mit unserem Gott überspringen wir Mauern...

"Man kann Profess auch ganz anders feiern - aber garantiert nicht schöner" - so drückte es Weihbischof Vorrath am Dienstag aus, und sprach uns allen damit aus dem Herzen. Sowohl die Einkleidung unserer Sr. M. Melanie am Vortag als auch der Festtag selbst war für uns alle ein Stück offener Himmel, so dass sich selbst die Hartgesottensten unter uns das ein oder andere Tranchen nicht verkneifen konnten. Besonders auch am Abend im Refektorium, als Sr. M. Christa, die an diesem Tag ihr 60jähriges Professjubiläum feierte, uns mit einem großartigen Vortrag zeigte, was es bedeutet, ein soooo lange Zeit treu in der Nachfolge Christi unterwegs zu sein. Diesen Beitrag möchten wir unseren Bloglesern nicht vorenthalten und wünschen viel Freude beim Lesen ;-)
Sr. M. Melanie, die ihr Noviziat begonnen hat, Sr. Kerstin-Marie, die nun auf ewig unsere Mitschwester ist und unseren Jubilarinnen, die uns Jungen durch ihr Lebens-Zeugnis so viel Hoffnung und Kraft schenken, wünschen wir Gottes reichen Segen auf ihrem weiteren Weg - möge die Freude des Festtags noch lange im Herzen nachwirken!
Sr. M. Ursula

 

 

Unser Festtag soll nicht enden,

ohne uns an die zu wenden,

die in allen Lebenslagen

uns lehrten, diesen Vers zu sagen:

Mit meinem GOTT überspringe ich Mauern.

 

Schau auf ihn und sei nicht bange,

und sei die Prüfung noch so lange,

vertraust du viel, so wird nicht klein

Seine Kraft in dir zu spüren sein. Ja:

Mit deinem GOTT überspringst du Mauern.

 

Dank sei Ihm, der an einem Tage,

stellt uns allen diese Frage:

Liebst du mich und folgst du mir?

Vertraue nur, ich bin bei dir!

Und so sagen wir voll Vertrauen:

Mit unserem GOTT, da überspringen wir Mauern.

 

Unsere Älteste, die Anneliese, eine Dame sehr fein:

Sie entschied sich: Dominikanerin ja, doch Arenberg nein.

Aber wie sie in Frankfurt spazieren geht,

findet sie ein großes Plakat, darauf steht:

„Dominikanerinnen Schlehdorf am Kochelsee“ – Toll!

das ist eine Filiale von Arenberg wohl.

Also tret ich in Arenberg ein,

und wünsch mir: nach Schlehdorf versetztet zu sein.

Gesagt, getan, aber was kam,

der Anneliese fast den Atem nahm:

„So ist das nicht, mein liebes Kind,

schau das sind zwei verschiedene Ding –

in Arenberg wirst du am Rhein,

in Schlehdorf am Kochelsee beheimatet sein.

Der Schreck war groß, doch abgemindert

durch die Frau, die diese Botschaft verkündet:

Mutter Maria Gratia im Nu bezwang

die Anneliese mit Charme und Elan.

Der Traum vom Wassersport war zwar vorbei,

doch der Herrgott hielt eine Lösung bereit:

Den Wassersport bekam sie am ersten Tag,

den sie im Waschhaus am Waschtrog mit schwarzen Strümpfen

verbracht,

und wollt ihr wissen den Erfolg von der Geschicht?

zu Tisch bekam man ein Postuläntchen mit acht verbundenen

Fingern zu Gesicht!

Und trotzdem sagt sie voll Vertrauen:

Mit meinem GOTT überspringe ich Mauern.

 

Wir waren eine große Schar aus Westen und Osten, aus

Süden und Norden,

stille Wasser, Vulkane, Träumer und Aktive, alle Sorten.

In Küche und Büro, bei den Kranken und Alten,

in der Schule, bei Hühnern, da war unser Walten.

Oberinnen brachten wir zwar keine hervor,

aber wir waren ein ganz toller harmonischer Chor.

Gab’s Stürme, Gewitter – jeglicher Art,

wir hielten zusammen, denn uns war klar:

Unserem Gott können wir trauen:

Mit unserem GOTT überspringen wir Mauern.

