noch bis zum 2. August wird die Kopfreliquie des hl. Apollinaris in der Kirche zu sehen sein und nach jedem Gottesdienst besteht die Gelegenheit, den Einzelsegen mit der Reliquie zu empfangen. Da der Heilige als Schutzpatron bei Kopfkrankheiten gilt und die Gemeinschaft der gekreuzigten und auferstandenen Liebe, die in Remagen lebt und die Wallfahrt organisiert, gerne ergänzt, dass es um alles geht, was im Kopf ist, also auch um die Gedanken, war letzte Woche eine gute Gelegenheit, nach Remagen aufzubrechen, um den hl. Apollinaris zu besuchen. Denn wir selber hatten Besuch von drei Schülerinnen aus Mainz, die jetzt in der Oberstufe sind. Und da braucht man bekanntlich einen gut funktionierenden Kopf.

So machten wir uns letzte Woche zu fünft auf den Weg nach Remagen, um mit vielen anderen Pilgern die Pilgerandacht mitzufeiern und anschließend den Segen zu empfangen. Und auch, wenn die Andacht vielleicht nicht unbedingt jedermanns Geschmack war, so waren doch alle berührt von der Segnung mit der großen Kopfreliquie. Dazu bekam jede noch eine Karte, wie wir Segen sein können, um so das Motto der Wallfahrt umzusetzen. Dabei hatte jede einen anderen Vorschlag auf der Karte stehen. Z.B. "Ein Segen sollst du sein, indem du deine Zeit besser nutzt." Oder "Ein Segen sollst du sein, indem du deine Begierden loslässt."

Anschließend waren alle im schönen Garten hoch über dem Rhein zu Kaffee und Kuchen eingeladen, wo wir noch mit einigen Leuten ins Gespräch kamen und von vielen Helfern bestens versorgt wurden. So war es ein gelungener Nachmittag mit der besonderen Erfahrung des Einzelsegens mit der Kopfreliquie.

Wer also noch Zeit hat bis Sonntag, sollte unbedingt noch den Weg nach Remagen auf sich nehmen. Ich finde, es lohnt sich.

Sr. Kerstin-Marie





1 Kommentare

So ein schöner Abend

Am Freitag feierten Sr. M. Christina und ich Namenstag. Deswegen luden wir abends die Schwestern aus dem Schutzengelhaus zu einer Runde Stockbrot ein. Und damit das ganze auch attraktiv wurde, gab es dazu alles, was das (Pfadfinder)Herz begehrt: Würstchen, Nutella, Marmelade, Käse,... So kam, trotz anfänglicher Skepsis, jede voll auf ihre Kosten und wir verbrachten einen wunderschönen Abend.

Sr. Kerstin-Marie

 

1 Kommentare

Zukunftsmusik

Am letzten Wochenende war ich bei den Frauen:Perspektiven des Bistums Trier dabei. Es war eines von drei thematischen Foren anlässlich der Synode in Trier. Wie der Name schon verrät, ging es bei diesem Forum rund um das Thema Frauen in Kirche und Gesellschaft, was ja gar nicht immer so einfach ist. Weil das so ist, waren verschiedene Expertinnen und Experten eingeladen, die in Perspektivgesprächen einen Aspekt etwas genauer beleuchteten und zum Austausch einluden. Besonders interessant fand ich dabei die Perspektive 11 "Frauen und Weihe". Denn ich erinnere mich noch an den ersten Dies Academicus an der Ruhr-Uni, den ich während meines Studiums erlebte, und bei dem es um das gleiche Thema ging - vor 16 Jahren. Damals konnten Frauen nicht geweiht werden und heute geht das immer noch nicht.

