Die Stewardess, der Papst und wir

„Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch

nicht das Ende.“ Diesen Zettelblock bekam ich vor einiger Zeit als kleine Aufmunterung geschenkt, und das Zitat von Oscar Wilde passt ganz hervorragend zu den Erfahrungen, die wir in der vergangenen Woche in Rom gemacht haben.

Papst Franziskus hatte anlässlich des „Jahres des geweihten Lebens“ junge Ordenschristen aus aller Welt eingeladen, um gemeinsam über unsere Berufung und unsere Sendung in die Welt von heute nachzudenken. Im Vorfeld hätte alles nicht chaotischer sein können – Anmeldechaos, Terminverschiebungen und Informationsknappheit trugen nicht unbedingt dazu bei, unsere Vorfreude auf dieses Großereignis zu mehren. Und so stiegen Sr. M. Alberta, Sr. M. Christina, Sr. M. Melanie und ich dann am vergangenen Dienstagnachmittag auch mit sehr gemischten Gefühlen in die Lufthansa-Maschine, wo wir von einer unglaublich netten, am Ordensleben interessierten und dazu noch lustigen Crew begrüßt

wurden (dazu später aber mehr).

Um es kurz zu machen: die Tage in Rom zählen tatsächlich zu den verrücktesten, die ich je erlebt habe, und teilweise kamen wir uns vor wie in einem Abenteuerspiel, bei dem es ständig neue Herausforderungen zu bestehen gibt. Immer wieder gab es Situationen, in denen wir spontan von Plan A zu Plan D switchen mussten, und Temperaturen um 38 Grad inkl. 85% Luftfeuchtigkeit machten die weiten Wege über römisches Kopfsteinpflaster zur perfekten Bußübung. Wir alle hatten im Laufe der Tage irgendwann einen fiesen Durchhänger, an dem unsere Nerven blank lagen und unsere innere Verfasstheit und körperliche Kondition auf dem Nullpunkt angekommen war, doch irgendwie haben wir es dann doch immer wieder geschafft, uns gegenseitig aufzurappeln und zu motivieren.

Aber natürlich gab es während dieser Woche auch jede Menge schöne Überraschungen! So hatten Sr. M. Melanie und ich am Tag der Papstaudienz das völlig unerwartete Glück, ganz vorne mit dabei zu sein und Papst Franziskus persönlich zu begrüßen und waren tief berührt, diesen wunderbaren Menschen aus nächster Nähe erleben zu dürfen. Tags darauf gab es auf dem Petersplatz ein riesiges „Hallo“, als wir dort in der Morgensonne unseren Trierer Weihbischof Jörg Peters trafen, der unserer Gemeinschaft schon lange verbunden ist... Oder wer hätte anfangs gedacht, dass am letzten Morgen sogar der ganze Petersdom für Touristen gesperrt sein würde, damit wir dort mit 5000 jungen Ordensleuten aus 150 Ländern ungestört unseren Abschlussgottesdienst feiern können?

In der vatikanischen Audienzhalle wurden wir täglich von Kardinal Aviz, Erzbischof Carballo und anderen Referenten mit hervorragenden Impulsen verwöhnt, die sicherlich noch lange in uns weiterwirken werden. Ich persönlich muss sagen, dass ich meine eigene Kirche und deren Vertreter noch nie so offen, so weit und so frei erlebt habe wie in diesen Tagen, was für mich ein ganz großes Hoffnungszeichen war.

Und so wurde unsere Romfahrt am Ende tatsächlich gut – und nicht nur gut, sondern zu einem unvergesslichen, ganzheitlichen Erlebnis, von dem wir wahrscheinlich noch in 50 Jahren erzählen werden.

Wer gerne einmal ein wenig in die Atmosphäre dieser Tage eintauchen möchte, kann hier unsere persönlichen Impressionen und hier die offiziellen Fotos anschauen, daneben gibt es weitere viele schöne weitere Fotos und Videos auf dieser Seite zu sehen...

Übrigens: Die Welt ist wirklich klein, und zwar richtig klein. Gestern bekam ich von Weihbischof Peters eine Mail, in der er uns Grüße von der Chefstewardess seiner Lufthansamaschine ausrichtete. Sie fragte ihn, als er an Bord kam, ob er denn auch "bei dem Treffen da" gewesen sei und erzählte ihm von einer Gruppe von vier weiß gekleideten Schwestern, drei mit weißem, eine mit schwarzen Schleier......

Sr. M. Ursula

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    ck (Donnerstag, 24 September 2015 11:50)

    Wie schön, dass Sie uns immer wieder an Ihrem Leben teilhaben lassen! Lese den Blog in einer ruhigen Minute einmal pro Woche. Und dann freue ich mich wieder auf den nächsten Aufenthalt bei Ihnen im Kloster Arenberg. Herzliche Grüße.

  • #2

    Doro (Donnerstag, 24 September 2015 16:09)

    Ursula, so schön geschrieben, ich hätte noch stundenlang weiterlesen können. Glg aus Hamburg Doro

  • #3

    Nordjenta (Donnerstag, 24 September 2015 17:45)

    Bei den Witterungsbedingungen - und dem Gedanken an die Kombination von Rolli und Kopfsteinpflaster (das ja schon für die Fußgänger streckenweise eine Herausforderung darstellt) - ziehe ich meinen Hut in tiefstem Respekt vor Ihnen: Denn Sie waren ja wirklich fleissig, was die Sehenswürdigkeiten angeht!

    Was mich an Rom besonders berührt hat, war das Gefühl in einem ruhigen Moment, daß hier seit zweitausend Jahren Menschen Christus bezeugt haben und nicht wenige mit ihrem Leben dafür bezahlt haben.
    So nahe dran, als könne man es berühren...

    Und natürlich der Petersdom, der mir in natura - und trotz aller objektiven Markierungen - gar nicht so riesig erschien wie im Fernsehen: Ich habe mich beim Gebet jedenfalls nicht "verloren in einer riesigen Kirche" gefühlt.
    Und dort (und an vielen anderen Orten) gestaunt darüber, zu welchen wunderschönen Kunstwerken der Glaube Menschen inspiriert hat...

    Nie habe ich mich selbstverständlicher/fragloser als Christ gefühlt wie dort - wieviel mehr muß das im Habit so sein!

    Vielen Dank, bis bald

  • #4

    Doris Garth, Krefeld (Donnerstag, 24 September 2015 20:38)

    Liebe Bloggerinnen und Rombesucherinnen,
    ab und zu lesen ich die Kolumne Ordensgemeinschaften. So freie, offene und realistische Schilderungen liest man selten aus dem Ordensleben. Vielen Danke für diese erfrischende Kommunikation. Hervorragend.
    HerzlicheGrüße vom Niederrhein
    Ihre D. Garth

  • #5

    Julia (Dienstag, 13 Oktober 2015 21:25)

    sehr schön haben Sie wieder aus Ihrem Leben berrichtet lese es sehr gerne.