Es grünt so grün...

Wenn es etwas gibt, was während der letzten Tage in der Leipziger Innenstadt sehr dominant war und ins Auge gestochen ist, dann war es die Farbe GRÜN. Zusammen mit vielen Tausend Katholiken, Christen anderer Konfessionen, Andersgläubigen, Suchenden und Fragenden ohne Bekenntnis, Atheisten und Agnostikern waren auch wir Schwestern beim 100. Deutschen Katholikentag vertreten. Grün war die Farbe, mit der das diesjährige Motto "Seht, da ist der Mensch" unterlegt war, und nahezu alle Teilnehmer waren im Straßenbild an ihren grünen Bändern und Schals erkennbar. Für manch einen Leipziger mag dieses plötzliche Ergrünen wohl recht befremdlich gewesen sein, die allermeisten aber nahmen es mit großer Gelassenheit hin und viele begegneten den grünen Scharen mit freundlicher Zugewandtheit und aufrichtigem Interesse.

Während der Tage in Leipzig hatte ich einerseits das Gefühl, als würden dort zwei einander völlig fremde Welten aufeinander treffen -  auf der anderen Seite hat es mich fasziniert, im Gespräch mit einigen Menschen, die sich selbst als ungläubig bezeichneten, große innere Nähe zu spüren. Genau diese Gleichzeitigkeit hat mich in der vergangenen Woche am meisten bewegt. So viele unterschiedliche Facetten des Mensch-Seins durften wir während dieses Katholikentages erleben, und ich konnte mich gar nicht sattsehen an den vielen menschlichen Gesichtern, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Inmitten aller äußeren Verschiedenheit das tiefe Verbindende zu entdecken, war wohl die größte Herausforderung, die wichtigste "Seh-Schule", zu der uns das Motto des Katholikentages eingeladen hatte.

So bin ich gestern sehr dankbar und beschenkt nach Hause zurückgekommen - dankbar für die wertvollen Begegnungen und Gespräche während dieser Tage, dankbar aber vor allem auch dafür, dass ich hier im Kloster Arenberg an einem Ort leben und arbeiten darf, an dem wir der Faszination Menschsein zusammen mit unseren Gästen und Mitarbeitern Tag für Tag auf den Grund gehen und immer neu lernen dürfen, was es bedeutet, dass wir unterschiedslos alle etwas von Gottes Herrlichkeit in dieser Welt widerspiegeln.

Sr. M. Ursula

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Kommentare: 1
  • #1

    Johannes (Sonntag, 29 Mai 2016 20:18)

    Ja der Katholikentag in Leipzig war etwas ganz Besonderes: am 100. deutschen Kirchentag kamen gewaltbetroffene Menschen zu Wort und durften ein lesenswertes Buch (Damit der Boden wieder trägt) vorstellen. Meine Hoffnung: vielleicht werden diese "Außenseiter" in die Gemeinschaft der Kirchen aufgenommen.
    Schwester Ursula waren Sie vielleicht auch bei dieser Veranstaltung?
    Herzliche Grüße
    Johannes