Also Stillstand in der Kirche? Meine Erkenntnis vom letzten Wochenende ist, dass die Kirche eben nicht still steht, auch nicht, wenn es um das Thema Frauen und Weihe geht. Denn immerhin scheint es heute nicht völlig abstrus zu sein, über die Weihe von Frauen zu Diakoninnen nachzudenken, auch wenn das zur Zeit Zukunftsmusik ist. Viel wesentlicher erschien mir aber die Tatsache, dass es bei den Diskussionen auch darum ging, nachzufragen, was eigentlich noch hinter dem Weiheamt steckt. Denn mit dem Amt ist in der Kirche immer auch Macht verbunden und oft scheint es auch darum zu gehen, wer letztendlich das Sagen hat. Und hier scheint ja ein Spielraum zu sein, denn zuerst kann man sich mal fragen, was es in der Kirche eigentlich bedeutet, ein Amt zu bekleiden und wie Macht ausgeübt wird. Und im zweiten Schritt gibt es ja immer wieder auch Möglichkeiten, Stellen und Positionen nicht per se mit einem Priester zu besetzen, wo es nicht zwingend notwendig ist. Das heißt am Ende dann nicht unbedingt, dass auch Frauen zur Weihe zugelassen werden, aber ich bin davon überzeugt, dass es zu einer Veränderung im Umgang mit Macht kommt.

So bewegt sich also etwas in der Kirche, wenn vielleicht auch nur langsam, aber beständig. Und ich bin gespannt, wohin diese Veränderungen führen werden.

Sr. Kerstin-Marie




3 Kommentare

Die Dynamik des Vorläufigen

Letzte Woche hatten wir die große Freude, mit sechs Schwestern unterschiedlicher Gemeinschaften für eine Woche nach Taizé zu fahren. Dort nahmen wir an einer speziellen Woche für junge Ordensleute aus der ganzen Welt teil, in der es um "Die Berufung zum monastischen oder Ordensleben heute" ging. Dabei hielten uns 350 Ordensleuten aus 30 Nationen und 60 Gemeinschaften aller Konfessionen verschiedene Ordensleute Vorträge und legten Zeugnisse ab. Vom katholischen Ordensmann über die protestantische Ordensfrau zum koptischen Bischof beschenkten uns 24 Referenten aus der ganzen Welt mit wunderbaren Worten. Sr. Katharina aus Köln, die mit uns unterwegs war, sagte gegen Ende der Woche: "All das Gute wird wie mit einer Spritze direkt in uns hineingegeben. Und nach und nach wird alles wieder an die Oberfläche kommen." Es waren wirklich wunderbare Vorträge, die niemanden im Plenum kalt ließen.

Die Inhalte konnten dann auch am Ende des Tages in einer Gesprächsgruppe geteilt werden, wo deutlich wurde, was für uns junge Ordensleute besonders wichtig war. Die Frage nach Gemeinschaft und Indvidualität, die Frage nach der Liebe des Nächsten, die Erkenntnis, dass wir Viele sind,... Und dieses ganze dichte Programm war eingebettet in das alltägliche Leben in Taizé. Mit drei Gebetszeiten am Tag, viel Stille während der Gebete, übernachten zu sechst in einer Baracke in einer großen Freiluftklausur, Essen aus "Big Kitchen" und natürlich auch der Freude an den vielen verschiedenen Begegnungen. Eine ganz besondere Begegnung war für uns Dominikaner - zwei polnische Brüder und insgesamt drei Schwestern aus Deutschland waren letzte Woche auf dem Hügel - war die mit unserem Ordensmeister Bruno Cadoré, der von Mittwoch bis Donnerstag in Taizé war. Am Mittwochabend hatten wir dann die Gelegenheit, ihn in kleiner Runde zu treffen und den Abend mit ihm in La Morada zu verbringen. Dabei gab er uns wunderbare Worte mit auf den Weg, so dass Br. Mattäusz am Ende meinte: "Das war der beste Vortrag der Woche." Auf jeden Fall war es ein Abend, an dessen Ende wir alle wie betrunken von dem Glück waren, zur dominikanischen Familie zu gehören.

Für mich war diese Woche eine wunderbare Vorbereitung auf die ewige Profess, auch neben den Worten von Bruno Cadoré an uns. Es waren einfach großartig gnadenreiche Tage und dazu noch eine Woche, die wir wohl so nie wieder erleben werden, weil es wohl so schnell kein solches Treffen mehr geben wird. Von daher waren wir alle überaus glücklich, diese spezielle Zeit in Taizé verbracht zu haben und nehmen jede Menge von dieser Dynamik mit in den Alltag.

