Heiliger Benedikt - Patron Europas

Im letzten Jahr war ich mit dem Fahrrad unterwegs von Berlin über Hamburg und Bremen nach Vechta. Dabei fuhr ich einige Tage an der Elbe entlang und stieß immer wieder auf Hinweise darauf, dass diese Radtour in meiner Kindheit nicht so einfach möglich gewesen wäre. In Berlin-West starten, dann durchs Havelland radeln, zum Übernachten auf die andere Seite der Elbe und am Morgen wieder zurück, um dann irgendwann in Hamburg anzukommen, das ging vor 1990/91 nicht. Damals trennte der Eiserne Vorhang Ost- und Westeuropa, verhinderten Regime das Leben in freier Entscheidung und hinderten Menschen daran, dorthin zu gehen, wohin sie wollten. 

Glücklicherweise sind das für mich nur Kindheitserinnerungen, die relativ blass sind. Trotzdem bin ich froh und glücklich, dass es diese Trennung in Europa nicht mehr gibt und wir stattdessen in alle Himmelsrichtungen miteinander im Austausch sein können. Ich bin froh, dass Schwestern und Brüder in Osteuropa ihren Glauben wieder offen leben können und sich nicht vor Verfolgung fürchten müssen und dass die Menschen in Europa nach dem Prinzip der Freizügigkeit selber entscheiden können, wo sie leben möchten und nicht dort leben müssen, wo sie eben gerade geboren wurden oder aufgrund von Flucht und Vertreibung "angespült" wurden. 

Ich freue mich, dass wir trotz nationaler Unterschiede in der Europäischen Union zusammen sind und seit über 70 Jahren gemeinsam in Frieden leben. Dass in Europa, auch wenn es bürokratisch und schwierig ist, gemeinsame Entscheidungen getroffen werden, dass wir voneinander lernen können und voneinander profitieren, auch ganz profan, wenn es um Lebensstandard und Wohlstand geht. 

Umso mehr, so habe ich das Gefühl, sind wir in dieser Zeit auf die Patrone Europas - Benedikt von Nursia, Kyrill und Methodius,  Katharina von Siena, Birgitta von Schweden und Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein) - verwiesen. Nicht, damit Europa unbedingt ein christlicher Kontinent bleibt/ist/wird, sondern damit der Nationalismus in den verschiedenen Ländern nicht die Überhand gewinnt. Damit die Menschen erkennen, wie viel Wohlstand, Sicherheit und Frieden die EU dem Kontinent und dass es noch selten gut gegangen ist, wenn jeder begann, sein eigenes Süppchen zu kochen. Damit auch in Zukunft jeder die Wahl hat, wie und wo er leben möchte. Damit wir erkennen, wie sehr uns die Vielfalt bereichert und wie sehr jeder einzelne gefragt ist, wenn es um eine friedliche Zukunft geht.

Sr. Kerstin-Marie

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