 

Wir durften bewegte Zeiten durchleben:

Sieben Generalas, sieben Päpste, das Konzil daneben,

vom Harmonium zu Orgel, vom latein zu deutsch,

vom Geschnörkel der Sprache zur Einfachheit,

vom Karton am Kopf zum gefälligen Schleier,

vom Chauffeur Herr Möller zur Schwester am Steuer,

von Deutschland zur Schweiz nach Bolivien,

von verarmten Deutschen zu viel Immobilien,

vom dezent Gekleideten zum Hippie,

vom gehorsamen Kind zum Antiautorität-Titti,

vom Grammophon zum CD-Player und nun gib acht:

vom Telefon zum Smartphone, das war ein Start,

vom kleinen Heintje zu Helene Fischer,

vom VW Käfer zum elektrischen Flitzer,

von dem „du musst“ zu dem „du darfst“,

und dieses macht uns frei und stark. –

Die Dinge gingen, die Dinge kamen,

wir lebten den Umbruch und wir nahmen,

gespannt halt wie ein Flitzebogen,

das, was wir nun als gut erwogen.

Das eine war sicher: GOTT, er war DA,

im Sturm und im Säuseln: ER war nah.

Und also bekannten wir voll Vertrauen:

Mit unserem Gott, da überspringen wir Mauern.

 

Und so war es in jener Zeit,

es scheint schon eine Ewigkeit:

Ein lautes Lachen im Refektor,

du lieber Gott, da stand was bevor!

Und fehlt uns dieses Lachen heut einmal,

dann ist da ein Loch, das ist doch klar.

Was man früher als „Krach“ bezeichnet,

wird heute als Hoffnungsmusik gedeutet.

Aber Gott bleibt der Gleiche, zu jeder Zeit,

das einst und das jetzt ist Seine Zeit.

Und ob heut, ob früher, ob jung oder alt,

die Freude ist Nahrung, Gott gibt sie halt,

er schenkt sie uns weiter, damit wir sie leben,

Er gab sie immer, denn Er ist das Leben.

 

Bis hierher hat uns Gott gebracht durch seine große Güte,

so singen wir und vertraun auch heut, dass er uns weiter

hüte.

Ob krumm oder gerade, mit Stock oder Rolls Royce,

im Bette liegend, gesund oder bleich,

immer sind wir Eigentum des Herrn,

zusammengerufen: Feuer zu sein – für die nah und die

fern,

oft sind wir nur Glut, die stille brennt

aber keine andere Sehnsucht kennt,

als mit unserem Leben Dank zu sagen

und Jesu Botschaft weiterzutragen.

Und so singen wir Alten noch mit Vertrauen:

Mit unserem Gott überspringen wir Mauern.

 

Zuerst und zuletzt sei Gott Dank gegeben,

er schenkt uns, dass noch in diesem Leben

wir voller Staunen und Vertrauen,

wir Neues anbricht dürfen schauen.

Ihm anvertrauen wir das neue, keimende Leben,

Er mögs in Seine Hände und in sein Herze nehmen.

Er war es, der uns in all diesen Jahren

auf Adlerflügeln hat getragen,

durch Hoffnung und Bangen, über Höhen und Tiefen,

er suchte uns auf Irrwegen, die wir liefen,

er stärkt uns, erquickt uns, er ist unsere Freude.

Er wird uns erwarten im Anbruch des HEUTE:

Und so sagen auch heut wir voll Dank und Vertrauen:

Mit unserm Gott, ja, da überspringen wir Mauern.

Sr. M. Christa Kitschen OP

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    Braut Christi ohne Kloster (Sonntag, 13 September 2015 19:38)

    Beiden Schwestern Gottes Segen auf ihrem weiteren Weg. ich werde sie in mein Gebet einschließen

  • #2

    Chr. Berretz (Montag, 14 September 2015 08:54)

    Ein sehr schöner Vortrag von Sr. Christa nach einem wunderbaren Tag im Kloster Arenberg.

  • #3

    Nordjenta (Montag, 14 September 2015 12:01)

    Meine herzlichen Glückwünsche Ihnen Beiden - und danke an alle für den langersehnten Artikel!
    Gibt´s noch mehr Fotos?
    Liebe Grüße

  • #4

    M. Mehl (Montag, 14 September 2015 21:23)

    Auch von mir die allerbesten Wünsche für Ihr weiteres Leben.
    Ich freue mich immer Ihre Berichte zu lesen und vielleicht kommt ja das eine oder andere Foto noch dazu...?

    Herzliche Grüße und eine gute Zeit.

  • #5

    Nordjenta (Dienstag, 15 September 2015 08:08)

    Nun, dann war ich mit meinem Dussel nicht allein: Wenn man auf die Links (unterstrichene "Einkleidung" und "Festtag") klickt, gibt es noch mehr Bilder zu sehen!
    Vielen Dank für´s Teilhaben dürfen!
    Daniela