Sr. Kerstin-Marie

Br. Tomasz, Sr. Amparo, Br. Bruno Cadoré, Sr. Alcione, Sr. Kerstin-Marie, Br. Mattäusz
Br. Tomasz, Sr. Amparo, Br. Bruno Cadoré, Sr. Alcione, Sr. Kerstin-Marie, Br. Mattäusz

Weitere Bilder gibt es hier.

 

2 Kommentare

Augen-weide

So schön kann Brachzeit sein - im vergangenen Jahr haben wir uns im Team von Kloster Arenberg dazu entschlossen, unserer Kräuterei im Sommer 2015 eine Auszeit zu gönnen, um uns einmal in Ruhe Gedanken über eine dringend notwendige Neukonzeptionierung unserer Außenanlagen zu machen. So kam uns die Idee, unserem guten alten Kräuteracker in diesem Jahr ein neues Gewand in Form einer Wildblumenwiese zu verpassen. Nachdem wir nun wochenlang gespannt waren, wie das Ganze denn aussehen wird, wenn es in voller Blüte steht, kommen wir seit Anfang der Woche aus dem Staunen über so viel Schönheit gar nicht mehr heraus.

Für mich ist das ein starkes Bild: ein Jahr ohne Kräuteranbau, das wäre für viele von uns in früheren Zeiten absolut undenkbar gewesen. Gleichzeitig haben wir aber gespürt, dass wir alle nicht frei werden, um neu zu denken, wenn wir weiterhin so viele Ressourcen binden, um am Alten festhalten zu können. Und nun stellen wir fest, dass es einfach gut und richtig ist, auch Liebgewonnenes einfach einmal loszulassen, um es entweder neu geschenkt zu bekommen, oder auch offen zu werden für das ganz Andere.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was hier auf dem Arenberg künftig noch wachsen und gedeihen darf und freue mich aufs weitere "Pläne-schmieden" :-)

Sr. M. Ursula

5 Kommentare

Seht, ich mache Neues.

Am Sonntag war ich mit dem Rad auf der Nordbahntrasse in Wuppertal unterwegs. Ca. 22 km lang lässt es sich auf Asphalt über die Dächer und unter den Häusern Wuppertals hindurch auf einem alten Schienenweg radeln. Dabei bekommt man einen ganz neuen Blick auf die Stadt, die ja einen eher speziellen Charme hat und unter ihrer hohen Verschuldung leidet. Umso beeindruckender finde ich, dass es gelungen ist, den Radweg anzulegen und ihn über jede Menge Brücken und Tunnel zu führen und dass dabei wirklich einiges verändert wurde. Das Gelände rund um den Wichlinghauser Bahnhof, das zu Schulzeiten eher schäbig war, ist jetzt eine tolle Freizeitanlage, an der sich am Sonntag jede Menge Leute tummelten. So viele Leute waren auf der ganzen Strecke unterwegs, dass ich den Eindruck hatte, dass der neue Weg ein echter Gewinn für die Stadt ist. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass sich auf der Nordbahntrasse Leute begegnen, die sonst nicht so viele Berührungspunkte haben. Also scheint dieser Radweg irgendwie ein verbindendes Element zu sein, das entstanden ist aus dem Untergang der Industrie bzw. aus dem Wandel des Transportwesens. 

Für unser Generalkapitel im Herbst hoffe ich, dass es uns ebenso gelingt, Neues zu entdecken, das verbindend ist. Vielleicht gibt es auch bei uns etwas, das schon längst da ist, das bislang aber anders oder derzeit vielleicht gar nicht genutzt wird. Etwas, das mit ein bisschen Aufwand etwas ganz anderes werden kann, das ganz neue Perspektiven eröffnet und Menschen zusammen bringt. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Sr. Kerstin-Marie

