Der Geist weht, wo er will - und kann

“Möge der Geist wehen können“, so begrüßte mich vorletzte Woche eine Schwester, als ich in Ilanz in die Exerzitien startete. Und irgendwie hat sie ja recht, der Heilige Geist braucht schon so etwas wie eine Landebahn. In Exerzitien bedeutet das, sich ganz bereit halten. Nichts anderes lesen, das Handy nicht benutzen, keine Emails checken, Umzüge planen oder Briefe schreiben. Stattdessen ausreichend schlafen, gutes Essen genießen, Herz und Ohren öffnen und sich Zeiten nehmen, um nur vor Gott zu sein. Oder, wie eine Freundin sagte: vor Gott kommen, versuchen, Kontakt aufzunehmen, mit den Gedanken abschweifen, sich wieder sammeln und von neuem versuchen, Kontakt aufzunehmen. 

Wer jedoch merkt, dass in dieser Art der Exerzitien gar nichts bei ihm oder ihr passiert, der tut gut daran, andere Formen auszuwählen. Denn, wie gesagt, der Heilige Geist braucht auch so etwas wie eine Landebahn.

Das gleiche gilt für das gesamte Leben, in besonderer Weise fürs Ordensleben und ganz besonders in der Formationszeit. Immer wieder ist man aufgefordert zu schauen, ob in dieser Lebensform der Heilige Geist bei mir landen kann. Wird das Leben in der Gemeinschaft, mit dem festen Tagesablauf, den Gebeten usw. immer mühsamer, gilt es zu schauen, ob das Felsen auf dem Weg sind, über die man einfach drüber muss, oder ob der Weg vielleicht nicht der richtige für einen ist. Denn der Geist will ja in jedem von uns wehen.

Unsere Sr. M. Alberta und Sr. M. Melanie haben für sich festgestellt, dass der Weg mit und bei uns sie nicht ins Leben führt. So sind sie zu ihren Familien zurückgekehrt und schauen neu, wie der Geist wehen kann. Wir danken ihnen für die Zeit, die sie mit uns gelebt haben und für alles, was sie eingebracht und mit uns geteilt haben.

Wir wünschen ihnen und allen, die auf der Suche nach ihrem Ort sind, den Segen Gottes. Denn eines ist gewiss: Der Geist weht, wo er kann - aber eben auch, wo er will.

Sr. Kerstin-Marie

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