Vier Wochen Ausnahmezustand

"Alles außer Alltag" - so könnte man die vergangenen vier Wochen hier auf dem Arenberg überschreiben. Kaum hatte sich nämlich am 13.01. die Tür hinter dem letzten Gast geschlossen, ging  es in unserem Gästehaus zu wie in einem Ameisenhügel. Vier Wochen Schließungszeit war angesagt, da es notwendig geworden war, unsere Küche grundlegend zu sanieren. Und da wir sowieso das Haus schließen mussten, wurden eben auch mal die gefühlten 1000 "Kleinigkeiten" erledigt, die wir eigentlich immer schon mal ändern und ausbessern wollten, weil sie im Alltag zu Störungen führen. Ja, und nach 13 Jahren durchgehender Öffnung für Gäste und ca. 400000 Übernachtungen war auch die ein oder andere Erneuerung in den Zimmern kein Luxus mehr.

Dass diese vier Wochen im Januar/Februar 2017 für alle Beteiligten sehr arbeitsintensiv werden würden, hatten wir vorher schon geahnt, aber dass dieser Umbau sooo viele wunderbare "Nebeneffekte" mit sich bringen würde, davon konnte vorher niemand auch nur träumen. Es war allein schon ziemlich lustig zu erleben, dass in dieser Zeit die allermeisten Mitarbeiter "fachfremd" eingesetzt waren und viele bislang unerkannte Talente zum Vorschein kamen. So zerlegten beispielsweise der Seelsorge-Chef zusammen mit dem Koch Klosterkeller und Spülzentrale in 1000 Teile, und die Leiterin des Vitalzentrums mit ihrem Team wurde gar nicht müde, alles auseinander zu bauen, was nicht bei drei auf dem Baum war. Allein in den ersten 48 Stunden schafften wir es mit der geballten Kraft unserer Mitarbeiter, das ganze Haus "baufertig" zu kriegen, so dass montags morgens die einrückenden Hundertschaften von Handwerkern direkt mit ihrer Arbeit loslegen konnten. Jeden Tag wurde in der Schließungszeit ein gemeinsames kostenloses Mittagessen für Mitarbeiter und Handwerker im Mariensaal angeboten, und zweimal in der Woche gab es dabei auch einen kleinen Kurzfilm zu sehen. Besonders dieses "Lunchkino" wurde gegen Ende immer mehr zu einem Magneten, so dass der Mariensaal dann an den Kinotagen um 12:30 Uhr aus allen Nähten platzte. Ein anderes Mal haben wir Schwestern im Refektorium für alle Arbeiter und Mitschwestern Waffeln gebacken, auch hier gab es viel Freude und schöne Begegnungen. Für mich persönlich war die gemeinsame Fortbildung der Teams Seelsorge und Vitalzentrum ein absolutes Highlight. Gemeinsam mit unserer Referentin Anneliese Hecht vom Katholischen Bibelwerk betrachteten wir drei Tage lang auf sehr ganzheitliche Weise biblische Heilungsgeschichten und machten uns intensiv Gedanken darüber, was "Heilende Liebe" für uns heute bedeutet und wie wir in unserem Haus künftig auch in dieser Hinsicht neue Akzente setzen könnten. Es war einfach unglaublich bereichernd, voneinander zu hören und intensiv miteinander zu teilen, wie wir im Alltag heilsam präsent sein können.

Bevor nun ab morgen Mittag wieder die ersten 70 Gäste anreisen, bildete am Freitag ein kleines Fest den krönenden Abschluss dieser für uns so besonderen Zeit. Und auch hier kamen Talente zum Vorschein, die den ganzen Saal zum Toben brachten, wie man auf den folgenden Videos erkennen kann: So werden wir uns künftig zweimal überlegen, ob wir wirklich einem Exil-Bayern den Auftrag geben, den Klosterkeller leer zu räumen (s. hier) und wenn unsere Bundeskanzlerin demnächst Unterstützung braucht, wenn es darum geht, etwas zu schaffen, soll sie einfach mal unsere Mitarbeiter anrufen (s. hier und hier). Und alle, die nun meinen, ich hätte gerade übertrieben, sollten sich mal dieses Video anschauen, um sich ein Bild zu machen von dem, was hier in vier Wochen alles gestemmt wurde ;-)

Morgen geht nun für uns der Alltag wieder los, doch bei aller Erleichterung und Dankbarkeit, dass alles so gut funktioniert hat, mischt sich doch auch hier und dort etwas Wehmut ein, dass diese intensive Zeit des gemeinsamen Anpackens nun erst einmal vorüber ist. Bleibt nur zu hoffen, dass wir gaanz viele dieser Mut machenden Erfahrungen in den Alltag hinüberretten können, so wie wir es ja unseren Gästen auch immer wünschen. Also: HERZLICH WILLKOMMEN im guten alten, rundum aufgehübschten Kloster Arenberg!!

Sr. M. Ursula

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Kommentare: 2
  • #1

    Gabriele Rasenberger (Montag, 13 Februar 2017 17:05)

    Ist es denn für die Schwestern trotz der Umbauarbeiten wenigstens etwas ruhiger?

    Und: Es lohnt sich wirklich, die angegebenen Videos anzusehen.

  • #2

    Verena (Montag, 20 Februar 2017 13:11)

    Ein herzliches DANKESCHÖN den Schwestern und allen Mitarbeitenden für die grosse Arbeit, damit sich die Gäste noch wohler fühlen können (ist das überhaupt noch möglich ;-) !!) Sehr gefreut habe ich mich über die Fotos/Filme. Es wäre schön, auch in Zukunft wieder vermehrt über das Leben in Arenberg zu lesen, den Alltag und die Feste der Schwestern "miterleben" zu können in Wort und Bild. Bekannte Gesichter zu entdecken tut gut, wenn man "in der Ferne" ist.
    Ihnen allen wünsche ich eine gute und gesegnete Zeit.
    Verena