2 Kommentare

Brüder

Familia dominicana olé - im Noviziat bekamen wir gestern Besuch von P. Philipp und den drei Novizen der Dominikanerprovinz Teutonia. Natürlich haben wir uns ganz schwestern-like ins Zeug gelegt und unsere lieben Mitbrüder mit frisch gebackenen Waffeln, Johannisbeer-Kompott aus dem eigenen Garten, Sahne und Sonntagsgeschirr empfangen :-) Nachdem wir uns mit diesen Köstlichkeiten gestärkt hatten, gab es bei einer kurzen Hausführung durch unser Gästehaus Kloster Arenberg im Anschluss direkt die Gelegenheit, überschüssige Kalorien (und davon gab es nicht wenige) im Fitnessraum abzutrainieren. Nach der gemeinsamen Sonntagsvesper musste dann definitiv wieder eine Stärkung her und die Schwestern im Mutterhaus freuten sich, dass der Noviziatstisch im Refektorium gleich doppelt besetzt war.
Für uns alle war es ein richtig netter, gelungener Nachmittag, der ganz sicher nicht der letzte seiner Art war.

Sr. M. Ursula

2 Kommentare

wie heute Dominikaner(in) sein?

Lange hatten wir uns darauf gefreut, und in der vergangenen Woche war es endlich soweit - mit insgesamt 9 jungen Schwestern fünf verschiedener Gemeinschaften aus Österreich, Deutschland und der Schweiz trafen wir uns zur vierten Studienwoche für junge Dominikanerinnen in Speyer. Als Referentin hatten wir Sr. Holkje van der Veer OP aus den Niederlanden eingeladen, die mit uns der Frage nachging, was es bedeutet, heute als Dominikanerin in dieser Welt unterwegs zu sein. Für uns alle, die wir im Alltag in Gemeinschaften leben, in denen die meisten Schwestern weit über 80 Jahre alt sind, war es sehr inspirierend, uns darüber auszutauschen, wie wir heute unser dominikanisches Ordensleben gestalten, wie wir persönlich unseren Auftrag leben und die frohe Botschaft des Evangeliums zu den Menschen tragen.Grundlage für unsere Gespräche war einerseits das Schreiben von Papst Franziskus zum Jahr der Orden und andererseits ein Brief, den unser Ordensmeister Bruno Cadoré in Vorbereitung der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 800jährigen Bestehen des Dominikanerordens geschrieben hat. Anlehnend an den Auftrag Jesu an Maria Magdalena - „Geh zu meinen Brüdern und berichte ihnen“ (Joh 20,17) - machten wir uns Gedanken über unsere Weise der Verkündigung, erzählten uns von unseren ganz persönlichen (Oster-)Erfahrungen, die uns dazu drängen, zu unseren Brüdern und Schwestern zu gehen und zu berichten. Beeindruckend war für uns vor allem auch der Nachmittag, an dem wir uns in Kleingruppen aufmachten, um Menschen an „Anders-Orten“ zu besuchen. Während Sr. Manuela aus Cazis und ich an der Tür der Caritas-Suchtberatung klingelten, besuchten andere ein alteingesessenes Bestattungsunternehmen, eine Schule und ein Krankenhaus. Auch wenn einige der Menschen, mit denen wir ins Gespräch gekommen waren, Tag für Tag mit furchtbaren Schicksalen konfrontiert sind, so spürten wir doch bei allen eine unverbrüchliche Hoffnung und eine Liebe zum Leben, die uns tief berührt hat.

So machten wir uns gestern innerlich und äußerlich gut genährt auf den Heimweg in unsere Konvente und freuen uns nun wieder auf das wunderbare, pralle, dominikanische Ordensleben mit all seinen Facetten ;-)

Sr. M. Ursula

 

0 Kommentare

Schwestern

Seit ein paar Wochen haben wir hier in Oberhausen WLan in der Klausur. Es ist alles noch ein bisschen provisorisch, deswegen ist das Gerät noch nicht ordentlich montiert und steht auf einem Wasserkasten auf dem Treppenabsatz, aber es tut schon seinen Dienst. Und weil es noch so neu ist, entdeckte ich vor ein paar Tagen erst die Möglichkeit, die vor sich hinblinkenden LEDs auszuschalten. Der Router versieht seinen Dienst weiter, es leuchtet aber nur noch ein Lämpchen. Das fand ich besser und schaltete die LEDs aus. 

Heute morgen dann sprachen mich mehrere Schwestern darauf an: "Schwester, ist das Gerät kaputt? Die Lampen sind ja aus." Und eine andere Mitschwester meinte: "Ich hab ja gesehen, dass die Lampen aus sind, aber ich bin nicht dran gegangen." 

Die wenigsten unserer Schwestern nutzen das WLan ja, eigentlich hat ja fast keine einen Computer oder eine Idee davon, wozu das Gerät da ist. Umso mehr freut es mich, dass sie sich trotzdem dafür interessieren und zumindest darauf achten, wenn sich etwas verändert. Das mag ich sehr bei uns, dass es eigentlich immer eine große Offenheit für Veränderungen und Neuigkeiten gibt, auch, wenn nicht jede sie nutzen muss oder will oder braucht. Aber immer wird es denjenigen gegönnt, die es brauchen. Und das macht es so schön bei uns.

Sr. Kerstin-Marie

2 Kommentare

Begegnungen

by Carla Diego
by Carla Diego

Ich mag Italien. Und ich lerne gerne Sprachen, das soll gut sein fürs Gehirn und schön ist es ja auch noch, wenn man sich mit unterschiedlichen Menschen unterhalten kann. 
Vor anderthalb Jahren habe ich durch Sr. M. Johanna eine App entdeckt, mit der man kostenlos Sprachen lernen kann. Und weil ich Italien mag und ja nun auch ein paar Mal mit Schweizer Jugendlichen eben dort war, habe ich begonnen, Italienisch zu lernen. Ich mag den Klang, ich finds nicht so schwer und praktisch war es bislang auch. Weil aber Spanisch wegen meiner Arbeit für "kontinente" noch praktischer ist, lerne ich nun einfach beide Sprachen. Das führt in mir selber manchmal zu Konfusionen, aber ich denke, es hält sich noch in Grenzen. Deswegen lerne ich z.B. auf dem Weg nach Essen in der S-Bahn Spanisch und nicht Italienisch. 

Heute morgen saß also ein junger Mann neben mir in der Bahn, während ich mit meinem Handy Spanisch lernte. Er hatte auch ein Mobilteil dabei, aber was er machte, wusste ich nicht. Kurz vor Ende der Fahrt sprach er mich an: "Ach, Sie lernen Spanisch?" "Äh, ja." "Ja, ich habe da auch so eine App, um Sprachen zu lernen. Die ist total praktisch. Schauen Sie mal." Ich: "Ach, ist ja interessant. Wie heißt sie denn?" Es ist ja nie verkehrt, etwas neues kennenzulernen. Der junge Mann nannte mir den Namen und ich musste aussteigen, nicht ohne, dass ich meine App empfahl.

Auf dem Weg zum Büro schaute ich gleich ganz interessiert nach der genannten App, von der ich mich schon beim kurzen Anschauen gewundert hatte, dass da offensichtlich ganze Lektionen zum Thema Bibel vorhanden waren. Nun ja, im App-Store stellte sich dann heraus, dass dieses Sprachlernprogramm extra von den Zeugen Jehovas programmiert worden ist, damit die Mitglieder besser missionieren können. 
Das dämpfte meine Freude auf eine neue Sprachapp ein bisschen und ich frage mich, ob der junge Mann wohl selber ein Zeuge Jehovas war. Wenn ja, warum empfiehlt er mir seine App? Wenn nein, warum kennt er diese App? Aber egal, ich verbuche das unter einer an sich netten und skurrilen Begegnung, die man so in der S-Bahn erlebt.

Dass es dann aber doch praktisch ist, eine Sprache zu lernen und auch Italienisch zu erlernen, erlebte ich, als ich auf dem Rückweg nach Oberhausen von einem Mann gefragt wurde, ob ich Italienisch spreche. Ich konnte immerhin zaghaft antworten: "Un poco." Und das bisschen reichte aus, um ihm dabei zu helfen, zu seinem Ziel zu kommen. Alles habe ich zwar nicht verstanden, aber so viel, dass ich meine, dass es sich wirklich lohnt, Italienisch zu lernen.

In diesem Sinne: "Buonasera" und "Buenas noches!"

Sr. Kerstin-Marie

2 Kommentare

Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder

„Carcassonne Miples“ von Júlio Reis (User:Tintazul) - Original File. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Carcassonne_Miples.jpg#/media/File:Carcassonne_Miples.jpg
„Carcassonne Miples“ von Júlio Reis

Gestern war ein Nachmittag ganz nach meinem Geschmack: Ich war mit den Studierenden des Bewerberkreises im Bistum Essen zusammen und wir haben ausführlichst Carcassonne mit allen möglichen Erweiterungen gespielt, uns in fremde Städte geschlichen, um Wiesen gekämpft und als Wegelagerer auf fette Beute spekuliert. Nebenbei kam noch die Frage auf, ob derjenige mit den meisten Klöstern vielleicht mal über seinen weiteren Lebensweg nachdenken sollte...
Also ein echt lustiger und entspannter Nachmittag, den es eigentlich öfter geben sollte. 

Lustigerweise ist Carcassonne auch so ein Spiel, das immer wieder auftaucht in meinem Leben. Als es noch relativ neu war, haben wir es mittwochs immer in der Uni in der Cafete gespielt und damit andere Menschen von ihren Vorlesungen abgehalten. Im Pastoralkurs in Trier lagen die Kärtchen auch das ein oder andere Mal auf dem Tisch und später dann auch mal im Noviziat. Eine Zeit lang haben wir es auch hier in Oberhausen am Sonntagabend mit einigen Schwestern gespielt. Und jetzt also wieder gestern Nachmittag. 

Weil es so ein nettes und entspanntes Spiel ist, erinnere ich mich, sobald ich die Spielfiguren sehe, gleich an viele schöne Stunden der letzten 15 Jahre. Wie schön! So kann ich mich noch am gestrigen Nachmittag erfreuen, an dem es echt lässig und entspannt war und denke gleichzeitig an die lustigen Stunden, die ich mit unterschiedlichen Freunden und Mitschwestern mit Carcassonne verbracht habe. Also macht das Spiel nicht nur im Moment Spaß, sondern ist auch ein funktionierender Erinnerungsanker.

Sr. Kerstin-Marie

0 Kommentare

Schleierbonus...

Zusammen mit unseren Novizinnen und Postulantin Melanie nehme ich gerade an einer Noviziatswerkwoche im Horrem teil - seit Montag beschäftigen wir uns intensiv mit dem nicht ganz leicht verdaulichen Thema "Schuld und Vergebung - Chancen zum befreiten Dasein in Christus".

Bei allem Anspruchsvollem, womit wir in dieser Woche konfrontiert werden, gibt es aber auch immer wieder etwas zu lachen. So zum Beispiel gestern Abend, als wir uns mit einer Gruppe von Noviziatsleiterinnen und unserem großartigen Referenten Dr. Georg Beirer nach einem langen und anstrengenden Kurstag und mit daher hoch aktiviertem Belohnungssystem noch eine kleine Erfrischung gönnen wollten. Die Enttäuschung war recht groß, als wir feststellen mussten, dass die einzige Eisdiele in der Nähe genau fünf Minuten zuvor geschlossen hatte, doch so schnell wollten wir nicht aufgeben. Wir zogen weiter in Richtung Bahnhof, als meine recht gut trainierte Nase plötzlich den wohlvertrauten Geruch eines bekannten Fastfoodrestaurants witterte. Und tatsächlich - wenige Meter später blinkte uns das "Goldene M" entgegen und unversehens legten unsere müden Beine nochmals einen Zahn zu. Wir müssen wohl unglaublich bedröppelt dreingeschaut haben, als wir an der verschlossenen Tür zogen und feststellen mussten, dass wir auch hier genau 5 Minuten zu spät dran waren, denn plötzlich sperrte der Besitzer die Tür von innen auf mit den Worten "Ich will mich ja nicht mit Ihrem Chef anlegen" und spendierte (!) uns dann auch noch eine Runde Eis. Klar war das eine Situation, die ohne Ordenskleid garantiert anders ausgegangen wäre, aber der gute Mann machte uns mit dieser liebenswerten Geste gestern Abend so viel Freude, dass wir heute noch alle mit einem breiten Grinsen durch die Gegend gelaufen sind, wenn wir an diese Geschichte gedacht haben.

So senden wir nun eisige Grüße aus dem schönen Horrem, bevor wir morgen wieder auf den Arenberg zurückkehren

Sr. M. Ursula

4 Kommentare

Sommer!

Ich liebe den Sommer! Ganz besonders den Frühsommer, wenn es noch keine tropischen Nächte gibt, wenn die Wolken noch wild über den Himmel ziehen und das Grün der Blätter noch nicht ganz satt und dunkel ist. Wenn die Brombeeren noch Blüten sind und der Holunder blüht. 

Ich finde, dann ist alles so verheißungsvoll und voller Leben. Alles ist dann noch möglich für diesen Sommer, denn Sommer ist ja immer irgendwie eine besondere Zeit. Wer erinnert sich nicht an tolle Sommer, in denen etwas spezielles passiert ist? Ein grandioser Urlaub, eine wunderbare Liebe, eine Weltmeisterschaft. Denn der Sommer verspricht mit seinen langen Abenden und kurzen Nächten ja auch immer etwas Außeralltägliches. Was im Sommer geht, ist im Herbst und Winter nicht mehr vorstellbar - wer will dann noch spät abends im Englischen Garten sitzen?

So wie im Frühsommer noch alles möglich ist, so denke ich oft, dass ja auch in meinem Leben noch alles  - auf jeden Fall ziemlich viel - möglich ist. Und wahrscheinlich ist bis zum Ende noch ziemlich viel möglich, weil unser Leben ja nicht abgeschlossen ist, wenn wir 50 oder 60 oder 70 sind oder wenn wir die ewige Profess abgelegt haben. Es bleibt ja bis zum Schluss die Frage, was der nächste Sommer wohl bringen mag und es kann immer phantastisch sein. 

Und deswegen freue ich mich an diesen Sommertagen und auf einen phantastischen Sommer. Und auf ein weiterhin großartiges und pralles Leben. Und würde am liebsten direkt aufs Fahrrad steigen, um neues Land und neue Leute zu entdecken.
In diesem Sinne wünsche ich allen einen phantastischen Sommer!

Sr. Kerstin-Marie

1 Kommentare

Wir sind umgezogen!

"Nichts ist so beständig wie der Wandel" sagen die jungen Schwestern immer wieder. Und so ist es Zeit, in unserem Blog auch einen Wandel vorzunehmen. Denn Sr. M. Ursula und Sr. Kerstin-Marie, die in erster Linie für den Blog verantwortlich sind, sind und fühlen sich nicht mehr so richtig als Ordensjugend. Schließlich hat Sr. Ursula schon ihre ewige Profess abgelegt und Sr. Kerstin-Marie könnte auch bald soweit sein. Da wollen wir nicht zum siebten Mal von unseren Exerzitien berichten oder davon, wie wir im Kloster Weihnachten feiern. Das haben wir aus unserer Sicht oft genug getan.

Die, die jetzt die Jugend sind, konnten bei sich nicht unbeding das Charisma des Bloggens entdecken - vielleicht reichen auch zwei bloggende Schwestern aus. Auf jeden Fall war das für uns der Anlass, den Blog neu zu gestalten. Mit einer neuen Adresse und einem neuen Auftritt. Und auch inhaltlich wollen wir in Zukunft einfach mehr von dem berichten, was gerade so los ist. Schwesterntagung oder Grillfest, Wüstentag oder Impuls zum Kirchenjahr. Das ist vielleicht gar nicht so anders als im op-jugend-Blog, aber einfach mit dem Gedanken, dass es uns noch mehr darum geht, diejenigen, die unseren Blog lesen, an unserem Alltag teilhaben zu lassen. 

So freuen wir uns auf diesen neuen Blog, auf viele interessierte Leserinnen und Leser, auf Rückmeldungen und auf neue Ideen für unseren Blog.

Sr. Kerstin-Marie

8 Kommentare